Prolactinoma
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Prolaktinom ist ein gutartiger (nicht bösartiger) Tumor der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse). Dieser Tumor produziert zu viel von dem Hormon Prolaktin. Prolaktin ist normalerweise für die Milchproduktion nach der Geburt verantwortlich. Ein Überschuss kann zu verschiedenen Beschwerden führen.
Wichtige Fakten
- Prolaktinome sind die häufigsten hormonaktiven Tumoren der Hypophyse.
- Sie sind fast immer gutartig und wachsen langsam.
- Mit einer Behandlung können die Beschwerden meist gut kontrolliert werden.
Prolaktinome sind selten. Sie treten bei etwa 10 bis 30 von 100.000 Menschen auf. Bei Frauen werden sie häufiger diagnostiziert als bei Männern.
Prolaktinome können in jedem Alter auftreten, am häufigsten jedoch bei Frauen zwischen 20 und 50 Jahren. Bei Männern und älteren Menschen werden sie oft später erkannt.
Symptome
- Plötzliche starke Kopfschmerzen („schlimmster Kopfschmerz des Lebens“)
- Akute Sehverschlechterung oder Gesichtsfeldausfälle
- Doppeltsehen
- Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfälle
- ⚠Anhaltende Sehstörungen, die sich verschlechtern
- ⚠Starke Kopfschmerzen, die nicht nachlassen
- ⚠Übelkeit oder Erbrechen ohne erkennbare Ursache
Häufige Symptome
- Bei Frauen: unregelmäßige oder ausbleibende Menstruation, Milchabsonderung aus der Brust (Galaktorrhö), Unfruchtbarkeit, verminderte Libido.
- Bei Männern: verminderter Sexualtrieb, Erektionsstörungen, verminderte Körperbehaarung, Vergrößerung der Brustdrüsen (Gynäkomastie).
- Bei beiden Geschlechtern: Kopfschmerzen, Sehstörungen (z. B. eingeschränktes Gesichtsfeld), verminderte Knochendichte (Osteoporose).
Symptome bei Kindern
- Verzögerte oder ausbleibende Pubertät
- Wachstumsverzögerung
- Kopfschmerzen und Sehprobleme
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Häufig werden Symptome wie verminderte Libido oder Erektionsstörungen fälschlicherweise als normale Alterserscheinungen abgetan.
- Müdigkeit, verminderte Knochendichte und Sehstörungen können auftreten.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist meist unbekannt. Es handelt sich um eine zufällige Veränderung (Mutation) in einer Zelle der Hypophyse, die dazu führt, dass sie sich unkontrolliert vermehrt und zu viel Prolaktin produziert.
Risikofaktoren
- Eine familiäre Belastung mit bestimmten genetischen Erkrankungen wie der multiplen endokrinen Neoplasie Typ 1 (MEN1) kann das Risiko leicht erhöhen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen starken Kopfschmerzen oder Sehstörungen sofort den Notarzt (112) rufen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei ungewolltem Milchfluss aus der Brust
- Bei ausbleibender oder unregelmäßiger Menstruation
- Bei nachlassendem Sexualtrieb oder Erektionsproblemen
- Bei unerfülltem Kinderwunsch
- Bei Kopfschmerzen, die immer wiederkehren
Diagnose
Der Verdacht auf ein Prolaktinom entsteht durch die Symptome und eine erhöhte Prolaktinkonzentration im Blut. Ein Endokrinologe (Spezialist für Hormonstörungen) führt die weiteren Untersuchungen durch.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung: Messung der Prolaktin-, LH-, FSH- und anderen Hormonspiegel
- Bildgebung: Magnetresonanztomographie (MRT) der Hypophyse, um den Tumor sichtbar zu machen
- Sehtest und Gesichtsfeldmessung: um zu prüfen, ob der Tumor auf die Sehnerven drückt
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose erfolgt meist ambulant. Zuerst wird Blut abgenommen. Bei erhöhtem Prolaktin folgt ein MRT. Die Untersuchungen sind schmerzfrei. Der Arzt erklärt Ihnen alle Schritte.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Tumorgröße, den Symptomen und Ihrem Kinderwunsch ab. Ziel ist es, den Prolaktinspiegel zu normalisieren und den Tumor zu verkleinern.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßige Arztbesuche zur Kontrolle der Hormonwerte und der Tumorgröße
- Bei Sehstörungen: sofortige ärztliche Abklärung
- Aufzeichnen von Symptomen, um Veränderungen früh zu erkennen
Medizinische Behandlungen
Medikamente, die die Prolaktinproduktion senken (Dopamin-Agonisten) sind meist die erste Wahl. Sie werden als Tabletten eingenommen und können den Tumor oft verkleinern und die Symptome bessern. Die Behandlung ist langfristig, aber gut verträglich. Ihr Arzt wird das passende Medikament für Sie auswählen und die Dosis anpassen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist selten nötig. Sie kommt in Betracht, wenn Medikamente nicht wirken, der Tumor sehr groß ist oder akute Sehstörungen verursacht. Der Eingriff erfolgt meist durch die Nase (transsphenoidal) und wird von einem Neurochirurgen durchgeführt.
Leben mit der Erkrankung
Viele Menschen mit Prolaktinom führen ein normales Leben, besonders wenn die Behandlung gut anschlägt. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig.
Tipps für den Alltag
- Stress vermeiden oder bewältigen, da Stress den Hormonhaushalt beeinflussen kann
- Ausreichend Schlaf und Entspannung
- Für Frauen mit Kinderwunsch: vor einer Schwangerschaft mit dem Arzt die Behandlung besprechen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung sind für die allgemeine Gesundheit empfehlenswert. Bei Osteoporose-Risiko kann Kalzium und Vitamin D wichtig sein – fragen Sie Ihren Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose eines Tumors, auch wenn er gutartig ist, kann Ängste auslösen. Hormonelle Veränderungen können die Stimmung beeinflussen. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt über psychische Belastungen zu sprechen. Gegebenenfalls kann eine psychologische Begleitung helfen.
Vorbeugung
Ein Prolaktinom kann nicht verhindert werden, da die Ursache meist unbekannt ist. Eine gesunde Lebensweise hat keinen Einfluss auf die Entstehung.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine Vorsorgeuntersuchung für Prolaktinome. Bei familiärer Belastung (z. B. MEN1) kann eine frühzeitige Hormonkontrolle sinnvoll sein – sprechen Sie mit Ihrem Arzt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unfruchtbarkeit (temporär, meist reversibel mit Behandlung)
- Verminderte Knochendichte (Osteoporose) und erhöhtes Frakturrisiko
- Sehverlust durch Druck auf die Sehnerven
- Hormonausfälle anderer Hypophysenfunktionen (selten)
Langzeitprognose
Die Prognose ist sehr gut. Medikamente senken den Prolaktinspiegel meist wirksam, der Tumor schrumpft häufig, und die Beschwerden bessern sich. Bei rechtzeitiger Behandlung ist die Lebenserwartung nicht eingeschränkt. Auch bei größeren Tumoren sind die Erfolgsaussichten durch Operation oder Bestrahlung günstig.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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