Primary hyperparathyroidism
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Primärer Hyperparathyreoidismus (überaktive Nebenschilddrüse) ist eine Erkrankung, bei der die Nebenschilddrüsen (kleine Drüsen im Hals) zu viel Parathormon (ein Hormon, das den Kalziumspiegel im Blut reguliert) produzieren. Dadurch steigt der Kalziumspiegel im Blut an, was verschiedene Beschwerden verursachen kann. Oft wird die Erkrankung zufällig bei einer Routine-Blutuntersuchung entdeckt.
Wichtige Fakten
- Die Nebenschilddrüsen sitzen hinter der Schilddrüse und steuern den Kalziumhaushalt.
- Zu viel Parathormon führt zu erhöhtem Kalzium im Blut (Hyperkalzämie).
- In den meisten Fällen ist ein gutartiger Knoten (Adenom) die Ursache.
- Die Erkrankung kann die Knochen, Nieren und das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigen.
Ja, der primäre Hyperparathyreoidismus ist eine der häufigsten hormonellen Störungen, vor allem bei Frauen über 50 Jahren. Er wird immer öfter durch routinemäßige Blutuntersuchungen entdeckt.
Am häufigsten tritt die Erkrankung bei Frauen in den Wechseljahren auf. Auch ältere Menschen und seltener jüngere Erwachsene können betroffen sein. In sehr seltenen Fällen kommt sie bei Kindern vor.
Symptome
- Starke Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörung (Hyperkalzämie-Krise)
- Schwere Übelkeit und Erbrechen, das nicht aufhört
- Starke Bauchschmerzen oder Brustschmerzen (kann auf akute Pankreatitis hinweisen)
- Krampfanfälle
- ⚠Anhaltende starke Schmerzen im Rücken oder in der Flanke (Nierenstein? Wirbelbruch?)
- ⚠Neu auftretende Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühl
- ⚠Pochende Kopfschmerzen und Sehstörungen (selten)
Häufige Symptome
- Oft keine oder nur leichte Beschwerden (Zufallsbefund)
- Müdigkeit, Schwächegefühl
- Knochenschmerzen, besonders in den Beinen und im Rücken
- Vermehrter Durst und häufiges Wasserlassen
- Nierensteine mit Schmerzen im Flankenbereich
- Depressive Verstimmungen, Reizbarkeit
- Verdauungsprobleme wie Übelkeit, Verstopfung oder Sodbrennen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern sind die Symptome oft unspezifisch: Wachstumsverzögerung, Müdigkeit, Muskelschwäche
- Auch Knochenschmerzen und Nierensteine können vorkommen
- In seltenen Fällen schwere Hyperkalzämie mit Verwirrtheit oder Krampfanfällen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verstärkte Knochenschmerzen und erhöhtes Risiko für Knochenbrüche
- Verwirrtheit, Gedächtnisprobleme oder Depressionen (kann fälschlich als Demenz gedeutet werden)
- Gefäßverkalkung und erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Muskelschwäche, häufiges Stürzen
Ursachen
Hauptursachen
- In etwa 80 % der Fälle liegt ein einzelner gutartiger Knoten (Adenom) in einer der vier Nebenschilddrüsen vor.
- Seltener vergrößern sich alle Nebenschilddrüsen gleichzeitig (Hyperplasie).
- Sehr selten ist ein bösartiger Tumor (Karzinom) der Nebenschilddrüse die Ursache (unter 1 %).
- Eine erbliche Form kann im Rahmen bestimmter Syndrome auftreten (z. B. MEN-Syndrom), aber das ist selten.
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht
- Alter über 50 Jahre
- Langjährige Jodmangel-Erkrankungen (selten heute in Deutschland)
- Bestrahlung des Halsbereichs in der Kindheit (sehr selten)
- Bestimmte erbliche Syndrome (familiärer Hyperparathyreoidismus)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei akuten starken Schmerzen, Verwirrtheit, Erbrechen oder Krampfanfällen sofort den Notruf 112 wählen oder in die Notaufnahme gehen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie müde sind, häufiger Durst haben oder unklare Knochenschmerzen, sollten Sie Ihren Hausarzt aufsuchen.
- Auch wenn Sie immer wieder Nierensteine bekommen, ist eine Abklärung sinnvoll.
- Falls Sie über 50 sind (besonders als Frau) und noch nie einen Bluttest auf Kalzium und Parathormon hatten, sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.
Diagnose
Die Diagnose wird meist durch Blutuntersuchungen gestellt, die einen erhöhten Kalziumspiegel und gleichzeitig erhöhtes oder nicht ausreichend gesenktes Parathormon zeigen. Zusätzlich können bildgebende Verfahren eingesetzt werden, um die vergrößerte Nebenschilddrüse zu lokalisieren.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest auf Kalzium, Parathormon und Vitamin D
- 24-Stunden-Sammelurin zur Messung der Kalziumausscheidung
- Knochendichtemessung (Osteodensitometrie) zur Beurteilung des Knochenstatus
- Bildgebung: Sonographie (Ultraschall) des Halses, Szintigraphie der Nebenschilddrüsen (mit schwach radioaktiven Substanzen)
- In unklaren Fällen auch CT oder MRT
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Tests sind in der Regel ambulant und ohne größere Vorbereitung möglich. Sie werden meist von einem Endokrinologen (Hormonfacharzt) oder Nuklearmediziner durchgeführt. Nach der Diagnose wird besprochen, ob eine Operation nötig ist oder ob eine Überwachung ausreicht.
Behandlung
Die Behandlung hängt vom Schweregrad der Erkrankung, den Symptomen und dem Kalziumspiegel ab. Bei milden Formen ohne Symptome kann eine regelmäßige Überwachung ausreichen. Bei ausgeprägter Hyperkalzämie oder Komplikationen wird meist eine Operation empfohlen, bei der die erkrankte Nebenschilddrüse entfernt wird.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie ausreichend Wasser (mindestens 1,5–2 Liter pro Tag), um die Nieren zu schützen und die Kalziumausscheidung zu fördern.
- Vermeiden Sie übermäßige Kalziumzufuhr durch Nahrungsergänzungsmittel – fragen Sie Ihren Arzt, wie viel Kalzium für Sie in Ordnung ist.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, um die Knochen zu stärken (z. B. Spazierengehen, leichtes Krafttraining).
- Meiden Sie starke körperliche Belastung bei unklaren Knochenschmerzen (Rücksprache mit Ihrem Arzt).
Medizinische Behandlungen
Wenn eine Operation nicht möglich oder nicht gewünscht ist, können Medikamente eingesetzt werden, um den Kalziumspiegel zu senken und die Knochen zu schützen. Dazu gehören sogenannte Bisphosphonate oder Calcimimetika. Diese Arzneimittel werden vom Arzt verordnet und regelmäßig kontrolliert. Bei sehr hohen Kalziumwerten kann eine vorübergehende Behandlung im Krankenhaus mit Flüssigkeitsgabe und anderen Maßnahmen nötig sein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird meist empfohlen, wenn: der Kalziumspiegel deutlich erhöht ist, die Knochendichte abnimmt, Nierensteine auftreten oder starke Symptome bestehen. Der Eingriff (Parathyreoidektomie) wird in spezialisierten Zentren durchgeführt und hat eine hohe Erfolgsrate (Heilung über 95 %).
Leben mit der Erkrankung
Nach der Behandlung (insbesondere nach erfolgreicher Operation) normalisiert sich der Kalziumspiegel meist innerhalb weniger Tage. In der Überwachungsphase ohne OP sind regelmäßige Arztbesuche und Blutkontrollen wichtig. Planen Sie diese Termine rechtzeitig ein.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
- Ernähren Sie sich ausgewogen – Sie müssen Kalzium nicht generell meiden, aber verzichten Sie auf hochdosierte Kalziumpräparate ohne ärztliche Absprache.
- Bewegung an der frischen Luft (Vitamin D) unterstützt die Knochengesundheit.
- Vermeiden Sie Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum.
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle Diät ist meist nicht erforderlich. Achten Sie auf eine normale Kalziumzufuhr (ca. 1000 mg pro Tag über die Nahrung, z. B. Milchprodukte, grünes Gemüse). Bewegung hilft, die Knochen zu stärken – am besten kombinieren Sie Ausdauer (Gehen, Radfahren) mit leichtem Krafttraining. Besprechen Sie Ihre Bewegungsziele mit Ihrem Arzt, besonders wenn Ihre Knochendichte vermindert ist.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Erkrankung und die damit verbundenen Beschwerden wie Müdigkeit, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen können belastend sein. Auch die Sorge vor Operation oder langfristigen Folgen ist verständlich. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle darüber zu sprechen. Hilfe ist verfügbar – Sie müssen nicht allein damit zurechtkommen.
Vorbeugung
Eine sichere Vorbeugung gegen primären Hyperparathyreoidismus gibt es nicht, da die Ursache meist ein gutartiger Knoten ist, den man nicht verhindern kann. Eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Bewegung und normaler Kalziumzufuhr kann jedoch dazu beitragen, die Knochengesundheit zu erhalten.
Früherkennungsprogramme
Ein generelles Screening in der Bevölkerung wird nicht empfohlen. Bei Risikogruppen (z. B. Frauen über 50 mit Osteoporose oder wiederkehrenden Nierensteinen) kann eine gezielte Blutuntersuchung sinnvoll sein. Sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.
Komplikationen
Unbehandelt
- Osteoporose (Knochenschwund) mit erhöhtem Bruchrisiko
- Nierensteine und mögliche Nierenfunktionsstörung
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen)
- Verschlechterung der Lebensqualität durch Müdigkeit, depressive Verstimmungen und kognitive Probleme
Langzeitprognose
Die Prognose ist in den allermeisten Fällen sehr gut. Nach einer erfolgreichen Operation normalisieren sich die Kalziumwerte meist vollständig, und die Knochendichte kann sich erholen. Auch ohne OP ist bei milder Ausprägung und regelmäßiger Kontrolle ein beschwerdefreies Leben möglich. Ernsthafte Verläufe sind selten – die Erkrankung ist in der Regel gut behandelbar.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Patientenorganisation für Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenerkrankungen e. V. · Deutschland (Bundesweit)
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026
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