Raynaud phenomenon
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das Raynaud-Phänomen ist eine Durchblutungsstörung, bei der sich die kleinen Blutgefäße in Fingern und Zehen plötzlich verkrampfen. Dadurch werden die betroffenen Stellen blass, blau oder rot und fühlen sich kalt oder taub an. Meist tritt dies bei Kälte oder Stress auf und geht nach einiger Zeit wieder vorbei.
Wichtige Fakten
- Die Finger oder Zehen verfärben sich anfallsartig weiß, blau oder rot.
- Kälte und emotionaler Stress sind häufige Auslöser.
- Es gibt eine primäre Form (ohne Grunderkrankung) und eine sekundäre Form (als Folge einer anderen Erkrankung).
Das Raynaud-Phänomen ist recht häufig, vor allem bei jungen Frauen. In Deutschland sind schätzungsweise 3 bis 5 von 100 Menschen betroffen.
Es tritt häufiger bei Frauen als bei Männern auf und beginnt meist zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr. Auch Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen (wie Sklerodermie oder Lupus) sind häufiger betroffen.
Symptome
- Wenn ein Finger oder Zeh plötzlich schwarz wird oder abgestorben aussieht (Gewebsuntergang).
- Wenn die Durchblutung nach einem Anfall länger als eine Stunde nicht zurückkehrt.
- ⚠Wenn offene Wunden oder Geschwüre an den Fingern oder Zehen auftreten.
- ⚠Wenn die Schmerzen sehr stark sind oder die Beweglichkeit eingeschränkt wird.
Häufige Symptome
- Finger oder Zehen werden bei Kälte oder Stress plötzlich blass oder weiß.
- Danach verfärben sie sich oft bläulich und fühlen sich kalt oder taub an.
- Wenn die Durchblutung zurückkommt, werden die Stellen rot, kribbeln oder pochen.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern äußert sich das Raynaud-Phänomen ähnlich wie bei Erwachsenen, aber Kinder berichten oft weniger über die genauen Farbwechsel. Auch hier sind Kälte und Stress typische Auslöser.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Erwachsenen kann das Raynaud-Phänomen auf eine zugrundeliegende Gefäßerkrankung hinweisen. Die Symptome sind ähnlich, können aber länger anhalten und häufiger auftreten.
Ursachen
Hauptursachen
- Bei der primären Form ist die Ursache unbekannt, aber es besteht eine Überempfindlichkeit der Blutgefäße auf Kälte oder Stress.
- Die sekundäre Form wird durch andere Erkrankungen ausgelöst, z. B. Bindegewebskrankheiten (Sklerodermie, Lupus), Gefäßentzündungen oder Medikamente (wie Betablocker).
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht.
- Junges Erwachsenenalter (18–30 Jahre).
- Rauchen (verengt die Blutgefäße).
- Wiederholte Kälteeinwirkung (z. B. Arbeit mit Kühlräumen).
- Berufsbedingte Vibrationen (z. B. mit Presslufthämmern).
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn sich ein Finger oder Zeh verfärbt und nicht wieder normal wird.
- Wenn offene Wunden oder Geschwüre auftreten.
- Wenn starke Schmerzen oder Funktionsverlust auftreten.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Anfälle häufig, lang anhaltend oder besonders schmerzhaft sind.
- Wenn Sie den Verdacht haben, dass eine Grunderkrankung vorliegt (z. B. Gelenkschmerzen, Hautveränderungen).
- Sprechen Sie bei erstmaligem Auftreten mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.
Diagnose
Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt meist anhand der typischen Beschreibung der Anfälle und einer körperlichen Untersuchung. Es gibt keine einfachen Bluttests, aber bestimmte Untersuchungen können helfen.
Mögliche Untersuchungen
- Kälteprovokationstest: Dabei werden die Hände oder Füße kurz in kaltes Wasser getaucht, um einen Anfall auszulösen.
- Kapillarmikroskopie: Die Ärztin oder der Arzt betrachtet die feinen Blutgefäße am Fingernagel unter einem Mikroskop.
- Blutuntersuchungen: Um eine Grunderkrankung wie Rheuma oder Bindegewebskrankheiten auszuschließen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arztbesuch beginnt mit einem Gespräch über Ihre Symptome und mögliche Auslöser. Dann folgt eine körperliche Untersuchung. In manchen Fällen werden spezielle Tests wie die Nagelfalzkapillarmikroskopie durchgeführt. Die Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern meist nicht länger als eine Stunde.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Form und Schwere des Raynaud-Phänomens. Bei leichten Fällen reichen oft Verhaltensänderungen. Bei schweren oder sekundären Formen kann eine medikamentöse Therapie nötig sein.
Selbsthilfe zu Hause
- Hände und Füße warmhalten: Tragen Sie Handschuhe, dicke Socken und bequeme Schuhe.
- Vermeiden Sie plötzliche Temperaturwechsel, z. B. vom Warmen ins Kalte.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, um die Durchblutung zu fördern.
- Stress reduzieren: Entspannungsübungen wie autogenes Training oder Yoga können helfen.
Medizinische Behandlungen
Wenn Selbsthilfemaßnahmen nicht ausreichen, können gefäßerweiternde Medikamente verschrieben werden. Diese müssen von einer Ärztin oder einem Arzt verordnet werden. Die Einnahme erfolgt meist über einen längeren Zeitraum. Auch die Behandlung einer zugrundeliegenden Erkrankung (z. B. Sklerodermie) ist wichtig.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt nur in sehr seltenen, schweren Fällen infrage, wenn medikamentöse Behandlungen nicht helfen und Gewebeschäden drohen. Dabei werden die Nerven um die Blutgefäße durchtrennt, um die Verkrampfung zu lösen (sympathektomie).
Leben mit der Erkrankung
Das Raynaud-Phänomen erfordert vor allem, dass Sie Ihren Alltag an die Kälteempfindlichkeit anpassen. Mit einfachen Maßnahmen wie warmen Kleidung und Vermeidung von Zugluft können Sie die Anfallshäufigkeit reduzieren. Viele Betroffene führen ein normales Leben ohne große Einschränkungen.
Tipps für den Alltag
- Tragen Sie immer Handschuhe und warme Socken, auch in milden Temperaturen.
- Vermeiden Sie Rauchen, da es die Blutgefäße zusätzlich verengt.
- Nutzen Sie Wärmekissen oder Handwärmer in der kalten Jahreszeit.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse unterstützt die allgemeine Gesundheit. Moderate Bewegung wie Spaziergänge, Schwimmen oder Radfahren fördert die Durchblutung. Vermeiden Sie jedoch sportliche Aktivitäten bei extremer Kälte.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die plötzlichen Anfälle können unangenehm und beängstigend sein, besonders wenn sie im öffentlichen Raum auftreten. Einige Betroffene fühlen sich deshalb unsicher. Es hilft, mit vertrauten Menschen darüber zu sprechen oder sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen.
Vorbeugung
Ein primäres Raynaud-Phänomen lässt sich nicht verhindern, aber Sie können die Häufigkeit und Stärke der Anfälle reduzieren, indem Sie Kälte und Stress meiden. Bei der sekundären Form steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund.
Impfungen
Es gibt keine speziellen Impfungen gegen das Raynaud-Phänomen. Allgemeine Impfungen nach dem deutschen Impfplan sind aber zu empfehlen, um weitere Erkrankungen zu vermeiden.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening auf Raynaud-Phänomen ist nicht üblich. Bei Risikopersonen (z. B. mit Bindegewebserkrankungen) wird im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen darauf geachtet.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei sehr schweren oder unbehandelten Fällen können Hautgeschwüre (offene Wunden) an den Fingern oder Zehen entstehen.
- Selten kann es zu dauerhaften Durchblutungsstörungen bis hin zum Gewebsuntergang (Nekrose) kommen.
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Bei den meisten Menschen mit primärem Raynaud-Phänomen bleibt es bei harmlosen Anfällen, die mit einfachen Maßnahmen gut kontrollierbar sind. Bei der sekundären Form hängt der Verlauf von der Grunderkrankung ab, aber auch hier sind heute viele Behandlungsmöglichkeiten verfügbar. Mit der richtigen Unterstützung können fast alle Betroffenen ein normales, aktives Leben führen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2026
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