Schilddrüsenbehandlung: Was hilft bei Unter- und Überfunktion?
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Schilddrüse ist eine kleine, schmetterlingsförmige Drüse am Hals. Sie produziert Botenstoffe (Hormone), die Tempo und Ablauf vieler Körperfunktionen steuern – zum Beispiel Herzschlag, Verdauung und Energiehaushalt. Manche Erkrankungen führen dazu, dass die Schilddrüse zu viele oder zu wenige Hormone produziert. Auch Knoten oder eine Vergrößerung sind möglich. Die Behandlungsmöglichkeiten hängen von der Ursache und den Beschwerden ab.
Wichtige Fakten
- Die Schilddrüse sitzt am Hals und gibt Hormone ins Blut ab.
- Unterfunktion: zu wenig Hormone – Überfunktion: zu viele Hormone.
- Mögliche Behandlungen: Überwachen, Medikamente, Radiojodtherapie oder Operation.
- Welche Behandlung Sie bekommen, entscheidet die Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit Ihnen.
Ja, Schilddrüsenveränderungen sind sehr häufig. In Deutschland ist bei ungefähr jedem dritten Erwachsenen die Schilddrüse verändert – zum Beispiel durch eine gutartige Vergrößerung, Knoten oder eine Störung der Hormonproduktion. Nicht jede Veränderung muss behandelt werden.
Schilddrüsenerkrankungen betreffen Frauen etwa drei- bis fünfmal häufiger als Männer. Sie können in jedem Alter auftreten, das Risiko nimmt im Alter zu. Auch nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren kann sich die Schilddrüse verändern.
Symptome
- Plötzlich auftretendes hohes Fieber, starkes Herzrasen, Unruhe, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit – das kann auf eine lebensbedrohliche Schilddrüsenkrise hinweisen. Rufen Sie sofort die 112.
- Starke Atemnot oder ein Gefühl, zu ersticken, weil die Schilddrüse stark geschwollen ist oder auf die Luftröhre drückt. Wählen Sie die 112.
- ⚠Starke, neu auftretende Schmerzen an der Vorderseite des Halses
- ⚠Schluckbeschwerden oder das Gefühl, dass ein dicker Hals die Atmung behindert
- ⚠Ein tastbarer Knoten oder eine Schwellung am Hals, die schnell größer wird
Häufige Symptome
- Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Erschöpfung
- Gewichtsveränderungen ohne Änderung der Essgewohnheiten
- Herzklopfen, Herzrasen oder Pulsauffälligkeiten
- Kälte- und Wärmeempfindlichkeit
- Haut- und Haarveränderungen
- Stimmungsschwankungen bis hin zu Ängstlichkeit oder depressiven Verstimmungen
Symptome bei Kindern
- Wachstums- und Entwicklungsverzögerungen
- Konzentrations- und Leistungsprobleme in der Schule
- Müdigkeit, verminderter Appetit oder auffällig rascher Gewichtsverlust
- Auffällige Nervosität oder Unruhe
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Häufig unspezifische Beschwerden wie Schwäche, Verwirrtheit oder Rückzug
- Herzprobleme wie Herzrhythmusstörungen oder Atemnot
- Gewichtsverlust oder Appetitmangel
- Depressive Stimmung oder Antriebslosigkeit
Ursachen
Hauptursachen
- Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem greift die Schilddrüse an – zum Beispiel bei Morbus Basedow (Überfunktion) oder Hashimoto-Thyreoiditis (Unterfunktion).
- Jodmangel: Zu wenig Jod in der Nahrung kann zur Schilddrüsenvergrößerung (Kropf) führen, seltener zu Funktionsstörungen.
- Entzündungen der Schilddrüse können vorübergehend zu Schmerzen und Funktionsänderungen führen.
- Schilddrüsenknoten: Gutartige Knoten sind häufig, bösartige sehr selten.
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht
- Familiäre Vorbelastung für Schilddrüsenerkrankungen
- Rauchen, vor allem bei Morbus Basedow
- Jahrelang sehr hohe Jodzufuhr oder jodhaltige Kontrastmittel (nur bei empfindlichen Personen)
- Bestimmte Medikamente können die Schilddrüsenfunktion beeinflussen – sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlich auftretendem Herzrasen, Schwindel, Atemnot oder starker Unruhe
- Wenn sich ein Knoten am Hals schnell vergrößert oder Schluckbeschwerden entstehen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über Wochen unter Müdigkeit, Gewichtsveränderungen oder Stimmungsschwankungen leiden
- Wenn in Ihrer Familie Schilddrüsenerkrankungen vorkommen und Sie selbst Beschwerden haben
- Wenn Sie bereits behandelt werden, sind regelmäßige Kontrolltermine wichtig.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt tastet zunächst den Hals ab und fragt nach Beschwerden. Anschließend wird meist Blut abgenommen, um die Schilddrüsenwerte zu prüfen. Oft kommt ein Ultraschall dazu. Nur wenn nötig, werden weitere Untersuchungen veranlasst.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest: Er misst die Schilddrüsenhormone und das Steuerhormon TSH.
- Ultraschall (Sonografie): Damit lassen sich Größe und Struktur der Schilddrüse beurteilen.
- Szintigrafie: Eine Nuklearmedizin-Untersuchung, die zeigt, ob die Schilddrüse überall gleich arbeitet.
- Bei bestimmten Verdachtspunkten kann eine Gewebeprobe (Feinnadelpunktion) entnommen werden.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ein Besuch in der Arztpraxis dauert meist nicht lange. Sie bekommen zuerst einige Fragen zu Ihren Beschwerden, dann eine körperliche Untersuchung. Bei einer Blutentnahme sitzen Sie kurz still. Die Ergebnisse liegen meist nach ein bis zwei Tagen vor. Besprechen Sie danach mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, welche nächsten Schritte sinnvoll sind.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Ursache, der Art der Erkrankung und Ihren Beschwerden ab. Ziel ist es, das Hormon-Gleichgewicht wiederherzustellen und Beschwerden zu lindern. Die Auswahl erfolgt immer gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt. Die Fachgesellschaften, unter anderem die AWMF-Leitlinien, geben dafür Empfehlungen vor.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie verordnete Medikamente regelmäßig und genau wie besprochen ein.
- Gehen Sie zu den Kontrollterminen, auch wenn Sie sich bereits gut fühlen.
- Rauchen Sie nicht – Rauchen kann manche Schilddrüsenerkrankungen verschlimmern.
- Sprechen Sie rechtzeitig von neuen Beschwerden – je früher, desto besser.
Medizinische Behandlungen
Bei einer Unterfunktion können die fehlenden Schilddrüsenhormone als Tabletten zugeführt werden. Bei einer Überfunktion stehen Medikamente zur Verfügung, die die Hormonproduktion drosseln. Diese werden zu Beginn meist langsam eingestellt und regelmäßig kontrolliert. Eine weitere Möglichkeit ist die Radiojodtherapie: Dabei wird ein radioaktives Präparat eingenommen, das in der Schilddrüse wirkt und die übermäßige Hormonproduktion normalisiert. Die Therapie ist meist gut verträglich und wird in spezialisierten Zentren durchgeführt. Über die genau passende Behandlung entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt individuell.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann nötig sein, wenn sehr große Knoten oder eine starke Vergrößerung Beschwerden machen, wenn der Verdacht auf eine bösartige Veränderung besteht oder wenn andere Behandlungen nicht möglich oder nicht erfolgreich waren. Nach einer Operation wird der Hormonbedarf medikamentös ergänzt.
Leben mit der Erkrankung
Auch mit einer behandelten Schilddrüsenerkrankung ist ein normaler Alltag möglich. Wichtig ist, dass Sie die verordnete Therapie zuverlässig durchführen. Wie gut Sie sich fühlen, hängt oft von der richtigen Einstellung ab. Nehmen Sie sich nach einer Umstellung Zeit – der Körper braucht manchmal einige Wochen, bis er sich an neue Hormonspiegel gewöhnt hat.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus.
- Sorgen Sie für körperliche Aktivität – sie hilft, Stress abzubauen und den Stoffwechsel zu unterstützen.
- Vermeiden Sie rauschende Partys oder extreme Belastungen, wenn Sie sich noch nicht wohlfühlen.
- Lernen Sie Stressbewältigungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder Achtsamkeit.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene, normale Ernährung ist in der Regel ausreichend. Jodreiche Nahrungsmittel sind für die meisten Menschen unbedenklich, können aber bei manchen Schilddrüsenerkrankungen problematisch sein. Besprechen Sie Ihre Ernährung am besten mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Bewegung unterstützt das Wohlbefinden; eine sportliche Belastung sollten Sie langsam steigern, insbesondere wenn Ihr Herz oder Kreislauf durch die Erkrankung beeinflusst war.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Schilddrüsenhormone wirken auch im Gehirn. Deshalb können psychische Beschwerden wie Traurigkeit, Gereiztheit oder Angst auftreten – gerade zu Beginn einer Erkrankung oder bei einer Einstellung. Das ist nicht „Einbildung“, sondern Teil der körperlichen Veränderung. Mit einer passenden Behandlung bessern sich diese Symptome meist. Sprechen Sie psychische Beschwerden offen bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an.
Vorbeugung
Eine Schilddrüsenerkrankung kann man nicht immer verhindern. Eine ausreichende Jodversorgung kann das Risiko für Kropfbildung senken. Rauchen erhöht das Risiko für bestimmte Formen – ein Rauchstopp lohnt sich also. Wenn Sie bereits betroffen sind, ist die wichtigste „Vorbeugung“ eine gute Zusammenarbeit mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Schilddrüsen-Screening für alle Menschen wird in Deutschland nicht empfohlen. Wenn Sie Beschwerden haben oder Risikofaktoren vorliegen, kann die Ärztin oder der Arzt eine Blutuntersuchung mit TSH-Wert anordnen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unbehandelte Unterfunktion kann zu Antriebsmangel, Gedächtnisproblemen, Nervenschäden oder Herz-Kreislauf-Problemen führen.
- Unbehandelte Überfunktion belastet das Herz und kann zu Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck oder Knochenschwund führen.
- Ein stark vergrößerter Kropf kann auf Luft- und Speiseröhre drücken und Beschwerden beim Schlucken oder Atmen verursachen.
Langzeitprognose
Mit einer passenden Behandlung haben die meisten Menschen mit einer Schilddrüsenerkrankung eine sehr gute Prognose. Die Therapie kann Beschwerden lindern, Folgeschäden verhindern und die Lebensqualität wiederherstellen. Ein normales Leben mit Beruf, Familie und Sport ist möglich.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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