Nierenentzündung (Nephritis) verstehen und vorbeugen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Nephritis ist eine Entzündung der Nieren. Die Nieren sind zwei Organe in Ihrem unteren Rücken, die Ihr Blut filtern. Sie scheiden überschüssiges Wasser und Abfallstoffe über den Urin aus. Wenn die Nieren entzündet sind, können sie ihre Arbeit nicht mehr richtig tun. Eine Nephritis kann plötzlich auftreten (akut) oder über einen langen Zeitraum bestehen (chronisch).
Wichtige Fakten
- Eine Nephritis entsteht häufig durch einen aufsteigenden Harnwegsinfekt oder durch eine Überreaktion des Immunsystems.
- Die Krankheit beginnt oft mit Müdigkeit, geschwollenen Augenlidern und verändertem Urin.
- Je früher eine Nierenentzündung erkannt wird, desto besser lässt sie sich behandeln.
Nierenentzündungen sind nicht selten, aber nicht ansteckend. In Deutschland gehören sie zu den häufigeren Ursachen für eine allgemeine Nierenschwäche.
Nephritis kann in jedem Alter auftreten. Kinder und Jugendliche sind zum Beispiel nach bestimmten Infektionen öfter betroffen. Ältere Menschen erkranken häufiger, wenn sie bereits Bluthochdruck oder Diabetes haben.
Symptome
- Rufen Sie sofort den Notruf 112 an, wenn Sie innerhalb von 24 Stunden fast keinen Urin ausscheiden.
- Rufen Sie sofort die 112 an, wenn Sie Atemnot bekommen.
- Rufen Sie sofort die 112 an, wenn Sie einen Krampfanfall haben.
- Rufen Sie sofort die 112 an, wenn Sie bewusstlos werden oder sehr verwirrt sind.
- ⚠Suchen Sie am gleichen Tag ärztliche Hilfe auf, wenn Sie deutlich Blut im Urin bemerken.
- ⚠Suchen Sie am gleichen Tag ärztliche Hilfe auf, wenn Ihr Gesicht und Ihre Beine stark anschwellen.
- ⚠Suchen Sie am gleichen Tag ärztliche Hilfe auf, wenn Sie Fieber über 39 Grad Celsius und Schüttelfrost haben.
- ⚠Suchen Sie am gleichen Tag ärztliche Hilfe auf, wenn Sie sehr starke Schmerzen im Rücken oder an der Seite haben.
Häufige Symptome
- Sie fühlen sich müde und abgeschlagen.
- Ihre Beine, Hände oder Augenlider schwellen an.
- Ihr Urin ist schaumig, rötlich oder braun.
- Sie scheiden weniger Urin aus.
- Ihr Blutdruck ist erhöht.
- Sie haben einen dumpfen Schmerz im Rücken.
Symptome bei Kindern
- Der Urin ist trüb oder braun wie Cola.
- Die Augenlider sind morgens geschwollen.
- Das Kind ist schlapp und hat wenig Appetit.
- Es klagt über Bauch- oder Rückenschmerzen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Plötzliche Verwirrtheit oder Unruhe.
- Sie müssen deutlich seltener und weniger auf die Toilette.
- Übelkeit ohne weitere Vorboten.
- Sie fühlen sich schwindelig und schwach.
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterien, die aus der Blase in die Nieren aufsteigen.
- Abwehrreaktionen des Körpers nach Infektionen, zum Beispiel nach einer Streptokokken-Angina.
- Autoimmunerkrankungen: Das Immunsystem greift körpereigenes Gewebe an – auch die Nieren.
- Schädigende Stoffe wie bestimmte Schmerzmittel in hohen Dosen.
Risikofaktoren
- Immer wiederkehrende Blasenentzündungen.
- Zu hoher Blutdruck oder Diabetes.
- Längerer Gebrauch von Schmerzmitteln ohne ärztliche Rücksprache.
- Nierenleiden in der Familie.
- Bekannte Autoimmunerkrankung.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie Blut im Urin sehen.
- Wenn Sie auffällig wenig Urin ausscheiden.
- Wenn Sie hohes Fieber und Rückenschmerzen haben.
- Wenn Beine oder Gesicht stark geschwollen sind.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie seit Wochen müde sind und keinen Appetit haben.
- Wenn Sie Bluthochdruck oder Diabetes haben – regelmäßige Nierenkontrollen sind wichtig.
- Wenn Sie nach einer Halsentzündung geschwollene Augenlider bemerken.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt untersucht Sie und fragt nach Ihren Beschwerden. Danach werden Urin und Blut getestet. Mit einem Ultraschall kann die Niere beurteilt werden. Bei manchen Formen wird auch eine kleine Gewebeprobe entnommen. In Deutschland orientiert sich das Vorgehen an den Leitlinien der AWMF.
Mögliche Untersuchungen
- Urintest: zeigt, ob Eiweiß, Blut oder Bakterien im Urin sind.
- Bluttest: Die Werte Kreatinin und Harnstoff verraten, wie gut die Nieren arbeiten.
- Ultraschall: schmerzfreie Untersuchung, bei der Größe und Struktur der Nieren sichtbar werden.
- Biopsie: nur bei unklaren Fällen wird eine kleine Gewebeprobe entnommen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Beim ersten Termin werden Urin und Blut untersucht. Sie dürfen alle Fragen stellen. Falls nötig, bekommen Sie eine Überweisung zu einer Nierenspezialistin oder einem Nierenspezialisten.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Sind Bakterien beteiligt, helfen Antibiotika. Bei Entzündungen durch das Immunsystem werden Medikamente eingesetzt, die die Überreaktion dämpfen. Zusätzlich werden Blutdruck und Flüssigkeitshaushalt behandelt. Wichtig ist außerdem, sich körperlich zu schonen.
Selbsthilfe zu Hause
- Täglich ausreichend trinken, üblich ist 1,5 bis 2 Liter – außer Ihre Ärztin oder Ihr Arzt verordnet etwas anderes.
- Auf Rauchen und Alkohol verzichten.
- Keine Schmerzmittel ohne ärztliche Absprache einnehmen.
- Über den Tag verteilt Ruhepausen einplanen.
Medizinische Behandlungen
Ihr Behandlungsteam stimmt die Therapie genau auf Sie ab. Möglich sind Medikamente gegen Bakterien, gegen Entzündungen oder gegen zu hohen Blutdruck. Wenn die Nieren kurzfristig kaum arbeiten können, ist vorübergehend eine Blutwäsche (Dialyse) nötig. Welche Medikamente und Dosierungen für Sie passen, bespricht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt ausführlich mit Ihnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur sehr selten nötig, etwa wenn sich ein Abszess in der Niere gebildet hat und entleert werden muss.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer Nierenentzündung leben bedeutet: regelmäßig zur Kontrolle gehen und auf den eigenen Körper achten. Den Alltag können Sie meist gut bewältigen, wenn Sie auf genügend Flüssigkeit, Pausen und entspannte Bewegung achten.
Tipps für den Alltag
- Blutdruck regelmäßig zuhause messen.
- Salzreiche Speisen vermeiden.
- Fertiggerichte stark einschränken.
- Nicht rauchen.
Ernährung und Bewegung
Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder Radfahren ist meist erlaubt und tut gut. Bei der Ernährung empfiehlt sich eine ausgewogene Mischkost mit wenig Salz. Wie viel Eiweiß für Sie richtig ist, kann je nach Nierenfunktion unterschiedlich sein – klären Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Nephritis kann verunsichern und Angst auslösen – das ist nachvollziehbar. Reden Sie über diese Gefühle, zum Beispiel mit Ihrer Familie oder Ihrem Behandlungsteam. Wenn die Belastung hoch ist, kann auch eine psychologische Beratung helfen.
Vorbeugung
Nicht jede Nephritis lässt sich verhindern, weil auch das Immunsystem eine Rolle spielt. Sie können aber einiges tun: Trinken Sie ausreichend, behandeln Sie Blasenentzündungen früh, stellen Sie Bluthochdruck und Diabetes gut ein und meiden Sie unnötige Schmerzmittel.
Impfungen
Infektionen können Nierenentzündungen auslösen. Es ist daher sinnvoll, sich gegen vermeidbare Infektionen impfen zu lassen – etwa gegen Grippe. Fragen Sie Ihre Hausarztpraxis, welche Impfungen für Sie persönlich empfohlen werden.
Früherkennungsprogramme
Ein einfacher Urintest zeigt oft früh, ob Eiweiß oder Blut im Urin sind. Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck oder Nierenleiden in der Familie sollten sich regelmäßig untersuchen lassen. Sprechen Sie bei Ihrem nächsten Arztbesuch aktiv das Thema Nieren an.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Nierenschwäche
- Nierenversagen mit der Notwendigkeit einer Dialyse
- Schwer einstellbarer Bluthochdruck
- Wasseransammlungen im Körper (Ödeme)
- Aus dem Gleichgewicht geratene Blutsalze (Elektrolyte)
Langzeitprognose
Bei rechtzeitiger Behandlung ist die Aussicht heute gut. Akute Entzündungen heilen oft vollständig aus. Bei chronischen Verläufen kann die Erkrankung über lange Zeit stabil bleiben, sodass Sie ein weitgehend normales Leben führen können. Dafür ist ein regelmäßiger Kontakt mit Ihrem Behandlungsteam wichtig.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.