Unfruchtbarkeit beim Mann vorbeugen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Unfruchtbarkeit beim Mann bedeutet: Ein Mann kann trotz regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr über ein Jahr lang keine Schwangerschaft herbeiführen. In vielen Fällen ist die Ursache eine Störung der Spermienbildung oder der Samenwege. Manche dieser Ursachen sind behandelbar, anderen kann man mit einem gesunden Lebensstil vorbeugen.
Wichtige Fakten
- Bei etwa jedem zweiten Paar mit unerfülltem Kinderwunsch spielt auch eine eingeschränkte Fruchtbarkeit des Mannes eine Rolle.
- Nur etwa 10 % der Fälle haben eine eindeutige, nicht behandelbare Ursache.
- Eine gesunde Lebensweise, Schutz vor Infektionen und frühzeitige ärztliche Abklärung können die Fruchtbarkeit erhalten.
Ja, ungefähr jedes sechste Paar bleibt ungewollt kinderlos. Auch beim Mann ist eingeschränkte Fruchtbarkeit keine Seltenheit.
Betroffen sind Männer nach der Pubertät – vom jungen Erwachsenen bis ins höhere Alter. Die Fruchtbarkeit nimmt ab etwa 35 bis 40 Jahren langsam ab.
Symptome
- Plötzliche, sehr starke Schmerzen in einem Hoden oder im Unterbauch – sofort den Notruf 112 wählen oder die nächste Notaufnahme aufsuchen. Das kann auf eine Verdrehung des Hodens hinweisen.
- Starke Schwellung oder Blaufärbung des Hodens nach einem Unfall.
- Blut im Urin oder Ejakulat.
- ⚠Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen – suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe.
- ⚠Anhaltende Schwellung, Druckgefühl oder Knoten im Hodenbereich – bitte innerhalb von 24 Stunden abklären lassen.
- ⚠Flüssigkeitsaustritt oder Ausfluss aus der Harnröhre – ebenfalls innerhalb von 24 Stunden vorstellen.
Häufige Symptome
- In vielen Fällen gibt es keine Warnzeichen. Das erste Anzeichen ist, dass keine Schwangerschaft eintritt.
- Manche Männer bemerken eine verminderte Samenmenge, Erektionsprobleme oder einen veränderten Geruch oder Farbe des Ejakulats.
- Zeichen einer Hormonstörung können Brustwachstum, nachlassende Körperbehaarung oder eine geringe Samenmenge sein.
Symptome bei Kindern
- Bei Jungen vor der Pubertät ist Unfruchtbarkeit nicht das Thema, aber ein nicht abgestiegener Hoden (Hodenhochstand) sollte früh behandelt werden, um die Fruchtbarkeit zu erhalten.
- Ein Hoden, der plötzlich nicht mehr im Hodensack spürbar ist, sollte immer ärztlich abgeklärt werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Mit zunehmendem Alter nimmt die Spermienqualität langsam ab. Männer ab etwa 40 Jahren mit Kinderwunsch sollten auch den männlichen Teil der Fruchtbarkeit frühzeitig abklären lassen.
Ursachen
Hauptursachen
- Störungen der Spermienbildung in den Hoden
- Verstopfte oder fehlende Samenwege
- Hormonstörungen, zum Beispiel ein Mangel an Testosteron
- Infektionen wie Mumps, Hodenentzündung oder sexuell übertragbare Infektionen
- Schädigende Einflüsse durch Medikamente, Strahlung oder Chemikalien
Risikofaktoren
- Rauchen
- Viel Alkohol
- Übergewicht
- Dauerhafter Stress
- Hitze im Genitalbereich – durch enge Kleidung, lange Autositze mit Heizung oder häufige Saunabesuche
- Drogen wie Anabolika, Marihuana oder Kokain
- Umweltgifte oder Schadstoffe am Arbeitsplatz
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Schmerzen, Brennen oder Ausfluss im Genitalbereich – noch am selben Tag in die Praxis gehen.
- Plötzliche, starke Hoden- oder Bauchschmerzen – umgehend den Notruf 112 wählen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn nach zwölf Monaten ungeschütztem Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft eintritt.
- Wenn Sie Erektionsprobleme, verminderte Samenmenge oder Veränderungen der Hoden bemerken.
- Wenn Sie früher einen Hodenhochstand, eine Mumpserkrankung oder eine Hodenentzündung hatten.
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin fragt zuerst nach Ihrer Krankengeschichte, Ihrem Lebensstil und möglichen Belastungen. Danach folgt eine körperliche Untersuchung mit Abtasten der Hoden und der Prostata. Moderne Leitlinien, etwa die AWMF-Leitlinie zur männlichen Unfruchtbarkeit, empfehlen die Untersuchung beider Partner in einer Kinderwunschsprechstunde.
Mögliche Untersuchungen
- Spermiogramm – die Untersuchung der Samenflüssigkeit auf Menge, Beweglichkeit und Form der Spermien.
- Ultraschall der Hoden und der Samenwege, um Verstopfungen oder Krampfadern zu erkennen.
- Bluttest zur Messung der Hormonwerte wie Testosteron und FSH.
- Bei besonderen Fragen eine genetische Untersuchung oder eine Gewebeprobe aus dem Hoden (Hodenbiopsie).
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Für das Spermiogramm müssen Sie vorher zwei bis sieben Tage auf Geschlechtsverkehr und Masturbation verzichten. Die Untersuchungen selbst sind meist schmerzfrei. Manche Ergebnisse, etwa Hormonwerte, sind am nächsten Tag da, andere können einige Wochen dauern.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Ursache ab. Sie reicht von der Veränderung der Lebensgewohnheiten über die Behandlung von Infektionen oder Hormonstörungen bis zu Methoden der künstlichen Befruchtung. Die moderne Reproduktionsmedizin kann heute vielen Männern mit Kinderwunsch helfen.
Selbsthilfe zu Hause
- Mit dem Rauchen aufhören – Ihre Kinderwunschklinik oder Hausarztpraxis kann Ihnen Hilfen anbieten.
- Alkohol nur in Maßen: höchstens ein Glas Bier oder Wein pro Tag, an mehreren Tagen pro Woche gar keinen.
- Übergewicht abbauen: Jedes Kilo weniger kann die Fruchtbarkeit verbessern.
- Stress reduzieren – zum Beispiel mit Entspannungsübungen, Sport oder einem Hobby.
- Hitze vermeiden: keine engen Hosen, keine dauerhaft beheizten Autositze, keine exzessiven Saunagänge.
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache kommen verschiedene Behandlungen in Frage: Bei Infektionen werden Antibiotika eingesetzt, bei Hormonmangel werden Hormone in individuell angepasster Dosierung verabreicht. In der Kinderwunschmedizin gibt es Verfahren wie die In-vitro-Fertilisation (IVF) oder die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), bei denen die Befruchtung außerhalb des Körpers stattfindet. Welche Methode für Sie geeignet ist, bespricht Ihre behandelnde Ärztin oder Ihr behandelnder Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann helfen, wenn ein Krampfaderbruch im Hoden (Varikozele) vorliegt, die Samenwege verschlossen sind oder ein nicht abgestiegener Hoden frühzeitig behandelt werden muss. Auch bei einem Leistenbruch kann ein Eingriff die Fruchtbarkeit erhalten.
Leben mit der Erkrankung
Leben Sie mit Ihrem Kinderwunsch in einem ruhigen Alltag. Planen Sie regelmäßig Zeit zu zweit ein und gestehen Sie sich und Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner Gefühle wie Trauer oder Ungeduld zu. Ein Paar, das offen kommuniziert, trägt die Belastung leichter.
Tipps für den Alltag
- 30 Minuten Bewegung am Tag genügen – ein flotter Spaziergang zählt schon.
- Auf Nikotin und exzessiven Alkohol verzichten – das ist der größte Hebel für die Spermienqualität.
- Schlafen Sie ausreichend, denn Hormone werden vor allem im Schlaf gebildet.
- Entspannen Sie bewusst, etwa mit progressiver Muskelentspannung oder Atemübungen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Nüssen und fettreichem Fisch (zum Beispiel Lachs) unterstützt die Spermienproduktion. Auch Leinsamen und Walnüsse liefern wichtige Omega-3-Fettsäuren. Vermeiden Sie extreme Diäten und übertriebenes Ausdauertraining – beides kann die Fruchtbarkeit vorübergehend stören.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein unerfüllter Kinderwunsch ist eine seelisch herausfordernde Erfahrung. Schuldgefühle, Scham, Wut und Traurigkeit sind normal. Es ist wichtig, sich nicht zurückzuziehen. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 erreichbar. Sie können auch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über eine psychologische Beratung oder Paartherapie sprechen.
Vorbeugung
Nicht jede Form der Unfruchtbarkeit ist vermeidbar. Aber ein gesunder Lebensstil, der Schutz vor Infektionen und die frühzeitige Behandlung von Hodenhochstand oder Infektionen können das Risiko deutlich senken.
Impfungen
Der wichtigste Schutz ist die Mumpsimpfung. Mumps kann bei erwachsenen Männern zu einer Hodenentzündung und damit zu Unfruchtbarkeit führen. Lassen Sie Ihren Impfschutz ärztlich prüfen, insbesondere auch die Impfungen gegen Mumps, Röteln und Windpocken.
Früherkennungsprogramme
Ein automatisches Screening auf Fruchtbarkeit gibt es nicht. Bei einer allgemeinen Vorsorgeuntersuchung beim Urologen ab 45 Jahren können Sie das Thema Kinderwunsch ansprechen. Wenn Sie einen Kinderwunsch planen, lassen Sie sich idealerweise vor dem Versuch ärztlich beraten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ungewollte Kinderlosigkeit und die damit verbundenen psychischen Belastungen.
- Bei unbehandelten sexuell übertragbaren Infektionen kann sich die Spermienqualität weiter verschlechtern und eine Entzündung der Nebenhoden entstehen.
- Ein nicht behandelter Hodenhochstand erhöht das Risiko für späteren Hodenkrebs und Unfruchtbarkeit.
Langzeitprognose
Die medizinischen Fortschritte in der Reproduktionsmedizin sind groß: Auch bei stark eingeschränkter Spermienqualität können Verfahren wie die ICSI zu einer Schwangerschaft führen. Viele Ursachen lassen sich behandeln oder umgehen. Lassen Sie sich von einem erfahrenen Team begleiten – die Aussichten sind besser als oft angenommen.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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