Angina Pectoris: Tests beim Facharzt im Überblick
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Angina pectoris – oft nur Angina genannt – ist ein Schmerz oder ein Druckgefühl im Brustkorb, das auftritt, wenn der Herzmuskel vorübergehend nicht genügend Sauerstoff bekommt. Es ist kein Herzinfarkt, aber ein wichtiges Warnsignal, dass die Herzkranzgefäße verengt sind. Die Schmerzen treten meist bei Belastung oder Stress auf und bessern sich in Ruhe.
Wichtige Fakten
- Angina ist ein Symptom, keine eigenständige Erkrankung – sie zeigt eine koronare Herzkrankheit (KHK) an.
- Es gibt stabile Angina (tritt vorhersehbar bei Belastung auf) und instabile Angina (tritt auch in Ruhe auf oder wird stärker – das ist ein Notfall).
- Mit einer guten Behandlung und Lebensstiländerung können die meisten Menschen mit Angina ein aktives Leben führen.
Ja, Angina pectoris ist weit verbreitet. Sie betrifft vor allem ältere Menschen und Menschen mit Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes. In Deutschland leiden etwa 3–4 % der Erwachsenen an einer koronaren Herzkrankheit, viele mit Angina-Symptomen.
Häufig betroffen sind Männer über 45 Jahre und Frauen über 55 Jahre, sowie Menschen mit Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, erhöhten Blutfetten oder familiärer Vorbelastung.
Symptome
- Plötzlicher, starker Brustschmerz, der länger als 5 Minuten anhält und durch Ruhe nicht verschwindet
- Brustschmerz begleitet von Atemnot, Übelkeit, Schweißausbruch oder Angstgefühl
- Schmerzen, die in den linken Arm oder Kiefer ausstrahlen
- ⚠Neu auftretende Angina-Beschwerden, die bei leichter Belastung oder in Ruhe auftreten
- ⚠Wenn sich Ihre gewohnten Angina-Symptome verändern (stärker, häufiger oder neuartig)
Häufige Symptome
- Druck-, Enge- oder Schweregefühl hinter dem Brustbein
- Schmerzen, die in Schultern, Arme, Nacken, Kiefer oder Rücken ausstrahlen können
- Kurzatmigkeit bei Belastung
- Übelkeit oder Schweißausbrüche bei einer Angina-Attacke
Symptome bei Kindern
- Angina kommt bei Kindern sehr selten vor. Wenn doch, stecken meist angeborene Herzfehler oder sehr frühe Verkalkungen der Herzkranzgefäße dahinter.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Erwachsene spüren Angina oft weniger typisch – zum Beispiel als allgemeine Schwäche, Übelkeit oder Unwohlsein statt starkem Brustschmerz.
Ursachen
Hauptursachen
- Arteriosklerose (Verkalkung der Herzkranzgefäße) – die häufigste Ursache
- Koronarspasmus – eine plötzliche Verkrampfung der Herzkranzgefäße
- Erkrankungen der Herzklappen oder Herzmuskelschwäche (seltener)
Risikofaktoren
- Rauchen
- Hoher Blutdruck (Hypertonie)
- Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin)
- Diabetes mellitus
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Stress und ungesunde Ernährung
- Familiäre Veranlagung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen, ungewohnten Brustschmerzen – rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Wenn Ihre bekannte Angina häufiger, heftiger oder länger anhält oder ohne Anstrengung auftritt.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie Risikofaktoren haben (z. B. Bluthochdruck, Diabetes) und sich über Ihre Herzgesundheit informieren möchten.
- Bei gelegentlichen Beschwerden unter Belastung, die nach einer kurzen Pause verschwinden.
Diagnose
Die Diagnose einer Angina pectoris beginnt immer mit einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) und einer körperlichen Untersuchung. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt hört Ihr Herz ab, misst Blutdruck und Puls und fragt nach Ihren Beschwerden, Risikofaktoren und Ihrer Lebensweise. Anschließend kommen je nach Verdacht verschiedene Tests zum Einsatz – die Auswahl richtet sich nach den aktuellen Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften).
Mögliche Untersuchungen
- Ruhe-EKG – zeichnet die Herzströme im Liegen auf
- Belastungs-EKG – EKG während Sie auf dem Fahrrad oder Laufband trainieren
- Langzeit-EKG – Aufzeichnung über 24 Stunden, um auch unregelmäßige Beschwerden zu erfassen
- Blutuntersuchung – zum Beispiel auf Herzenzyme (Troponin) oder Cholesterinwerte
- Echokardiographie (Herzultraschall) – zeigt Herzgröße und Pumpfunktion
- Belastungs-Echokardiographie oder Myokardszintigraphie – Belastungstests mit Bildgebung
- Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiographie) – genaue Darstellung der Herzkranzgefäße, meist nur bei geplantem Eingriff oder unklaren Befunden
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei oder nur kurz unangenehm. Sie bekommen vor manchen Tests (wie der Herzkatheteruntersuchung) eine örtliche Betäubung. Die Ergebnisse bespricht der Arzt oder die Ärztin gemeinsam mit Ihnen und leitet daraus die Behandlung ein. Bis zur endgültigen Diagnose dauert es meist ein bis mehrere Tage.
Behandlung
Die Behandlung der Angina hat zwei Hauptziele: die Beschwerden lindern und einen Herzinfarkt verhindern. Dazu werden in der Regel Medikamente, eine Änderung des Lebensstils und manchmal auch ein Eingriff kombiniert.
Selbsthilfe zu Hause
- Mit dem Rauchen aufhören – das ist der wichtigste Schritt.
- Regelmäßige Bewegung wie Spazierengehen oder Radfahren – nach Absprache mit Ihrem Arzt.
- Stress reduzieren durch Entspannungsübungen, Yoga oder Spaziergänge in der Natur.
- Gesunde, ausgewogene Ernährung mit wenig gesättigten Fettsäuren und viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten.
Medizinische Behandlungen
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Ihnen Medikamente verschreiben, die die Herzkranzgefäße erweitern, den Blutdruck senken, die Herzfrequenz verlangsamen oder die Blutgerinnung vermindern. Dazu gehören Wirkstoffgruppen wie Nitrate, Betablocker, Kalziumkanalblocker, Gerinnungshemmer und Cholesterinsenker (Statine). Welche Medikamente für Sie infrage kommen, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Bei instabiler Angina werden Sie meist stationär behandelt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn Medikamente nicht ausreichen oder die Verengungen der Herzkranzgefäße sehr schwer sind, können Verfahren wie eine Ballonerweiterung mit Stent (perkutane Koronarintervention) oder eine Bypass-Operation eingesetzt werden. Die Entscheidung trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Achten Sie auf Ihre Auslöser: Starke körperliche Anstrengung, Stress oder üppige Mahlzeiten können eine Angina-Attacke hervorrufen. Halten Sie bei Beschwerden kurz inne und setzen oder legen Sie sich hin. Wenn Sie ein Notfall-Spray (Nitroglycerin) verschrieben bekommen haben, wenden Sie es nach Anleitung an. Führen Sie es immer bei sich.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber übertreiben Sie es nicht – hören Sie auf Ihren Körper.
- Vermeiden Sie Rauchen und Alkohol in großen Mengen.
- Halten Sie Ihr Gewicht im Normalbereich.
- Schlafen Sie ausreichend und gehen Sie mit Stress um.
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkorn, magerem Fleisch und ungesättigten Fetten (z. B. Olivenöl) ist empfehlenswert. Vermeiden Sie stark salzhaltige Speisen und Fertigprodukte. Fragen Sie Ihren Arzt nach einem individuellen Bewegungsplan – 30 Minuten moderates Gehen an den meisten Tagen reichen oft schon aus.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die wiederkehrenden Beschwerden und die Sorge vor einem Herzinfarkt können Angst und Niedergeschlagenheit verursachen. Das ist normal. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin darüber zu sprechen. Auch psychologische Unterstützung oder eine Herzsportgruppe können helfen. Wenn Sie sich in einer akuten Krise fühlen, wenden Sie sich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117) oder eine psychosoziale Beratungsstelle.
Vorbeugung
Sie können Ihr Risiko für Angina und koronare Herzkrankheit deutlich senken, indem Sie die Risikofaktoren kontrollieren: nicht rauchen, Blutdruck und Cholesterin im Zielbereich halten, gesund essen, sich bewegen und Stress reduzieren. Eine vollständige Vorbeugung ist nicht immer möglich, aber Sie können viel tun.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Angina. Allerdings können bestimmte Impfungen (wie Grippe- oder COVID-19-Schutz) vor Infektionen schützen, die das Herz belasten würden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzinfarkt (Myokardinfarkt) – dauerhafte Schädigung des Herzmuskels
- Herzrhythmusstörungen, die lebensbedrohlich werden können
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz) durch anhaltende Minderdurchblutung
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Wenn Sie die Behandlung ernst nehmen und Ihren Lebensstil anpassen, können Sie auch mit Angina ein langes und aktives Leben führen. Die meisten Menschen haben durch Medikamente und gegebenenfalls Eingriffe eine deutliche Besserung ihrer Beschwerden. Bleiben Sie in engem Kontakt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und nehmen Sie an Kontrolluntersuchungen teil – so können Komplikationen früh erkannt und verhindert werden.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.
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