Sick sinus syndrome
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das Sick-Sinus-Syndrom (krankes Sinusknoten-Syndrom) ist eine Störung des natürlichen Schrittmachers des Herzens, des Sinusknotens. Dieser Knoten im rechten Vorhof sendet normalerweise elektrische Impulse aus, die den Herzschlag steuern. Beim Sick-Sinus-Syndrom arbeitet dieser Schrittmacher unregelmäßig – mal zu langsam, mal zu schnell oder mit Pausen. Das Herz kann dann nicht mehr richtig pumpen, und es kann zu Beschwerden wie Schwindel oder Müdigkeit kommen.
Wichtige Fakten
- Der Sinusknoten ist der natürliche Taktgeber des Herzens – beim Sick-Sinus-Syndrom ist seine Funktion gestört.
- Die Erkrankung tritt vor allem bei älteren Menschen auf, kann aber auch jüngere betreffen.
- Viele Betroffene haben zunächst keine Symptome; die Störung wird oft zufällig bei einer EKG-Untersuchung entdeckt.
- Eine Behandlung ist nicht immer nötig – nur wenn Symptome auftreten oder das Risiko für Komplikationen steigt.
- Bei schweren Fällen kann ein Herzschrittmacher helfen, den Herzrhythmus zu stabilisieren.
Das Sick-Sinus-Syndrom ist nicht sehr häufig, aber auch nicht selten. Es tritt vor allem bei Menschen über 65 Jahren auf. In der Allgemeinbevölkerung ist es die häufigste Ursache für einen dauerhaft zu langsamen Herzschlag (Bradykardie), der behandelt werden muss.
Die Erkrankung betrifft überwiegend ältere Erwachsene – besonders ab dem 70. Lebensjahr. Sie kann aber auch bei jüngeren Menschen vorkommen, etwa nach Herzoperationen oder bei bestimmten Herzmuskelerkrankungen. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen.
Symptome
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht, die länger als eine Minute andauert
- Starke Brustschmerzen oder Engegefühl in der Brust
- Plötzliche Atemnot, die nicht nachlässt
- Sehr langsamer Puls (unter 40 Schläge pro Minute) in Verbindung mit Schwindel oder Schwäche
- ⚠Wiederholte Ohnmachtsanfälle oder Beinahe-Ohnmachten
- ⚠Anhaltendes Herzrasen oder unregelmäßiger Puls, der nicht weggeht
- ⚠Zunehmende Müdigkeit oder Leistungsabfall, die den Alltag einschränken
- ⚠Neu auftretende Kurzatmigkeit
Häufige Symptome
- Schwindel oder Benommenheit
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Herzrasen (vorübergehend schnell schlagendes Herz)
- Aussetzer oder unregelmäßiger Puls
- Kurzatmigkeit bei Belastung
- Ohnmachtsanfälle oder Beinahe-Ohnmachten
Symptome bei Kindern
- Das Sick-Sinus-Syndrom ist bei Kindern sehr selten. Wenn es auftritt, dann meist nach einer Herzoperation (z. B. bei angeborenen Herzfehlern).
- Mögliche Symptome: Müdigkeit, verminderte Belastbarkeit, langsamer Puls, unerklärliche Ohnmachtsanfälle.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schwindel und Stürze (häufig erstes Anzeichen)
- Verwirrtheit oder Gedächtnisprobleme (durch unzureichende Durchblutung des Gehirns)
- Herzrasen oder plötzliches Herzklopfen, gefolgt von Pausen
- Atemnot bei leichter Aktivität oder im Liegen
Ursachen
Hauptursachen
- Altersbedingte Veränderungen des Sinusknotens (häufigste Ursache)
- Herzkranzgefäßverkalkung (koronare Herzkrankheit)
- Herzmuskelentzündung oder andere Herzmuskelerkrankungen
- Narbenbildung im Herzen nach Herzinfarkt oder Herzoperation
- Bestimmte Medikamente (z. B. Betablocker, Calciumkanalblocker, Antiarrhythmika) – diese können die Funktion des Sinusknotens beeinträchtigen
Risikofaktoren
- Hohes Alter (über 65 Jahre)
- Bluthochdruck
- Herzkranzgefäßverkalkung
- Diabetes mellitus
- Vorhofflimmern (eine andere Herzrhythmusstörung)
- Herzoperationen in der Vorgeschichte
- Einnahme von herzrhythmusbeeinflussenden Medikamenten
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Ohnmachtsanfällen oder Beinahe-Ohnmachten ohne erkennbare Ursache
- Bei anhaltendem Herzrasen oder sehr langsamem Puls (unter 40 Schläge pro Minute)
- Bei Brustschmerzen oder Atemnot
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie wiederholt Schwindel oder Müdigkeit verspüren und unsicher sind, woher es kommt
- Wenn Sie einen unregelmäßigen Puls bemerken (z. B. Aussetzer oder Wechsel zwischen schnell und langsam)
- Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Herz schlägt anders als früher
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel von einem Kardiologen (Herzspezialisten) gestellt. Zunächst werden Ihre Symptome und Ihre Krankengeschichte genau erfragt. Dann folgen Untersuchungen, um die Funktion des Sinusknotens zu überprüfen.
Mögliche Untersuchungen
- Ruhe-EKG: Zeichnet die Herzströme im Liegen auf – kann einen zu langsamen oder unregelmäßigen Herzschlag zeigen.
- Langzeit-EKG (24 Stunden oder länger): Ein tragbares Gerät zeichnet den Herzrhythmus über einen ganzen Tag auf – besonders wichtig, um unregelmäßige Episoden zu erfassen.
- Belastungs-EKG: Misst die Herzströme unter körperlicher Belastung (z. B. auf dem Fahrrad).
- Ereignis-Rekorder: Ein kleines Gerät, das Sie über mehrere Wochen oder Monate tragen – es zeichnet nur bei Symptomen oder automatisch bei Rhythmusstörungen auf.
- Echokardiographie (Herzultraschall): Untersucht die Struktur und Pumpfunktion des Herzens.
- Invasive elektrophysiologische Untersuchung (EPU): Eine Herzkatheter-Untersuchung, bei der die elektrischen Signale im Herzen direkt gemessen werden – nur in besonderen Fällen nötig.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei oder nur wenig belastend. Für das Langzeit-EKG bekommen Sie ein kleines Aufnahmegerät mit Klebeelektroden, das Sie im Alltag tragen. Ihr Arzt erklärt Ihnen genau, wie lange Sie es tragen müssen. Die Ergebnisse besprechen Sie dann in einem weiteren Termin. Manchmal ist ein Krankenhausaufenthalt nötig, um den Rhythmus über mehrere Tage zu überwachen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich danach, ob Sie Symptome haben und wie stark diese sind. Bei beschwerdefreien Menschen ist oft keine Therapie nötig – es reichen regelmäßige Kontrollen. Treten Symptome auf, kann ein Herzschrittmacher helfen, den Herzschlag zu stabilisieren. Medikamente kommen nur in bestimmten Fällen zum Einsatz, etwa um zu schnelle Herzschläge zu bremsen.
Selbsthilfe zu Hause
- Achten Sie auf ausreichend Flüssigkeit – zu wenig Trinken kann den Puls zusätzlich verlangsamen.
- Vermeiden Sie plötzliche, starke Belastungen, bis Ihr Arzt die Belastbarkeit eingeschätzt hat.
- Führen Sie ein Symptomtagebuch – notieren Sie, wann Schwindel oder Herzrasen auftreten und was Sie dabei gemacht haben.
- Meiden Sie übermäßigen Alkoholkonsum, da dieser den Herzrhythmus stören kann.
Medizinische Behandlungen
Wenn die Symptome ausgeprägt sind, wird Ihr Arzt eine Schrittmacher-Implantation vorschlagen. Dabei wird ein kleines Gerät unter die Haut eingesetzt, das über dünne Sonden Verbindung zum Herzen hat. Der Schrittmacher gibt elektrische Impulse ab, sobald das Herz zu langsam schlägt – so wird ein normaler Rhythmus sichergestellt. In manchen Fällen werden auch Medikamente verordnet, um zu schnelle Herzschläge zu verlangsamen – das sind sogenannte Antiarrhythmika. Die genaue Auswahl und Dosierung erfolgt immer individuell durch den behandelnden Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Die Implantation eines Herzschrittmachers ist ein kleiner chirurgischer Eingriff. Er wird unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose durchgeführt und dauert etwa ein bis zwei Stunden. Die meisten Menschen können nach ein bis zwei Tagen das Krankenhaus verlassen und nach kurzer Erholungszeit wieder normalen Aktivitäten nachgehen.
Leben mit der Erkrankung
Mit einem Sick-Sinus-Syndrom können die meisten Menschen ein normales Leben führen – besonders wenn ein Schrittmacher eingesetzt wurde. Wichtig ist, dass Sie auf Ihren Körper hören und bei neuen Symptomen rechtzeitig Ihren Arzt aufsuchen. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Kardiologen helfen, den Rhythmus im Blick zu behalten.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung – aber in Absprache mit Ihrem Arzt, welche Intensität für Sie geeignet ist.
- Ausreichend Schlaf und Stressvermeidung – zu viel Stress kann Herzrhythmusstörungen begünstigen.
- Verzichten Sie auf Rauchen, da Nikotin das Herz belastet.
- Nehmen Sie Medikamente nur nach ärztlicher Verordnung ein – manche rezeptfreie Mittel können den Herzrhythmus beeinflussen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und wenig gesättigten Fetten unterstützt die Herzgesundheit. Achten Sie auf eine moderate Salzaufnahme bei Bluthochdruck. Körperliche Aktivität wie Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen ist meist möglich und empfehlenswert – aber klären Sie mit Ihrem Arzt ab, ob Sie dabei einen bestimmten Pulsbereich einhalten sollten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer Herzrhythmusstörung kann verunsichern. Manche Menschen haben Angst vor Ohnmachtsanfällen oder vor dem Schrittmacher. Diese Sorgen sind normal. Ein offenes Gespräch mit Ihrem Arzt und ggf. psychologische Unterstützung können helfen. Viele Patienten gewöhnen sich schnell an den Schrittmacher und fühlen sich sicherer als vorher.
Vorbeugung
Das Sick-Sinus-Syndrom selbst lässt sich meist nicht verhindern, weil es oft altersbedingt ist. Sie können aber Ihr Risiko für Herzerkrankungen senken, die die Erkrankung begünstigen. Dazu gehören: gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, Nichtrauchen, Blutdruckkontrolle und gut eingestellter Blutzucker bei Diabetes. Auch die Vermeidung von übermäßigem Stress und ausreichend Schlaf tragen zur Herzgesundheit bei.
Früherkennungsprogramme
Ein systematisches Screening in der Allgemeinbevölkerung wird nicht empfohlen. Bei Menschen mit Risikofaktoren (z. B. Alter, Bluthochdruck) oder unklaren Symptomen kann Ihr Arzt ein EKG oder Langzeit-EKG durchführen. Besprechen Sie mit ihm, ob eine solche Untersuchung für Sie sinnvoll ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederholte Ohnmachtsanfälle mit Sturzverletzungen
- Verminderte körperliche Belastbarkeit bis hin zur Pflegebedürftigkeit
- Erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern (eine weitere Herzrhythmusstörung)
- Herzinsuffizienz (Herzschwäche) durch zu langsame Schlagfolge
- In seltenen Fällen plötzlicher Herztod – vor allem bei schweren Begleiterkrankungen
Langzeitprognose
Die Prognose ist bei rechtzeitiger Behandlung meist gut. Viele Menschen mit Sick-Sinus-Syndrom haben eine normale Lebenserwartung – besonders wenn sie einen Schrittmacher erhalten. Der Schrittmacher verbessert die Symptome deutlich und schützt vor gefährlichen Herzstillständen. Ohne Behandlung kann die Lebensqualität stark leiden, aber durch moderne Therapie ist die Erkrankung gut in den Griff zu bekommen. Bleiben Sie in ärztlicher Betreuung und nehmen Sie Kontrolltermine wahr.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2026
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