Kreatinin-Clearance
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Creatinin-Clearance ist ein Test, der misst, wie gut Ihre Nieren das Abfallprodukt Creatinin aus dem Blut filtern. Dafür wird Ihr Creatininspiegel im Blut und im Urin über 24 Stunden gemessen.
Wichtige Fakten
- Der Test gibt Aufschluss über die Filterfunktion Ihrer Nieren (die sogenannte glomeruläre Filtrationsrate, GFR).
- Er wird oft vor der Einnahme bestimmter Medikamente oder zur Verlaufskontrolle bei Nierenerkrankungen durchgeführt.
- Die Messung erfolgt über eine Blutabnahme und eine 24-Stunden-Urinsammlung.
Der Test wird in Deutschland häufig durchgeführt, besonders bei Menschen mit Verdacht auf Nierenerkrankungen, Diabetes oder Bluthochdruck.
Er betrifft vor allem Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen, Diabetes, Bluthochdruck oder nach Nierentransplantationen. Auch ältere Menschen werden häufiger getestet, da die Nierenfunktion mit dem Alter nachlassen kann.
Symptome
- Plötzliche, starke Schmerzen im Rücken oder in der Seite (Nierenkolik)
- Völlig ausbleibende Urinproduktion (Anurie) – das ist ein Notfall
- Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit bei bekannter Niereninsuffizienz
- ⚠Schwellungen im Gesicht oder an den Beinen, die schnell zunehmen
- ⚠Übelkeit, Erbrechen und starkes Unwohlsein bei Nierenversagen
- ⚠Fieber mit Schüttelfrost bei Verdacht auf Nierenbeckenentzündung
Häufige Symptome
- Der Test selbst verursacht keine Symptome. Er wird durchgeführt, wenn Symptome wie Müdigkeit, geschwollene Beine (Ödeme) oder verminderte Urinmenge auf eine Nierenschwäche hindeuten.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern wird der Test meist bei angeborenen Nierenerkrankungen oder nach bestimmten Infektionen eingesetzt. Symptome können auffälliges Trinkverhalten oder Wachstumsstörungen sein.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen kann eine verminderte Creatinin-Clearance auf eine natürliche Alterung der Nieren hindeuten. Symptome sind oft unspezifisch, z. B. Verwirrtheit durch Giftstoffe im Blut.
Ursachen
Hauptursachen
- Ein zu niedriger Creatinin-Clearance-Wert deutet auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hin. Ursachen können sein: Nierenschäden durch Diabetes, Bluthochdruck, Glomerulonephritis (Nierenentzündung) oder Nierensteine.
- Ein zu hoher Wert ist selten und kann auf eine sehr gute Nierenfunktion oder eine Fehlmessung hinweisen.
Risikofaktoren
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Bluthochdruck (Hypertonie)
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- familiäre Nierenerkrankungen
- Übergewicht
- Rauchen
- langfristige Einnahme bestimmter Schmerzmittel (z. B. NSAR wie Ibuprofen – ohne ärztliche Kontrolle)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich deutlich weniger Urin ausscheiden als sonst (weniger als 400 ml pro Tag)
- Bei Blut im Urin oder starkem Brennen beim Wasserlassen
- Wenn Sie Wasser in den Beinen oder im Gesicht bemerken
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie an Diabetes oder Bluthochdruck leiden und Ihre Nierenfunktion regelmäßig kontrolliert werden soll
- Wenn Ihr Hausarzt eine Nierenschwäche vermutet und eine Creatinin-Clearance empfiehlt
- Vor der Einnahme von Medikamenten, die über die Nieren ausgeschieden werden (z. B. bestimmte Antibiotika)
Diagnose
Die Creatinin-Clearance wird durch eine Kombination aus Bluttest und 24-Stunden-Urinsammlung bestimmt. Sie zeigt, wie viel Creatinin die Nieren pro Minute aus dem Blut filtern (ml/min).
Mögliche Untersuchungen
- Blutabnahme zur Bestimmung des Serum-Creatinins
- 24-Stunden-Urinsammlung: Sie sammeln über 24 Stunden allen Urin in einem Behälter
- Berechnung der Clearance mit einer Formel (Cockcroft-Gault oder MDRD-Formel)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Blutabnahme ist kurz und schmerzarm. Die Urinsammlung erfordert etwas Planung: Sie bekommen einen Behälter und klare Anweisungen. Am besten beginnen Sie morgens nach dem ersten Wasserlassen (dieses verwerfen) und sammeln dann 24 Stunden lang. Die Auswertung dauert meist 1–2 Tage.
Behandlung
Eine verminderte Creatinin-Clearance allein wird nicht behandelt – die zugrunde liegende Ursache steht im Vordergrund. Ziel ist es, die Nierenfunktion zu schützen und ein Fortschreiten zu verhindern.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie ausreichend (mindestens 1,5–2 Liter pro Tag, außer Ihr Arzt rät etwas anderes).
- Verzichten Sie auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber schonen Sie sich bei akuten Nierenproblemen.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei Bluthochdruck werden blutdrucksenkende Medikamente eingesetzt, bei Diabetes eine gute Blutzuckereinstellung. Manchmal werden Medikamente zur Entlastung der Nieren verordnet – Ihr Arzt entscheidet individuell. Bei stark eingeschränkter Nierenfunktion kann eine Dialyse (Blutwäsche) nötig sein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Chirurgische Eingriffe sind nur selten direkt notwendig, z. B. bei Nierensteinen oder Nierenarterienstenose (Verengung der Nierenarterie). In schweren Fällen kann eine Nierentransplantation in Betracht gezogen werden.
Leben mit der Erkrankung
Leben Sie bewusst mit Ihrer Nierenfunktion: Nehmen Sie vereinbarte Kontrolltermine wahr und folgen Sie den Empfehlungen Ihres Arztes. Eine gesunde Lebensweise unterstützt die Nieren.
Tipps für den Alltag
- Ernährung umstellen (weniger Salz, weniger Eiweiß bei fortgeschrittener Nierenschwäche)
- Regelmäßige Bewegung (z. B. Spaziergänge, Schwimmen)
- Stress vermeiden durch Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation
- Verzichten Sie auf rezeptfreie Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR ohne ärztliche Rücksprache
Ernährung und Bewegung
Eine nierenfreundliche Ernährung ist wichtig: weniger Salz, weniger verarbeitete Lebensmittel. Die Proteinmenge kann je nach Stadium der Nierenschwäche begrenzt werden – sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einer Ernährungsberatung. Bewegung fördert die Durchblutung und hilft, Blutdruck und Blutzucker zu kontrollieren.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Nierenschwäche kann belastend sein. Sie fühlen sich vielleicht unsicher oder ängstlich wegen der Zukunft. Es ist normal, sich Sorgen zu machen. Holen Sie sich Unterstützung, wenn die Gedanken Sie belasten.
Vorbeugung
Eine gesunde Lebensweise kann das Risiko für Nierenerkrankungen senken: ausgewogene Ernährung, ausreichend Trinken, Nichtrauchen, Bewegung. Bei Diabetes und Bluthochdruck ist die gute Einstellung dieser Erkrankungen der wichtigste Schutz.
Früherkennungsprogramme
Lassen Sie regelmäßig Ihren Blutdruck und Blutzucker checken. Wenn Sie zu Risikogruppen gehören (Familie, Diabetes, Bluthochdruck), ist ein jährlicher Nierenfunktionstest sinnvoll – sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreiten der Nierenschwäche bis zur Dialysepflichtigkeit
- Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Flüssigkeitsansammlungen im Körper (Ödeme, Lungenödem)
- Störungen des Elektrolythaushalts (z. B. zu viel Kalium im Blut – gefährlich fürs Herz)
Langzeitprognose
Mit einer frühzeitigen Erkennung und Behandlung kann der Verlauf einer Nierenerkrankung oft verlangsamt oder gestoppt werden. Viele Menschen leben mit einer leicht eingeschränkten Nierenfunktion ohne große Einschränkungen. Bei fortgeschrittener Nierenschwäche stehen Behandlungsmöglichkeiten wie Dialyse oder Transplantation zur Verfügung, die ein gutes Leben ermöglichen.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Nierenstiftung ↗ · Deutschland
- Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) ↗ · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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