Peripheral arterial disease overview
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) ist eine Erkrankung, bei der die Arterien – also die Blutgefäße, die sauerstoffreiches Blut vom Herzen zu den Beinen und Füßen transportieren – durch Ablagerungen verengt oder verschlossen werden. Das Blut kann dann nicht mehr gut fließen, besonders bei Bewegung. Dies führt zu Schmerzen oder Krämpfen in den Beinen beim Gehen.
Wichtige Fakten
- Die pAVK wird oft auch als Schaufensterkrankheit bezeichnet, weil Betroffene beim Gehen Schmerzen haben und dann stehen bleiben müssen, wie beim Schaufensterbummeln.
- Die Hauptursache ist Arteriosklerose, also die Verhärtung und Verengung der Arterien durch Fett- und Kalkablagerungen.
- Unbehandelt kann die pAVK zu offenen Wunden (Geschwüren) oder Gewebetod (Gangrän) an Zehen oder Füßen führen.
Ja, die pAVK ist eine häufige Erkrankung, besonders bei Menschen über 60 Jahren. Schätzungsweise jeder fünfte über 65-Jährige hat Veränderungen an den Beinarterien, auch wenn nicht alle Beschwerden haben.
Die Erkrankung betrifft vor allem ältere Menschen, Raucher, Diabetiker (Menschen mit Zuckerkrankheit) und Personen mit hohem Blutdruck oder erhöhten Blutfetten. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Auch Menschen mit familiärer Vorbelastung haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Plötzliche, starke Schmerzen in einem Bein oder Fuß, begleitet von Blässe und Kältegefühl – das kann ein akuter Arterienverschluss sein.
- Ein Bein oder Fuß wird plötzlich blau oder schwarz und fühlt sich taub an.
- Akute Lähmungserscheinungen oder Gefühlsverlust in einem Bein.
- ⚠Wenn eine offene Wunde am Fuß oder Bein innerhalb von zwei Wochen nicht heilt, sollten Sie noch am selben Tag einen Arzt aufsuchen.
- ⚠Neu auftretende, starke Schmerzen in den Beinen in Ruhe, die nachts schlimmer werden.
- ⚠Wenn sich bestehende Symptome plötzlich verschlechtern, z. B. dass Sie nur noch wenige Meter ohne Schmerzen gehen können.
Häufige Symptome
- Schmerzen, Krämpfe oder ein müdes Schweregefühl in den Beinen oder im Gesäß beim Gehen – die Beschwerden bessern sich nach kurzem Stehenbleiben (sogenannte Schaufensterkrankheit).
- Kalte Füße oder Beine im Vergleich zu den Armen.
- Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Beinen oder Füßen.
- Wunden an den Zehen, Füßen oder Unterschenkeln, die schlecht heilen.
- Blasse oder bläuliche Haut an den Füßen oder Zehen.
Symptome bei Kindern
- Die pAVK kommt bei Kindern praktisch nicht vor. Falls doch, sind meist angeborene Gefäßfehlbildungen oder seltene Entzündungen der Ursache. Typische Symptome wären Schmerzen beim Laufen, die nicht altersgerecht sind.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schmerzen in den Beinen beim Gehen, die nach kurzem Stehenbleiben verschwinden – das kann leicht mit altersbedingten Gelenkschmerzen verwechselt werden.
- Offene, schlecht heilende Wunden an den Füßen oder Unterschenkeln.
- Veränderungen an den Zehen wie Verfärbungen (dunkel, bläulich) oder Verdickungen der Nägel.
- Schwäche oder Schwierigkeiten beim Gehen, die nicht durch andere Erkrankungen erklärbar sind.
Ursachen
Hauptursachen
- Arteriosklerose – Fett- und Kalkablagerungen (Plaques) verengen die Arterien in den Beinen und behindern den Blutfluss.
- Entzündungen der Gefäße (seltener) oder Verletzungen der Arterien.
- Verkalkung der Gefäße durch langjährige Risikofaktoren.
Risikofaktoren
- Rauchen – das ist der stärkste Risikofaktor für die pAVK.
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) – erhöht das Risiko stark.
- Hoher Blutdruck (Hypertonie).
- Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin).
- Bewegungsmangel und Übergewicht.
- Familiäre Vorbelastung – wenn nahe Verwandte bereits Gefäßerkrankungen haben.
- Alter über 60 Jahre.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen, starken Schmerzen in einem Bein oder Fuß, besonders wenn das Bein blass und kalt wird – rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Wenn eine Wunde am Fuß oder Bein nach 2 Wochen nicht heilt, suchen Sie noch am selben Tag einen Arzt auf.
- Bei starken Ruheschmerzen in den Beinen, die nachts schlimmer werden und Sie aufwecken.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie beim Gehen regelmäßig Schmerzen in den Beinen haben, die nach kurzem Stehenbleiben wieder verschwinden.
- Wenn Sie kalte Füße oder eine bläuliche Verfärbung an Zehen oder Füßen bemerken.
- Wenn Sie zu den Risikogruppen gehören (Raucher, Diabetiker, Bluthochdruck) und Symptome haben – auch wenn sie noch mild sind.
Diagnose
Der Arzt stellt die Diagnose durch ein Gespräch (Anamnese), eine körperliche Untersuchung und einfache Tests. Er tastet die Pulse an den Füßen, Knien und Leisten, hört die Gefäße mit einem Stethoskop ab und misst den Blutdruck an Knöcheln und Armen. Der wichtigste Test ist der Knöchel-Arm-Index (ABI), bei dem der Blutdruck am Knöchel mit dem am Arm verglichen wird. Das ist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten.
Mögliche Untersuchungen
- Anamnese (ärztliches Gespräch) und körperliche Untersuchung – der Arzt fragt nach Symptomen, Risikofaktoren und tastet die Pulse.
- Knöchel-Arm-Index (ABI) – Blutdruckmessung an Knöchel und Arm; ein niedriger Wert deutet auf eine Durchblutungsstörung hin.
- Farbkodierte Duplexsonographie – eine Ultraschalluntersuchung, die die Blutflussgeschwindigkeit sichtbar macht und Verengungen zeigt.
- Computertomographie-Angiographie (CT-A) oder Magnetresonanz-Angiographie (MR-A) – bildgebende Verfahren, die die Gefäße genau darstellen (nur bei geplanter Behandlung).
- Gehtest auf dem Laufband – um zu messen, wie weit Sie ohne Schmerzen gehen können.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose ist meist unkompliziert und nicht schmerzhaft. Sie werden im Sitzen oder Liegen untersucht. Der ABI-Test ist wie eine normale Blutdruckmessung. Bei der Ultraschalluntersuchung wird ein Gel auf die Haut aufgetragen und ein kleiner Schallkopf über die Beine geführt. Sie können dabei normal atmen. Falls weitere Bildgebung nötig ist, werden Sie über die Vorbereitung (z. B. nüchtern sein) informiert. Der Arzt wird die Ergebnisse mit Ihnen besprechen und gemeinsam einen Behandlungsplan erstellen.
Behandlung
Die Behandlung der pAVK zielt darauf ab, die Durchblutung der Beine zu verbessern, Schmerzen zu lindern und Folgeschäden wie offene Wunden oder Amputationen zu verhindern. Die Basis sind Änderungen des Lebensstils und die Behandlung der Risikofaktoren. Je nach Schweregrad kommen auch Medikamente oder gefäßöffnende Verfahren in Betracht.
Selbsthilfe zu Hause
- Hören Sie mit dem Rauchen auf – das ist der wichtigste Schritt, um die Erkrankung aufzuhalten oder sogar zu verbessern.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, am besten täglich. Strukturierte Gehtrainings (z. B. so weit gehen, bis Schmerzen auftreten, dann kurz pausieren und weitergehen) können die Gehstrecke verlängern.
- Achten Sie auf eine gesunde Ernährung mit wenig gesättigten Fetten, viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen. Kontrollieren Sie Ihr Gewicht.
- Pflegen Sie Ihre Füße sorgfältig: Täglich waschen, gut abtrocknen (auch zwischen den Zehen), auf Wunden oder Druckstellen achten und bei Bedarf einen Fußpfleger aufsuchen.
- Tragen Sie gut sitzende, weiche Schuhe und vermeiden Sie enge Strümpfe, die den Blutfluss behindern.
Medizinische Behandlungen
Der Arzt kann Medikamente verschreiben, die das Blut verdünnen und das Fortschreiten der Arteriosklerose verlangsamen. Dazu gehören Thrombozytenaggregationshemmer (Tabletten, die das Verklumpen der Blutplättchen verhindern) und Cholesterinsenker (Statine), die die Blutfettwerte verbessern. Auch blutdrucksenkende und blutzuckersenkende Mittel können Teil der Behandlung sein, abgestimmt auf die individuellen Risikofaktoren. Bei Schmerzen in Ruhe oder offenen Wunden können gefäßerweiternde Medikamente eingesetzt werden. Alle Verordnungen erfolgen nach Absprache mit dem Arzt und basieren auf den aktuellen Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften).
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Durchblutung stark eingeschränkt ist (z. B. Ruheschmerzen oder offene Wunden) und sich durch Lebensstil und Medikamente nicht bessert, können minimalinvasive Verfahren helfen. Dazu gehört die Ballonangioplastie, bei der ein kleiner Ballon über einen Katheter in die verengte Stelle eingeführt und aufgeblasen wird, um das Gefäß zu weiten. Manchmal wird auch ein Stent (eine kleine Gefäßstütze) eingesetzt. In schweren Fällen kann eine Bypass-Operation nötig sein, bei der ein Umleitungskanal (z. B. aus einer körpereigenen Vene) um die Engstelle gelegt wird. Ihr Gefäßchirurg wird mit Ihnen die beste Option besprechen.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer pAVK können Sie viel selbst tun, um Ihren Alltag zu verbessern. Planen Sie regelmäßige Gehpausen ein – das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Teil des Trainings. Achten Sie darauf, dass Sie Ihre Füße jeden Abend auf Wunden oder Verfärbungen untersuchen. Kühle Füße können Sie mit warmen Socken (keine Heizkissen oder heiße Wasserflaschen, wegen der Gefahr von Verbrennungen) wärmen. Wenn Sie Schmerzen in Ruhe verspüren, sollten Sie Ihre Füße im Liegen etwas tiefer lagern, um die Durchblutung zu fördern.
Tipps für den Alltag
- Stellen Sie das Rauchen komplett ein – das ist die wirksamste Maßnahme überhaupt.
- Integrieren Sie Bewegung in Ihren Alltag: z. B. tägliche Spaziergänge, Treppensteigen statt Aufzug, Fahrradfahren.
- Ernähren Sie sich herzgesund: viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fettarme Milchprodukte, Fisch und wenig rotes Fleisch.
- Kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Blutdruck-, Blutzucker- und Cholesterinwerte beim Arzt.
- Halten Sie ein gesundes Körpergewicht.
Ernährung und Bewegung
Bewegung ist das beste Mittel gegen die pAVK. Ein strukturiertes Gehtraining unter Anleitung (z. B. in einer Gefäßsportgruppe) kann die Gehfähigkeit deutlich verbessern. Ziel ist es, die Schmerzgrenze immer wieder zu überschreiten und dann zu pausieren – so werden neue Umgehungsgefäße (Kollateralen) gebildet. Die Ernährung sollte wenig Salz und gesättigte Fette enthalten, dafür reichlich Ballaststoffe aus Hafer, Leinsamen, Obst und Gemüse. Auch Omega-3-Fettsäuren aus fettem Fisch (Lachs, Makrele) sind empfehlenswert.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die ständigen Schmerzen beim Gehen oder die Sorge vor einer Verschlechterung können belastend sein und zu Niedergeschlagenheit oder Depressionen führen. Das ist verständlich. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber – auch psychologische Unterstützung oder Gespräche mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen können helfen. Sie sind mit diesen Gefühlen nicht allein.
Vorbeugung
Sie können viel tun, um einer pAVK vorzubeugen oder ihr Fortschreiten zu verlangsamen. Die wichtigsten Maßnahmen sind: nicht rauchen, sich regelmäßig bewegen, gesund essen, und auf normale Blutdruck-, Blutzucker- und Cholesterinwerte achten. Ein gesunder Lebensstil ist die beste Vorbeugung.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen pAVK.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening in der Bevölkerung wird nicht empfohlen. Wenn Sie jedoch Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes oder Bluthochdruck haben, sollten Sie mit Ihrem Hausarzt besprechen, ob ein einfacher ABI-Test sinnvoll ist – besonders, wenn Sie über 60 Jahre alt sind.
Komplikationen
Unbehandelt
- Zunehmende Gehbehinderung durch immer kürzere schmerzfreie Gehstrecken.
- Ruheschmerzen – auch in Ruhe treten Schmerzen auf, besonders nachts.
- Offene, schlecht heilende Wunden (Geschwüre) an Füßen oder Unterschenkeln.
- Absterben von Gewebe (Gangrän), meist an Zehen, was zur Amputation führen kann.
- Akuter Gefäßverschluss – plötzlicher Verschluss einer Arterie, ein Notfall mit Gefahr für das Bein.
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Mit einer rechtzeitigen Behandlung und konsequenten Änderungen des Lebensstils lässt sich die pAVK in den meisten Fällen gut kontrollieren. Viele Menschen können ihre Gehstrecke durch Training verbessern und Komplikationen vermeiden. Nur ein kleiner Teil der Betroffenen erlebt einen schweren Verlauf. Indem Sie Risikofaktoren reduzieren und regelmäßige ärztliche Kontrollen wahrnehmen, haben Sie es selbst in der Hand, die Erkrankung aufzuhalten und Ihre Lebensqualität zu erhalten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2026
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