Die Schilddrüse bei Kindern – verständlich erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ am Hals. Sie bildet Hormone, die fast alle Abläufe im Körper steuern: Stoffwechsel, Wachstum, Herzschlag und Stimmung. Bei einer Schilddrüsenerkrankung bildet sie entweder zu viele oder zu wenige Hormone. Das kann bei Kindern zu Entwicklungs- und Wachstumsproblemen führen. Wird früh erkannt, ist die Behandlung meist unkompliziert und gut wirksam.
Wichtige Fakten
- Die Schilddrüse steuert mit ihren Hormonen Wachstum, Verdauung, Herz und Körpertemperatur.
- Angeborene Schilddrüsenerkrankungen werden in Deutschland durch das Neugeborenen-Screening meist in den ersten Lebenstagen entdeckt.
- Viele Schilddrüsenerkrankungen bei Kindern sind gut behandelbar.
Schilddrüsenerkrankungen kommen bei Kindern insgesamt nicht sehr häufig vor. Angeborene Schilddrüsenunterfunktionen treten etwa bei einem von 3.000 bis 4.000 Neugeborenen auf. Im Schulalter sind vor allem Autoimmunerkrankungen möglich, bei denen das eigene Abwehrsystem die Schilddrüse angreift.
Schilddrüsenerkrankungen können vom Säuglingsalter bis zur Pubertät auftreten. Mädchen sind insgesamt etwas häufiger betroffen als Jungen. Auch Kinder aus Familien mit bereits bekannten Schilddrüsenerkrankungen haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Plötzliche starke Atemnot oder Erstickungsgefühl
- Sehr schneller Puls in Ruhe zusammen mit Fieber oder Bewusstseinstrübung
- Kind ist kaum aufweckbar oder wirkt schwer verwirrt
- ⚠Der Hals wird sichtbar dick oder entwickelt einen Knoten
- ⚠Schluckbeschwerden oder anhaltende Heiserkeit
- ⚠Starker Gewichtsverlust trotz großem Appetit
- ⚠Augen treten hervor, sind gerötet, schmerzen oder das Kind sieht doppelt
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Ungewollte Gewichtszunahme oder -abnahme
- Herzrasen oder ungewöhnlich langsamer Puls
- Kältegefühl oder starkes Schwitzen
- Konzentrationsprobleme
- Stimmungsschwankungen
Symptome bei Kindern
- Wachstumsverlangsamung oder zu kleines Wachstum
- Häufige Verstopfung oder hartnäckige Müdigkeit bei Unterfunktion
- Unruhe, Zappeligkeit und schlechter Schlaf bei Überfunktion
- Verzögerte Pubertät oder verspäteter Stimmbruch
- Verschlechterte Schulleistungen oder verändertes Sozialverhalten
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen sind die Symptome oft untypisch, zum Beispiel Verwirrtheit, Appetitlosigkeit oder sozialer Rückzug. Bei Kindern müssen deshalb Schilddrüsenwerte immer zusammen mit der körperlichen Entwicklung beurteilt werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Angeborene Fehlanlage oder fehlende Bildung der Schilddrüse
- Autoimmunerkrankung: Das körpereigene Abwehrsystem greift die Schilddrüse an (zum Beispiel bei Morbus Basedow oder Hashimoto-Thyreoiditis)
- Entzündungen der Schilddrüse durch Viren oder Bakterien
- Jodmangel oder Jodüberschuss
Risikofaktoren
- Schilddrüsenerkrankungen in der Familie
- Andere Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes oder Zöliakie
- Frühere Bestrahlung im Halsbereich
- Unausgewogene Jodversorgung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn der Hals anschwillt oder ein Knoten tastbar wird
- Bei anhaltenden Schluck- oder Atembeschwerden
- Bei starkem Gewichtsverlust oder plötzlichem Herzrasen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn das Kind besonders müde, antriebslos oder ungewohnt unruhig wird
- Wenn das Wachstum langsamer wird oder das Kind auffallend klein bleibt
- Bei wiederholten Konzentrations- oder Stimmungsproblemen in der Schule
- Wenn die Pubertät spät einsetzt
Diagnose
Die Diagnose beginnt mit einem ausführlichen Gespräch und einer körperlichen Untersuchung. Danach wird Blut abgenommen, um die Schilddrüsenwerte zu messen. Bei Bedarf folgt eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse, damit Größe und Gewebe beurteilt werden können.
Mögliche Untersuchungen
- TSH-Wert: Der wichtigste Steuerwert der Schilddrüse
- Freie Schilddrüsenhormone fT3 und fT4
- Antikörper gegen die Schilddrüse bei Verdacht auf Autoimmunerkrankung
- Ultraschall der Schilddrüse
- Bei besonderen Fragen eine Szintigraphie oder Gewebeprobe
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Bei Kindern wird die Blutmenge für die Untersuchung klein gehalten. Die Blutabnahme dauert nur kurz. Manche Werte müssen nach einigen Wochen wiederholt werden, weil sich die Schilddrüsenfunktion im Laufe der Zeit ändern kann.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist es, den Hormonspiegel wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Behandlung wird individuell auf das Kind abgestimmt und regelmäßig kontrolliert. In Deutschland orientieren sich Ärztinnen und Ärzte dabei an den AWMF-Leitlinien.
Selbsthilfe zu Hause
- Medikamente oder Therapien genau nach Anweisung des Behandlungsteams durchführen
- Regelmäßige Kontrolltermine einhalten
- Ein Tagebuch führen, wenn Stimmung oder Energie stark schwanken
- Das Kind altersgerecht einbeziehen und ihm Ängste nehmen
Medizinische Behandlungen
Bei einer Schilddrüsenunterfunktion werden die fehlenden Hormone als Tabletten gegeben. Bei einer Überfunktion können Medikamente eingesetzt werden, die die Hormonbildung bremsen. In bestimmten Fällen kann später eine Radiojodtherapie infrage kommen. Welche Behandlung am besten ist, entscheidet das Behandlungsteam gemeinsam mit den Eltern.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Kindern selten nötig. Sie kommt zum Beispiel infrage, wenn sehr große Knoten die Luftröhre oder Speiseröhre einengen, wenn Medikamente nicht helfen oder wenn der Verdacht auf eine bösartige Veränderung besteht.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag kann Ihr Kind fast alles, was andere Kinder auch tun. Wichtig sind feste Gewohnheiten bei der Behandlung, pünktliche Kontrollen und ein offenes Gespräch in der Familie. Auch Lehrkräfte können informiert werden, damit sie zum Beispiel bei Konzentrationsschwächen Rücksicht nehmen.
Tipps für den Alltag
- Ausreichend Schlaf und ein ruhiger Tagesablauf
- Bewegung an der frischen Luft ohne Leistungsdruck
- Bildschirmzeit begrenzen, damit der Alltag nicht zusätzlich anstrengt
- Bei Teenagern offen über die Erkrankung sprechen, damit sie Verantwortung übernehmen können
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene, normale Ernährung mit jodiertem Speisesalz ist in Deutschland meistens ausreichend. Extreme Diäten oder hohe Jodgaben in Eigenregie sind nicht empfehlenswert. Sport und Bewegung sind in der Regel erlaubt, solange sich das Kind dabei wohlfühlt. Bei unbehandelter Schilddrüsenüberfunktion ist körperliche Schonung ratsam.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Schilddrüsenerkrankungen können die Stimmung stark beeinflussen. Kinder sind dann nicht absichtlich schwierig, sondern werden durch die Krankheit körperlich und seelisch belastet. Nehmen Sie diese Zeichen ernst und suchen Sie im Zweifel ärztliche Hilfe. Zusätzlich können eine psychologische Beratung oder ein Gespräch mit der Schulberatung entlasten. In einer akuten seelischen Krise wenden Sie sich sofort an Ihren Kinderarzt oder die nächste psychiatrische Notaufnahme.
Vorbeugung
Die meisten angeborenen und autoimmunbedingten Schilddrüsenerkrankungen lassen sich nicht verhindern. Wichtig sind die Früherkennung durch das Neugeborenen-Screening und eine ausreichende, aber nicht übermäßige Jodversorgung.
Impfungen
Eine Impfung gegen Schilddrüsenerkrankungen gibt es nicht.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland wird bei Neugeborenen in den ersten Lebenstagen eine Blutprobe entnommen. Dabei wird unter anderem die Schilddrüsenfunktion geprüft. So können angeborene Unterfunktionen früh erkannt und behandelt werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wachstumsverzögerung bis hin zu Kleinwuchs
- Entwicklungsverzögerung des Gehirns bei angeborener Unterfunktion
- Herzrhythmusstörungen bei unbehandelter Überfunktion
- Schulische Probleme durch Konzentrations- und Lernschwierigkeiten
- Stimmungsschwankungen, Ängste oder depressive Verstimmungen
Langzeitprognose
Mit rechtzeitiger Erkennung und passender Behandlung ist die Prognose bei Kindern sehr gut. Die meisten Kinder erreichen eine normale körperliche und geistige Entwicklung. Auch chronische Verläufe lassen sich heute meist so gut einstellen, dass kaum Einschränkungen bleiben. Vertrauen Sie auf das Behandlungsteam und sprechen Sie Unsicherheiten jederzeit offen an.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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