Blutfettwerte verstehen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ihre Lipidwerte (Blutfettwerte) geben an, wie viel Fett in Ihrem Blut ist. Dazu gehören Cholesterin (eine fettähnliche Substanz) und Triglyceride (eine andere Art von Fett). Zu hohe Werte können die Blutgefäße verstopfen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.
Wichtige Fakten
- Es gibt zwei Haupttypen von Cholesterin: LDL („schlechtes“ Cholesterin) und HDL („gutes“ Cholesterin).
- Hohe LDL-Werte und hohe Triglyceridwerte gelten als ungünstig, hohe HDL-Werte als schützend.
- Die Werte werden mit einer Blutuntersuchung bestimmt, oft nach zwölfstündigem Fasten.
- Normale Grenzwerte hängen von Alter, Geschlecht und anderen Risikofaktoren ab.
Ja, erhöhte Blutfettwerte sind sehr häufig. In Deutschland haben etwa 20 bis 30 Prozent der Erwachsenen erhöhte Cholesterinwerte.
Menschen jeden Alters können betroffen sein. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter, ungesunder Ernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen und bestimmten Vorerkrankungen (z. B. Diabetes). Auch erbliche Faktoren spielen eine Rolle.
Symptome
- Plötzliche Brustschmerzen oder Engegefühl in der Brust, das in Arme, Rücken oder Kiefer ausstrahlt (möglicher Herzinfarkt)
- Plötzliche Schwäche, Taubheit oder Lähmung auf einer Körperseite, Sprachstörungen, Sehstörungen (möglicher Schlaganfall)
- Atemnot, Übelkeit, Schwindel
- ⚠Neu aufgetretene Schmerzen in den Beinen beim Gehen (Schaufensterkrankheit), die in Ruhe verschwinden
- ⚠Hautveränderungen wie gelbe Knötchen oder Fettablagerungen
Häufige Symptome
- In der Regel verursachen erhöhte Lipidwerte keine direkten Beschwerden. Viele Menschen bemerken erst bei Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall etwas.
Symptome bei Kindern
- Auch bei Kindern können erhöhte Werte symptomlos bleiben. Selten zeigen sich gelbliche Fetteinlagerungen auf der Haut (Xanthelasmen) oder an Sehnen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Auch ältere Menschen haben oft keine Symptome. Bei ihnen können bestehende Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) bereits fortgeschritten sein und zu Durchblutungsstörungen führen.
Ursachen
Hauptursachen
- Ungesunde Ernährung mit viel gesättigten Fettsäuren, Transfetten und einfachen Kohlenhydraten
- Bewegungsmangel
- Übergewicht oder Fettleibigkeit (Adipositas)
- Rauchen
- Übermäßiger Alkoholkonsum
- Bestimmte Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus oder eine Schilddrüsenunterfunktion
- Genetische Veranlagung (z. B. familiäre Hypercholesterinämie)
Risikofaktoren
- Männliches Geschlecht und höheres Alter
- Familienanamnese mit frühzeitigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Hoher Blutdruck (Hypertonie)
- Diabetes mellitus
- Chronische Nierenerkrankungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Symptomen eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls sofort den Notruf 112 wählen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Lassen Sie Ihre Blutfettwerte im Rahmen einer allgemeinen Gesundheitsuntersuchung (Check-up) alle zwei bis drei Jahre kontrollieren.
- Wenn Sie Risikofaktoren haben (z. B. Übergewicht, Rauchen, Diabetes), kann Ihr Arzt oder Ihre Ärztin häufigere Kontrollen empfehlen.
- Bei bekannter familiärer Vorbelastung sollte die Untersuchung bereits im Kindes- oder Jugendalter erfolgen.
Diagnose
Die Lipidwerte werden mit einer Blutuntersuchung gemessen. Dafür wird Ihnen Blut aus einer Vene entnommen, meist am Morgen nach zwölfstündigem Fasten (nur Wasser trinken ist erlaubt). Die Ergebnisse zeigen die Konzentrationen von Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyceriden.
Mögliche Untersuchungen
- Nüchternblutentnahme: Nach zwölf Stunden ohne Essen wird das Blut auf LDL, HDL, Gesamtcholesterin und Triglyceride untersucht.
- Lipidstatus: Umfasst die genannten Werte und manchmal weitere Unterteilungen wie ApoB oder Lipoprotein(a) bei besonderen Risikogruppen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Blutentnahme dauert nur wenige Minuten und ist fast schmerzfrei. Die Ergebnisse liegen meist am nächsten Werktag vor. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin bespricht sie mit Ihnen und ordnet sie ein – berücksichtigt werden dabei auch Ihr Alter, Geschlecht, Ihr Lebensstil und mögliche Risikofaktoren.
Behandlung
Die Behandlung beginnt immer mit einer Umstellung des Lebensstils. Reicht das nicht aus, können Medikamente zum Einsatz kommen, die die Cholesterinproduktion in der Leber senken oder die Ausscheidung fördern. Die genaue Therapie wird individuell festgelegt.
Selbsthilfe zu Hause
- Ernährung umstellen: Weniger gesättigte Fettsäuren (z. B. in Butter, Wurst, Fertigprodukten), mehr Ballaststoffe (Vollkornprodukte, Obst, Gemüse), pflanzliche Öle (z. B. Rapsöl, Olivenöl)
- Regelmäßige Bewegung: Mindestens 30 Minuten moderate Aktivität an fünf Tagen pro Woche
- Gewicht reduzieren, falls Übergewicht besteht
- Rauchen aufgeben
- Alkoholkonsum einschränken
Medizinische Behandlungen
Wenn Lebensstiländerungen nicht ausreichen, können Medikamente wie Statine (CSE-Hemmer) oder andere verschrieben werden. Diese senken die Cholesterinproduktion in der Leber. Auch Ezetimib, Fibrate oder PCSK9-Hemmer können je nach Situation eingesetzt werden. Die Wahl des Medikaments und die Dosierung legt Ihr Arzt oder Ihre Ärztin fest – bitte nehmen Sie keine Medikamente ohne ärztliche Verordnung ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Operationen sind bei reinen Fettstoffwechselstörungen nicht üblich. Nur bei sehr seltenen, schweren erblichen Formen können Verfahren wie die LDL-Apherese (Blutwäsche) in Betracht kommen. Dies besprechen Spezialistinnen und Spezialisten in darauf spezialisierten Zentren.
Leben mit der Erkrankung
Mit erhöhten Lipidwerten können Sie gut leben, indem Sie Ihren Lebensstil anpassen und regelmäßig Ihre Werte kontrollieren lassen. Unterstützung durch Ihr medizinisches Team hilft Ihnen, die Werte im Griff zu behalten.
Tipps für den Alltag
- Führen Sie ein Ernährungstagebuch, um versteckte Fette zu erkennen
- Planen Sie gemeinsame Aktivitäten wie Radfahren oder Walken
- Nutzen Sie Unterstützungsangebote wie Ernährungsberatung oder Raucherentwöhnungskurse
- Nehmen Sie verordnete Medikamente regelmäßig ein – besprechen Sie Nebenwirkungen mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung ist der Schlüssel: Bevorzugen Sie pflanzliche Lebensmittel, mageres Fleisch und Fisch, und verwenden Sie hochwertige Öle. Vermeiden Sie Fertigprodukte, frittierte Speisen und stark zuckerhaltige Getränke. Bewegung sollte zur täglichen Routine werden – schon flottes Gehen für 30 Minuten hilft.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose erhöhter Blutfettwerte kann Sorgen auslösen. Es ist wichtig, sich nicht unter Druck zu setzen. Kleine Schritte bringen Sie weiter. Wenn Sie sich ängstlich oder belastet fühlen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin oder suchen Sie psychologische Unterstützung. Sie sind nicht allein.
Vorbeugung
Viele Fälle von erhöhten Blutfettwerten lassen sich durch eine gesunde Lebensweise verhindern oder verbessern. Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, Nichtrauchen und ein gesundes Körpergewicht sind die wichtigsten Maßnahmen.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen erhöhte Blutfettwerte. Lassen Sie sich jedoch gegen Grippe und andere Infektionen impfen, da diese bei bestehenden Herz-Kreislauf-Risiken schwerer verlaufen können.
Früherkennungsprogramme
Im Rahmen der gesetzlichen Gesundheitsuntersuchungen (Check-up ab 35 Jahren, alle zwei bis drei Jahre) werden die Blutfettwerte automatisch bestimmt. Bei familiärer Vorbelastung kann die Untersuchung auch früher sinnvoll sein – sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
Komplikationen
Unbehandelt
- Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) – die Blutgefäße verengen sich und verlieren ihre Elastizität
- Durchblutungsstörungen des Herzens (koronare Herzkrankheit) bis hin zum Herzinfarkt
- Durchblutungsstörungen des Gehirns (Schlaganfall)
- Durchblutungsstörungen der Beine (periphere arterielle Verschlusskrankheit – Schaufensterkrankheit)
- Akute Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) bei sehr hohen Triglyceridwerten
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Erhöhte Blutfettwerte sind gut behandelbar. Mit einer gesunden Lebensweise und – falls nötig – Medikamenten können Sie das Risiko für Folgeerkrankungen deutlich senken. Viele Menschen führen mit dieser Diagnose ein langes und aktives Leben. Regelmäßige Kontrollen und die Zusammenarbeit mit Ihrem medizinischen Team sind der Schlüssel zum Erfolg.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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