Immunsystem stärken – Infektionsrisiko senken
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Unser Immunsystem ist die körpereigene Abwehr gegen Krankheitserreger wie Viren und Bakterien. Bei einer Immunschwäche funktioniert diese Abwehr nicht ausreichend. Infektionsrisiko senken bedeutet, durch Schutzmaßnahmen und einen gesunden Lebensstil dafür zu sorgen, dass Krankheitserreger keine Chance haben.
Wichtige Fakten
- Das Immunsystem ist wie eine Sicherheitspolizei für Ihren Körper.
- Immunschwäche kann angeboren oder erworben sein.
- Mit der richtigen Vorsorge lassen sich viele Infektionen vermeiden.
- Nicht jede Erkältung ist ein Zeichen für ein schwaches Immunsystem.
Vorübergehende Schwächen der Immunabwehr sind häufig, zum Beispiel bei Stress, Schlafmangel oder nach einer schweren Erkältung. Dauerhafte Immunschwächen sind seltener: In Deutschland sind etwa 1 von 500 Menschen betroffen.
Immunschwäche kann jeden treffen – vom Kind bis zum älteren Menschen. Besonders gefährdet sind Menschen mit chronischen Erkrankungen, ältere Erwachsene und Personen, die Medikamente einnehmen, die die Abwehrkräfte unterdrücken.
Symptome
- Rufen Sie sofort den Notruf 112 an bei: plötzlich auftretender Atemnot
- Hohes Fieber mit Bewusstseinstrübung oder steifem Nacken
- Anzeichen einer Blutvergiftung (Sepsis): Fieber, extreme Schwäche, schneller Puls, Verwirrtheit
- ⚠Fieber über 39 °C, das nicht absinkt
- ⚠Starke Schmerzen oder Rötung mit Schwellung, die sich ausbreitet
- ⚠Anhaltendes Erbrechen oder Durchfall mit Anzeichen von Austrocknung
Häufige Symptome
- Häufige Infektionen, die immer wiederkehren
- Infektionen, die ungewöhnlich schwer oder lange verlaufen
- Wiederkehrende Lungenentzündungen oder Nasennebenhöhlenentzündungen
- Wunden, die nur langsam abheilen
- Ständige Müdigkeit und allgemeine Schwäche
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern sind häufige Atemwegsinfektionen nicht ungewöhnlich – aber mehr als acht bis zehn Infektionen pro Jahr können ein Hinweis sein.
- Manche Kinder haben wiederkehrende, schwere bakterielle Infektionen wie Lungenentzündungen.
- Bei Säuglingen können hartnäckige Pilzinfektionen im Mund (Soor) ein Zeichen sein.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Im Alter nimmt die Leistungsfähigkeit des Immunsystems ab.
- Grippe oder Lungenentzündung können bei älteren Menschen schwer verlaufen.
- Impfungen sind oft etwas weniger wirksam, bieten aber einen guten Schutz – am besten im Alter über 60 mit dem Hausarzt besprechen.
Ursachen
Hauptursachen
- Angeborene (genetische) Immundefekte – sie sind selten.
- Erworbene Immunschwächen, z.B. durch bestimmte Infektionen oder Medikamente.
- Medikamente, die die Immunabwehr bewusst unterdrücken – etwa bei Autoimmunerkrankungen oder nach einer Organtransplantation.
- Krebsbehandlungen wie Chemotherapie oder Bestrahlung.
- Lebensstilfaktoren wie Unterernährung, starker Schlafmangel oder extremer Dauerstress.
Risikofaktoren
- Chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus
- Rauchen und Alkohol
- Übergewicht
- Schwangerschaft (vorübergehende Schwächung der Immunabwehr)
- Mangel an Vitaminen, z.B. Vitamin D
- Alter über 65 Jahre
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei einer schweren oder ungewöhnlich häufigen Infektion (z.B. Lungenentzündung)
- Wenn Fieber trotz fiebersenkender Mittel nicht fällt
- Bei eitrigen Wunden, die nicht heilen
- Wenn Sie nach einer Reise in ein Tropengebiet Fieber bekommen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie sich fragen, ob Ihr Immunsystem geschwächt ist
- Vor einer Impfung, wenn Sie unsicher sind
- Bei anhaltender Müdigkeit, häufigen Infekten oder unerklärlichem Gewichtsverlust
- Wenn in Ihrer Familie eine Immunschwäche bekannt ist
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach Ihrer Krankengeschichte, Infektionen und Medikamenten. Danach folgt eine körperliche Untersuchung und meist ein Bluttest. Dabei orientiert man sich an den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Mögliche Untersuchungen
- Großes Blutbild: zeigt Anzahl und Anteil der weißen Blutkörperchen (Leukozyten)
- Antikörper-Check: beurteilt, ob genügend Abwehrstoffe vorhanden sind
- Lymphozytentypisierung: bestimmt verschiedene Immunzellen (T-Zellen, B-Zellen, NK-Zellen)
- Impfantikörper-Messung: prüft die Reaktion des Immunsystems, z.B. nach einer Impfung
- Steht der Verdacht fest, kann eine Untersuchung bei einer Spezialambulanz für Immunologie sinnvoll sein.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arztbesuch dauert etwa 20–30 Minuten. Ein Bluttest wird in der Regel am Arm durchgeführt. Sie bekommen die Ergebnisse meist nach einigen Tagen. Wenn nötig, werden Sie an eine spezialisierte Einrichtung überwiesen.
Behandlung
Die Behandlung hängt ganz von der Ursache der Immunschwäche ab. Ziel ist es, Infektionen zu verhindern und frühe Anzeichen früh zu behandeln. Auch die Grunderkrankung, die zur Immunschwäche führt, wird behandelt.
Selbsthilfe zu Hause
- Händewaschen gehört zu den wirksamsten Schutzmaßnahmen – mindestens 20 Sekunden mit Seife.
- Meiden Sie bei Ausbrüchen von Grippe oder anderen Infektionen große Menschenansammlungen.
- Schlafen Sie ausreichend und regelmäßig – mindestens 7 Stunden.
- Reduzieren Sie Stress, z.B. durch Spaziergänge oder Entspannungsübungen.
- Stärken Sie Ihre Abwehr durch eine bunte, pflanzenbasierte Ernährung.
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache können Medikamente eingesetzt werden, die das Immunsystem unterstützen – zum Beispiel Antikörper-Präparate (Immunglobuline) bei bestimmten Immundefekten. Bei bakteriellen Infektionen werden Antibiotika verschrieben. Wichtig: Lassen Sie sich immer ärztlich beraten. Es gibt auch Medikamente, die das Immunsystem nur an bestimmten Stellen drosseln – das muss gut überwacht werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn eine Operation geplant ist, ist ein Gespräch mit Ihrem behandelnden Immunologen oder Hausarzt wichtig. Manche Eingriffe erhöhen das Infektionsrisiko. Das Team kann Maßnahmen ergreifen, um Sie bestmöglich zu schützen.
Leben mit der Erkrankung
Leben mit Immunschwäche bedeutet, bewusst auf den eigenen Körper zu hören. Planen Sie Erholungszeiten ein und hören Sie auf Warnsignale. Sie können trotzdem aktiv sein – mit einem guten Schutzplan.
Tipps für den Alltag
- Vielseitige Ernährung mit Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen
- Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft – angepasst an Ihr Befinden
- Verzicht auf Rauchen und exzessiven Alkoholkonsum
- Zahnpflege und regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt, da Zahnfleischentzündungen den Körper belasten
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß und Vitaminen ist das A und O. Als Orientierung gilt die mediterrane Kost. Bewegung stärkt das Immunsystem – aber überfordern Sie sich nicht. 30 Minuten zügiges Gehen an den meisten Tagen sind ein guter Anfang, wenn Ihr Arzt das okay ist.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Angst vor Ansteckung und das Gefühl, ständig vorsichtig sein zu müssen, können psychisch belasten. Das ist verständlich. Wenn die Sorgen Sie übermäßig einschränken oder wenn Sie Gedanken an Verzweiflung haben, suchen Sie sich professionelle Unterstützung. In akuten Krisen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar: 0800 111 0 111.
Vorbeugung
Eine angeborene Immunschwäche lässt sich nicht verhindern. Aber Sie können das Risiko für Infektionen deutlich senken – mit Hygiene, gesundem Lebensstil und schützenden Impfungen.
Impfungen
Impfungen sind auch bei Immunschwäche wichtig – aber nicht jede Impfung ist unbedenklich. Lebendimpfstoffe (z.B. Masern, Mumps, Röteln) dürfen bei schwerer Immunschwäche nicht angewendet werden. Ihr Arzt entscheidet individuell. Angehörige im Umfeld sollten ihren Impfstatus überprüfen lassen, um Sie zu schützen.
Früherkennungsprogramme
Für Menschen mit bekannter Immunschwäche sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll – z.B. Blutbild und Antikörperwerte. Auch eine Kontrolle auf Tuberkulose kann bei bestimmten Risiken empfohlen werden. Lassen Sie sich von Ihrem Immunologen beraten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schwere, wiederkehrende Infektionen können Organe dauerhaft schädigen.
- Eine Blutvergiftung (Sepsis) ist eine lebensbedrohliche Komplikation – bei Warnzeichen sofort 112 anrufen.
- Unbehandelte Immunschwäche kann das Risiko für bestimmte Krebsarten erhöhen, z.B. Lymphome bei EBV-Infektion.
Langzeitprognose
Es gibt heute viele gute Möglichkeiten, die Abwehr zu unterstützen und Infektionen zu vermeiden. Menschen mit Immunschwäche können mit guter medizinischer Begleitung ein aktives und erfülltes Leben führen. Neue Therapien und eine frühere Diagnose verbessern die Aussichten stetig.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
- International Patient Organization for Primary Immunodeficiencies (IPOPI) ↗
- Immune Deficiency Foundation (IDF) ↗
Lokale Organisationen
- Deutsche Selbsthilfe Angebote bei Immundefekten (DSAI) ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.