Rheumatic fever awareness
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Rheumatisches Fieber ist eine entzündliche Erkrankung, die als Folge einer unbehandelten oder nicht ausreichend behandelten bakteriellen Infektion (Streptokokken-Infektion) im Rachen auftreten kann. Die Entzündung kann verschiedene Körperteile betreffen, vor allem Gelenke, das Herz, die Haut und das Nervensystem.
Wichtige Fakten
- Rheumatisches Fieber tritt meist einige Wochen nach einer Streptokokken-Infektion des Rachens auf, wie zum Beispiel einer eitrigen Mandelentzündung.
- Die Erkrankung kann zu dauerhaften Herzschäden führen, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird.
- Durch eine frühzeitige und vollständige Behandlung der Streptokokken-Infektion mit Antibiotika kann rheumatisches Fieber meist verhindert werden.
In Deutschland ist rheumatisches Fieber heute selten geworden, da Streptokokken-Infektionen meist gut mit Antibiotika behandelt werden. In Entwicklungsländern tritt es jedoch häufiger auf.
Es betrifft überwiegend Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 15 Jahren, kann aber auch bei Erwachsenen auftreten.
Symptome
- Starke Brustschmerzen die in den Arm oder Kiefer ausstrahlen
- Atemnot oder das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen
- Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit
- Plötzliche, starke Gelenkschwellung verbunden mit hohem Fieber
- ⚠Anhaltendes Fieber über 39 Grad Celsius trotz fiebersenkender Maßnahmen
- ⚠Neue Gelenkschwellungen, die sich auf andere Gelenke ausbreiten
- ⚠Unkontrollierte Bewegungen, die plötzlich auftreten
- ⚠Hautausschlag, der sich schnell ausbreitet
Häufige Symptome
- Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl
- Schmerzhafte, geschwollene Gelenke (vor allem Knie, Sprunggelenke, Ellbogen, Handgelenke)
- Hautausschlag, der wie rote Ringe oder Kreise aussehen kann
- Knoten unter der Haut, besonders über Knochenvorsprüngen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern treten häufig Gelenkschmerzen und Schwellungen auf, die von einem Gelenk zum anderen wandern können.
- Unkontrollierte, ruckartige Bewegungen der Arme und Beine (Chorea minor) – dies kann wie Nervosität oder Ungeschicklichkeit wirken.
- Schnelle Ermüdung und verminderte Leistungsfähigkeit
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei Erwachsenen sind die Gelenksymptome oft stärker ausgeprägt, aber die Chorea minor tritt seltener auf.
- Herzsymptome wie Brustschmerzen und unregelmäßiger Herzschlag können im Vordergrund stehen.
- Das Risiko für dauerhafte Herzschäden ist bei älteren Patienten höher.
Ursachen
Hauptursachen
- Rheumatisches Fieber wird durch eine Infektion mit bestimmten Bakterien (Streptokokken der Gruppe A) ausgelöst.
- Die Bakterien verursachen meist eine einfache Halsentzündung oder Mandelentzündung.
- Wenn die Infektion nicht richtig mit Antibiotika behandelt wird, kann das Immunsystem überschießend reagieren und gesundes Gewebe angreifen – vor allem an Gelenken, Herz und Haut.
Risikofaktoren
- Kindes- oder Jugendalter (häufigste Altersgruppe 5–15 Jahre)
- Frühere Streptokokken-Infektion, die nicht oder nicht vollständig behandelt wurde
- Enges Zusammenleben in Gemeinschaftseinrichtungen (wie Kindergärten, Internaten)
- Schlechte Zugangsmöglichkeiten zur medizinischen Versorgung
- Geschwister oder andere Familienmitglieder mit rheumatischem Fieber in der Vorgeschichte
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Halsschmerzen mit Fieber über 38 Grad Celsius, die länger als zwei Tage anhalten
- Bei geschwollenen, roten oder schmerzhaften Gelenken, vor allem nach einer Halsentzündung
- Wenn ein Kind oder Erwachsener plötzlich unwillkürliche Bewegungen zeigt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Nach einer Streptokokken-Infektion, auch wenn keine Symptome mehr bestehen, sollte ein Arzt entscheiden, ob eine weitere Behandlung nötig ist.
- Wenn Sie oder Ihr Kind bereits einmal rheumatisches Fieber hatten, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Kardiologen (Herzspezialisten) wichtig.
Diagnose
Die Diagnose wird anhand einer Kombination aus typischen Symptomen, einer körperlichen Untersuchung und bestimmten Laborwerten gestellt. Der Arzt fragt nach einer kürzlichen Halsentzündung und prüft, ob Kriterien vorliegen, die rheumatisches Fieber wahrscheinlich machen.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung auf Entzündungsmarker (wie CRP oder BSG)
- Rachenabstrich oder Blutkultur zum Nachweis von Streptokokken
- EKG (Elektrokardiogramm) zur Überprüfung der Herzfunktion
- Echokardiogramm (Ultraschall des Herzens) zur Beurteilung der Herzklappen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei. Für das EKG werden Elektroden auf die Brust geklebt, beim Herzultraschall wird ein Schallkopf auf die Brust gesetzt. Die Blutabnahme dauert nur kurz. Ergebnisse können meist innerhalb weniger Stunden bis Tage vorliegen.
Behandlung
Das rheumatische Fieber wird mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt, um die Entzündung im Körper zu stoppen und Folgeschäden zu vermeiden. Zudem wird die ursprüngliche Streptokokken-Infektion mit Antibiotika bekämpft – auch wenn diese oft schon abgeklungen ist. Die Behandlung erfolgt meist im Krankenhaus, zumindest zu Beginn.
Selbsthilfe zu Hause
- Schonen Sie sich und gönnen Sie Ihrem Körper Ruhe, vor allem bei Gelenkschmerzen.
- Kühlen Sie schmerzende Gelenke mit feuchten Umschlägen – legen Sie aber kein Eis direkt auf die Haut.
- Trinken Sie ausreichend, vor allem Wasser und ungesüßte Tees.
- Nehmen Sie fiebersenkende Mittel nur nach Absprache mit Ihrem Arzt ein.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung umfasst in der Regel Antibiotika zur Beseitigung der Streptokokken sowie entzündungshemmende Medikamente (NSAR) zur Linderung von Gelenkschmerzen und Fieber. Bei schweren Fällen können Kortisonpräparate eingesetzt werden. Die genaue Medikation und Dosierung bestimmt der behandelnde Arzt individuell.
Wann kommt eine Operation infrage?
In seltenen Fällen, wenn rheumatisches Fieber zu schweren Herzklappenschäden führt, kann eine Operation zur Reparatur oder zum Ersatz der Herzklappe notwendig werden. Dies ist jedoch eine Entscheidung, die nur nach gründlicher Abwägung durch ein Herzteam getroffen wird.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer akuten Phase des rheumatischen Fiebers ist Erholung das Wichtigste. Viele Menschen fühlen sich noch Wochen bis Monate müde. Gehen Sie langsam zurück in den Alltag, steigern Sie die Aktivität Stück für Stück. Bei Kindern ist meist eine vorübergehende Schulbefreiung oder Teilnahme an einer Therapie in der Rehaklinik nötig.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf eine gute Mundhygiene und regelmäßige Zahnarztbesuche – Karies oder Zahnfleischentzündungen können eine neue Streptokokken-Infektion begünstigen.
- Vermeiden Sie engen Kontakt zu Menschen mit akuten Halsentzündungen, bis diese antibiotisch behandelt wurden.
- Führen Sie einen Impfpass – eine jährliche Grippeimpfung wird bei Herzklappenbeteiligung empfohlen.
- Nehmen Sie alle verschriebenen Antibiotika genau nach Anweisung ein, auch wenn Sie sich besser fühlen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt die Genesung. Vermeiden Sie stark gewürzte oder fettige Speisen, die Gelenke zusätzlich reizen könnten. Körperliche Bewegung ist erst nach Abklingen der Entzündung erlaubt – beginnen Sie mit leichten Spaziergängen und steigern Sie langsam. Hören Sie auf Ihren Körper.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine längere Krankheit mit Schmerzen, Müdigkeit und möglichen Herzproblemen kann belastend sein. Es ist normal, sich ängstlich oder traurig zu fühlen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einem Psychologen, wenn die Gedanken Sie überwältigen. Kinder brauchen oft zusätzliche Unterstützung, um die Krankheit zu verstehen.
Vorbeugung
Ja, rheumatisches Fieber lässt sich in den meisten Fällen verhindern. Der Schlüssel ist eine frühzeitige und vollständige Behandlung von Streptokokken-Infektionen des Rachens mit Antibiotika. Wenn bei Ihnen oder Ihrem Kind eine Mandelentzündung diagnostiziert wurde, nehmen Sie das gesamte Antibiotikum wie verordnet ein – auch wenn die Beschwerden nachlassen.
Impfungen
Derzeit gibt es keinen Impfstoff gegen Streptokokken oder rheumatisches Fieber. Die jährliche Grippeimpfung und die Impfung gegen Pneumokokken werden jedoch bei Menschen mit Herzklappenschäden empfohlen, da sie ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionen haben. Fragen Sie Ihren Arzt, welche Impfungen für Sie sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie oder Ihr Kind bereits rheumatisches Fieber hatten, empfehlen Fachleute eine regelmäßige Kontrolle der Herzfunktion, meist jährlich, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Diese Kontrollen werden von Kardiologen durchgeführt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhafte Schäden an den Herzklappen (rheumatische Herzkrankheit), die zu Herzschwäche führen können
- Entzündung des Herzbeutels (Perikarditis) mit Flüssigkeitsansammlung um das Herz
- Störungen des Herzrhythmus, die zu Palpitationen oder Ohnmacht führen können
- Entzündung der Gelenke, die zu chronischen Gelenkschäden führen kann
- Selten: Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) mit neurologischen Symptomen
Langzeitprognose
Mit einer rechtzeitigen Behandlung erholen sich die meisten Menschen vollständig, vor allem Kinder. Die Langzeitprognose hängt entscheidend davon ab, ob das Herz betroffen war. Viele Patienten mit leichten Herzveränderungen können ein normales Leben führen, benötigen aber regelmäßige ärztliche Kontrollen. Schwere Herzschäden sind heute in Deutschland selten, da die Behandlung früh beginnt. Bei guter Nachsorge und konsequenter Antibiotikaprophylaxe ist die Lebenserwartung normal.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026
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