Angiogramm in der interventionellen Radiologie
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Angiogramm (auch Angiografie genannt) ist eine spezielle Röntgenuntersuchung der Blutgefäße. Dabei wird ein dünner Schlauch (Katheter) über eine kleine Einstichstelle in der Leiste oder am Arm in ein Blutgefäß eingeführt. Über den Katheter wird ein Kontrastmittel gespritzt, das die Gefäße auf Röntgenbildern sichtbar macht. So können Verengungen, Verschlüsse oder Aussackungen (Aneurysmen) der Arterien oder Venen erkannt und oft gleich behandelt werden.
Wichtige Fakten
- Ein Angiogramm ist ein minimalinvasiver Eingriff, bei dem nur ein kleiner Schnitt nötig ist.
- Es wird meist unter örtlicher Betäubung durchgeführt, sodass Sie wach sind, aber nichts spüren.
- Die Untersuchung hilft, Durchblutungsstörungen, Tumore oder Blutungen zu finden und zu behandeln.
- Oft kann der Arzt während des Angiogramms direkt eingreifen, z. B. einen Stent setzen oder ein Blutgerinnsel auflösen.
Angiogramme gehören zu den häufigeren radiologischen Eingriffen. Jedes Jahr werden in Deutschland zehntausende durchgeführt, vor allem bei Verdacht auf Verengungen der Herzkranzgefäße, der Halsschlagader oder der Beingefäße.
Betroffen sind vor allem Menschen mit Durchblutungsstörungen (z. B. bei Arteriosklerose), nach einem Schlaganfall oder bei Verdacht auf eine Lungenembolie. Auch bei Verletzungen oder Tumorerkrankungen kann ein Angiogramm nötig sein.
Symptome
- Plötzliche starke Brustschmerzen, die in den Arm oder Kiefer ausstrahlen (Herzinfarkt)
- Plötzliche einseitige Lähmung, Sprachverlust oder Sehverlust (Schlaganfall)
- Starke, nicht stillbare Blutung an der Einstichstelle
- Plötzliche Atemnot mit Schmerzen in der Brust (Lungenembolie)
- ⚠Zunehmende Schwellung, Rötung oder Schmerzen an der Einstichstelle nach dem Eingriff
- ⚠Fieber über 38,5 °C nach einer Angiografie
- ⚠Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Arm oder Bein auf der behandelten Seite
Häufige Symptome
- Schmerzen in der Brust, den Beinen oder Armen beim Gehen oder bei Belastung
- Schwindel, Sehstörungen oder Sprachstörungen (mögliche Anzeichen für verengte Halsgefäße)
- Plötzliche starke Schwellung oder Schmerzen in einem Bein (kann auf eine tiefe Venenthrombose hinweisen)
- Nicht heilende Wunden an Füßen oder Beinen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern wird ein Angiogramm eher selten durchgeführt, z. B. bei angeborenen Gefäßfehlbildungen oder Tumoren.
- Mögliche Symptome sind eine bläuliche Verfärbung der Haut, Krampfanfälle oder unerklärliche Blutungen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen zeigen oft die gleichen Symptome wie Erwachsene, aber Schwindel und Verwirrtheit können zusätzlich auftreten.
- Häufig sind die Gefäße stärker verkalkt, was den Eingriff etwas aufwendiger macht.
Ursachen
Hauptursachen
- Verengung der Blutgefäße durch Arteriosklerose (Ablagerungen) – Hauptgrund für ein Angiogramm.
- Aussackungen der Gefäßwand (Aneurysmen), die reißen können.
- Blutgerinnsel (Thrombosen oder Embolien), die den Blutfluss behindern.
- Verdacht auf Tumore, die stark durchblutet sind (z. B. Leber- oder Nierentumore).
Risikofaktoren
- Rauchen, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Diabetes und Übergewicht
- Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung
- Fortgeschrittenes Alter (über 60 Jahre)
- Familiäre Vorbelastung mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Bestimmte angeborene Gefäßerkrankungen (z. B. Marfan-Syndrom)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen starken Schmerzen in Brust, Kopf oder Bein, die auf ein Gefäßproblem hindeuten
- Bei plötzlichen Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen
- Bei einer unkontrollierten Blutung oder einem Unfall mit Verletzung einer großen Arterie
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei anhaltenden Schmerzen in den Beinen beim Gehen (Claudicatio intermittens)
- Bei Verdacht auf eine verengte Halsschlagader (z. B. nach einem leichten Schlaganfall oder TIA)
- Zur Kontrolle nach einer bereits bekannten Gefäßverengung oder nach einem Stent
- Vor einer geplanten Operation, wenn die Blutgefäße genau dargestellt werden müssen
Diagnose
Die Entscheidung für ein Angiogramm wird oft nach vorherigen Untersuchungen wie Ultraschall, CT oder MRT getroffen. Der Facharzt (Radiologe) prüft dann, ob eine Gefäßdarstellung mit Katheter nötig ist. Das Angiogramm selbst ist sowohl ein diagnostisches als auch ein therapeutisches Verfahren.
Mögliche Untersuchungen
- CT-Angiografie (Computertomografie mit Kontrastmittel) – schonende, nicht-invasive Alternative
- MR-Angiografie (Magnetresonanztomografie mit Kontrastmittel) – ohne Röntgenstrahlen
- Farbcodierte Duplex-Sonografie (Ultraschall) – zur ersten Einschätzung
- Anamnese und körperliche Untersuchung (Puls tasten, Blutdruck messen)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Eingriff dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Sie bekommen eine örtliche Betäubung an der Einstichstelle (meist Leiste oder Arm). Der Arzt führt den dünnen Katheter über die Haut in die Blutbahn ein. Während der Aufnahmen kann ein warmes Gefühl durch das Kontrastmittel auftreten – das ist normal. Nach dem Eingriff müssen Sie für ein paar Stunden flach liegen, damit die Einstichstelle nicht nachblutet. Die meisten Menschen spüren keine Schmerzen, höchstens einen leichten Druck.
Behandlung
Ein Angiogramm dient oft nicht nur der Diagnose, sondern auch der Behandlung. Der Arzt kann über den Katheter verschiedene Maßnahmen durchführen, um die Durchblutung zu verbessern oder eine Blutung zu stoppen.
Selbsthilfe zu Hause
- Nach dem Eingriff: die Einstichstelle schonen, nicht schwer heben oder Sport treiben (1–2 Tage)
- Viel trinken (Wasser), um das Kontrastmittel auszuspülen
- Kühle Umschläge bei leichter Schwellung an der Einstichstelle
- Auf Warnsignale achten: plötzliche Schmerzen, Schwellung, Fieber – dann sofort zum Arzt
Medizinische Behandlungen
Zu den Behandlungen, die während eines Angiogramms möglich sind, gehören: das Aufdehnen einer verengten Stelle mit einem Ballon (Ballondilatation), das Einsetzen eines kleinen Metallgitters (Stent), das Auflösen von Blutgerinnseln über Medikamente (Lyse) oder das Verstopfen eines krankhaft erweiterten Gefäßes (Embolisation). Welche Methode angewandt wird, entscheidet der Arzt je nach Befund. Alle Eingriffe erfolgen über den Katheter – eine offene Operation ist nicht nötig.
Wann kommt eine Operation infrage?
In seltenen Fällen reicht der Katheter-Eingriff nicht aus, zum Beispiel bei sehr großen Aneurysmen oder stark verkalkten Gefäßen. Dann kann eine offene Operation (z. B. Bypass oder Gefäßnaht) nötig sein. Ihr Arzt bespricht mit Ihnen alle Optionen.
Leben mit der Erkrankung
Nach einem Angiogramm können Sie meist sofort Ihren Alltag wieder aufnehmen, sofern keine weitere Behandlung nötig war. Bei einer Therapie (z. B. Stent) sollten Sie für einige Tage körperliche Anstrengungen vermeiden. Ihr Arzt gibt Ihnen genaue Anweisungen.
Tipps für den Alltag
- Rauchen aufgeben – das verbessert die Gefäßgesundheit enorm
- Regelmäßige Bewegung (z. B. 30 Minuten Spazierengehen pro Tag)
- Gesundes Körpergewicht anstreben
- Blutdruck, Blutfett und Blutzucker regelmäßig kontrollieren lassen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und wenig Salz, Zucker und gesättigten Fettsäuren unterstützt die Gefäße. Moderate Bewegung wie Schwimmen, Radfahren oder Wandern hilft, die Durchblutung zu fördern.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Eingriff an den Gefäßen kann verunsichern. Viele Menschen haben Angst vor einem Schlaganfall oder Herzinfarkt. Das ist verständlich. Es kann helfen, mit Ihrem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle zu sprechen. Auch Entspannungsübungen wie Yoga oder autogenes Training können Ängste mindern.
Vorbeugung
Gefäßerkrankungen lassen sich durch einen gesunden Lebensstil oft verhindern oder hinauszögern. Dazu gehören: Nichtrauchen, ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und die Kontrolle von Blutdruck, Blutfetten und Blutzucker. Ein Angiogramm selbst ist eine Untersuchung – es verhindert keine Erkrankung, hilft aber, sie früh zu erkennen und zu behandeln.
Früherkennungsprogramme
Für Menschen mit erhöhtem Risiko (z. B. familiäre Vorbelastung, Diabetes) kann ein jährlicher Check-up beim Hausarzt sinnvoll sein. Ein Angiogramm als reine Vorsorgeuntersuchung ist nicht üblich – es wird nur bei konkretem Verdacht eingesetzt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unbehandelte Gefäßverengungen können zu einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder Beinamputation führen.
- Ein Aneurysma kann platzen und zu lebensbedrohlichen inneren Blutungen führen.
- Chronische Durchblutungsstörungen können starke Schmerzen und offene Beine (Ulzera) verursachen.
Langzeitprognose
Die Prognose hängt von der Grunderkrankung ab. Viele Gefäßprobleme lassen sich heute mit modernen Verfahren wie dem Angiogramm sehr gut behandeln. Je früher eine Verengung oder ein Aneurysma entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Nach einem erfolgreichen Eingriff können die meisten Menschen wieder ein normales Leben führen. Ihr Arzt wird mit Ihnen einen individuellen Nachsorgeplan erstellen.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.
Guidance may differ by country or region. Confirm local recommendations with a qualified healthcare provider.