Nierensteine vorbeugen – was Sie selbst tun können
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Nierensteine sind harte Ablagerungen, die sich im Urin bilden. Sie können klein und harmlos sein oder aber Schmerzen und Beschwerden verursachen. Mit der richtigen Vorbeugung lässt sich das Risiko, Nierensteine zu bekommen, oft deutlich senken.
Wichtige Fakten
- Nierensteine entstehen, wenn bestimmte Stoffe im Urin stark konzentriert sind und auskristallisieren.
- Viel Trinken ist der wichtigste Schutz, weil es den Urin verdünnt.
- Eine ausgewogene Ernährung und ein gesunder Lebensstil können das Risiko ebenfalls senken.
Nierensteine sind häufig. Etwa jeder zwanzigste Erwachsene in Deutschland erlebt mindestens einmal im Leben einen Nierenstein.
Männer sind häufiger betroffen als Frauen, aber grundsätzlich kann jeder Mensch Nierensteine bekommen. Das Risiko steigt mit dem Alter, bei Übergewicht, Diabetes oder bestimmten Stoffwechselerkrankungen.
Symptome
- Starke Schmerzen, die plötzlich auftreten und sehr belastend sind
- Fieber oder Schüttelfrost zusammen mit Schmerzen
- Übelkeit und Erbrechen, sodass nichts im Körper bleibt
- Sie können trotz starkem Harndrang kaum oder gar keinen Urin lassen
- ⚠Sichtbares Blut im Urin
- ⚠Anhaltende Schmerzen, die sich nicht bessern
- ⚠Schmerzen, die mit einem brennenden Gefühl beim Wasserlassen einhergehen
Häufige Symptome
- Starke, wellenförmige Schmerzen im Rücken, in der Seite oder im Unterbauch
- Schmerzen, die in die Leiste oder die Genitalregion ausstrahlen
- Blut im Urin (rosa, rot oder bräunlich)
- Häufiger Harndrang, obwohl nur wenig Urin kommt
- Übelkeit und Erbrechen
- Brennen beim Wasserlassen
Symptome bei Kindern
- Bauchschmerzen, die schwer zu erklären sind
- Brechreiz oder Erbrechen
- Einnässen oder auffälliger Harndrang
- Blut im Urin
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Weniger deutliche Schmerzen, stattdessen allgemeines Unwohlsein oder Verwirrtheit
- Fieber und Abgeschlagenheit können auf eine Infektion hindeuten
- Plötzlich auftretende Inkontinenz oder Probleme beim Wasserlassen
Ursachen
Hauptursachen
- Zu wenig Flüssigkeit, sodass der Urin zu stark konzentriert ist
- Eine Ernährung mit sehr viel Salz oder tierischem Eiweiß
- Hohe Anteile von Oxalat im Urin – Oxalat kommt zum Beispiel in Rhabarber, Spinat oder Nüssen vor
- Stoffwechselstörungen, die die Zusammensetzung des Urins verändern
- Harnwegsinfektionen oder bestimmte Medikamente (in Absprache mit dem Arzt)
Risikofaktoren
- Zu geringe Trinkmenge
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Diabetes mellitus oder Gicht
- Eine familiäre Belastung mit Nierensteinen
- Frühere Nierensteine
- Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Suchen Sie noch am selben Tag eine ärztliche Praxis oder eine Notaufnahme auf, wenn Sie anhaltende Schmerzen haben oder Blut im Urin sehen.
- Wenn Sie Fieber oder Schüttelfrost bei Schmerzen haben, ist das ein Fall für die Notaufnahme.
- Wenn Sie keinen Urin lassen können, muss sofort gehandelt werden – rufen Sie den Notruf 112.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie nach einem Nierenstein wieder beschwerdefrei sind, ist ein Kontrolltermin beim Hausarzt oder einer Fachärztin oder einem Facharzt sinnvoll.
- Besprechen Sie in Ruhe, was Sie selbst zur Vorbeugung tun können.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt spricht zuerst mit Ihnen über Ihre Beschwerden und Ihre Krankengeschichte. Danach folgen eine körperliche Untersuchung und meist verschiedene Tests.
Mögliche Untersuchungen
- Urinuntersuchung: Sie zeigt, ob Blut oder Kristalle im Urin sind und ob eine Infektion vorliegt.
- Blutuntersuchung: Sie zeigt, wie gut Ihre Nieren arbeiten und ob bestimmte Werte erhöht sind.
- Bildgebung: Mit einer Ultraschalluntersuchung oder einer Computertomographie (CT) lassen sich die Steine sichtbar machen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei und dauern nicht lange. Sie bekommen vorher genaue Anweisungen, zum Beispiel, ob Sie etwas auf nüchternen Magen kommen sollen. Die ärztliche Behandlung orientiert sich an den aktuellen Leitlinien, unter anderem der AWMF.
Behandlung
Die Behandlung hängt von Größe, Lage und Zusammensetzung des Steins ab. Viele Steine gehen mit ausreichend Flüssigkeit und Bewegung von selbst ab. Schmerzen lassen sich mit ärztlich verordneten oder empfohlenen Mitteln behandeln – besprechen Sie immer mit Ihrem medizinischen Team, was für Sie geeignet ist.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie viel, am besten 2 bis 3 Liter über den Tag verteilt – am besten Wasser oder ungesüßten Tee.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, zum Beispiel durch Spazierengehen oder Treppensteigen.
- Wenden Sie bei Schmerzen eine Wärmflasche oder ein warmes Bad an, wenn das angenehm ist.
- Achten Sie auf Anzeichen von Fieber oder starkem Unwohlsein und suchen Sie dann sofort Hilfe.
Medizinische Behandlungen
Es gibt Medikamente, die Schmerzen lindern und das Abgehen des Steins erleichtern können. Manche Patienten erhalten eine Behandlung mit Stoßwellen, die den Stein zertrümmert. Bei anderen Verfahren wird der Stein mit einem dünnen Instrument durch die Harnröhre entfernt. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin erklärt Ihnen die Möglichkeiten und Risiken im Einzelnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird nötig, wenn der Stein sehr groß ist, eine Infektion verursacht oder den Urinabfluss blockiert. Auch bei anhaltenden starken Schmerzen kann ein Eingriff sinnvoll sein. Dabei wird der Stein meist minimalinvasiv entfernt – das heißt, der Eingriff ist schonend und die Erholung geht oft schnell.
Leben mit der Erkrankung
Nach einem Nierenstein ist es wichtig, den Alltag so anzupassen, dass sich kein neuer Stein bildet. Das Wichtigste ist, regelmäßig genug zu trinken und Ihre Ernährung im Blick zu behalten.
Tipps für den Alltag
- Trinken Sie über den Tag verteilt – nicht nur bei Durst.
- Reduzieren Sie Speisesalz in Ihren Mahlzeiten.
- Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht.
- Meiden Sie sehr vitamin-C-hohe Präparate in hohen Dosen, da diese das Risiko erhöhen können – fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber übertreiben Sie es nicht, wenn Sie akut Schmerzen haben.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst ist empfehlenswert. Wer dazu neigt, Oxalatsteine zu bilden, sollte oxalatreiche Lebensmittel wie Spinat, Rhabarber oder Rote Bete nur in Maßen genießen – aber nicht ganz weglassen. Zu viel tierisches Eiweiß und Zucker können das Risiko ebenfalls erhöhen. Gehen Sie regelmäßig, schwimmen oder radeln Sie – das fördert die Gesundheit der Nieren.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wiederkehrende Nierensteine können belastend sein und manchmal Angst machen. Es ist normal, sich danach Sorgen zu machen. Sprechen Sie offen mit Ihrem medizinischen Team über Ihre Gefühle. Auch ein Gespräch mit einer Psychologin oder einem Psychologen kann helfen, mit der Unsicherheit umzugehen.
Vorbeugung
Ja, das lässt sich in vielen Fällen gut verhindern. Die wichtigsten Bausteine sind: ausreichend trinken, sich gesund ernähren und ein aktiver Lebensstil. Wer bereits einmal Nierensteine hatte, kann mit gezielten Ernährungsempfehlungen und ärztlicher Begleitung das Risiko für neue Steine deutlich senken.
Früherkennungsprogramme
Für manche Menschen mit wiederholten Nierensteinen kann eine erweiterte Stoffwechseldiagnostik sinnvoll sein. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin entscheidet gemeinsam mit Ihnen, ob eine genauere Untersuchung und eine Vorbeugung mit Medikamenten infrage kommt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Nierensteine, die den Harnleiter blockieren, können zu einer Harnstauung führen und die Nieren schädigen.
- Eine Infektion kann sich auf die Niere ausbreiten und zu Fieber führen.
- Mit der Zeit kann eine Nierenfunktionsstörung entstehen, wenn Steine über längere Zeit nicht behandelt werden.
Langzeitprognose
Die Prognose ist sehr gut. Die meisten Menschen erholen sich vollständig und können mit der richtigen Vorbeugung weitere Steine vermeiden. Auch nach einem Eingriff ist die Nierenfunktion in den allermeisten Fällen dauerhaft erhalten. Mit ärztlicher Begleitung und einem gesunden Lebensstil ist ein beschwerdefreies Leben gut möglich.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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