Paget disease of bone
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Paget-Krankheit des Knochens (auch Morbus Paget genannt) ist eine chronische Erkrankung, bei der der Knochenstoffwechsel gestört ist. Das bedeutet, dass sich Knochengewebe schneller abbaut und wieder aufbaut als normal. Dadurch werden die Knochen größer, dicker und brüchiger. Die Erkrankung betrifft meist einen oder mehrere Knochen, zum Beispiel das Becken, die Wirbelsäule, die Schädelknochen oder die Beine.
Wichtige Fakten
- Die Paget-Krankheit ist nicht ansteckend.
- Sie verläuft oft über viele Jahre langsam und kann lange unbemerkt bleiben.
- Mit einer Behandlung lassen sich Schmerzen lindern und Komplikationen verhindern.
Die Paget-Krankheit des Knochens ist in Deutschland eher selten. Sie betrifft etwa 1 bis 3 von 100 Menschen über 55 Jahre. In anderen Regionen der Welt, wie zum Beispiel in Großbritannien, kommt sie etwas häufiger vor.
Die Erkrankung tritt fast ausschließlich bei Erwachsenen auf, meist nach dem 55. Lebensjahr. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. In sehr seltenen Fällen kann auch jüngere Menschen betreffen, dann liegt oft eine erbliche Form vor.
Symptome
- Plötzliche starke Schmerzen in einem Knochen, die auf einen Bruch hinweisen könnten
- Unfähigkeit, ein Bein oder einen Arm zu bewegen
- Starke Kopfschmerzen mit Nackensteifigkeit oder Sehstörungen
- Bewusstlosigkeit oder Verwirrtheit
- ⚠Neu auftretende oder sich verschlimmernde Knochenschmerzen
- ⚠Schwellung oder Rötung über einem Knochen, die auf eine Entzündung hindeuten könnte
- ⚠Hörverlust, der sich innerhalb von Tagen verschlechtert
Häufige Symptome
- Knochenschmerzen, besonders im Becken, in der Wirbelsäule oder in den Beinen
- Verformungen der Knochen, zum Beispiel ein O-Beinen oder ein vergrößerter Schädel
- Gelenksteifheit oder Schwellungen in der Nähe betroffener Knochen
- Wärmegefühl über dem betroffenen Knochen
- Ermüdungsbrüche (Pseudofrakturen) ohne starke Belastung
Symptome bei Kindern
- Die Paget-Krankheit ist bei Kindern extrem selten. Sollte sie doch auftreten, können Symptome wie Knochenschmerzen, Verformungen oder ein zu großer Kopfumfang vorkommen. In solchen Fällen ist eine kinderärztliche Abklärung wichtig.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen stehen oft Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Vordergrund.
- Durch Schädelbeteiligung kann es zu Hörverlust oder Kopfschmerzen kommen.
- Die Verformungen der Knochen können zu Arthrose in benachbarten Gelenken führen.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Man geht von einer Kombination aus genetischer Veranlagung und möglichen Auslösern aus.
- Es wird vermutet, dass eine Virusinfektion (z. B. mit dem Masernvirus) bei Menschen mit erblicher Veranlagung die Erkrankung auslösen kann.
Risikofaktoren
- Alter über 55 Jahre
- Familiäre Vorbelastung: Wer einen Elternteil oder Geschwister mit Paget-Krankheit hat, hat ein höheres Risiko.
- Männliches Geschlecht (etwas häufiger betroffen)
- Herkunft aus Regionen mit höherer Häufigkeit (z. B. Großbritannien, Australien)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen, starken Knochenschmerzen oder dem Verdacht auf einen Bruch
- Wenn Sie Ihr Bein oder Ihren Arm nicht mehr bewegen können
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie neu auftretende Knochenschmerzen haben, die länger als ein paar Wochen anhalten
- Wenn Sie eine Veränderung der Knochenform bemerken, z. B. ein O-Bein oder eine Schädelvergrößerung
- Wenn Sie ein Wärmegefühl über einem Knochen verspüren
Diagnose
Die Diagnose wird meist durch eine Kombination aus Röntgenaufnahmen und Bluttests gestellt. Der Arzt fragt auch nach Ihren Beschwerden und Ihrer Familiengeschichte.
Mögliche Untersuchungen
- Röntgenaufnahmen: Zeigen typische Knochenveränderungen wie Verdickung oder Verformung.
- Bluttest auf alkalische Phosphatase (AP): Ein erhöhter Wert weist auf einen aktiven Knochenumbau hin.
- Knochenszintigrafie: Ein bildgebendes Verfahren, das alle Knochen auf erhöhte Stoffwechselaktivität untersucht.
- In seltenen Fällen: MRT oder CT für genauere Darstellung.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern in der Regel etwa 30 Minuten bis eine Stunde. Der Bluttest wird wie eine normale Blutabnahme durchgeführt. Nach der Diagnose bespricht Ihr Arzt mit Ihnen die Behandlungsmöglichkeiten und den weiteren Verlauf.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist es, Schmerzen zu lindern, Knochenverformungen zu verlangsamen und Komplikationen zu vermeiden. Nicht jeder Mensch mit Paget-Krankheit braucht eine Behandlung – bei leichten Beschwerden reicht oft eine Beobachtung.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßige, sanfte Bewegung wie Spazierengehen oder Schwimmen hilft, Muskeln zu stärken und Gelenke beweglich zu halten.
- Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D und Kalzium – am besten durch eine ausgewogene Ernährung.
- Vermeiden Sie Überlastung der betroffenen Knochen, aber bewegen Sie sich dennoch regelmäßig.
- Bei Schmerzen können Wärme- oder Kälteanwendungen helfen, fragen Sie Ihren Arzt oder Physiotherapeuten.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung erfolgt meist mit Medikamenten, die den gestörten Knochenumbau verlangsamen. Diese gehören zur Gruppe der Bisphosphonate und werden entweder als Tablette oder als Infusion verabreicht. Ihr Arzt wird gemeinsam mit Ihnen das passende Mittel und die Dosierung auswählen. Bei Schmerzen können zusätzlich Schmerzmittel eingesetzt werden – besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt. Physiotherapie kann die Beweglichkeit verbessern.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt nur in Frage, wenn schwere Knochenverformungen vorliegen, ein Bruch nicht richtig heilt oder wenn ein Gelenk (z. B. die Hüfte) durch die Verformung stark abgenutzt ist. Auch bei einem Hörverlust aufgrund von Schädelbeteiligung kann ein operativer Eingriff möglich sein.
Leben mit der Erkrankung
Mit der Paget-Krankheit kann man gut leben, wenn man die Behandlung und regelmäßige Kontrollen ernst nimmt. Viele Menschen haben kaum Einschränkungen. Es ist wichtig, auf die Signale des Körpers zu achten und bei Schmerzen rechtzeitig zu reagieren.
Tipps für den Alltag
- Bauen Sie regelmäßige Bewegung in Ihren Alltag ein – am besten mit Übungen, die die Gelenke schonen.
- Vermeiden Sie Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum, da dies den Knochenstoffwechsel negativ beeinflussen kann.
- Passen Sie Ihr Zuhause an: Rutschfeste Matten, gute Beleuchtung und Haltegriffe können Stürze verhindern.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Kalzium (Milchprodukte, grünes Gemüse) und Vitamin D (Fisch, Eier, Sonnenlicht) unterstützt die Knochengesundheit. Bewegung wie Schwimmen, Radfahren oder sanftes Krafttraining ist ideal. Vermeiden Sie Sportarten mit hohem Sturzrisiko.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer chronischen Erkrankung kann verunsichern. Sorgen um die Zukunft oder Schmerzen können die Stimmung beeinträchtigen. Es ist völlig normal, sich manchmal belastet zu fühlen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder suchen Sie sich psychologische Unterstützung – das hilft, besser mit der Erkrankung umzugehen.
Vorbeugung
Die Paget-Krankheit lässt sich nicht sicher verhindern, da die genauen Ursachen nicht vollständig bekannt sind. Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung und guter Ernährung kann jedoch die allgemeine Knochengesundheit fördern.
Früherkennungsprogramme
Ein generelles Screening der Bevölkerung wird nicht empfohlen. Bei Menschen mit familiärer Vorbelastung kann der Arzt jedoch regelmäßige Blutuntersuchungen (alkalische Phosphatase) empfehlen, um die Krankheit früh zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Knochenverformungen, die zu Fehlhaltungen und Arthrose führen können
- Erhöhte Bruchgefahr (Knochenbrüche) auch bei geringer Belastung
- Hörverlust, wenn der Schädelknochen betroffen ist
- Selten: Herzinsuffizienz, weil das Herz stärker arbeiten muss, um die durchbluteten Knochen zu versorgen
Langzeitprognose
Die Paget-Krankheit ist gut behandelbar. Mit der richtigen Behandlung lassen sich Schmerzen lindern, Verformungen verlangsamen und die Lebensqualität erhalten. Viele Menschen haben nur milde Symptome und führen ein normales Leben. Eine frühzeitige Diagnose und regelmäßige ärztliche Kontrollen sind der Schlüssel zu einem guten Verlauf.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026
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