Supraventricular tachycardia
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Supraventrikuläre Tachykardie (SVT) ist eine Herzrhythmusstörung, bei der das Herz zeitweise sehr schnell schlägt – oft über 150 Schläge pro Minute. Der schnelle Herzschlag beginnt in den oberen Herzkammern (Vorhöfen) oder im Bereich des AV-Knotens, einer wichtigen Schaltstelle im Herzen. In den meisten Fällen ist SVT nicht lebensbedrohlich, aber sie kann sehr unangenehm sein und sollte ärztlich abgeklärt werden.
Wichtige Fakten
- SVT ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen bei jungen Erwachsenen.
- Die Anfälle beginnen und enden oft plötzlich, meist ohne Vorwarnung.
- SVT ist in der Regel nicht lebensbedrohlich, kann aber das Wohlbefinden stark beeinträchtigen.
- Es gibt wirksame Behandlungen, darunter einfache Selbsthilfemaßnahmen und Medikamente.
Ja, SVT ist relativ häufig. Etwa 2 bis 3 von 1000 Menschen haben eine solche Herzrhythmusstörung. Sie tritt häufiger bei Frauen als bei Männern auf.
SVT kann Menschen jeden Alters betreffen, besonders häufig tritt sie jedoch bei jungen Erwachsenen (20–40 Jahre) auf. Auch Kinder und ältere Menschen können betroffen sein, wobei die Ursachen und Symptome unterschiedlich sein können.
Symptome
- Starke Brustschmerzen oder Engegefühl, das länger als ein paar Minuten anhält
- Plötzliche schwere Kurzatmigkeit
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht während des Herzrasens
- Verdacht auf einen Herzinfarkt (z. B. Schmerzen im Arm, Kiefer oder Rücken, Übelkeit)
- ⚠Herzrasen, das länger als 15–20 Minuten anhält und nicht von selbst aufhört
- ⚠Starke Schwindelgefühle, die das Stehen oder Gehen unmöglich machen
- ⚠Wiederholtes Erbrechen oder starkes Schwitzen ohne erkennbare Ursache
- ⚠Anfall von Herzrasen mit dem Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden
Häufige Symptome
- Plötzlich einsetzendes Herzrasen (Palpitationen), oft über 150 Schläge pro Minute
- Schwindelgefühl oder Benommenheit
- Kurzatmigkeit oder Engegefühl in der Brust
- Müdigkeit oder Schwäche während des Anfalls
- Angstgefühl oder innere Unruhe
- Manchmal ein Gefühl, als ob das Herz „rast“ oder „stolpert“
Symptome bei Kindern
- Bei Babys und Kleinkindern: ungewöhnliches Schreien, Blässe, Trinkschwäche oder Unruhe
- Bei älteren Kindern: Herzkopfen, Brustschmerzen, Schwitzen oder Ohnmacht (Synkope)
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Häufiger: Schwindel und Stürze
- Ohnmachtsanfälle (Synkopen)
- Anzeichen einer Herzschwäche wie Atemnot, geschwollene Beine oder Müdigkeit
Ursachen
Hauptursachen
- Angeborene zusätzliche Leitungsbahnen im Herzen (z. B. WPW-Syndrom)
- Störungen im Bereich des AV-Knotens (AV-Knoten-Reentrytachykardie)
- Bestimmte Herzerkrankungen wie Klappenfehler oder Herzmuskelentzündung
Risikofaktoren
- Stress, Aufregung oder Angst
- Starker Koffeinkonsum (Kaffee, Energy-Drinks)
- Alkohol oder Nikotin
- Schlafmangel oder Übermüdung
- Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
- Elektrolytstörungen (z. B. zu wenig Kalium oder Magnesium)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei erstmaligem oder sehr plötzlichem Herzrasen, das länger als 5–10 Minuten anhält
- Bei Herzbeschwerden in Verbindung mit Schwindel, Atemnot oder Brustschmerzen
- Wenn Sie während eines Anfalls ohnmächtig geworden sind
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Ihr Herzrasen regelmäßig (z. B. mehrmals pro Woche) auftritt
- Nach einem ersten Arztbesuch zur Kontrolle und weiteren Abklärung
- Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Beschwerden harmlos sind
Diagnose
Die Diagnose beginnt mit einem Gespräch (Anamnese) und einer körperlichen Untersuchung. Der Arzt fragt nach Ihren Symptomen, wann sie auftreten und was sie auslöst. Anschließend wird ein Elektrokardiogramm (EKG) geschrieben, um die Herzaktivität aufzuzeichnen.
Mögliche Untersuchungen
- Ruhe-EKG: Aufzeichnung der Herzströme in Ruhe, oft unauffällig, da der Anfall nicht während der Messung auftritt.
- Langzeit-EKG (24–72 Stunden): Sie tragen einen kleinen Rekorder, der Ihr Herz über einen längeren Zeitraum aufzeichnet.
- Event-Rekorder: Ein Gerät, das Sie bei einem Anfall selbst aktivieren, um ein EKG zu speichern.
- Belastungs-EKG: Aufzeichnung des Herzrhythmus während körperlicher Anstrengung (z. B. Fahrradfahren).
- Echokardiografie (Ultraschall des Herzens): Überprüfung der Herzstruktur und -funktion.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt wird versuchen, die genaue Art der Tachykardie zu bestimmen. Meistens ist eine Überweisung zu einem Kardiologen (Facharzt für Herzkrankheiten) sinnvoll. Dort werden oft weitere Untersuchungen durchgeführt, um die genaue Ursache zu finden und die beste Behandlung festzulegen. Die meisten Tests sind schmerzfrei und ambulant möglich.
Behandlung
Die Behandlung von SVT richtet sich nach der Häufigkeit der Anfälle, den Beschwerden und der Ursache. Viele Menschen brauchen keine dauerhafte Therapie, wenn die Anfälle selten und mild sind. Bei häufigeren oder belastenden Anfällen gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die Ihr Arzt mit Ihnen besprechen wird.
Selbsthilfe zu Hause
- Vagale Manöver: Bei einem Anfall kann man versuchen, den schnellen Herzschlag selbst zu beenden – z. B. durch tiefes Einatmen und anschließendes Pressen (Valsalva-Manöver) oder durch Massieren der Halsschlagader (Carotissinusmassage) – nur nach Anleitung durch einen Arzt.
- Kühlung: Ein kaltes Getränk trinken oder die Stirn mit kaltem Wasser benetzen kann helfen.
- Ruhe: Hinsetzen oder hinlegen, tief und ruhig atmen, bis der Anfall vorüber ist.
Medizinische Behandlungen
Falls nötig, kann der Arzt Medikamente verschreiben, die die Herzfrequenz senken oder den Rhythmus stabilisieren. Diese sogenannten Antiarrhythmika werden individuell eingestellt. Bei seltenen, aber schweren Anfällen kann auch ein Medikament zur Notfallbehandlung (z. B. als Spritze in der Arztpraxis oder Klinik) eingesetzt werden. Ihr Arzt wird mit Ihnen die Vor- und Nachteile der verschiedenen Optionen besprechen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn Medikamente nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden, kommt häufig eine Katheterablation infrage. Dabei wird über einen dünnen Schlauch (Katheter) ein bestimmter Bereich im Herzen verödet, der die Tachykardie auslöst. Der Eingriff ist minimalinvasiv und hat eine hohe Erfolgsrate. In seltenen Fällen kann eine Operation notwendig sein, zum Beispiel bei angeborenen Herzfehlern.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Menschen mit SVT führen ein ganz normales Leben. Es kann helfen, die eigenen Auslöser zu kennen und zu vermeiden. Führen Sie ein Tagebuch über Ihre Anfälle – das hilft dem Arzt, die Behandlung besser anzupassen. Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig ein, wenn Sie welche verschrieben bekommen.
Tipps für den Alltag
- Ausreichend Schlaf und Stressabbau (z. B. Meditation, Yoga, autogenes Training)
- Vermeiden von übermäßigem Koffein, Alkohol und Nikotin
- Regelmäßige Bewegung, aber nicht übertreiben – bei Bedarf Rücksprache mit dem Arzt
- Auf ausgewogene Ernährung mit genügend Magnesium und Kalium achten (z. B. Bananen, Nüsse, Vollkornprodukte)
Ernährung und Bewegung
Eine gesunde, ausgewogene Ernährung unterstützt Ihr Herz allgemein. Vermeiden Sie starke Belastungen direkt nach dem Essen. Bewegung ist grundsätzlich gut, aber beginnen Sie langsam und steigern Sie sich. Hören Sie auf Ihren Körper – wenn Sie während des Trainings Herzrasen bekommen, machen Sie eine Pause. Besprechen Sie Sportarten mit Ihrem Arzt, besonders wenn Sie Leistungssport betreiben.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Das plötzliche Herzrasen kann Angst auslösen, besonders wenn man die Ursache nicht kennt. Viele Betroffene entwickeln eine innere Anspannung oder vermeiden bestimmte Situationen aus Sorge vor einem Anfall. Es ist wichtig zu verstehen, dass SVT meist harmlos ist. Eine psychotherapeutische Begleitung oder Entspannungsverfahren können helfen, Ängste abzubauen.
Vorbeugung
SVT lässt sich nicht immer verhindern, vor allem wenn eine angeborene Veranlagung vorliegt. Aber Sie können die Häufigkeit und Schwere der Anfälle beeinflussen, indem Sie Ihre persönlichen Auslöser vermeiden. Gute Stressbewältigung, ausreichend Schlaf und eine herzgesunde Lebensweise können helfen.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine speziellen Vorsorgeuntersuchungen speziell für SVT. Wenn in Ihrer Familie bereits Herzkrankheiten bekannt sind, kann eine regelmäßige Untersuchung beim Hausarzt oder Kardiologen sinnvoll sein.
Komplikationen
Unbehandelt
- Selten: Entwicklung einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) bei sehr häufigen oder sehr schnellen Anfällen
- In sehr seltenen Fällen: Schlaganfallrisiko, wenn zusätzlich Vorhofflimmern vorliegt
- Unbehandelt kann die Lebensqualität durch Ängste und Belastung abnehmen
Langzeitprognose
Die Prognose bei SVT ist in den allermeisten Fällen sehr gut. Die meisten Menschen können mit einer passenden Behandlung ein völlig normales Leben führen. Viele Betroffene haben nur wenige Anfälle oder nach einer erfolgreichen Katheterablation gar keine mehr. Mit der richtigen Einstellung und ärztlicher Begleitung brauchen Sie keine dauerhaften Einschränkungen zu befürchten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2026
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