Sehnen im Alter
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Sehnen sind kräftige, aber elastische Bänder aus Bindegewebe. Sie verbinden Muskeln mit Knochen und übertragen die Kraft, die für Bewegung nötig ist. Mit dem Alter verlieren Sehnen an Elastizität und Belastbarkeit, was zu Schmerzen und Verletzungen führen kann.
Wichtige Fakten
- Mit zunehmendem Alter werden Sehnen steifer und verletzungsanfälliger.
- Regelmäßige, sanfte Bewegung und Kräftigung können die Sehnen gesund halten.
- Nicht jede Sehenbeschwerde braucht eine Operation – oft helfen Physiotherapie und Geduld.
Ja. Sehnenbeschwerden gehören zu den häufigeren orthopädischen Problemen im Alter. Viele Menschen über 60 haben mindestens gelegentlich Sehnenreizungen (Tendinopathien).
Sie können jeden treffen, besonders aber Menschen ab 60, die körperlich aktiv sind oder früher viel Sport getrieben haben. Auch Personen mit Diabetes, Übergewicht oder Rheuma sind häufiger betroffen.
Symptome
- Sichtbare Verformung eines Gelenks oder Knochens nach einem Sturz
- Eine offene Wunde mit herausragendem Knochen (offener Bruch)
- Komplette Gefühllosigkeit oder Durchblutungsstörung von Hand oder Fuß
- ⚠Plötzlicher, reißender Schmerz mit hörbarem ‚Knall' – zum Beispiel in der Waden- oder Oberarmsehne
- ⚠Unfähigkeit, sich auf Zehenspitzen zu stellen oder den Arm nach oben zu heben
- ⚠Starke Schwellung oder Bluterguss nach einer Sportverletzung
- ⚠Schmerz, der auch in Ruhe nicht abklingt
Häufige Symptome
- Schmerzen bei Bewegung oder Belastung
- Leichte Schwellung oder Rötung über der Sehne
- Morgendliche Steifheit, die nach einigen Minuten Bewegung besser wird
- Kraftverlust im betroffenen Muskel
- Knirschen oder Reiben bei Bewegung
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Dumpfer, ziehender Schmerz an Schulter, Ellenbogen, Handgelenk, Hüfte, Knie oder Ferse
- Schmerzen, die nach Ruhe besser und bei Belastung wieder auftreten
- Gefühl von Schwäche oder Unsicherheit im Gelenk
- Morgens steif, bis sich die Sehne ‚warmläuft'
- Schwellung oder Wärmegefühl über der Sehne
Ursachen
Hauptursachen
- Altersbedingter Verschleiß der Sehnenfasern
- Überlastung durch wiederholte Bewegungen
- Fehlbelastung durch Schuhe, Gangart oder muskuläre Schwäche
- Verletzungen wie Zerrungen oder Risse
- Grunderkrankungen wie Diabetes, Rheuma oder Schilddrüsenstörungen
Risikofaktoren
- Fortgeschrittenes Alter
- Übergewicht
- Plötzliche Steigerung der körperlichen Aktivität
- Langes Sitzen mit schwacher Bein- und Gesäßmuskulatur
- Bestimmte Medikamente – fragen Sie hierzu Ihre Ärztin oder Ihren Arzt
- Rauchen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Akute Verletzung mit hörbarem Knall und Kraftverlust
- Starke Schwellung oder Bluterguss nach einem Sturz
- Schmerzen, die das Gehen oder den Alltag deutlich einschränken
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Schmerzen, die länger als zwei Wochen anhalten
- Wenn die Schmerzen trotz Ruhe nicht besser werden
- Wenn Sie unsicher sind, ob eine Übung sinnvoll ist
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach Ihren Symptomen, Ihrem Alltag und möglichen Auslösern. Danach folgt eine körperliche Untersuchung: Gelenke werden bewegt, einzelne Muskeln und Sehnen getestet und auf Druckpunkte untersucht. Die Diagnostik orientiert sich an den aktuellen Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften).
Mögliche Untersuchungen
- Bewegungs- und Funktionstests
- Ultraschall (zeigt Sehnendicke, Flüssigkeit oder Risse)
- Röntgenbild (zum Ausschluss von Knochenproblemen)
- Magnetresonanztomographie (MRT) bei unklaren oder tiefen Sehnenverletzungen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung dauert meist 15 bis 30 Minuten. In vielen Fällen erhalten Sie schon beim ersten Termin eine erste Einschätzung und Hinweise, was Sie im Alltag beachten sollen. Bei Bedarf werden weitere Termine für Zusatzuntersuchungen geplant.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der genauen Ursache ab. Im Vordergrund stehen zunächst nicht-operative Maßnahmen: Schonung in der akuten Phase, danach gezielte Bewegungstherapie. Eine Operation ist nur selten nötig – meist, wenn eine Sehne komplett gerissen ist und wichtige Funktionen stark eingeschränkt bleiben.
Selbsthilfe zu Hause
- Der betroffenen Stelle zunächst für 1 bis 2 Tage Schonung gönnen – Bewegung im Alltag ist weiterhin erlaubt, aber ohne Schmerzen
- Kühlen mit einem feuchten Tuch oder Kühlpad für 10 bis 15 Minuten, mehrmals täglich
- Beine hochlegen, wenn die Sehne geschwollen ist
- Sanfte Dehnübungen erst nach Abklingen der akuten Schmerzen
- Ausreichend trinken und auf eine ausgewogene Ernährung achten
Medizinische Behandlungen
Die Ärztin oder der Arzt kann entzündungshemmende Medikamente verschreiben – als Creme oder Tablette. Wirkstoff und Dosis werden individuell auf Sie abgestimmt. In einigen Fällen helfen Injektionen, Physiotherapie, Stoßwellentherapie oder eine Schiene (Orthese). Alle Maßnahmen sollten ärztlich begleitet werden. Fragen Sie immer nach dem Nutzen und den möglichen Nebenwirkungen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt erst infrage, wenn die Sehne vollständig gerissen ist und Bewegungen nicht mehr möglich sind – zum Beispiel bei einer gerissenen Achillessehne oder Bizepssehne. Ob eine Operation sinnvoll ist, hängt von Alter, Aktivität und persönlichen Zielen ab. Das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt hilft, alle Optionen abzuwägen.
Leben mit der Erkrankung
Sehnen brauchen Zeit, aber auch Bewegung. Ein guter Alltag sieht so aus: Schmerzspitzen vermeiden, regelmäßige Pausen einbauen, Bewegungen wechseln. Grundsätzlich gilt: Bewegung ja, aber ohne Schmerzen. Wenn eine Übung schmerzt, hören Sie auf oder verringern Sie die Intensität.
Tipps für den Alltag
- Gewicht im gesunden Bereich halten, um Sehnen zu entlasten
- Rauchen aufgeben – Rauchen verschlechtert die Durchblutung der Sehnen
- Auf gute Schuhe mit Dämpfung achten
- Vor dem Sport 5 bis 10 Minuten aufwärmen
- Ausreichend Schlaf für die Regeneration
Ernährung und Bewegung
Für die Sehnen ist eine ausreichende Versorgung mit Eiweiß wichtig – zum Beispiel aus Hülsenfrüchten, fettarmen Milchprodukten oder Fisch. Vitamin C aus Obst und Gemüse unterstützt die Bindegewebsbildung. Bewegung sollte gelenkschonend sein – etwa Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking. Bei Unsicherheit kann eine Physiotherapie helfen, einen individuellen Übungsplan zu erstellen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Sehnenschmerzen können frustrieren, besonders wenn sie lange anhalten. Es ist normal, sich eingeschränkt zu fühlen oder ärgerlich zu sein. Sprechen Sie mit Menschen, denen Sie vertrauen. Bei anhaltender Niedergeschlagenheit oder Schlafstörungen ist es ratsam, die Hausärztin oder den Hausarzt darauf anzusprechen – Unterstützung ist möglich.
Vorbeugung
Man kann Sehnen gesund halten, auch wenn das Alter nicht rückgängig zu machen ist. Wichtig sind regelmäßige, moderate Bewegung, Muskelkräftigung, Aufwärmen vor Sport und das Vermeiden von einseitigen Dauerbelastungen. So bleiben die Sehnen geschmeidig und gut durchblutet.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine Sehnenreizung kann chronisch werden und den Alltag dauerhaft beeinträchtigen
- Ein Teileinriss kann sich zu einem kompletten Sehnenriss entwickeln
- Eine Verkürzung der Sehne kann die Beweglichkeit des Gelenks einschränken
- Muskelverlust durch langes Schonen
Langzeitprognose
Die meisten Sehnenbeschwerden lassen sich gut behandeln. Sehnen heilen langsam, aber mit Geduld, passender Bewegung und ärztlicher Unterstützung können die meisten Menschen ihren Alltag wieder beschwerdefrei bewältigen. Auch im höheren Alter ist eine gute Besserung möglich.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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