Sehnen: Ein Überblick für Patientinnen und Patienten
Übersicht
Sehnen sind stabile, aber auch elastische Bänder aus Bindegewebe. Sie verbinden Muskeln mit Knochen und übertragen die Kraft der Muskeln auf das Skelett. Man kann sie sich wie seilartige Verbindungen vorstellen, die Zug aushalten und Bewegungen ermöglichen.
Wichtige Fakten
- Sehnen bestehen zum größten Teil aus Kollagen, einem festen Eiweiß.
- Sie haben nur eine geringe eigene Blutversorgung, daher heilen sie oft langsam.
- Bei Überlastung können sie schmerzen, sich entzünden oder einreißen.
Ja, Sehnenbeschwerden gehören weltweit zu den häufigsten Gründen für einen Arztbesuch – vor allem an Schulter, Handgelenk, Achillessehne und Knie.
Sie können in jedem Alter auftreten, aber besonders häufig bei Menschen zwischen 20 und 50 Jahren, die viel Sport treiben oder einseitig körperlich arbeiten. Mit dem Alter steigt das Risiko für Sehnenverschleiß.
Symptome
- Plötzlicher, heftiger Schmerz beim Reißen einer Sehne, zum Beispiel an der Achillessehne – rufen Sie sofort die Notrufnummer 112 an.
- Offene Verletzung mit sichtbarer Sehne oder stark blutender Wunde.
- Gefühllosigkeit, blasse oder bläuliche Verfärbung einer Gliedmaße nach einer Verletzung.
- Starke Schwellung, Fieber oder Überwärmung an der betroffenen Stelle – das kann auf einen Infekt hindeuten.
- ⚠Sie können ein Gelenk nicht mehr normal bewegen oder belasten.
- ⚠Die Schmerzen sind sehr stark und werden nicht besser, auch wenn Sie schonen.
- ⚠Sie bemerken ein Nachlassen der Kraft in einem Muskel oder eine Taubheit.
- ⚠Nach einem Sturz oder Unfall sind starke Schwellung und Bluterguss aufgetreten.
Häufige Symptome
- Schmerzen bei Bewegung oder wenn die Sehne gedrückt wird
- Schwellung, manchmal mit Rötung oder Wärmegefühl
- Ein spür- oder hörbares Reiben, Knirschen oder Knacken
- Schwäche im zugehörigen Muskel oder Bewegungseinschränkung
Ursachen
Hauptursachen
- Zu schnelle oder zu starke Belastung, zum Beispiel beim Sport ohne ausreichendes Aufwärmen
- Wiederholte gleichartige Bewegungen über einen langen Zeitraum
- Altersbedingter Verlust von Elastizität und Reißfestigkeit
- Direkte Verletzungen durch Schlag, Sturz oder Schnitt
Risikofaktoren
- Erhöhtes Training mit zu wenig Erholungspausen
- Einseitige sportliche oder berufliche Belastung
- Übergewicht, da Gelenke und Sehnen mehr Last tragen müssen
- Rauchen, weil es die Durchblutung und damit die Versorgung der Sehnen verschlechtert
- Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus oder entzündliche Gelenkerkrankungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Zeichen eines Sehnenrisses oder einer Infektion (siehe oben unter Notfall).
- Wenn Sie einen Unfall hatten und ein Gelenk nicht mehr belasten können.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Schmerzen länger als eine Woche anhalten oder sich verschlimmern.
- Wenn eine Schwellung oder Bewegungseinschränkung besteht.
- Wenn Sie trotz Schonung keine Besserung bemerken.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt Sie, wann und wie die Beschwerden begonnen haben und was sie verstärkt oder lindert. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung: Der Arzt tastet die Sehne ab, prüft die Beweglichkeit und die Kraft. Oft lässt sich daraus schon eine gute Einschätzung gewinnen.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschall (Sonografie): Mit Schallwellen lässt sich die Sehne gut darstellen; sie kann so auf Risse oder Entzündungen untersucht werden.
- Röntgenaufnahme: Zeigt vor allem Knochen und Kalzifizierungen, also Kalkablagerungen in der Sehne.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Gibt bei unklaren oder tiefen Sehnenproblemen eine detaillierte Darstellung von Weichteilen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung dauert in der Regel 15 bis 30 Minuten. Sie müssen dafür keine speziellen Vorbereitungen treffen. Wenn Sie Schmerzen haben, sagen Sie es dem medizinischen Personal – es wird Sie unterstützen.
Behandlung
Ziel ist es, die Sehne zu entlasten, Schmerzen zu lindern und die Belastbarkeit schrittweise wiederherzustellen. In Deutschland orientieren sich die Behandlungsempfehlungen an den Leitlinien der AWMF, also der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Die meisten Sehnenprobleme heilen mit konservativen Maßnahmen – also ohne Operation.
Selbsthilfe zu Hause
- Kühlen Sie die schmerzende Stelle in den ersten Tagen mehrmals täglich für etwa 15 Minuten mit einem feuchten Tuch oder Kühlgel (nicht direkt auf die Haut).
- Schonen Sie das Gelenk für 1 bis 2 Tage, aber vermeiden Sie absolute Ruhigstellung, da Bewegung die Heilung fördert.
- Lagern Sie die betroffene Extremität hoch, um eine Schwellung zu verringern.
- Dehnen Sie nicht gegen starke Schmerzen und steigern Sie die Belastung nur langsam.
Medizinische Behandlungen
Auf Wunsch oder bei ausgeprägten Beschwerden können Ärztinnen und Ärzte auch nicht-medikamentöse Therapien empfehlen, zum Beispiel Physiotherapie, Krankengymnastik oder Exzentertraining. Bei Entzündungen werden manchmal schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente verordnet – auch als Injektion in die Sehnenregion, zum Beispiel mit Kortison. Solche Behandlungen gehören immer in die Hand von Fachleuten. Welche Option in Ihrem Fall geeignet ist, sollten Sie in Ruhe mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in bestimmten Fällen erforderlich, etwa bei einem kompletten Sehnenriss, der die Funktion eines Gelenks stark beeinträchtigt, oder wenn konservative Behandlungen über mehrere Monate keine Besserung gebracht haben. Dabei wird die Sehne genäht, rekonstruiert oder neu befestigt.
Leben mit der Erkrankung
Geben Sie Ihrer Sehne Zeit. Planen Sie regelmäßige Ruhepausen ein und wechseln Sie einseitige Tätigkeiten ab, im Alltag wie im Beruf. Schmerzen sind ein Warnsignal – hören Sie darauf und reduzieren Sie die Belastung entsprechend.
Tipps für den Alltag
- Bewegung ohne Überlastung, zum Beispiel Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen
- Gezielte Kräftigungs- und Dehnübungen, nach Absprache mit der Physiotherapie
- Ausreichend Schlaf und Stressreduktion, um die Heilung zu unterstützen
- Rauchstopp, da Rauchen die Durchblutung und Elastizität der Sehnen verschlechtert
Ernährung und Bewegung
Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit genügend Eiweiß, Vitamin C und Zink – diese Nährstoffe braucht Ihr Körper für die Reparatur von Bindegewebe. Trinken Sie ausreichend Wasser. Steigern Sie sportliche Belastungen immer langsam und wärmen Sie sich mindestens 5 bis 10 Minuten auf.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit können belasten und manchmal zu Frustration oder Sorgen führen. Wenn Sie sich niedergeschlagen fühlen, sprechen Sie darüber – mit Angehörigen, Freunden oder einer psychologischen Beratungsstelle. Auch die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar. Bei akuter seelischer Krise wenden Sie sich an Ihren Hausarzt oder eine psychiatrische Einrichtung.
Vorbeugung
Viele Sehnenprobleme lassen sich vermeiden. Die wichtigsten Stellschrauben sind eine langsame Steigerung körperlicher Belastung, ausreichende Erholungszeiten und ein Training, das auch die Kraft und Koordination der Muskeln verbessert. Vermeiden Sie lange einseitige Bewegungen ohne Pausen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Aus einer leichten Reizung kann eine chronische Sehnenentzündung werden, die über Monate anhält.
- Es kann zu Verkalkungen in der Sehne (Kalzifikationen) kommen.
- Im schlimmsten Fall reißt die Sehne – das ist besonders an der Achillessehne möglich, etwa bei einer plötzlichen, starken Belastung.
- Bei unbehandelten Infektionen besteht die Gefahr einer schweren Entzündung, die sich ausbreiten kann.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind bei den meisten Sehnenproblemen sehr gut, insbesondere wenn sie rechtzeitig behandelt werden und Sie die Regeln der Schonung und des Wiederaufbaus befolgen. Auch nach einem Sehnenriss erlangen die meisten Menschen durch eine Operation und gute Rehabilitation ihre Funktion großteils zurück.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Rheuma-Liga e.V. ↗ · Deutschland
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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