Leukozytenszintigraphie
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Leukozyten-Szintigrafie (ausgesprochen: loiko-zy-ten-szin-ti-gra-fie) ist eine nuklearmedizinische Untersuchung. Dabei werden weiße Blutkörperchen (Leukozyten) mit einer ganz kleinen Menge radioaktiven Materials markiert und dem Patienten gespritzt. Anschließend macht eine Spezialkamera Bilder davon, wo sich diese Zellen im Körper ansammeln. So kann der Arzt Entzündungen oder Eiterherde (Abszesse) aufspüren, die mit anderen Methoden schwer zu finden sind.
Wichtige Fakten
- Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert meist etwa 1 bis 2 Stunden, plus Wartezeit für die Verteilung des radioaktiven Mittels.
- Die Strahlenbelastung ist gering und vergleichbar mit mehreren Röntgenaufnahmen.
- Sie wird vor allem dann eingesetzt, wenn andere Bildgebungen (wie CT oder MRT) keine klare Ursache für Fieber oder Schmerzen gefunden haben.
Die Leukozyten-Szintigrafie ist eine spezielle Untersuchung, die nicht bei jeder Entzündung eingesetzt wird. Sie kommt eher selten vor und ist speziellen Fragestellungen vorbehalten – zum Beispiel bei Verdacht auf versteckte Infektionen an Knochen, Gelenken oder im Bauchraum.
Die Untersuchung eignet sich für Menschen jeden Alters, wenn der Verdacht auf eine versteckte Entzündung oder einen Eiterherd besteht. Besonders häufig wird sie bei Patienten mit Fieber unklarer Ursache, bei Verdacht auf Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis) oder bei Infektionen von Gelenkprothesen eingesetzt. Kinder und ältere Menschen können die Untersuchung ebenfalls erhalten, wenn der Nutzen die Risiken überwiegt.
Symptome
- Sehr hohes Fieber über 39,5 °C mit Schüttelfrost
- Plötzliche starke Schmerzen in Knochen oder Gelenken mit Bewegungsunfähigkeit
- Anzeichen einer Blutvergiftung (Sepsis): schnelle Atmung, Verwirrtheit, starker Blutdruckabfall
- ⚠Neu aufgetretene Schwellung oder Rötung an einer Prothese (künstliches Gelenk)
- ⚠Fieber über 38 °C, das länger als 3 Tage anhält und sich mit fiebersenkenden Mitteln nicht bessert
- ⚠Schmerzen in einem Knochen, der schon einmal operiert wurde oder einen Bruch hatte
Häufige Symptome
- Anhaltendes oder wiederkehrendes Fieber ohne erkennbare Ursache
- Schmerzen in Knochen oder Gelenken, die nicht verschwinden
- Rötung, Schwellung oder Überwärmung einer Körperstelle
- Allgemeines Krankheitsgefühl und Müdigkeit bei Infektionsverdacht
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern können zusätzlich Appetitlosigkeit, Reizbarkeit oder verminderte Aktivität auf eine versteckte Entzündung hinweisen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen zeigen oft weniger typische Symptome, wie Verwirrtheit, verminderte Mobilität oder unklares Fieber.
Ursachen
Hauptursachen
- Eine Leukozyten-Szintigrafie wird durchgeführt, wenn der Arzt eine versteckte Entzündung oder einen Eiterherd vermutet, der mit anderen Methoden nicht sicher nachgewiesen werden kann.
- Mögliche Gründe sind: Knochenentzündung (Osteomyelitis), Entzündung von Gelenkprothesen, Abszesse in inneren Organen (z. B. Leber, Milz, Nieren), Entzündungen der Blutgefäße (Vaskulitis) oder Fieber unklarer Ursache.
Risikofaktoren
- Zustand nach Operationen oder Implantation von Prothesen (künstliche Hüft- oder Kniegelenke)
- Geschwächtes Immunsystem (z. B. durch Chemotherapie, Diabetes, HIV)
- Längerfristige Behandlung mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken (wie Kortison oder Biologika)
- Chronische Wunden oder offene Knochenbrüche
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich hohes Fieber mit Schüttelfrost haben und sich Ihr Allgemeinzustand verschlechtert.
- Wenn Sie nach einer Operation oder nach Einsetzen einer Prothese starke Schmerzen, Rötung oder Schwellung bemerken.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie seit Wochen unklares Fieber oder anhaltende Knochenschmerzen haben und Ihr Hausarzt keine Ursache findet.
- Wenn Ihr Arzt eine Überweisung zu einer nuklearmedizinischen Untersuchung ausstellt.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt in der Nuklearmedizin. Zuerst wird Ihnen Blut abgenommen und daraus werden Ihre eigenen weißen Blutkörperchen isoliert. Diese werden im Labor mit einer sehr geringen Menge eines radioaktiven Stoffes markiert. Dann werden Ihnen diese markierten Zellen über eine Vene wieder zurückgespritzt. Die weißen Blutkörperchen wandern von selbst an Orte im Körper, wo eine Entzündung oder ein Eiterherd ist. Nach etwa 1–2 Stunden machen spezielle Kameras (Gammakameras) Aufnahmen von Ihrem Körper. Bei Bedarf werden weitere Aufnahmen nach 24 Stunden gemacht.
Mögliche Untersuchungen
- Blutentnahme zur Markierung der weißen Blutkörperchen
- Injektion der markierten Zellen
- Gammakamera-Aufnahmen (oft 2 bis 3 Termine über 24 Stunden)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung selbst tut nicht weh. Sie müssen nur still liegen, während die Kamera Bilder macht. Sie können jederzeit mit dem Personal sprechen. Nach der Untersuchung werden Sie noch etwas überwacht. Die radioaktive Substanz wird schnell aus dem Körper ausgeschieden – trinken Sie viel Wasser, um die Ausscheidung zu fördern. In den nächsten Stunden sollten Sie engen Kontakt zu Schwangeren und Kleinkindern vermeiden, wie Ihr Arzt es mit Ihnen bespricht.
Behandlung
Die Leukozyten-Szintigrafie selbst ist nur eine Untersuchung. Die Behandlung richtet sich nach dem, was die Aufnahmen zeigen. Wenn eine Entzündung oder ein Eiterherd gefunden wird, wird Ihr behandelnder Arzt eine passende Therapie einleiten.
Selbsthilfe zu Hause
- Nach der Untersuchung viel trinken (Wasser, Kräutertee) – das hilft, die radioaktive Substanz schneller auszuscheiden.
- Bereits vor der Untersuchung sollten Sie alle Medikamente und Vorerkrankungen mit Ihrem Arzt besprechen.
- Informieren Sie die Praxis, wenn Sie schwanger sind oder stillen – die Untersuchung wird dann meist verschoben oder anders geplant.
Medizinische Behandlungen
Falls die Szintigrafie eine Entzündung oder einen Abszess zeigt, kann die Behandlung Antibiotika (nach Erregerbestimmung) oder operative Eingriffe (z. B. Drainage eines Eiterherdes) umfassen. Ihr Arzt wird die Therapie auf Ihre individuelle Situation abstimmen. Bei Protheseninfektionen kann eine mehrwöchige Antibiotikatherapie oder ein Austausch des Implantats nötig sein. Diese Entscheidungen trifft der Facharzt für Infektiologie, Orthopädie oder Chirurgie – immer in Absprache mit Ihnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn ein großer Eiterherd (Abszess) oder eine infizierte Prothese vorliegt, ist oft ein operativer Eingriff nötig (z. B. Eröffnen des Abszesses, Entfernen der Prothese). Dies bespricht Ihr Chirurg mit Ihnen im Detail.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Untersuchung können Sie meist sofort nach Hause gehen und Ihren Alltag fortsetzen. Die radioaktive Markierung ist nach etwa 24 Stunden so weit abgebaut, dass keine Vorsichtsmaßnahmen mehr nötig sind. In der ersten Zeit nach der Injektion sollten Sie aber Abstand zu Schwangeren und kleinen Kindern halten – genaue Anweisungen gibt Ihnen die Praxis.
Tipps für den Alltag
- Weiterhin normal ernähren, viel trinken.
- Körperliche Anstrengung ist kein Problem, aber wenn Sie sich krank fühlen, gönnen Sie sich Ruhe.
- Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, auch freiverkäufliche.
Ernährung und Bewegung
Sie dürfen essen und trinken wie gewohnt. Eine spezielle Ernährung ist nicht nötig. Bewegung im Rahmen des normalen Tagesablaufs ist erlaubt und fördert die Durchblutung und das Wohlbefinden. Hören Sie auf Ihren Körper – bei Fieber oder Schmerzen ist Schonung angesagt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Leukozyten-Szintigrafie kann Ängste auslösen – vor der Strahlung oder vor der Nadel. Die Angst ist verständlich. Denken Sie daran: Die Untersuchung hilft, die Ursache Ihrer Beschwerden zu finden und gezielt zu behandeln. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre Sorgen. Bei starker Unruhe können Atemübungen oder Ablenkung helfen. Wenn die Gedanken an die Erkrankung Sie sehr belasten, suchen Sie psychologische Unterstützung – Ihr Hausarzt kann Ihnen Ansprechpartner nennen.
Vorbeugung
Die Erkrankungen, die zu einer Leukozyten-Szintigrafie führen können, sind nicht immer vermeidbar. Eine gute allgemeine Hygiene und frühzeitige Behandlung von Infektionen können dazu beitragen, dass sich keine versteckten Eiterherde bilden. Wenn Sie eine Prothese haben, befolgen Sie die Empfehlungen Ihres Orthopäden zur Infektionsprophylaxe, etwa vor zahnärztlichen Eingriffen.
Impfungen
Lassen Sie sich gegen Grippe und Pneumokokken impfen – das schützt vor schweren bakteriellen Infektionen, die zu versteckten Entzündungen führen können. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt über den für Sie empfohlenen Impfplan.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein generelles Screening für versteckte Entzündungen. Bei Risikopatienten (z. B. mit geschwächtem Immunsystem) kann der Arzt frühzeitig bildgebende Verfahren einsetzen, um Komplikationen zu vermeiden. Bei unklarem Fieber ist die Leukozyten-Szintigrafie eine wichtige Option – sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wenn eine versteckte Entzündung nicht erkannt wird, kann sie sich ausbreiten und zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen.
- Knochenentzündungen können chronisch werden und zu Knochenschäden oder -brüchen führen.
- Infizierte Prothesen lockern sich oft und müssen dann aufwändig ausgetauscht werden.
Langzeitprognose
Mit einer Leukozyten-Szintigrafie können Entzündungen meist gut lokalisiert werden, sodass eine gezielte Behandlung möglich ist. Moderne Therapien (Antibiotika, minimal-invasive Eingriffe) haben die Heilungschancen deutlich verbessert. Die Prognose hängt von der Grunderkrankung ab, ist aber insgesamt gut, wenn die Diagnose rechtzeitig gestellt wird. Bleiben Sie zuversichtlich – Ihr medizinisches Team wird Sie umfassend betreuen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN) · Deutschland
- Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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