Sehnenbeschwerden verstehen und richtig handeln
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Sehnen sind feste, elastische Bänder, die Muskeln mit Knochen verbinden. Sehnenkomplikationen sind unerwünschte Folgen einer Sehnenverletzung oder -erkrankung – zum Beispiel Entzündungen, Risse, Verwachsungen oder eingeschränkte Beweglichkeit. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Warnzeichen erkennen und was Sie tun können.
Wichtige Fakten
- Sehnen sind weniger durchblutet als Muskeln und brauchen daher oft länger zum Heilen.
- Ein plötzlicher Sehnenriss kann wie ein Peitschenknall klingen und sofort starke Schwäche verursachen.
- Viele Sehnenprobleme lassen sich mit Schonung, Kühlung und gezielter Übung behandeln – ohne Operation.
Ja. Sehnenbeschwerden gehören zu den häufigsten Gründen, weshalb Menschen eine orthopädische Praxis aufsuchen. Fast jeder Erwachsene erlebt im Laufe des Lebens einmal eine schmerzhafte oder gereizte Sehne.
Menschen jeden Alters können betroffen sein. Besonders häufig sind Sportler, körperlich Arbeitende und Personen ab 50 Jahren. Auch Menschen mit Diabetes, Gelenkerkrankungen oder anhaltendem Stress auf dem Bindegewebe haben ein erhöhtes Risiko.
Symptome
- Starke Rötung, zunehmende Schwellung und Fieber an einer Sehne – das kann auf eine schwere Infektion hindeuten. Rufen Sie den Notruf 112.
- Ein verletzter Finger, Fuß oder Arm wird plötzlich blass, kalt oder gefühllos – das kann auf eine Durchblutungsstörung hinweisen.
- ⚠Ein hörbarer Knall oder Riss mit sofortigem Kraftverlust – möglicher Sehnenriss, noch am selben Tag ärztlich abklären lassen.
- ⚠Unfähigkeit, ein Gelenk zu belasten oder zu bewegen, auch wenn der Schmerz nicht sehr stark ist.
- ⚠Eine offene Wunde im Bereich einer Sehne, zum Beispiel durch einen Schnitt oder Sturz.
Häufige Symptome
- Schmerzen bei Bewegung oder Druck auf die betroffene Sehne
- Schwellung, Rötung oder Wärmegefühl an der Stelle
- Schwäche oder ein Gefühl der Instabilität
- Reiben, Knarren oder ein fühlbares Schnappen bei Bewegung
- Nachlassen der Kraft beim Greifen, Heben oder Auftreten
Ursachen
Hauptursachen
- Plötzliche Überlastung oder ein unkontrollierter Bewegungsablauf, zum Beispiel beim Sport.
- Wiederholte gleichförmige Bewegungen im Beruf oder Alltag, die die Sehne dauerhaft reizen.
- Abnutzung und Verschleiß mit zunehmendem Alter.
- Entzündliche Erkrankungen, die das Bindegewebe angreifen können.
Risikofaktoren
- Alter über 50 Jahre.
- Sportarten mit Sprüngen, Stopps oder abrupten Richtungswechseln.
- Arbeit, die einseitige Bewegungen oder schwere Lasten fordert.
- Übergewicht.
- Rauchen, das die Durchblutung des Sehnengewebes verschlechtert.
- Einnahme bestimmter Medikamente, zum Beispiel längere Behandlung mit Kortison – fragen Sie dazu Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzlicher Kraftverlust nach einem Riss- oder Knallgeräusch.
- Rötung, Fieber und zunehmende Schmerzen als mögliches Zeichen einer Infektion.
- Nach einer offenen Verletzung wie einem Schnitt oder Stich in der Nähe einer Sehne.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Schmerzen an einer Sehne, die länger als zwei Wochen anhalten.
- Wiederkehrende Beschwerden trotz Ruhe und Kühlung.
- Sie spüren beim Bewegen ein Knacken oder Schnappen, das mit Schmerzen verbunden ist.
- Vor geplanten intensiveren Sportbelastungen, wenn in der Vergangenheit Sehnenprobleme aufgetreten sind.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt untersucht die betroffene Stelle, fragt nach dem Verletzungshergang und prüft Beweglichkeit und Kraft. Bildgebende Verfahren können die Sehne sichtbar machen und Art und Ausmaß der Schädigung bestimmen.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung mit gezielten Funktionstests für die betroffene Sehne
- Ultraschall (Sonografie) zeigt Sehnenstruktur und Bewegung in Echtzeit
- Magnetresonanztomographie (MRT) wird bei tiefen oder unklaren Sehnenverletzungen eingesetzt
- Bei Verdacht auf eine begleitende Infektion: Blutuntersuchung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel nicht schmerzhaft, kann aber bei manchen Funktionstests unangenehm sein. Je nach Ergebnis bespricht die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen die nächsten Schritte – von weiteren Untersuchungen bis hin zu einem Behandlungsplan.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Art und Schwere der Sehnenverletzung ab. Viele Sehnenprobleme lassen sich mit Schonung, Kühlung, gezielter Bewegungstherapie und physiotherapeutischer Behandlung gut versorgen. Bei einem kompletten Riss kann eine Operation notwendig sein.
Selbsthilfe zu Hause
- Belastung reduzieren und betroffene Stelle hochlagern
- Mehrmals täglich kühlen, zum Beispiel mit einem feuchten Tuch oder Kühlpad, jeweils etwa 15 bis 20 Minuten
- Eine elastische Bandage kann schützen – lassen Sie sich dazu in der Apotheke beraten
- Bewegungsübungen unter physiotherapeutischer Anleitung helfen, die Sehne geschmeidig zu halten
Medizinische Behandlungen
Ärztliche Behandlungen umfassen physiotherapeutische Übungen, manuelle Therapie, Injektionen mit entzündungshemmenden Wirkstoffen, Stoßwellentherapie oder andere Verfahren. Je nach Befund kann auch eine Operation in Betracht kommen. Lassen Sie sich immer von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über das empfohlene Vorgehen und mögliche Alternativen beraten.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird oft erst dann empfohlen, wenn die Sehne vollständig gerissen ist oder wenn konservative Behandlungen nach mehreren Monaten keinen Erfolg gebracht haben. Auch bei bestimmten Verletzungen, die die Funktion der Hand oder Schulter stark beeinträchtigen, kann eine frühzeitige Operation sinnvoll sein.
Leben mit der Erkrankung
Planen Sie ausreichend Regenerationsphasen ein und unterbrechen Sie einseitige Tätigkeiten regelmäßig. Eine Verletzungsphase ist eine gute Gelegenheit, andere Bewegungsformen auszuprobieren, die die Sehne nicht belasten – sprechen Sie das aber vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Tipps für den Alltag
- Sich vor dem Sport aufwärmen und danach langsam ausklingen lassen.
- Arbeitsplatz und Alltagsbewegungen rückengerecht und gelenkschonend einrichten.
- Mit dem Rauchen aufhören, um die Durchblutung zu verbessern.
- Übergewicht reduzieren, um Sehnen und Gelenke zu entlasten.
Ernährung und Bewegung
Eine eiweißreiche Ernährung mit frischem Obst und Gemüse liefert Bausteine für gesundes Bindegewebe. Geeignete sportliche Aktivitäten bei Sehnenproblemen sind Schwimmen, Radfahren und sanftes Krafttraining mit leichten Gewichten – besprechen Sie das optimale Aufbauprogramm mit einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Längere Schmerzen und Bewegungseinschränkungen können auf die Stimmung drücken. Es ist normal, sich manchmal frustriert zu fühlen. Achten Sie auf Ihre seelische Gesundheit und suchen Sie bei Bedarf Unterstützung – etwa im Gespräch mit Angehörigen, in einer Selbsthilfegruppe oder über ärztliche und psychotherapeutische Angebote. Wenn die Belastung sehr groß wird und Sie Gedanken haben, sich etwas anzutun, suchen Sie bitte sofort Hilfe: Rufen Sie den Notruf 112 oder wenden Sie sich an eine psychiatrische Notaufnahme.
Vorbeugung
Nicht jede Sehnenverletzung lässt sich verhindern, aber das Verletzungsrisiko sinkt erheblich, wenn Sie Ihr Gewebe trainieren, aufwärmen und ausreichend Pausen einlegen. Auch eine gute allgemeine Fitness und ein gesunder Lebensstil schützen das Bindegewebe.
Impfungen
Es gibt keine spezielle Impfung gegen Sehnenprobleme. Eine allgemeine Impfberatung bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt ist trotzdem sinnvoll – unter anderem zur Vorbeugung von Infektionen, die im schlimmsten Fall Gelenke oder Sehnen betreffen können.
Früherkennungsprogramme
Eine spezielle Screening-Untersuchung für Sehnenkomplikationen gibt es nicht. Bei bekannten Risikofaktoren wie Diabetes oder rheumatischen Erkrankungen sollte die ärztliche Kontrolle auch die Sehnen einbeziehen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ein unbehandelter Sehnenriss kann zu dauerhaftem Kraftverlust und Bewegungseinschränkung führen.
- Anhaltende Entzündungen können die Sehne irreparabel schädigen.
- Es können sich Verwachsungen zwischen Sehne und umliegendem Gewebe bilden, die die Gleitfähigkeit einschränken.
Langzeitprognose
Die meisten Sehnenkomplikationen heilen gut aus, wenn sie rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Auch eine Operation ist kein Beinbruch – viele Menschen erreichen danach wieder ihre gewohnte Beweglichkeit. Geduld und konsequentes Üben sind der Schlüssel zum Erfolg.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.