Nierenfreundlich leben: Tipps für den Alltag
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Nieren sind zwei bohnenförmige Organe, die das Blut filtern, überschüssiges Wasser und Abfallstoffe ausscheiden und den Blutdruck regulieren. Bei einer chronischen Nierenerkrankung sind diese Aufgaben dauerhaft eingeschränkt. Ein gesunder Lebensstil kann die Nieren entlasten und das Fortschreiten verlangsamen.
Wichtige Fakten
- Die Nieren filtern täglich etwa 180 Liter Blut.
- Eine chronische Nierenerkrankung bleibt oft lange unbemerkt.
- Ein gesunder Lebensstil kann das Fortschreiten verlangsamen.
Ja, die chronische Nierenerkrankung ist weit verbreitet. In Deutschland sind schätzungsweise 8 bis 10 Prozent der Erwachsenen betroffen.
Sie kann Menschen jeden Alters betreffen, kommt aber bei älteren Menschen häufiger vor. Besonders gefährdet sind Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck oder einer familiären Vorbelastung.
Symptome
- Plötzliche, starke Schmerzen im Bauch oder Rücken mit Übelkeit
- Sie können trotz starkem Harndrang kein Wasser lassen
- Sichtbares Blut im Urin mit Schmerzen oder Fieber
- Akute Atemnot oder Bewusstlosigkeit
- ⚠Schwellungen, die plötzlich stark zunehmen
- ⚠Deutlich weniger Urin als normal
- ⚠Sehr hoher Blutdruck mit Kopfschmerzen
- ⚠Hohes Fieber mit Schüttelfrost
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Geschwollene Beine oder Augenlider
- Verändertes Wasserlassen (häufiger oder seltener als sonst)
- Appetitlosigkeit und Übelkeit
- Juckende Haut
- Konzentrationsprobleme
Symptome bei Kindern
- Trinkt wenig und wirkt oft müde
- Wächst langsamer als gleichaltrige Kinder
- Häufiges Wasserlassen oder Bettnässen nach dem 5. Lebensjahr
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder starke Abgeschlagenheit
- Verminderter Appetit und Gewichtsverlust
- Schwindel oder Stürze
- Muskelschwäche
Ursachen
Hauptursachen
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Bluthochdruck
- Entzündungen der Nierenkörperchen (Glomerulonephritis)
- Nierenzysten (meist erblich bedingt)
- Medikamente, die die Nieren auf Dauer schädigen können
Risikofaktoren
- Übergewicht
- Rauchen
- Starker Alkoholkonsum
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Alter über 60
- Nierenerkrankungen in der Familie
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Symptomen wie plötzlichen starken Schwellungen, deutlich reduzierter Urinmenge oder sehr hohem Blutdruck sollten Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen.
- Wenn Sie Blut im Urin bemerken, auch ohne Schmerzen.
- Wenn Sie hohes Fieber und Rückenschmerzen haben.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie Diabetes oder Bluthochdruck haben, lassen Sie regelmäßig Ihre Nierenwerte prüfen.
- Bei Beschwerden wie Müdigkeit, Juckreiz oder geschwollenen Beinen, die länger als zwei Wochen anhalten.
- Bei einer familiären Vorbelastung ist eine regelmäßige Kontrolle sinnvoll.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Ihren Beschwerden, untersucht Sie und lässt Blut und Urin untersuchen. Dazu gehören der Kreatininwert und die geschätzte Filtrationsrate (eGFR) im Blut sowie Eiweiß im Urin.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung (Kreatinin, Harnstoff, eGFR)
- Urintest (Teststreifen auf Eiweiß und Blut)
- Ultraschall der Nieren
- Blutdruckmessung
- Bei Bedarf eine Gewebeprobe (Biopsie)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei und dauern nicht lange. Nach den Ergebnissen bespricht das Behandlungsteam mit Ihnen die nächsten Schritte.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Stadium der Nierenerkrankung. Ziel ist es, die Nierenfunktion zu erhalten und Folgeschäden zu vermeiden.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie so viel, wie Ihre Ärztin oder Ihr Arzt empfiehlt.
- Essen Sie salzarm und ausgewogen.
- Verzichten Sie auf Rauchen und übermäßigen Alkohol.
- Bewegen Sie sich regelmäßig.
- Halten Sie Ihr Gewicht im normalen Bereich.
Medizinische Behandlungen
Ärztinnen und Ärzte können Medikamente verschreiben, die den Blutdruck senken und die Nieren schützen. Auch Mittel gegen Diabetes oder Cholesterin können eingesetzt werden. Welche Behandlung zu Ihnen passt, wird individuell mit Ihnen besprochen.
Wann kommt eine Operation infrage?
In fortgeschrittenen Stadien kann eine Nierenersatztherapie nötig sein, zum Beispiel eine Blutwäsche (Dialyse) oder eine Nierentransplantation. Ob und wann dies nötig ist, entscheidet das Behandlungsteam gemeinsam mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer Nierenerkrankung kann man lange gut leben, besonders wenn Sie die Behandlung unterstützen und auf Ihren Körper achten. Planen Sie regelmäßige ärztliche Kontrollen und nehmen Sie Ihre Medikamente zuverlässig ein.
Tipps für den Alltag
- Trinken Sie ausreichend, aber nicht zu viel – am besten nach Rücksprache mit Ihrem Arzt.
- Achten Sie auf eine salzarme und ausgewogene Ernährung.
- Bewegen Sie sich täglich etwa 30 Minuten, zum Beispiel Spazierengehen oder Radfahren.
- Vermeiden Sie Rauchen und Alkohol.
- Nehmen Sie sich Zeit für Entspannung und ausreichend Schlaf.
Ernährung und Bewegung
Eine nierengesunde Ernährung ist meist salzarm und proteinbewusst. Lassen Sie sich dabei von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft beraten. Regelmäßige Bewegung hält Blutdruck und Gewicht im Gleichgewicht und stärkt Herz und Gefäße.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Erkrankung kann emotional belasten. Es ist normal, sich manchmal traurig oder ängstlich zu fühlen. Scheuen Sie sich nicht, Unterstützung zu suchen, etwa bei einer Psychotherapie oder einer Selbsthilfegruppe. Auch Entspannungsübungen können helfen.
Vorbeugung
Ein gesunder Lebensstil kann das Risiko für Nierenerkrankungen senken und das Fortschreiten verlangsamen. Besonders wichtig sind die Kontrolle von Blutzucker und Blutdruck, eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung.
Impfungen
Für Menschen mit Nierenerkrankung werden manchmal eine Grippeimpfung und eine Impfung gegen Pneumokokken (bestimmte Bakterien) empfohlen. Lassen Sie sich hierzu von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten.
Früherkennungsprogramme
Lassen Sie Ihren Blutdruck regelmäßig messen und – vor allem bei Risikofaktoren – den Urin auf Eiweiß untersuchen. Ihr Hausarzt oder Ihre Hausärztin kann das einfach im Rahmen der Vorsorge durchführen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Nierenversagen
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Blutarmut (Anämie)
- Knochenschwund
- Störungen des Salzhaushalts im Körper
Langzeitprognose
Mit rechtzeitiger Behandlung und einem angepassten Lebensstil lässt sich das Fortschreiten der Nierenerkrankung oft verlangsamen. Viele Menschen führen über Jahre ein aktives Leben. Und auch Dialyse oder Transplantation sind heute gute Möglichkeiten, die Lebensqualität zu erhalten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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