Spontaneous bacterial peritonitis awareness
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Spontane bakterielle Peritonitis (SBP) ist eine ernste bakterielle Infektion der Bauchhöhle (Peritoneum). Sie tritt plötzlich ohne erkennbare Ursache auf, meist bei Menschen mit Leberzirrhose (Narbenleber) und Wasseransammlung im Bauch (Aszites). Die Bakterien gelangen aus dem Darm in die Bauchflüssigkeit und verursachen eine Entzündung.
Wichtige Fakten
- Die SBP ist eine akute, lebensbedrohliche Komplikation bei fortgeschrittener Lebererkrankung.
- Sie erfordert sofortige medizinische Behandlung, meist im Krankenhaus.
- Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung verbessern die Überlebenschancen deutlich.
Die SBP ist nicht sehr häufig, aber ernst. Sie betrifft etwa 10–30 % aller Menschen mit Leberzirrhose und Aszites im Laufe ihrer Erkrankung. Bei rechtzeitiger Behandlung können viele Betroffene genesen.
Die SBP betrifft vor allem Menschen mit fortgeschrittener Leberzirrhose (Child-Pugh-Stadium B oder C) und Aszites. Auch nach einer Bauchoperation oder bei geschwächtem Immunsystem kann sie auftreten, aber der häufigste Auslöser ist die Leberzirrhose.
Symptome
- Starke Bauchschmerzen, die nicht nachlassen
- Hohes Fieber (über 39 °C) und Schüttelfrost
- Plötzliche Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit
- Atemnot oder beschleunigte Atmung
- ⚠Leichte bis mäßige Bauchschmerzen bei bekannter Leberzirrhose oder Aszites
- ⚠Fieber ohne andere erkennbare Ursache
- ⚠Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustands innerhalb weniger Tage
Häufige Symptome
- Plötzlich auftretende Bauchschmerzen oder Druckgefühl im Bauch
- Fieber (oft über 38 °C)
- Übelkeit und Erbrechen
- Veränderungen des geistigen Zustands, wie Verwirrtheit oder Schläfrigkeit (hepatische Enzephalopathie)
- Allgemeines Unwohlsein und Schwächegefühl
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern mit Lebererkrankung sind die Symptome oft unspezifisch: Reizbarkeit, Trinkschwäche, unklares Fieber.
- Der Bauch kann sich aufblähen oder druckempfindlich sein.
- Kinder wirken möglicherweise besonders müde oder benommen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen mit SBP zeigen oft keine typischen Bauchschmerzen oder Fieber.
- Stattdessen treten Verwirrtheit, Stürze oder eine plötzliche Verschlechterung des Allgemeinzustands auf.
- Die Körpertemperatur kann normal oder erniedrigt sein.
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterien aus dem Darm gelangen in die Bauchflüssigkeit (Aszites) und verursachen eine Infektion.
- Die geschädigte Leber kann Bakterien nicht mehr wirksam abfangen, so dass sie sich im Bauchraum ausbreiten.
Risikofaktoren
- Leberzirrhose mit Aszites (Wasseransammlung im Bauch)
- Frühere SBP (erhöhtes Rückfallrisiko)
- Niedriger Proteingehalt in der Aszitesflüssigkeit (unter 1,5 g/dl)
- Aktive Varizenblutung (Krampfaderblutung in der Speiseröhre)
- Geschwächtes Immunsystem (z. B. durch Kortison oder andere Immunsuppressiva)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie als Patient mit Leberzirrhose oder Aszites plötzlich Bauchschmerzen, Fieber oder Verwirrtheit bemerken, sofort ärztliche Hilfe suchen.
- Rufen Sie den Notruf 112, wenn starke Bauchschmerzen, hohes Fieber oder Bewusstseinsveränderungen auftreten.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei neu aufgetretenen, leichten Beschwerden wie Druckgefühl im Bauch oder leichtem Fieber sollten Sie noch am gleichen Tag Ihren Hausarzt oder Gastroenterologen kontaktieren.
- Lassen Sie sich regelmäßig auf Aszites und Anzeichen einer Infektion untersuchen, wenn Sie eine Lebererkrankung haben.
Diagnose
Die Diagnose wird durch eine Bauchhöhlenpunktion (Parazentese) gestellt. Dabei wird mit einer dünnen Nadel Flüssigkeit aus dem Bauch entnommen und im Labor untersucht.
Mögliche Untersuchungen
- Bauchhöhlenpunktion: Entnahme von Aszitesflüssigkeit zur Bestimmung der Zellzahl (Neutrophile) und zum Nachweis von Bakterien
- Blutuntersuchungen: Blutbild, Entzündungsmarker (CRP), Leber- und Nierenwerte
- Bildgebung: Ultraschall des Bauches (Sonographie) zur Beurteilung der Aszitesmenge
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Bauchpunktion wird meist im Liegen durchgeführt, örtliche Betäubung ist möglich. Sie dauert nur wenige Minuten. Nach der Punktion können Sie meist sofort nach Hause gehen oder bleiben bei schwerer Erkrankung im Krankenhaus. Die Ergebnisse liegen meist innerhalb weniger Stunden vor.
Behandlung
Die Behandlung einer SBP erfolgt in der Regel im Krankenhaus. Ziel ist es, die Bakterien schnell zu bekämpfen und Komplikationen wie Nierenversagen zu verhindern.
Selbsthilfe zu Hause
- Ruhen Sie sich aus und trinken Sie ausreichend Wasser – außer Ihr Arzt rät zu einer Flüssigkeitsbegrenzung.
- Achten Sie auf eine eiweißreiche, aber natriumarme Ernährung, wenn Sie an Leberzirrhose leiden.
- Vermeiden Sie Alkohol vollständig, da er die Leber zusätzlich schädigt.
Medizinische Behandlungen
Die Hauptbehandlung ist eine sofortige intravenöse Antibiotikagabe (breit wirksam gegen Darmbakterien). Zudem erhalten Sie oft Albumin (ein Eiweiß) über die Vene, um die Nierenfunktion zu schützen. Die Antibiotika werden je nach Erreger nach einigen Tagen möglicherweise umgestellt – dies entscheidet Ihr Arzt anhand der Laborergebnisse.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei SBP selbst nicht nötig. Sie kann aber erforderlich werden, wenn sich ein Abszess (Eiteransammlung) im Bauch bildet oder wenn die Grunderkrankung (z. B. eine Lebertransplantation) eine chirurgische Behandlung erfordert.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer SBP müssen Sie regelmäßig zur Vorsorge. Ihr Arzt wird den Aszites kontrollieren und gegebenenfalls eine vorbeugende Antibiotikagabe (Prophylaxe) verordnen. Achten Sie auf frühe Warnsignale wie Fieber oder Bauchschmerzen.
Tipps für den Alltag
- Vermeiden Sie Alkohol und Rauchen.
- H alten Sie Ihr Gewicht stabil und vermeiden Sie starkes Übergewicht.
- Pflegen Sie eine gute Mundhygiene und vermeiden Sie Infektionen.
- Lassen Sie sich gegen Grippe und Pneumokokken impfen (nach Absprache mit Ihrem Arzt).
Ernährung und Bewegung
Eine leichte, salzarme Kost (weniger als 2 g Salz pro Tag) und ausreichend Eiweiß (z. B. mageres Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte) sind empfehlenswert. Bewegung an der frischen Luft, wie Spaziergänge, kann das Immunsystem stärken – vermeiden Sie aber anstrengenden Sport, wenn Sie sich schwach fühlen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer SBP und die zugrunde liegende Lebererkrankung können belastend sein. Viele Betroffene haben Angst vor einem erneuten Schub oder fühlen sich erschöpft. Es ist wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen und darüber zu sprechen – mit Angehörigen oder einem Psychologen.
Vorbeugung
Ja, bei Menschen mit hohem Risiko kann eine vorbeugende Antibiotikagabe (Prophylaxe) die Wahrscheinlichkeit einer SBP senken. Ihr Arzt entscheidet, ob dies für Sie sinnvoll ist – in der Regel bei einem niedrigen Eiweißgehalt in der Bauchflüssigkeit oder nach einer überstandenen SBP.
Impfungen
Lassen Sie sich gegen Grippe (Influenza) und Pneumokokken impfen. Diese Impfungen verringern das Risiko von Infektionen, die eine SBP auslösen können. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über weitere empfohlene Impfungen bei Lebererkrankungen.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie Leberzirrhose und Aszites haben, wird Ihr Arzt regelmäßig (z. B. alle 1–3 Monate) die Menge und Beschaffenheit der Bauchflüssigkeit per Ultraschall kontrollieren. Bei Veränderungen wird frühzeitig eine Punktion durchgeführt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei fehlender Behandlung kann die Infektion in die Blutbahn gelangen (Sepsis) und zu Nierenversagen (hepatorenales Syndrom) führen.
- Es kann zu einem Kreislaufversagen und Multiorganversagen kommen – lebensbedrohlich.
- Auch eine Verschlechterung der Leberfunktion (Leberversagen) ist möglich.
Langzeitprognose
Mit rechtzeitiger und gezielter Antibiotikabehandlung erholen sich die meisten Patienten von der SBP. Die zugrunde liegende Lebererkrankung bleibt bestehen, aber eine erneute SBP kann durch vorbeugende Maßnahmen oft verhindert werden. Bleiben Sie in enger Absprache mit Ihrem Arzt – viele Menschen führen auch mit Leberzirrhose ein gutes Leben.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Selbsthilfegruppen für Leberkranke in Ihrer Nähe · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2026
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