Pseudogout
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Pseudogicht ist eine Form von Arthritis (Gelenkentzündung), die plötzlich starke Schmerzen und Schwellungen in einem Gelenk verursacht. Sie entsteht, wenn sich Kalziumpyrophosphat-Kristalle in der Gelenkflüssigkeit ablagern und eine Entzündungsreaktion auslösen.
Wichtige Fakten
- Pseudogicht ähnelt der Gicht, wird aber durch andere Kristalle verursacht – daher der Name ‚Pseudogicht‘ (falsche Gicht).
- Die Erkrankung tritt meist an einem einzelnen Gelenk auf, am häufigsten am Knie.
- Mit der richtigen Behandlung lassen sich Schübe gut lindern und die Gelenkfunktion erhalten.
Pseudogicht ist seltener als die echte Gicht, aber nicht selten. Sie tritt vor allem bei älteren Menschen auf.
Pseudogicht betrifft hauptsächlich Menschen über 60 Jahre. Frauen und Männer können gleichermaßen erkranken. Auch Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen (z. B. Gelenkverschleiß, Stoffwechselstörungen) sind häufiger betroffen.
Symptome
- Wenn das Gelenk sehr heiß, stark gerötet und geschwollen ist und gleichzeitig Fieber oder Schüttelfrost auftreten – dies kann auf eine Gelenkinfektion (bakterielle Arthritis) hinweisen. Rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Wenn Sie das betroffene Gelenk überhaupt nicht mehr bewegen können und die Schmerzen unerträglich sind.
- ⚠Starke Schmerzen, die sich durch Ruhen und Kühlen nicht bessern.
- ⚠Wenn Sie bereits einen Pseudogicht-Anfall hatten und neue, ähnliche Symptome auftreten.
Häufige Symptome
- Plötzlich auftretende starke Schmerzen in einem Gelenk (oft im Knie, seltener im Handgelenk, Sprunggelenk oder in der Schulter).
- Das Gelenk schwillt an, wird heiß und rötet sich.
- Die Beweglichkeit des Gelenks ist stark eingeschränkt.
- Selten können auch mehrere Gelenke gleichzeitig betroffen sein.
Symptome bei Kindern
- Pseudogicht ist bei Kindern extrem selten. Wenn es vorkommt, zeigen sich ähnliche Symptome wie bei Erwachsenen (Schwellung, Rötung, Schmerz).
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen kann der Schmerz weniger stark ausgeprägt sein, dafür kann die Schwellung länger anhalten.
- Manchmal sind mehrere Gelenke betroffen, was die Diagnose erschwert.
Ursachen
Hauptursachen
- Pseudogicht entsteht durch Ablagerungen von Kalziumpyrophosphat-Kristallen im Gelenkknorpel und in der Gelenkflüssigkeit.
- Warum diese Kristalle entstehen, ist nicht immer klar. Sie können aus dem Knorpel freigesetzt werden und eine Entzündungsreaktion auslösen.
Risikofaktoren
- Fortgeschrittenes Alter (über 60 Jahre).
- Bestimmte Grunderkrankungen wie Gelenkverschleiß (Arthrose), Hämochromatose (Eisenüberladung), Überfunktion der Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus) oder Gicht.
- Gelenkverletzungen oder frühere Operationen am Gelenk.
- Seltene erbliche Formen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn ein Gelenk plötzlich stark anschwillt, heiß wird und Sie Fieber haben – suchen Sie noch am selben Tag einen Arzt auf oder gehen Sie in die Notaufnahme.
- Wenn Sie das Gelenk kaum noch bewegen können und die Schmerzen sehr stark sind.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie wiederholt Gelenkschmerzen und -schwellungen haben, die von selbst wieder verschwinden.
- Wenn Sie älter sind und unklare Gelenkbeschwerden haben, die länger als ein paar Tage anhalten.
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch eine Gelenkpunktion (Punktion) gestellt. Dabei entnimmt der Arzt mit einer Nadel etwas Gelenkflüssigkeit und untersucht sie unter dem Mikroskop auf Kalziumpyrophosphat-Kristalle.
Mögliche Untersuchungen
- Gelenkflüssigkeitsuntersuchung (der wichtigste Test zum Nachweis der Kristalle).
- Röntgenaufnahmen des betroffenen Gelenks – hier können typische Verkalkungen im Knorpel sichtbar sein.
- Manchmal auch Ultraschall oder Magnetresonanztomographie (MRT) zur genaueren Beurteilung.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Gelenkpunktion ist ein kurzer Eingriff in der Arztpraxis oder Klinik. Sie kann etwas unangenehm sein, aber die Schmerzen lassen schnell nach. Der Arzt betäubt die Stelle örtlich. Nach der Punktion sollten Sie das Gelenk schonen. Das Ergebnis der Kristalluntersuchung liegt oft innerhalb weniger Tage vor.
Behandlung
Die Behandlung eines Pseudogicht-Anfalls zielt darauf ab, die Entzündung zu stoppen und die Schmerzen zu lindern. Dies geschieht meist mit Medikamenten, die die Entzündung hemmen. Auch einfache Maßnahmen wie Ruhigstellen und Kühlen helfen.
Selbsthilfe zu Hause
- Ruhen Sie das betroffene Gelenk und vermeiden Sie Belastung.
- Kühlen Sie das Gelenk mehrmals täglich für 15–20 Minuten (z. B. mit einem Kühlpack, eingewickelt in ein Tuch).
- Lagern Sie das Gelenk hoch, um die Schwellung zu verringern.
- Trinken Sie ausreichend Wasser, um die Nierenfunktion zu unterstützen.
Medizinische Behandlungen
Der Arzt kann entzündungshemmende Medikamente verschreiben, zum Beispiel nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) in Tablettenform oder als Spritze. Auch Kortison wird manchmal eingesetzt, entweder als Tablette oder als Spritze direkt ins Gelenk. Ein weiteres Medikament ist Colchicin, das jedoch wegen möglicher Nebenwirkungen nur unter ärztlicher Aufsicht verwendet wird. Die Wahl der Behandlung hängt von Ihrem Alter, anderen Erkrankungen und der Schwere des Anfalls ab. Besprechen Sie immer mit Ihrem Arzt, welches Medikament für Sie geeignet ist.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur sehr selten nötig, zum Beispiel wenn sich große Kalkablagerungen im Gelenk gebildet haben oder wenn das Gelenk durch wiederholte Anfälle stark geschädigt ist.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Menschen mit Pseudogicht können trotz der Erkrankung ein aktives Leben führen. Zwischen den Anfällen sind Sie oft beschwerdefrei. Wichtig ist, die Auslöser zu kennen und bei ersten Anzeichen eines Schubs schnell zu handeln.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht, um die Gelenke zu entlasten.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber vermeiden Sie Überlastung. Gut geeignet sind sanfte Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Walken.
- Schützen Sie Ihre Gelenke vor Verletzungen, zum Beispiel durch geeignete Schuhe oder Polster bei Sport.
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine spezielle Diät, die Pseudogicht verhindert oder heilt. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten und ausreichend Flüssigkeit ist jedoch immer empfehlenswert. Vermeiden Sie übermäßigen Alkoholkonsum, da dieser manchmal Anfälle auslösen kann. Bewegung hält die Gelenke geschmeidig und stärkt die Muskulatur.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wiederkehrende Schmerzschübe können belastend sein und zu Ängsten oder Niedergeschlagenheit führen. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt darüber zu sprechen. Auch Selbsthilfegruppen oder eine psychologische Beratung können helfen.
Vorbeugung
Pseudogicht lässt sich nicht immer verhindern. Wenn Sie jedoch eine Grunderkrankung wie Hämochromatose oder eine Überfunktion der Nebenschilddrüse haben, kann die Behandlung dieser Erkrankung das Risiko für Kristallablagerungen senken. Ein gesunder Lebensstil mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr und Bewegung kann ebenfalls hilfreich sein.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei wiederholten, unbehandelten Anfällen kann das Gelenk dauerhaft geschädigt werden (Arthrose).
- Es können sich größere Kristallansammlungen (sogenannte Tophi) bilden, die das Gelenk weiter reizen.
- Selten kann es zu einer chronischen Gelenkentzündung kommen, die zu Bewegungseinschränkungen führt.
Langzeitprognose
Mit einer rechtzeitigen und richtigen Behandlung ist die Prognose bei Pseudogicht gut. Die meisten Anfälle klingen innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen ab. Auch wenn die Erkrankung nicht heilbar ist, können Sie mit Medikamenten und einem angepassten Lebensstil die Schübe gut kontrollieren und ein aktives Leben führen. Ihr Arzt wird Sie dabei unterstützen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2026
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