Schilddrüse in der Schwangerschaft
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Schilddrüse ist ein kleines Organ am Hals, das wichtige Botenstoffe herstellt – die Schilddrüsenhormone. Diese Hormone steuern den Energieverbrauch und das Wachstum. In der Schwangerschaft braucht der Körper mehr Schilddrüsenhormone, weil auch das Baby sie für die Entwicklung des Gehirns braucht. Wenn die Schilddrüse nicht richtig arbeitet, kann das Mutter und Kind beeinflussen.
Wichtige Fakten
- In der Schwangerschaft steigt der Bedarf an Schilddrüsenhormonen um etwa 50 Prozent.
- Schilddrüsenhormone sind besonders in den ersten Monaten für das Gehirn des Babys wichtig.
- Mit regelmäßigen Kontrollen und der richtigen Behandlung sind die meisten Schwangerschaften gesund.
- Eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion kann das Risiko für Komplikationen erhöhen.
Ja. Schätzungsweise 2 bis 5 von 100 Schwangeren haben eine Schilddrüsenstörung – am häufigsten eine Unterfunktion.
Frauen mit einer bereits bekannten Schilddrüsenkrankheit, mit Autoimmunerkrankungen, einer familiären Vorbelastung oder Iodmangel haben ein höheres Risiko. Manchmal tritt die Störung aber auch ohne erkennbaren Grund in der Schwangerschaft auf.
Symptome
- Rufen Sie sofort die 112 an, wenn Sie eines dieser schweren Symptome bemerken:
- Schwere Atemnot oder Erstickungsgefühl
- Sehr hoher Puls über längere Zeit (Herzrasen)
- Brustschmerzen
- Krampfanfälle
- Starke Kopfschmerzen mit Sehstörungen
- Bewusstlosigkeit
- ⚠Suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe bei:
- ⚠Starkem, anhaltendem Erbrechen
- ⚠Schnellem Gewichtsverlust in der Schwangerschaft
- ⚠Ausgeprägter Ruhelosigkeit, Zittern oder Nervosität
- ⚠Sehr niedrigem oder sehr hohem Blutdruck mit Unwohlsein
Häufige Symptome
- Starke Müdigkeit und Erschöpfung
- Gewichtszunahme ohne Erklärung
- Verstopfung
- Frieren oder Kältegefühl
- Trockene Haut
- Konzentrationsprobleme
- Bei Überfunktion zusätzlich: Herzklopfen, Nervosität, Hitzewallungen, Gewichtsverlust
Symptome bei Kindern
- Bei Neugeborenen können Hinweise auf eine Schilddrüsenunterfunktion sein: Trinkfaulheit, verstopfte oder rasselnde Atmung, auffallend langes Schlafen, trockene kühle Haut oder eine vergrößerte Zunge.
Ursachen
Hauptursachen
- Autoimmunerkrankungen: Das Immunsystem greift die Schilddrüse an – zum Beispiel bei Morbus Basedow (Überfunktion) oder Hashimoto-Thyreoiditis (Unterfunktion).
- Iodmangel: Jod wird für die Bildung von Schilddrüsenhormonen benötigt. In Deutschland ist der Boden iodarm, daher wird oft iodiertes Speisesalz empfohlen.
- Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis): Eine Entzündung kann vorübergehend zu viel oder zu wenig Hormone verursachen.
- Vorbehandelte Schilddrüsenkrankheit, zum Beispiel nach einer Operation oder Bestrahlung im Halsbereich.
Risikofaktoren
- Bekannte Schilddrüsenerkrankung
- Autoimmunerkrankungen in der Familie
- Iodmangel oder unzureichende Iodversorgung
- Rauchen (belastet die Schilddrüse zusätzlich)
- Frühere Fehlgeburten oder Frühgeburten aus unklarer Ursache
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei den genannten Notfallzeichen sofort die Notaufnahme aufsuchen (112 wählen).
- Bei starkem Erbrechen, Gewichtsverlust, Herzrasen oder anhaltender Ruhelosigkeit noch am selben Tag ärztlichen Rat holen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie schwanger werden möchten und eine Schilddrüsenerkrankung haben: den Hormonwert vor der Schwangerschaft ärztlich prüfen lassen.
- In der Frühschwangerschaft, besonders bei Risikofaktoren, die Schilddrüsenwerte einmal bei der Vorsorgeuntersuchung bestimmen lassen.
- Wenn Symptome wie anhaltende Müdigkeit, Haarausfall oder Nervosität nicht verschwinden.
Diagnose
Die Schilddrüsenfunktion wird mit einer Blutuntersuchung festgestellt. Zusätzlich tastet die Ärztin oder der Arzt die Schilddrüse ab und macht eventuell eine Ultraschalluntersuchung.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest: TSH (Schilddrüsen-stimulierendes Hormon) als wichtigster Wert
- Bluttest: freie Schilddrüsenhormone (fT3, fT4)
- Bluttest auf Antikörper – erkennt Autoimmunerkrankungen (z. B. TPO-Antikörper, TSH-Rezeptor-Antikörper)
- Ultraschall der Schilddrüse – ist für das Baby ungefährlich
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Ärztin oder der Arzt nimmt etwas Blut ab und bespricht die Ergebnisse mit Ihnen. Eine Ultraschalluntersuchung ist schmerzfrei und unbedenklich. Sie erhalten eine klare Erklärung, ob Ihre Werte für die Schwangerschaft im sicheren Bereich liegen. Falls nicht, werden Sie an eine Fachärztin oder einen Facharzt für Endokrinologie überwiesen.
Behandlung
Eine Schilddrüsenstörung in der Schwangerschaft wird so behandelt, dass die Hormonwerte im für die Schwangerschaft passenden Bereich bleiben. Das Ziel ist immer, Mutter und Baby bestmöglich zu schützen. Die Behandlung orientiert sich an den aktuellen AWMF-Leitlinien und wird von einer Ärztin oder einem Arzt (z. B. in der Endokrinologie oder Geburtsmedizin) eng begleitet.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie verschriebene Medikamente genau nach Anweisung ein.
- Vereinbaren Sie regelmäßige Blutkontrollen – besonders im ersten und im letzten Drittel der Schwangerschaft.
- Essen Sie ausgewogen und verwenden Sie bei Bedarf iodiertes Speisesalz – sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über eine Jod-Supplementierung.
- Verzichten Sie auf Rauchen und Alkohol.
Medizinische Behandlungen
Je nach Art der Störung werden entweder fehlende Schilddrüsenhormone ersetzt oder – bei Überfunktion – Medikamente eingesetzt, die die Hormonproduktion bremsen. Die Dosierung wird regelmäßig über Blutwerte angepasst. Wichtig: Nehmen Sie niemals Medikamente ohne ärztliche Rücksprache ein und ändern Sie die Dosis nicht aus eigener Entscheidung.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation an der Schilddrüse ist in der Schwangerschaft nur in sehr seltenen Fällen nötig – zum Beispiel bei einem bösartigen Tumor oder einem sehr großen Knoten. Sie wird wenn möglich nach der Schwangerschaft durchgeführt. Falls eine Operation unvermeidbar ist, wird der Zeitpunkt so gewählt, dass das Risiko für Mutter und Kind möglichst gering ist.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer Schilddrüsenerkrankung können Sie ganz normal leben. Wichtig ist, die Schilddrüsenwerte regelmäßig messen zu lassen und von der Ärztin oder dem Arzt den für Sie sicheren Zielbereich für die Schwangerschaft zu erfahren. Planen Sie auch für die Zeit nach der Geburt die Rückkehr zur ursprünglichen Medikamentendosis – das wird mit dem behandelnden Team besprochen.
Tipps für den Alltag
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, zum Beispiel mit Schwangerschaftsyoga oder Spaziergängen.
- Reduzieren Sie Stress mit Entspannungsübungen.
- Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig und wie von der Ärztin oder dem Arzt empfohlen ein.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit Vollkornprodukten, Obst, Gemüse und Jod (z. B. durch iodiertes Speisesalz) unterstützt die Schilddrüse. Auf Jod verzichten ist nicht nötig, aber übermäßige Jodmengen – etwa aus Nahrungsergänzungsmitteln – sollten nur nach ärztlicher Empfehlung eingenommen werden. Leichte Bewegung an der frischen Luft ist erlaubt und tut gut.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Hormonschwankungen und die Sorge um das Baby können das seelische Wohlbefinden stark beeinflussen. Es ist normal, sich manchmal ängstlich oder überfordert zu fühlen. Wenn die Stimmung lange gedrückt ist oder Angstgefühle überhandnehmen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt – das ist ein wichtiger Teil der Gesundheitsvorsorge. Auch eine psychologische Beratungsstelle für Schwangerschaft kann helfen.
Vorbeugung
Manche Schilddrüsenerkrankungen wie Autoimmunerkrankungen lassen sich nicht verhindern. Aber eine ausreichende Jodversorgung und eine angepasste Behandlung vor der Schwangerschaft können das Risiko für Komplikationen verringern. Wer bereits eine Schilddrüsenerkrankung hat, sollte vor einer Schwangerschaft den Hormonstatus überprüfen lassen.
Impfungen
Gegen Schilddrüsenerkrankungen gibt es keine Impfung. Ein allgemeiner Impfschutz – zum Beispiel gegen Grippe und Keuchhusten – ist in der Schwangerschaft wichtig, da Infektionen den Körper belasten können. Sprechen Sie dazu mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Ein Schilddrüsen-Screening (Bluttest) wird in Deutschland nicht bei allen Schwangeren automatisch durchgeführt, aber bei Frauen mit Risikofaktoren empfohlen. Frauen mit Kinderwunsch und bekannter Schilddrüsenstörung sollten den TSH-Wert schon vor der Schwangerschaft bestimmen lassen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Frühgeburt oder Fehlgeburt
- Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie) – erkennbar an hohem Blutdruck und Eiweiß im Urin
- Vorzeitige Ablösung der Plazenta
- Entwicklungsstörungen des Kindes, besonders des Gehirns
- Schilddrüsenunterfunktion beim Neugeborenen
Langzeitprognose
Mit guter medizinischer Betreuung ist die Prognose ausgesprochen gut. Die allermeisten Frauen mit einer Schilddrüsenerkrankung bringen gesunde Kinder zur Welt, wenn die Werte während der Schwangerschaft im Zielbereich liegen. Lassen Sie sich nicht verunsichern – eine Schilddrüsenstörung ist ein medizinisches Thema, das man gut behandeln kann.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Schilddrüsen-Liga e.V. · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.