Osteoarthritis of the knee
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Kniearthrose (Gonarthrose) ist ein Verschleiß des Knorpels im Kniegelenk. Der Knorpel ist das glatte, elastische Gewebe, das die Knochenenden schützt. Wenn er sich abnutzt, reiben Knochen aufeinander, was Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verursachen kann.
Wichtige Fakten
- Kniearthrose ist eine nicht ansteckende, schleichend verlaufende Gelenkerkrankung.
- Sie betrifft meist Menschen über 50 Jahre, kann aber auch jüngere betreffen.
- Bewegung und Gewichtsabnahme können die Beschwerden oft deutlich lindern.
Ja, Kniearthrose ist eine der häufigsten Gelenkerkrankungen weltweit. In Deutschland sind etwa 5 bis 10 von 100 Menschen betroffen, besonders ab dem 50. Lebensjahr.
Kniearthrose betrifft häufiger Frauen als Männer und nimmt mit dem Alter zu. Risikogruppen sind Menschen mit Übergewicht, früheren Knieverletzungen oder einer familiären Vorbelastung.
Symptome
- Plötzliche, starke Schmerzen im Knie, die eine Belastung unmöglich machen
- Das Knie ist deutlich gerötet, überwärmt oder stark geschwollen – dies kann auf eine Gelenkinfektion hinweisen
- Fieber und Schüttelfrost bei gleichzeitigen Knieschmerzen
- ⚠Ein Bein oder das Knie lässt sich plötzlich nicht mehr bewegen
- ⚠Starke Schwellung nach einem Sturz oder Unfall
- ⚠Schmerzen, die trotz Schonung und Hausmitteln nicht nachlassen
Häufige Symptome
- Schmerzen im Knie bei Belastung, z. B. beim Treppensteigen oder Gehen
- Anlaufschmerz: Schmerzen nach Ruhephasen, die sich nach einigen Schritten bessern
- Steifigkeit im Knie, besonders morgens oder nach längerem Sitzen
- Knirschen oder Reiben im Gelenk bei Bewegung
- Schwellung des Knies durch Gelenkerguss
Symptome bei Kindern
- Kniearthrose tritt bei Kindern nur sehr selten auf, meist nach Verletzungen oder angeborenen Gelenkfehlstellungen.
- Symptome sind ähnlich wie bei Erwachsenen: Schmerzen, Schwellung und Bewegungseinschränkung.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Schmerzen können auch in Ruhe oder nachts auftreten.
- Das Knie kann sich instabil anfühlen, das Bein gibt nach.
- Die Beweglichkeit des Knies ist zunehmend eingeschränkt, Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen werden schwerer.
Ursachen
Hauptursachen
- Altersbedingter Verschleiß: Mit den Jahren nutzt sich der Knorpel ab.
- Frühere Knieverletzungen: Brüche, Bänderrisse oder Meniskusschäden können langfristig eine Arthrose begünstigen.
- Übergewicht: Jedes zusätzliche Kilogramm belastet das Kniegelenk stark und beschleunigt den Knorpelabbau.
- Entzündliche Gelenkerkrankungen wie Rheuma, die den Knorpel schädigen können.
Risikofaktoren
- Alter ab 50 Jahren
- Weibliches Geschlecht
- Übergewicht (Body-Mass-Index über 25)
- Wiederholte Kniebelastungen im Beruf oder Sport (z. B. Fußball, Bauarbeiten)
- Familiäre Veranlagung (Arthrose bei Eltern oder Geschwistern)
- Fehlstellungen der Beine (X-Beine oder O-Beine)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche, starke Schwellung mit Schmerzen
- Knie lässt sich nicht mehr bewegen
- Fieber bei Knieschmerzen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Anhaltende Schmerzen über mehr als zwei Wochen
- Schmerzen, die den Alltag einschränken
- Knieschwellung ohne erkennbare Ursache
Diagnose
Die Diagnose stellt der Arzt (Hausarzt, Orthopäde) meist durch eine ausführliche Befragung und eine körperliche Untersuchung. Er fragt nach Ihren Beschwerden, früheren Verletzungen und Ihrer Lebensweise. Bei der Untersuchung prüft er Beweglichkeit, Druckempfindlichkeit und Stabilität des Knies.
Mögliche Untersuchungen
- Röntgenaufnahme des Knies: Sie zeigt den Gelenkspalt, Knochenveränderungen und eventuelle Fehlstellungen.
- Magnetresonanztomographie (MRT, Kernspin) kann bei unklaren Befunden oder zur Darstellung von Weichteilen wie Knorpel und Bändern eingesetzt werden.
- Blutuntersuchung: Sie kann helfen, andere Erkrankungen wie Rheuma oder Gicht auszuschließen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt wird Sie bitten, das Knie zu beugen und zu strecken, Druck auf bestimmte Stellen ausüben und vielleicht einen Röntgentermin vereinbaren. Die Untersuchung ist nicht schmerzhaft, aber manchmal etwas unangenehm. Anschließend bespricht der Arzt die Ergebnisse mit Ihnen und schlägt passende Behandlungsmöglichkeiten vor.
Behandlung
Die Behandlung von Kniearthrose zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Je nach Schweregrad kommen Selbsthilfemaßnahmen, nichtmedikamentöse Verfahren, Medikamente oder in fortgeschrittenen Fällen eine Operation in Frage. Die Behandlung wird immer individuell und nach den Leitlinien der ärztlichen Fachgesellschaften (z. B. AWMF) abgestimmt.
Selbsthilfe zu Hause
- Bewegung: regelmäßiges, gelenkschonendes Training wie Schwimmen, Radfahren oder Spazierengehen
- Gewichtsabnahme: reduziert die Belastung auf das Knie – schon 5 % weniger Gewicht können helfen
- Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme entspannt die Muskulatur, Kälte lindert Schwellungen
- Geeignetes Schuhwerk: bequeme, dämpfende Schuhe entlasten das Knie
- Gezielte Kräftigung der Oberschenkelmuskulatur: kräftige Muskeln stützen das Gelenk
Medizinische Behandlungen
Wenn Selbsthilfe nicht ausreicht, können nichtmedikamentöse Verfahren wie Physiotherapie, Ergotherapie oder Anpassung von Gehhilfen (z. B. Nordic-Walking-Stöcke) helfen. Schmerzlindernde Mittel wie entzündungshemmende Schmerzmittel oder lokale Injektionen von Kortisonpräparaten (ohne Nennung von Namen) können vom Arzt verordnet werden. Auch Hyaluronsäure-Injektionen werden teilweise eingesetzt, ihr Nutzen ist jedoch umstritten. Alle Medikamente sollten nur nach ärztlicher Beratung angewendet werden. Die Leitlinien der ärztlichen Fachgesellschaften empfehlen, Medikamente so kurz und niedrig dosiert wie möglich einzusetzen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn konservative Behandlungen nicht mehr ausreichen und die Schmerzen oder die Bewegungseinschränkung den Alltag stark beeinträchtigen, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Die häufigste Operation ist der Einsatz eines künstlichen Kniegelenks (Knieprothese). Dies ist ein großer Eingriff, der eine gründliche Vorbereitung und Rehabilitation erfordert. Ihr Arzt wird die Vor- und Nachteile mit Ihnen besprechen.
Leben mit der Erkrankung
Setzen Sie sich realistische Ziele, um aktiv zu bleiben. Verteilen Sie Belastungen über den Tag, wechseln Sie zwischen Stehen, Sitzen und Bewegung ab. Nutzen Sie bei Bedarf Hilfsmittel wie einen Schuhspanner oder einen erhöhten Sitz. Planen Sie Ruhepausen ein, aber vermeiden Sie zu langes Sitzen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung im Alltag einbauen, z. B. kurze Strecken zu Fuß gehen oder das Fahrrad nutzen
- Gesundes Körpergewicht halten oder anstreben
- Gelenkschonende Sportarten bevorzugen (Schwimmen, Radfahren, Wassergymnastik)
- Hilfsmittel wie Kniebandagen oder Gehstöcke können die Gelenkbelastung reduzieren – lassen Sie sich dazu von Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten beraten
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten hilft, das Gewicht zu kontrollieren und den Körper mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Es gibt keine spezielle Diät gegen Arthrose, aber Omega-3-Fettsäuren (z. B. in Fisch) und Vitamin D können entzündungshemmend wirken. Regelmäßige Bewegung ist das A und O: Kräftigung der Beinmuskulatur, Dehnübungen und Bewegung in warmem Wasser sind besonders empfehlenswert. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einem Bewegungstherapeuten einen individuellen Übungsplan.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Schmerzen und Bewegungseinschränkungen können belasten. Viele Menschen fühlen sich traurig, frustriert oder ängstlich. Das ist ganz normal. Es ist wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, suchen Sie sich bei Bedarf psychologische Unterstützung. Die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe kann ebenfalls helfen, Erfahrungen auszutauschen und sich verstanden zu fühlen.
Vorbeugung
Kniearthrose lässt sich nicht immer verhindern, aber Sie können Ihr Risiko deutlich senken. Halten Sie ein gesundes Körpergewicht, vermeiden Sie Überlastungen im Sport und Beruf, und stärken Sie Ihre Beinmuskulatur durch regelmäßige Bewegung. Wenn Sie bereits eine Knieverletzung hatten, lassen Sie diese ausreichend ausheilen und trainieren Sie gezielt die Stützmuskulatur.
Komplikationen
Unbehandelt
- Zunehmende Schmerzen und Bewegungseinschränkung
- Muskelschwäche durch Schonhaltung
- Chronische Entzündungen im Kniegelenk
- Gelenkfehlstellungen (z. B. O-Bein oder X-Bein)
- Eingeschränkte Lebensqualität und Abhängigkeit von Hilfsmitteln
Langzeitprognose
Bei den meisten Menschen lässt sich der Verlauf der Kniearthrose durch eine gute Kombination aus Bewegung, Gewichtskontrolle und gegebenenfalls medizinischer Behandlung deutlich verbessern. Viele Betroffene bleiben lange schmerzfrei und können ihren Alltag gut bewältigen. Auch wenn die Arthrose nicht heilbar ist, kann man mit ihr gut leben. Eine Operation kommt nur in fortgeschrittenen Fällen in Frage und hat in der Regel eine hohe Erfolgsrate. Bleiben Sie zuversichtlich und arbeiten Sie aktiv mit Ihren Behandlern zusammen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2026
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