Sjogrens syndrome
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das Sjögren-Syndrom ist eine Autoimmunerkrankung. Dabei greift das Immunsystem fälschlicherweise die körpereigenen Drüsen an, die Tränen und Speichel produzieren. Die Folge sind vor allem trockene Augen und ein trockener Mund. Die Erkrankung kann auch andere Organe betreffen.
Wichtige Fakten
- Das Sjögren-Syndrom ist eine Autoimmunerkrankung – der Körper bekämpft sich selbst.
- Es betrifft häufiger Frauen als Männer, besonders im Alter zwischen 40 und 60 Jahren.
- Es kann allein auftreten (primäres Sjögren) oder zusammen mit anderen rheumatischen Erkrankungen (sekundäres Sjögren).
Das Sjögren-Syndrom ist nicht selten. In Deutschland sind schätzungsweise 0,1 bis 0,5 von 100 Menschen betroffen. Damit zählt es zu den häufigsten rheumatischen Erkrankungen.
Die Erkrankung tritt vor allem bei Frauen auf – etwa 9 von 10 Betroffenen sind weiblich. Das typische Erkrankungsalter liegt zwischen 40 und 60 Jahren, aber es kann auch jüngere oder ältere Menschen betreffen.
Symptome
- Plötzliche Sehverschlechterung oder starke Augenschmerzen
- Atemnot oder Brustschmerzen (kann auf Lungenbeteiligung hinweisen)
- ⚠Fieber mit geschwollenen Lymphknoten oder Gelenkschwellungen
- ⚠Anzeichen einer Hornhautverletzung (starke Lichtempfindlichkeit, Schmerz)
- ⚠Probleme beim Schlucken oder Sprechen aufgrund von extremer Trockenheit
Häufige Symptome
- Trockene Augen (Brennen, Fremdkörpergefühl, Rötung)
- Trockener Mund (Probleme beim Schlucken, Sprechen, vermehrte Karies)
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Gelenkschmerzen und -steifigkeit
- Trockene Haut und trockener Husten
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern tritt das Sjögren-Syndrom seltener auf. Häufige Zeichen sind wiederkehrende Ohrspeicheldrüsenschwellungen (wie „Mumps“) und Fieber. Die typischen trockenen Augen und der trockene Mund können fehlen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Im höheren Alter können die Symptome leicht mit normalen Altersveränderungen verwechselt werden. Besonders auffällig sind dann starke Mundtrockenheit, Schluckbeschwerden und eine erhöhte Zahnhalskaries.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und äußeren Auslösern (wie Virusinfektionen) die Autoimmunreaktion startet.
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht
- Familiäre Vorbelastung (Autoimmunerkrankungen in der Familie)
- Andere Autoimmunerkrankungen (z. B. Rheumatoide Arthritis, Lupus)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Sehstörungen, starken Augenschmerzen oder Rötung des Auges
- Bei plötzlicher Verschlechterung der Allgemeinsymptome (Fieber, Atemnot)
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn trockene Augen oder trockener Mund länger als ein paar Wochen anhalten
- Bei unerklärlicher Müdigkeit oder Gelenkschmerzen
Diagnose
Die Diagnose wird anhand der typischen Beschwerden, einer körperlichen Untersuchung und speziellen Tests gestellt. Oft ist eine Überweisung an einen Rheumatologen oder eine rheumatologische Fachambulanz notwendig.
Mögliche Untersuchungen
- Schirmer-Test: Messung der Tränenproduktion mit einem Filterpapierstreifen
- Speichelflussmessung: Prüfung der Speichelmenge
- Blutuntersuchungen auf Antikörper (Anti-Ro/SS-A und Anti-La/SS-B)
- Biopsie der Speicheldrüse (kleine Gewebeentnahme) – nur in unklaren Fällen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose kann einige Zeit in Anspruch nehmen, da die Symptome auch zu anderen Erkrankungen passen. Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt beraten und scheuen Sie nicht, nach einer Überweisung zum Facharzt zu fragen.
Behandlung
Das Sjögren-Syndrom ist nicht heilbar, aber die Beschwerden lassen sich gut lindern. Ziel der Behandlung ist es, die Trockenheit zu mildern, Entzündungen zu reduzieren und Folgeerkrankungen zu vermeiden. Die Therapie wird individuell angepasst.
Selbsthilfe zu Hause
- Bei trockenen Augen: künstliche Tränen (ohne Konservierungsstoffe) mehrmals täglich anwenden
- Bei trockenem Mund: viel Wasser trinken, zuckerfreie Bonbons oder Kaugummis
- Luftbefeuchter im Raum verwenden, besonders im Schlafzimmer
- Gute Mundhygiene: regelmäßige Zahnarztbesuche, fluoridhaltige Zahnpasta
- Vermeiden Sie rauchige, staubige oder klimatisierte Umgebungen
Medizinische Behandlungen
Bei stärkeren Beschwerden können Medikamente verschrieben werden, die die Speichel- oder Tränenproduktion anregen. Gegen Gelenk- und Muskelschmerzen helfen entzündungshemmende Mittel. In schweren Fällen kann der Arzt Medikamente einsetzen, die das Immunsystem bremsen. Eine Behandlung sollte immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist beim Sjögren-Syndrom nur sehr selten nötig, zum Beispiel bei Komplikationen wie Hornhautgeschwüren oder stark vergrößerten Speicheldrüsen.
Leben mit der Erkrankung
Mit dem Sjögren-Syndrom zu leben bedeutet, die Trockenheit zu managen und auf den eigenen Körper zu achten. Planen Sie regelmäßige Pausen ein und vermeiden Sie Überanstrengung. Eine gute Zusammenarbeit mit Ihren Ärzten – Hausarzt, Augenarzt, Zahnarzt und Rheumatologe – ist wichtig.
Tipps für den Alltag
- Trinken Sie über den Tag verteilt ausreichend Wasser.
- Vermeiden Sie Koffein, Alkohol und Nikotin – sie verstärken die Trockenheit.
- Schützen Sie Ihre Augen mit einer Sonnenbrille vor Wind und grellem Licht.
- Nutzen Sie bei trockener Haut milde, rückfettende Pflegeprodukte.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt das Immunsystem. Zucker sollte eingeschränkt werden, um Karies vorzubeugen. Bewegung – wie Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren – hilft gegen Müdigkeit und Gelenksteifigkeit, aber übertreiben Sie es nicht.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Erkrankung wie das Sjögren-Syndrom kann psychisch belasten. Gefühle von Frustration, Traurigkeit oder Erschöpfung sind normal. Scheuen Sie sich nicht, darüber zu sprechen, und suchen Sie bei Bedarf psychologische Unterstützung. Bei akuten Krisen wenden Sie sich an die Telefonseelsorge oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117).
Vorbeugung
Das Sjögren-Syndrom kann nicht verhindert werden, da die genauen Auslöser unbekannt sind. Sie können jedoch das Risiko von Komplikationen senken, indem Sie die Symptome gut behandeln lassen und regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen.
Impfungen
Impfungen wie gegen Grippe oder Pneumokokken werden empfohlen, da das Immunsystem möglicherweise geschwächt ist. Besprechen Sie Ihren Impfplan mit Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Eine Früherkennung ist nicht möglich. Bei Verdacht auf die Erkrankung sollten Sie frühzeitig einen Arzt aufsuchen. Achten Sie besonders auf Ihre Zähne und Augen – lassen Sie sich regelmäßig vom Zahnarzt und Augenarzt untersuchen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Starke Karies und Zahnverlust durch dauerhaft zu wenig Speichel
- Hornhautgeschwüre oder Narbenbildung auf der Hornhaut
- Entzündungen von Gelenken, Lunge, Nieren oder Blutgefäßen
- Erhöhtes Risiko für Lymphdrüsenkrebs (Non-Hodgkin-Lymphom)
Langzeitprognose
Mit einer guten Behandlung und regelmäßigen Kontrollen können die meisten Menschen mit Sjögren-Syndrom ein weitgehend normales Leben führen. Die Beschwerden lassen sich oft gut lindern, und schwere Verläufe sind selten. Eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Ärzteteam gibt Ihnen Sicherheit und verbessert Ihre Lebensqualität.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.