Erektionsstörungen: Früherkennung und Hilfe
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Erektionsstörung (erektile Dysfunktion) bedeutet, dass ein Mann Schwierigkeiten hat, eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion zu bekommen oder zu halten. Es ist ein häufiges Gesundheitsproblem und kein normaler Teil des Alterns. Es kann behandelt werden.
Wichtige Fakten
- Erektionsstörungen sind weit verbreitet – etwa jeder zweite Mann über 40 hat zeitweise Probleme.
- Sie können ein frühes Warnzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein, auch wenn viele Ursachen harmlos sind.
- Es gibt viele wirksame Behandlungsmöglichkeiten – vom gesunden Lebensstil bis zur Operation.
Ja, Erektionsstörungen sind weit verbreitet. Mit zunehmendem Alter nimmt die Häufigkeit zu, aber sie sind keine normale Begleiterscheinung des Alterns. In Deutschland sind schätzungsweise mehrere Millionen Männer betroffen.
Männer jeden Alters, aber vor allem nach dem 40. Lebensjahr. Auch jüngere Männer können betroffen sein – häufig durch Stress, Ängste oder Beziehungsprobleme.
Symptome
- Eine sehr schmerzhafte Erektion, die länger als 4 Stunden anhält und ohne sexuelle Stimulation fortbesteht – dann sofort den Notruf 112 wählen oder die nächste Notaufnahme aufsuchen.
- ⚠Wenn die Erektionsstörung mit Fieber, Schmerzen im Becken oder beim Wasserlassen einhergeht
- ⚠Wenn plötzlich eine Erektionsstörung nach einem Unfall oder einer Operation im Beckenbereich auftritt
Häufige Symptome
- Schwierigkeiten, überhaupt eine Erektion zu bekommen
- Schwierigkeiten, die Erektion während des Geschlechtsverkehrs aufrechtzuerhalten
- Vermindertes sexuelles Verlangen (Libido)
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Männern dauert die Erektion natürlicherweise länger und ist oft weniger fest. Eine Erektionsstörung liegt vor, wenn regelmäßig keine ausreichend feste Erektion möglich ist. Häufig gibt es einen Zusammenhang mit Gefäßverkalkung, Diabetes oder Nebenwirkungen von Medikamenten.
Ursachen
Hauptursachen
- Durchblutungsstörungen des Penis, oft durch Gefäßverkalkung (Arteriosklerose)
- Nervenschäden, z.B. bei Diabetes oder nach Operationen im Beckenbereich
- Hormonstörungen wie ein niedriger Testosteronspiegel
- Psychische Belastungen wie Stress, Angst, Depressionen oder Beziehungsprobleme
- Nebenwirkungen bestimmter Medikamente
Risikofaktoren
- Alter – das Risiko steigt ab etwa 50 Jahren
- Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Bluthochdruck, erhöhte Blutfette oder Diabetes
- Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer)
- Sexuelle Unsicherheit oder Beziehungsprobleme
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Erektionsstörung von starken Schmerzen, Fieber oder Blut im Urin begleitet wird
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Erektionsprobleme länger als drei Monate andauern
- Wenn Sie eine Grunderkrankung haben (z.B. Diabetes, Herzerkrankung) und neue Symptome bemerken
- Im Rahmen der allgemeinen Vorsorge, z.B. beim Gesundheitscheck ab 35 Jahren
Diagnose
Der Arzt spricht zuerst ausführlich mit Ihnen über Ihre Symptome, Krankengeschichte, Medikamente und Lebensgewohnheiten. Danach folgt eine körperliche Untersuchung. Bluttests (z.B. Blutzucker, Blutfette, Testosteron) grenzen mögliche Ursachen ein. Eine Ultraschalluntersuchung der Penisgefäße zeigt, ob die Durchblutung in Ordnung ist. Die Vorgehensweise folgt dabei den medizinischen Leitlinien (AWMF).
Mögliche Untersuchungen
- Ausführliches Gespräch (Anamnese) über Erektionen, Libido und Grunderkrankungen
- Körperliche Untersuchung von Bauch, Hoden und Prostata
- Blutuntersuchung auf Blutzucker, Blutfette und Geschlechtshormone wie Testosteron
- Ultraschall der Penisgefäße (Doppler-Sonografie) zur Messung der Durchblutung
- Bei Bedarf ein Test zur Messung der nächtlichen Erektionen im Schlaflabor
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel nicht schmerzhaft und dauern meist 10 bis 30 Minuten. Die Ultraschalluntersuchung kann kurz unangenehm sein. Sie können offen über Ihre Probleme sprechen – alle Informationen unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei vielen Männern helfen bereits Veränderungen im Alltag. Liegt eine körperliche Ursache vor, gibt es verschiedene medizinische Optionen. Eine leitliniengerechte Beratung in der Arztpraxis hilft, den passenden Weg zu finden.
Selbsthilfe zu Hause
- Gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und Gewichtsabnahme bei Übergewicht
- Stress abbauen durch Entspannungstechniken wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung
- Offen mit der Partnerin oder dem Partner über Belastungen und Ängste sprechen
- Ausreichend schlafen – Schlafmangel beeinträchtigt die Hormon- und Gefäßfunktion
- Rauchen vermeiden und Alkohol nur in Maßen genießen
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene Medikamente, die die Durchblutung des Penis fördern und vom Arzt individuell ausgewählt werden. Diese sind verschreibungspflichtig und dürfen nicht eigenmächtig eingenommen werden. Bei nachgewiesenem Testosteronmangel kann eine Hormontherapie helfen. Weitere Optionen sind Vakuumpumpen, Schwellkörper-Injektionen und eine Penisprothese. Lassen Sie sich dazu ausführlich in einer urologischen Praxis beraten.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt in Betracht, wenn konservative Methoden nicht erfolgreich sind. Am häufigsten wird eine Penisprothese implantiert. Bei verengten Blutgefäßen kann auch ein gefäßchirurgischer Eingriff helfen. Diese Operationen sind meist gut planbar und gelten als letzte Behandlungsstufe.
Leben mit der Erkrankung
Erektionsstörungen sind kein Grund, sich zu verstecken. Mit der richtigen Behandlung und offener Kommunikation bleibt ein erfülltes Sexualleben meist möglich. Achten Sie im Alltag auf Warnsignale wie Brustschmerzen oder Atemnot, da Erektionsstörungen auch auf Gefäßerkrankungen hinweisen können.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich mindestens 30 Minuten täglich, z.B. zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen
- Ernähren Sie sich ausgewogen mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkorn
- Halten Sie ein gesundes Körpergewicht
- Reduzieren Sie Stress und gönnen Sie sich Ruhepausen
- Pflegen Sie soziale Kontakte und sprechen Sie offen über Ihre Gefühle
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung und regelmäßiger Ausdauersport verbessern die Durchblutung im ganzen Körper – auch im Schwellkörper des Penis. Empfohlen wird, was Herz und Gefäße schützt: viel ungesättigte Fettsäuren, wenig Zucker und tägliche Bewegung.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Erektionsstörungen können das Selbstwertgefühl erheblich beeinträchtigen. Angst vor dem nächsten Versuch kann das Problem verstärken. Ein offenes Gespräch mit der Partnerin oder dem Partner sowie eine psychologische oder sexualtherapeutische Beratung können helfen, den Druck zu verringern.
Vorbeugung
Nicht jede Erektionsstörung lässt sich verhindern, aber ein gesunder Lebensstil senkt das Risiko: Nichtrauchen, normales Körpergewicht, Bewegung und wenig Alkohol. Auch gut eingestellte Blutdruck- oder Diabeteswerte schützen die Blutgefäße.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine spezielle Reihenuntersuchung auf Erektionsstörungen. Beim Gesundheitscheck ab 35 Jahren werden aber Blutdruck, Blutzucker und Blutfette gemessen – das sind wichtige Risikofaktoren. Wenn diese Werte auffällig sind, kann Ihr Arzt Sie gezielt zu Erektionsstörungen befragen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Erektionsstörungen selbst verursachen keine körperlichen Folgeschäden, können aber seelisch belasten und zu Beziehungsproblemen führen.
- Wird eine zugrunde liegende Gefäß-, Herz- oder Stoffwechselerkrankung nicht erkannt und behandelt, können daraus später ernste Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall entstehen.
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung und einem gesunden Lebensstil lässt sich die Erektionsfähigkeit bei den meisten Männern verbessern. Erektionsstörungen sind kein Grund, die Hoffnung aufzugeben – viele Männer finden einen Weg zurück zu einem befriedigenden Sexualleben.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.