Orthostatic hypotension
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Orthostatische Hypotonie bedeutet, dass der Blutdruck beim Aufstehen oder längerem Stehen plötzlich abfällt. Das kann zu Schwindel, Benommenheit oder sogar Ohnmacht führen. Normalerweise sorgt der Körper dafür, dass der Blutdruck stabil bleibt – bei dieser Störung klappt das nicht richtig.
Wichtige Fakten
- Der Blutdruck fällt innerhalb von drei Minuten nach dem Aufstehen um mindestens 20 mmHg systolisch oder 10 mmHg diastolisch ab.
- Sie tritt häufiger bei älteren Menschen auf, kann aber auch Jüngere betreffen.
- Mit einfachen Maßnahmen wie langsamem Aufstehen und ausreichend Trinken lassen sich viele Beschwerden lindern.
Orthostatische Hypotonie ist recht häufig, vor allem bei Menschen über 65 Jahren. Schätzungsweise 5–20 % der älteren Bevölkerung sind betroffen.
Sie tritt besonders bei älteren Menschen auf, aber auch bei jungen Menschen mit bestimmten Erkrankungen (z. B. Diabetes, Parkinson) oder nach langer Bettruhe. Auch manche Medikamente können sie auslösen.
Symptome
- Bewusstlosigkeit, die länger als eine Minute anhält
- Krampfanfälle während der Ohnmacht
- Brustschmerzen oder starke Atemnot
- Starke Kopfschmerzen, plötzliche Sprach- oder Lähmungserscheinungen (Schlaganfallzeichen)
- ⚠Wiederholte Ohnmachtsanfälle ohne erkennbare Ursache
- ⚠Stürze mit möglichen Verletzungen (z. B. Kopfverletzung)
- ⚠Anhaltende Symptome, die den Alltag stark beeinträchtigen
Häufige Symptome
- Schwindel oder Benommenheit beim Aufstehen
- Verschwommenes Sehen oder „Sternchen sehen“
- Schwächegefühl in den Beinen
- Übelkeit
- Herzklopfen oder schneller Puls
- Blässe
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern äußert sich orthostatische Hypotonie oft durch plötzliche Müdigkeit, Gähnen oder Konzentrationsschwierigkeiten im Stehen.
- Manche Kinder klagen über Bauchschmerzen oder Übelkeit, wenn sie längere Zeit stehen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Stürze nach dem Aufstehen sind ein häufiges Warnsignal.
- Ältere Menschen können auch verwirrt wirken oder Unsicherheit beim Gehen zeigen.
- Ohnmachtsanfälle (Synkopen) treten eher auf als bei Jüngeren.
Ursachen
Hauptursachen
- Störung der Blutdruckregulation durch das autonome Nervensystem
- Nebenwirkungen von Medikamenten (z. B. Blutdrucksenker, entwässernde Mittel, Antidepressiva)
- Flüssigkeitsmangel (Dehydratation) durch zu wenig Trinken, Erbrechen oder Durchfall
- Nervenschäden bei Erkrankungen wie Diabetes oder Parkinson
- Lange Bettruhe oder Immobilität
Risikofaktoren
- Alter über 65 Jahre
- Einnahme mehrerer blutdrucksenkender Medikamente
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen)
- Diabetes mellitus
- Parkinson-Krankheit
- Starkes Übergewicht oder Untergewicht
- Schwangerschaft
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie nach dem Aufstehen ohnmächtig werden oder das Gefühl haben, gleich ohnmächtig zu werden
- Wenn Sie sich während eines Schwindelanfalls verletzt haben (z. B. Sturz mit Kopfverletzung)
- Wenn die Symptome plötzlich und sehr stark auftreten
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Schwindel beim Aufstehen regelmäßig auftritt und den Alltag beeinträchtigt
- Wenn Sie bereits an Diabetes, Parkinson oder anderen chronischen Erkrankungen leiden und neue Symptome bemerken
- Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihre Medikamente die Ursache sein könnten – sprechen Sie mit Ihrem Arzt, ändern Sie die Medikation nie eigenmächtig.
Diagnose
Die Diagnose wird von einem Arzt (Hausarzt oder Kardiologe) gestellt. Er fragt nach Ihren Beschwerden, nimmt den Blutdruck liegend und nach dem Aufstehen mehrmals ab und führt eine körperliche Untersuchung durch.
Mögliche Untersuchungen
- Blutdruckmessung im Liegen und nach 1, 3 und 5 Minuten Stehen
- Kipptisch-Untersuchung (langes Stehen unter ärztlicher Aufsicht)
- Langzeit-Blutdruckmessung über 24 Stunden
- EKG (Herzstromkurve) und ggf. Belastungs-EKG
- Blutuntersuchungen (z. B. auf Anämie, Elektrolytstörungen, Nierenfunktion)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt wird Sie bitten, einige Minuten ruhig zu liegen, dann aufzustehen. Dabei wird der Blutdruck mehrfach gemessen. Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert etwa 30–60 Minuten. Möglicherweise werden weitere Tests vereinbart, um die Ursache zu klären.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Oft lassen sich die Beschwerden durch Änderungen der Lebensgewohnheiten und eine Anpassung der Medikamente deutlich bessern. In hartnäckigen Fällen kann der Arzt Medikamente verordnen, die den Blutdruck stabilisieren.
Selbsthilfe zu Hause
- Aufstehen immer langsam: erst hinsetzen, dann einige Minuten warten, dann erst aufstehen
- Ausreichend trinken – mindestens 1,5 bis 2 Liter pro Tag, bei Hitze oder Sport mehr
- Salz nicht zu stark einschränken (nach Rücksprache mit dem Arzt)
- Kompressionsstrümpfe tragen, um den Blutrückfluss aus den Beinen zu fördern
- Nach dem Essen kurz hinlegen, wenn die Beschwerden auftreten (postprandiale Hypotonie)
Medizinische Behandlungen
Wenn Lebensstiländerungen nicht ausreichen, kann der Arzt Medikamente verschreiben, die den Blutdruck erhöhen (z. B. Mineralokortikoide oder Sympathomimetika). Die Auswahl hängt von der Ursache und Ihren anderen Erkrankungen ab. Eine medikamentöse Behandlung wird immer individuell angepasst und überwacht.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt bei orthostatischer Hypotonie in der Regel nicht zum Einsatz. Nur wenn eine zugrunde liegende Erkrankung (z. B. ein hormonaktiver Tumor) operiert werden muss, kann dies indirekt helfen.
Leben mit der Erkrankung
Orthostatische Hypotonie erfordert eine bewusste Lebensweise. Planen Sie ausreichend Zeit für das Aufstehen ein, vermeiden Sie langes Stehen und achten Sie auf ausreichend Flüssigkeit. Es kann hilfreich sein, feste Tagesabläufe zu entwickeln.
Tipps für den Alltag
- Morgens langsam aufstehen – im Bett noch etwas die Beine bewegen
- Vermeiden Sie zu heiße Bäder oder Sauna, da sie die Blutgefäße erweitern
- Schlafen Sie mit leicht erhöhtem Oberkörper (Kopf des Bettes hochstellen)
- Tragen Sie bequeme, aber stützende Schuhe und ggf. Kompressionsstrümpfe
Ernährung und Bewegung
Achten Sie auf regelmäßige, leichte Bewegung wie Spazierengehen oder Radfahren – das trainiert die Blutdruckregulation. Vermeiden Sie große Mahlzeiten; essen Sie lieber mehrere kleine Portionen über den Tag. Eine ausreichende Salzzufuhr (nach Rücksprache mit dem Arzt) kann helfen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ständiger Schwindel und die Angst vor Ohnmacht können belastend sein und zu Rückzug, Angst oder depressiven Verstimmungen führen. Es ist wichtig, sich Hilfe zu holen – ein offenes Gespräch mit dem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle kann sehr unterstützend wirken.
Vorbeugung
Nicht immer ist orthostatische Hypotonie vermeidbar, aber das Risiko lässt sich senken: ausreichend trinken, langsame Positionswechsel, auf Alkohol und starke Hitze verzichten, regelmäßige Bewegung und Anpassung von Medikamenten in Absprache mit dem Arzt. Bei Bettlägerigkeit helfen frühzeitige Mobilisationsübungen.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein generelles Screening. Bei Risikopatienten (z. B. ältere Menschen mit Diabetes oder Herzerkrankungen) kann der Hausarzt gelegentlich den Blutdruck im Liegen und Stehen messen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Stürze mit Verletzungen (Knochenbrüche, Kopfverletzungen)
- Ohnmachtsanfälle (Synkopen) mit Risiko für Hirnverletzungen
- Eingeschränkte Lebensqualität durch Schwindel und Vermeidungsverhalten
- Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei länger bestehender Störung
Langzeitprognose
Mit den richtigen Maßnahmen ist orthostatische Hypotonie meist gut in den Griff zu bekommen. Viele Menschen können ihren Alltag ohne große Einschränkungen führen. Suchen Sie frühzeitig ärztlichen Rat – je früher die Ursache geklärt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026
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