eGFR erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Der eGFR (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate) ist ein wichtiger Blutwert, der zeigt, wie gut Ihre Nieren arbeiten. Die Nieren filtern Abfallstoffe aus dem Blut und scheiden sie mit dem Urin aus. Der eGFR gibt eine Schätzung, wie viel Blut Ihre Nieren pro Minute filtern können. Ein normaler Wert liegt meist über 90 ml/min/1,73 m². Niedrigere Werte können auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hinweisen.
Wichtige Fakten
- Der eGFR wird aus dem Kreatininwert im Blut berechnet, dazu kommen Alter, Geschlecht und manchmal die Hautfarbe.
- Ein dauerhaft niedriger eGFR (unter 60 ml/min/1,73 m² über mehr als 3 Monate) kann auf eine chronische Nierenerkrankung hindeuten.
- Der eGFR allein reicht nicht für eine Diagnose aus – Ihr Arzt wird weitere Tests anordnen, um die Ursache zu klären.
Ja, eine eingeschränkte Nierenfunktion ist relativ häufig, vor allem bei älteren Menschen und Menschen mit Bluthochdruck oder Diabetes. Etwa jeder zehnte Erwachsene in Deutschland hat eine chronische Nierenerkrankung.
Betroffen sind häufiger Menschen über 60 Jahre, Personen mit Bluthochdruck, Diabetes, Herzkrankheiten oder einer familiären Vorbelastung für Nierenerkrankungen. Aber auch jüngere Menschen können betroffen sein, etwa durch Nierenentzündungen oder angeborene Nierenfehler.
Symptome
- Plötzlich gar kein Urin mehr (Anurie) – sofort Notruf 112
- Atemnot oder sehr starke Wassereinlagerungen in Lunge oder Beinen
- Verwirrtheit, Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit
- Sehr hoher Blutdruck mit Kopfschmerzen und Sehstörungen
- ⚠Deutlich verminderte Urinmenge über mehrere Stunden
- ⚠Blut im Urin (sichtbar oder per Teststreifen)
- ⚠Starke Übelkeit und Erbrechen, das zu Austrocknung führt
- ⚠Schmerzen in der Nierengegend (Flankenschmerz)
Häufige Symptome
- In frühen Stadien meist keine Beschwerden
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Geschwollene Beine oder Knöchel (Ödeme)
- Häufigeres oder selteneres Wasserlassen
- Schaumiger oder dunkler Urin
- Juckreiz der Haut
- Appetitlosigkeit und Übelkeit
Symptome bei Kindern
- Wachstumsstörungen oder Gedeihstörungen
- Ungewöhnliche Müdigkeit oder Anämie (Blutarmut)
- Wiederkehrende Harnwegsinfekte
- Bluthochdruck (selten bei Kindern)
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder Konzentrationsschwäche
- Stürze und Muskelschwäche
- Verstärkte Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Juckreiz und trockene Haut
- Plötzliche Wassereinlagerungen
Ursachen
Hauptursachen
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) – häufigste Ursache für Nierenschäden
- Bluthochdruck (Hypertonie) – schädigt die feinen Nierenblutgefäße
- Glomerulonephritis – Entzündung der Nierenfilter (Glomeruli)
- Niereninfektionen oder wiederkehrende Harnwegsinfekte
- Nierensteine oder Harnstau durch vergrößerte Prostata
- Bestimmte Medikamente (z. B. Schmerzmittel über lange Zeit)
- Seltene angeborene Nierenerkrankungen (z. B. Zystennieren)
Risikofaktoren
- Alter über 60 Jahre
- Diabetes oder Bluthochdruck in der Familie
- Übergewicht (Adipositas)
- Rauchen
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Einnahme von entzündungshemmenden Schmerzmitteln (NSAR) über längere Zeit
- Unkontrollierte Einnahme von pflanzlichen Präparaten (z. B. bestimmte Tees oder Nahrungsergänzungsmittel)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich weniger Urin ausscheiden oder Blut im Urin bemerken
- Bei starken Schmerzen in der Nierengegend
- Wenn Sie sich verwirrt oder sehr müde fühlen und gleichzeitig wenig Urin produzieren
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören (Diabetes, Bluthochdruck, Alter >60) und bisher keinen Nierencheck hatten
- Bei regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen Ihren Arzt bitten, den eGFR zu bestimmen
- Wenn Sie unerklärliche Müdigkeit, Schwellungen oder Juckreiz bemerken
Diagnose
Der eGFR wird aus einer Blutprobe berechnet. Der Arzt misst den Kreatininwert (Abfallprodukt der Muskeln) und berücksichtigt Alter, Geschlecht und Hautfarbe. Auch eine Urinuntersuchung gehört zur Diagnose.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest: Kreatinin, Harnstoff, Elektrolyte (Natrium, Kalium)
- Urintest: Nachweis von Eiweiß (Albumin), Blut oder Infektion
- Ultraschall (Sonografie) der Nieren: Größe, Form, Struktur
- Gegebenenfalls Nierenbiopsie (Gewebeprobe) bei unklarer Ursache
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arztbesuch beginnt mit einem Gespräch über Ihre Beschwerden und Vorerkrankungen. Danach erfolgt die Blutabnahme und eine Urinprobe. Meist liegen die Ergebnisse innerhalb weniger Tage vor. Bei Auffälligkeiten wird der Wert in 1–3 Monaten noch einmal kontrolliert, bevor eine Diagnose gestellt wird.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, das Fortschreiten der Nierenschädigung zu verlangsamen und Komplikationen zu vermeiden. Sie richtet sich nach der Ursache (z. B. Blutdruck oder Blutzucker einstellen).
Selbsthilfe zu Hause
- Ausreichend trinken (1,5–2 Liter pro Tag, außer bei Flüssigkeitseinschränkung durch den Arzt)
- Salzarme Ernährung (weniger als 5–6 g Salz pro Tag)
- Verzicht auf rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum
- Regelmäßige Bewegung (30 Minuten pro Tag, z. B. Spazierengehen)
- Vermeidung von entzündungshemmenden Schmerzmitteln (wie Ibuprofen, Diclofenac) – fragen Sie Ihren Arzt nach Alternativen
Medizinische Behandlungen
Der Arzt kann Medikamente verschreiben, die den Blutdruck senken oder den Blutzucker verbessern – immer individuell abgestimmt. Bei fortgeschrittener Nierenschwäche können Medikamente gegen Übersäuerung oder zur Bindung von Phosphat infrage kommen. In manchen Fällen ist eine Behandlung mit Erythropoetin (gegen Blutarmut) nötig. Die genaue Therapie wird mit Ihrem Nephrologen (Nierenspezialist) besprochen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in seltenen Fällen nötig, z. B. bei Harnstau durch Prostatavergrößerung oder wiederkehrenden Nierensteinen. Bei dauerhaftem Nierenversagen kann eine Nierentransplantation als letzte Option erwogen werden – der Zugang zur Transplantationsliste erfolgt über das Transplantationszentrum.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer chronischen Nierenerkrankung können Sie gut leben, wenn Sie regelmäßig Ihren Arzt aufsuchen und die empfohlenen Anpassungen umsetzen. Sie werden lernen, auf Ihren Körper zu achten und frühzeitig auf Warnsignale zu reagieren.
Tipps für den Alltag
- Führen Sie ein Tagebuch zu Blutdruck, Gewicht und Urinmenge (nach Absprache mit Ihrem Arzt)
- Planen Sie regelmäßige Arzttermine (Hausarzt oder Nephrologe)
- Informieren Sie sich über Nierenschonende Ernährung (z. B. weniger Kalium, Phosphat bei fortgeschrittener Erkrankung)
- Vermeiden Sie eigenmächtig Medikamente, vor allem rezeptfreie Schmerzmittel oder Nahrungsergänzungsmittel
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit wenig Salz, wenig tierischem Eiweiß und viel Gemüse ist nützlich. Konsultieren Sie bei fortgeschrittener Nierenschwäche eine Ernährungsberatung. Bewegung ist wichtig: regelmäßige Spaziergänge, Schwimmen oder Radfahren fördern Kreislauf und Muskeln – aber hören Sie auf Ihren Körper und belasten Sie sich nicht übermäßig.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer Nierenerkrankung kann Ängste auslösen. Viele Patienten fühlen sich verunsichert oder niedergeschlagen. Es ist wichtig, offen mit Arzt, Familie oder einer psychologischen Beratung darüber zu sprechen. Bei Stimmungsschwankungen oder depressiven Gedanken suchen Sie bitte professionelle Hilfe – Ihre Gesundheit umfasst auch die Seele.
Vorbeugung
Nicht alle Nierenerkrankungen lassen sich verhindern, aber Sie können Ihr Risiko senken: gesundes Körpergewicht, regelmäßige Bewegung, nicht rauchen, wenig Alkohol, und vor allem: Bluthochdruck und Diabetes gut einstellen. Lassen Sie Ihren Blutdruck und Urin regelmäßig checken.
Impfungen
Impfungen, wie gegen Grippe oder Pneumokokken, sind bei Nierenschwäche besonders wichtig, da Infektionen die Nieren zusätzlich belasten können. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Impfungen für Sie sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
Für Risikogruppen (Diabetes, Bluthochdruck, Alter >60, familiäre Vorbelastung) wird eine jährliche Kontrolle des eGFR und Urins empfohlen. Die gesetzliche Früherkennungsuntersuchung (Gesundheits-Check-up ab 35) beinhaltet auch Kreatinin- und Urinmessung.
Komplikationen
Unbehandelt
- Verschlechterung der Nierenfunktion bis hin zum Nierenversagen (Dialysepflicht)
- Bluthochdruck, der schwer einzustellen ist
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall)
- Blutarmut (Anämie) mit Müdigkeit und Konzentrationsschwäche
- Knochenstoffwechselstörungen (Osteoporose, Knochenschmerzen)
- Elektrolytstörungen (z. B. zu viel Kalium, das zu Herzrhythmusstörungen führen kann)
- Ansammlung von Flüssigkeit (Ödeme), die zu Atemnot führen kann
Langzeitprognose
Mit einer frühzeitigen Erkennung und konsequenten Behandlung können Sie das Fortschreiten der Nierenerkrankung oft über Jahre verlangsamen. Viele Menschen mit chronischer Nierenerkrankung führen ein aktives Leben. Bei fortgeschrittenem Nierenversagen gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten wie Dialyse oder Nierentransplantation, die eine normale Lebensführung weitgehend ermöglichen. Bleiben Sie in engem Kontakt mit Ihrem medizinischen Team und scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Bundesverband Niere e.V. · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.
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