Venous leg ulcers
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein venöses Beingeschwür (offene Wunde am Unterschenkel) entsteht, wenn die Venen das Blut nicht mehr richtig zurück zum Herzen transportieren können. Dadurch staut sich Blut in den Beinen, der Druck steigt und die Haut wird geschädigt – es bildet sich eine schwer heilende Wunde.
Wichtige Fakten
- Venöse Beingeschwüre sind die häufigste Form chronischer Wunden an den Beinen.
- Sie heilen oft langsam, lassen sich aber mit konsequenter Behandlung gut versorgen.
- Die Hauptursache ist eine chronische Venenschwäche (Venenerkrankung).
Ja, venöse Beingeschwüre sind recht häufig. Schätzungen zufolge ist etwa 1 von 100 Erwachsenen in Deutschland irgendwann im Leben davon betroffen – vor allem im höheren Alter.
Sie treten überwiegend bei Menschen mit Venenschwäche, Krampfadern, Übergewicht oder Bewegungsmangel auf. Auch nach einer tiefen Beinvenenthrombose erhöht sich das Risiko.
Symptome
- Plötzlich auftretende, starke Blutung aus der Wunde, die nicht aufhört
- Anzeichen einer schweren Infektion: Fieber über 38,5 °C, Schüttelfrost, starke Rötung und Schwellung, die sich rasch ausbreitet
- Plötzlich starke Schmerzen in der Wade oder im ganzen Bein – Verdacht auf eine tiefe Beinvenenthrombose
- ⚠Die Wunde wird innerhalb von Tagen deutlich größer oder tiefer
- ⚠Die Wunde riecht unangenehm oder es tritt gelb-grüner Eiter aus
- ⚠Starke Schmerzen, die auch beim Hochlegen der Beine nicht besser werden
- ⚠Rötung oder Überwärmung der Haut rund um die Wunde nimmt zu
Häufige Symptome
- Eine offene, meist nässende Wunde am Unterschenkel, oft an der Innenseite des Knöchels
- Die Haut um die Wunde ist bräunlich verfärbt, geschwollen, juckt oder schuppt sich
- Schwere- oder Spannungsgefühl in den Beinen, das bei längerem Stehen zunimmt
- Leichte bis mäßige Schmerzen, die sich beim Hochlegen der Beine bessern
Symptome bei Kindern
- Venöse Beingeschwüre kommen bei Kindern so gut wie nie vor. Bei offenen Wunden bei Kindern sind fast immer andere Ursachen wie Verletzungen oder Infektionen verantwortlich.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen sind die Wunden oft ausgedehnter und die Haut dünner, sodass sie langsamer heilen. Zusätzlich bestehen häufig andere Erkrankungen wie Diabetes oder Durchblutungsstörungen, die die Heilung erschweren können.
Ursachen
Hauptursachen
- Chronische Venenschwäche (chronisch-venöse Insuffizienz): Die Venenklappen schließen nicht mehr richtig, sodass Blut in den Beinen zurückfließt und sich staut.
- Zustand nach tiefer Beinvenenthrombose – dabei wurden die Venen dauerhaft geschädigt.
- Hoher Druck in den Beinvenen durch langes Stehen oder Sitzen ohne Bewegung.
Risikofaktoren
- Alter über 65 Jahre
- Übergewicht und wenig Bewegung
- Krampfadern
- Mehrere Schwangerschaften
- Rauchen
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Herzschwäche
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn eine neue offene Wunde am Bein auftritt, die nicht von allein abheilt
- Bei Anzeichen einer Infektion: Eiter, zunehmende Rötung, Fieber
- Wenn die Wunde schmerzhafter wird oder sich rasch vergrößert
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie Krampfadern oder geschwollene Beine haben und erste Hautveränderungen (braune Flecken, Verdickung) bemerken
- Zur regelmäßigen Kontrolle einer bereits bestehenden chronischen Wunde
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin wird Ihre Wunde genau ansehen, Ihre Beine abtasten und nach Ihrer Krankengeschichte fragen. Meist ist eine Ultraschalluntersuchung der Venen (Duplexsonographie) nötig, um die Venenfunktion und den Blutfluss zu beurteilen.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung der Wunde, der Haut und der Beine
- Ultraschall der Venen (Duplexsonographie) – schmerzfrei und ungefährlich
- Bei Verdacht auf Infektion: Abstrich der Wunde, um Bakterien nachzuweisen
- Messung des Knöchel-Arm-Index (ABI), um die arterielle Durchblutung zu prüfen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist völlig schmerzfrei und dauert etwa 30–60 Minuten. Sie werden gebeten, die Beine zu entkleiden und sich auf eine Liege zu legen. Für den Ultraschall wird ein kühles Gel auf die Haut aufgetragen und ein Schallkopf darüber bewegt – das fühlt sich ähnlich wie eine Massage an.
Behandlung
Die Behandlung hat zwei Hauptziele: den Blutstau in den Beinen zu verringern und die Wunde optimal zu versorgen. Die wichtigste Maßnahme ist die Kompressionstherapie – das Tragen von medizinischen Kompressionsstrümpfen oder Bandagen, die den Druck von außen erhöhen und den Rückfluss des Blutes unterstützen.
Selbsthilfe zu Hause
- Tragen Sie täglich die verordneten Kompressionsstrümpfe oder -bandagen – am besten schon morgens vor dem Aufstehen
- Lagern Sie Ihre Beine mehrmals am Tag hoch, sodass die Füße höher als das Herz liegen
- Bewegen Sie sich regelmäßig: Spazierengehen, Venengymnastik oder Treppensteigen fördern die Durchblutung
- Halten Sie die Wunde sauber und trocken und wechseln Sie die Verbände nach Anweisung Ihres Arztes
- Vermeiden Sie langes Stehen oder Sitzen ohne Bewegung – nutzen Sie jede Gelegenheit zum Umhergehen
Medizinische Behandlungen
Die Wundversorgung erfolgt mit speziellen feuchten Wundauflagen, die die Heilung fördern und das Wundmilieu verbessern. Bei Infektionen können antimikrobielle Wundauflagen oder, falls nötig, Antibiotika zum Einnehmen eingesetzt werden. Gelegentlich werden auch Medikamente verschrieben, die die Venenfunktion unterstützen – dies wird individuell mit Ihrem Arzt besprochen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Venenschwäche sehr ausgeprägt ist oder die Wunde trotz Behandlung nicht heilt, kann ein operativer Eingriff helfen. Dazu gehören Verfahren wie die Entfernung von Krampfadern (Venenstripping), die Verödung mit Schaum (Sklerosierung) oder eine Lasertherapie von innen. Auch eine Hautverpflanzung (Spalthauttransplantation) ist bei großen Wunden manchmal sinnvoll.
Leben mit der Erkrankung
Viele Menschen mit venösen Beingeschwüren können ihren Alltag gut bewältigen, wenn sie konsequent auf die Behandlung achten. Wichtig ist, die Beine immer wieder hochzulegen, die Kompression zu tragen und auf die Wundversorgung zu achten. Mit der Zeit gewöhnt man sich an die neuen Routinen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung: Gehen, Radfahren, Schwimmen oder spezielle Venengymnastik
- Vermeiden Sie langes Stehen oder Sitzen – stehen Sie öfter auf oder machen Sie kleine Gehpausen
- Tragen Sie bequeme Schuhe und lockere Kleidung ohne enge Bündchen
- Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht – schon eine leichte Gewichtsabnahme entlastet die Venen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Eiweiß (z.B. mageres Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte) und Vitaminen (besonders Vitamin C und Zink) unterstützt die Wundheilung. Trinken Sie ausreichend Wasser. Leichte Bewegung wie Schwimmen oder Radfahren ist empfehlenswert, vermeiden Sie aber Sportarten, die die Beine stark belasten (z.B. Joggen auf hartem Boden).
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Wunde kann seelisch belastend sein – Sorgen um die Heilung, Scham oder Einschränkungen im Alltag sind nicht ungewöhnlich. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin darüber. Auch psychologische Unterstützung oder der Austausch mit anderen Betroffenen können helfen.
Vorbeugung
Ja, bei Menschen mit Venenschwäche lässt sich das Risiko für Beingeschwüre oft deutlich senken. Dazu gehören das regelmäßige Tragen von Kompressionsstrümpfen, viel Bewegung, Hochlagern der Beine und eine gute Hautpflege. Auch eine Gewichtsreduktion bei Übergewicht und das Nichtrauchen sind wichtige vorbeugende Maßnahmen.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie zur Risikogruppe gehören (z.B. Krampfadern, nach Thrombose, Übergewicht), kann eine regelmäßige Venenuntersuchung per Ultraschall sinnvoll sein. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, in welchen Abständen eine Kontrolle empfohlen wird.
Komplikationen
Unbehandelt
- Infektion der Wunde (Zellulitis) – die sich auf das umliegende Gewebe ausbreitet
- Vergrößerung und Vertiefung der Wunde bis hin zu einem tiefen Geschwür
- Dauerhafte Hautveränderungen: Narben, Braunfärbung, Verdickung
- Bewegungseinschränkungen durch Schmerzen und Schwellung
Langzeitprognose
Mit einer konsequenten Behandlung heilen die meisten venösen Beingeschwüre innerhalb weniger Monate ab. Allerdings können sie wiederkehren, deshalb ist es wichtig, die vorbeugenden Maßnahmen – vor allem die Kompression – langfristig beizubehalten. Mit einem gesunden Lebensstil und regelmäßiger ärztlicher Kontrolle haben Sie gute Chancen, die Wunde zur Abheilung zu bringen und neuen Geschwüren vorzubeugen.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2026
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