Peripheral neuropathy
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Periphere Neuropathie ist eine Erkrankung der Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark. Diese Nerven leiten Signale zwischen Körper und Gehirn weiter. Bei einer peripheren Neuropathie sind diese Nerven geschädigt. Das kann zu Gefühlsstörungen, Schmerzen oder Schwäche in Händen und Füßen führen.
Wichtige Fakten
- Periphere Neuropathie betrifft oft die Hände und Füße („Handschuh- und Strumpfförmige“ Verteilung).
- Die Symptome können langsam oder plötzlich auftreten.
- Es gibt viele Ursachen – die häufigste ist Diabetes mellitus. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente oder Vitaminmangel können Auslöser sein.
Ja, periphere Neuropathie ist relativ häufig. Schätzungen zufolge sind etwa 2–7 % der Menschen in Deutschland betroffen, bei älteren Menschen noch häufiger.
Sie kann Menschen jeden Alters betreffen, tritt aber verstärkt bei Erwachsenen über 55 Jahren auf, bei Menschen mit Diabetes, Nierenerkrankungen oder nach einer Chemotherapie.
Symptome
- Plötzliche Schwäche oder Lähmung eines Arms oder Beins auf einer Körperseite
- Sprech- oder Sehstörungen, die plötzlich auftreten – könnte auf Schlaganfall hinweisen
- Akute, starke Schmerzen mit unerklärlichem Taubheitsgefühl, begleitet von Atemnot oder Brustenge
- ⚠Schnell zunehmende Muskelschwäche innerhalb von Tagen bis Wochen
- ⚠Plötzliche Blasen- oder Darmprobleme (unwillkürlicher Harn- oder Stuhlabgang)
- ⚠Schmerzen, die sich trotz Ruhe und einfacher Maßnahmen nicht bessern
Häufige Symptome
- Kribbeln oder „Ameisenlaufen“ in Händen oder Füßen
- Taubheitsgefühl oder verminderte Empfindung für Berührung, Schmerz oder Temperatur
- Schmerzen – oft stechend, brennend oder pochend
- Muskelschwäche, besonders in Füßen und Beinen
- Koordinationsprobleme oder Gleichgewichtsstörungen
Symptome bei Kindern
- Kinder beschreiben oft Kribbeln oder Taubheit an den Fußsohlen oder Fingerspitzen.
- Sie können Schwierigkeiten beim Gehen oder Sport haben.
- Manchmal zeigen sich Veränderungen der Schuhgröße (Verkrümmung der Zehen) oder Fußdeformitäten.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Häufiger Gangunsicherheit und Stürze durch vermindertes Gefühl in den Füßen.
- Schmerzen werden oft als Brennen oder „müde Beine“ beschrieben.
- Das Risiko für unbemerkte Fußverletzungen und -geschwüre steigt.
Ursachen
Hauptursachen
- Diabetes mellitus – die häufigste Ursache in Industrienationen
- Alkoholmissbrauch oder chronische Lebererkrankungen
- Vitamin-B12-Mangel (z. B. bei veganer Ernährung oder Magenoperationen)
- Medikamente – insbesondere bestimmte Chemotherapeutika (nach ärztlicher Verordnung)
- Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Guillain-Barré-Syndrom
- Nierenerkrankungen im fortgeschrittenen Stadium
- Infektionen wie Gürtelrose (Herpes Zoster) oder HIV
Risikofaktoren
- Alter über 55 Jahre
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
- Familiäre Vorbelastung für Neuropathien
- Langzeit-Diabetes (schlecht eingestellte Blutzuckerwerte)
- Giftstoffbelastung (z. B. Blei, Quecksilber) am Arbeitsplatz
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlicher, einseitiger Schwäche oder Lähmung (Arm/Bein/Gesicht) – Notruf 112
- Bei akuter Blasen- oder Darmlähmung (nicht mehr einhalten können)
- Bei Atemnot oder Schluckbeschwerden zusammen mit neuen neurologischen Symptomen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei anhaltendem Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühl in Händen oder Füßen
- Bei Muskelschwäche, die Sie im Alltag beeinträchtigt
- Wenn Sie stürzen oder häufiger stolpern, ohne eine andere Erklärung
- Wenn Sie Diabetes haben und neue Symptome an Füßen oder Beinen bemerken
Diagnose
Ihr Arzt wird zunächst ein ausführliches Gespräch mit Ihnen führen (Anamnese), um Ihre Beschwerden und mögliche Auslöser zu erfragen. Danach folgt eine körperliche und neurologische Untersuchung. Um die Ursache zu finden, sind oft Blutuntersuchungen nötig.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttests: Blutzucker, Vitamin-B12-Spiegel, Leber- und Nierenwerte, Schilddrüsenhormone
- Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Elektrische Impulse messen, wie schnell die Nerven Signale weiterleiten
- Elektromyographie (EMG): Untersuchung der Muskelaktivität mit feinen Nadeln
- Liquoruntersuchung (Nervenwasser): nur bei Verdacht auf bestimmte Entzündungen
- Hautbiopsie mit Bestimmung der Nervenfaserdichte: in spezialisierten Zentren
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist nicht schmerzhaft, aber bei der EMG kann ein kurzer Nadelstich vorkommen. Die NLG fühlt sich wie ein elektrisches Kribbeln an. Ihr Arzt wird Sie vor jedem Schritt informieren. Eine genaue Diagnose hilft, die richtige Behandlung zu finden.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Ziel ist es, die zugrundeliegende Erkrankung zu behandeln und die Symptome zu lindern. Eine Heilung ist nicht immer möglich, aber die Beschwerden können oft gut gelindert werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Fußpflege: Tägliche Kontrolle auf Verletzungen – besonders bei Diabetes
- Geeignetes Schuhwerk: Bequeme, gut sitzende Schuhe ohne Druckstellen
- Wärmeanwendungen (z. B. warme Fußbäder) – aber nicht zu heiß, um Verbrennungen zu vermeiden
- Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder Yoga bei Stress
- Vermeiden Sie langes Sitzen oder Stehen – bewegen Sie sich regelmäßig
Medizinische Behandlungen
Ärztlich können Medikamente verordnet werden, die die Nervenschmerzen lindern (z. B. Antidepressiva in niedriger Dosierung oder Antiepileptika). Bei nachgewiesenem Vitaminmangel werden entsprechende Vitamine gegeben. Auch Physiotherapie und Ergotherapie helfen, die Muskeln zu stärken und die Koordination zu verbessern. Ihr Arzt wird mit Ihnen den besten Behandlungsplan besprechen – immer abgestimmt auf Ihre Situation.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist selten nötig. In manchen Fällen, wenn ein eingeklemmter Nerv (z. B. durch ein Bandscheibenvorfall oder ein Karpaltunnelsyndrom) die Neuropathie verursacht, kann ein chirurgischer Eingriff erwogen werden.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer peripheren Neuropathie können viele Menschen trotz Einschränkungen ein erfülltes Leben führen. Achten Sie besonders auf Ihre Füße, da Taubheitsgefühl zu unbemerkten Verletzungen führen kann. Nutzen Sie Hilfsmittel wie Gehstöcke oder Griffe im Bad, um Stürze zu vermeiden.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung: Spaziergänge, Schwimmen, Radfahren – auch schon 20 Minuten täglich helfen
- Nikotin- und Alkoholverzicht – beides schädigt die Nerven zusätzlich
- Stressmanagement: Meditation oder leichte Gymnastik zur Entspannung
- Gute Fußhygiene: Tägliche Inspektion, Eincremen mit rückfettender Creme
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten unterstützt die Nerven. Achten Sie auf ausreichend Vitamin B12 (Fleisch, Fisch, Eier oder – bei veganer Ernährung – angereicherte Lebensmittel nach Rücksprache mit dem Arzt). Auch Bewegung trainiert die Muskeln und verbessert die Durchblutung – wichtig für gesunde Nerven.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Schmerzen oder Taubheit können belastend sein und zu Angst, Traurigkeit oder Rückzug führen. Es ist normal, sich manchmal frustriert zu fühlen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre Gefühle – er kann Sie an psychologische Unterstützung vermitteln. Sie sind nicht allein.
Vorbeugung
Nicht alle Formen sind vermeidbar. Aber bei Diabetes können Sie das Risiko durch gute Blutzuckereinstellung, gesunde Ernährung und Bewegung deutlich senken. Auch auf Nikotin und übermäßigen Alkohol zu verzichten, schützt die Nerven.
Impfungen
Gegen bestimmte Infektionen, die eine Neuropathie auslösen können, gibt es Impfungen – z. B. gegen Gürtelrose (Herpes Zoster). Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt beraten, ob eine Impfung für Sie sinnvoll ist.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie Diabetes haben, sollten Sie einmal jährlich eine Fußuntersuchung durchführen lassen. Dabei wird der Puls an den Füßen gemessen und die Druckwahrnehmung getestet. So lassen sich beginnende Nervenschäden früh erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fußgeschwüre und unbehandelte Infektionen – im schlimmsten Fall bis zur Amputation
- Stürze mit Knochenbrüchen durch Gleichgewichtsstörungen
- Chronische Schmerzen, die die Lebensqualität stark einschränken
- Muskelschwund (Atrophie) durch fehlende Bewegung der betroffenen Muskeln
- Verlust der Feinmotorik (z. B. Knöpfe schließen, schreiben)
Langzeitprognose
Die Prognose hängt von der Ursache ab. Bei frühzeitiger Behandlung können die Symptome oft gestoppt oder sogar verbessert werden. Auch wenn eine vollständige Heilung nicht immer möglich ist, kann eine gute Therapie die Beschwerden lindern und den Alltag deutlich erleichtern. Viele Menschen mit peripherer Neuropathie führen ein aktives Leben – Sie sind nicht allein.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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