Testosteron-Screening: Was Sie wissen sollten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das männliche Geschlechtshormon heißt Testosteron. Es wird in den Hoden gebildet und ist wichtig für Muskeln, Knochen, Lustgefühle und die Stimmung. Wenn man ein „Screening für männliches Hormon“ macht, bedeutet das: Man misst den Testosteronwert im Blut. Das passiert meist dann, wenn ein Mann Beschwerden wie Müdigkeit, Lustlosigkeit oder nachlassende Kraft hat. Der Arzt kann so erkennen, ob ein Testosteronmangel vorliegt – und wenn ja, was man dagegen tun kann.
Wichtige Fakten
- Testosteron sinkt im Alter langsam ab – das ist normal.
- Ein niedriger Wert allein ist noch keine Krankheit. Erst zusammen mit Beschwerden wird er wichtig.
- Das Screening ist eine einfache Blutuntersuchung in der Arztpraxis – meist morgens, weil der Wert dann am höchsten ist.
Ja, bei älteren Männern ist der Testosteronwert oft niedriger als bei jungen. Tatsächlich mit Beschwerden verbunden ist ein Mangel allerdings seltener. Man schätzt, dass einige Prozent der Männer über 50 betroffen sind.
Das Screening betrifft in erster Linie erwachsene Männer, besonders ab 50 Jahren. Aber auch jüngere Männer mit Erkrankungen wie Diabetes, Übergewicht oder einer Schilddrüsenerkrankung können einen niedrigen Testosteronwert haben.
Symptome
- Plötzliche starke Brustschmerzen oder Atemnot – das kann auf einen Herzinfarkt hindeuten. Rufen Sie sofort die 112.
- Einseitige Lähmung, Sprachstörungen oder ein hängender Mundwinkel – mögliche Zeichen eines Schlaganfalls. Sofort die 112 wählen.
- ⚠Starke, anhaltende Schmerzen in den Hoden – bitte noch am selben Tag zum Arzt oder in die Notaufnahme.
- ⚠Plötzliche Erektionsstörung mit Schmerzen im unteren Rücken oder in den Beinen – das muss noch am selben Tag abgeklärt werden.
- ⚠Sehstörungen oder anhaltende starke Kopfschmerzen – auch das ist ein Grund für eine schnelle ärztliche Untersuchung.
Häufige Symptome
- Verminderte Lust auf Sex (Libidoverlust)
- Erektionsstörungen
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Stimmungsschwankungen oder Niedergeschlagenheit
- Abnahme von Muskelmasse und Kraft
- Zunahme von Bauchfett und Gewichtszunahme
Symptome bei Kindern
- Bei Jungen mit verzögerter Pubertät wird der Testosteronwert nur bei besonderem Verdacht gemessen.
- Zeichen können sein: kein Hodenwachstum, kaum Schambehaarung oder fehlende Stimmwechsel bis zum 14. Lebensjahr.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Männern können auch Gedächtnisprobleme, Knochenschwund (Osteoporose) und häufige Stürze mit einem niedrigen Testosteron zusammenhängen.
- Allerdings überlappen diese Beschwerden oft mit normalen Alterserscheinungen – deshalb ist eine ärztliche Abklärung wichtig.
Ursachen
Hauptursachen
- Natürlicher Alterungsprozess – der Testosteronspiegel sinkt ab etwa 30 Jahren allmählich.
- Schäden an den Hoden durch Unfall, Infektion (z.B. Mumps) oder Strahlentherapie.
- Erkrankungen der Hirnanhangdrüse (Hypophyse), die die Hormonproduktion steuert.
- Einnahme bestimmter Medikamente, zum Beispiel Kortisonpräparate in hoher Dosis.
- Starkes Übergewicht (Adipositas) und Diabetes mellitus Typ 2.
Risikofaktoren
- Alter über 50 Jahre
- Fettleibigkeit (Adipositas)
- Diabetes mellitus Typ 2
- Wenig körperliche Bewegung
- Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
- Chronische Erkrankungen wie Nieren- oder Leberschwäche
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen, starken Hodenschmerzen oder einer Schwellung des Hodens.
- Bei Erektionsstörung, die plötzlich auftritt und mit Rückenschmerzen oder Beinschmerzen verbunden ist.
- Bei starken Kopfschmerzen mit Sehstörungen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über Wochen oder Monate anhaltende Müdigkeit, Lustlosigkeit oder Stimmungstiefs spüren.
- Wenn Sie eine Abnahme der Muskelkraft, Ausdauer oder einen Rückgang des Bartwuchses bemerken.
- Wenn Sie unter Gewichtszunahme, Lipomastie (RückBildung der Brust) oder Knochenschwund leiden.
Diagnose
Der Arzt fragt zuerst nach Beschwerden und Vorerkrankungen (Anamnese). Danach tastet er die Hoden ab und beurteilt körperliche Merkmale wie Muskelmasse und Körperbehaarung. Bei begründetem Verdacht wird eine Blutprobe entnommen und das Testosteron bestimmt – am besten morgens, weil der Wert dann am höchsten ist.
Mögliche Untersuchungen
- Ausführliches Gespräch über Beschwerden und Lebensstil
- Körperliche Untersuchung der Hoden und gegebenenfalls der Prostata
- Blutentnahme zur Bestimmung des Testosteronwertes
- Wiederholung der Blutentnahme an einem zweiten Tag, weil der Wert schwanken kann
- Weitere Blutuntersuchungen, z.B. für LH und FSH (Hormone der Hirnanhangdrüse), um die Ursache einzugrenzen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Blutentnahme ist für Sie meist unkompliziert – Sie sitzen oder liegen, der Arm wird abgebunden, das Blut wird entnommen. Das Ergebnis liegt in der Regel nach ein bis zwei Tagen vor. Ihr Arzt erklärt Ihnen den Wert, ordnet ihn im Zusammenhang mit Ihren Beschwerden ein und entscheidet, ob weitere Untersuchungen nötig sind.
Behandlung
Eine Behandlung ist nur dann sinnvoll, wenn ein Testosteronmangel nachgewiesen ist und gleichzeitig Beschwerden bestehen. Das Ziel ist, die Symptome zu lindern, die Knochen zu schützen, die Muskulatur zu kräftigen und die Lebensqualität zu verbessern. Oft wird zuerst eine Umstellung des Lebensstils empfohlen – eine Hormontherapie wird nur begonnen, wenn das nicht ausreicht.
Selbsthilfe zu Hause
- Bei Übergewicht: Gewicht reduzieren – schon 5 bis 10 Kilo weniger können den Testosteronspiegel spürbar anhheben.
- Regelmäßige Bewegung: Ausdauersport wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren sowie Krafttraining.
- Ausreichend und regelmäßig schlafen – sieben bis acht Stunden pro Nacht sind ideal.
- Stress reduzieren, zum Beispiel durch Yoga, Meditation oder Spaziergänge.
- Alkohol reduzieren und auf das Rauchen verzichten – beides drückt den Testosteronspiegel.
Medizinische Behandlungen
Es gibt Testosteronpräparate als Spritzen, Gele oder Pflaster. Diese werden vom Arzt verordnet und auf den einzelnen Menschen abgestimmt. Wichtig: Sie werden nur eingesetzt, wenn der Mangel sicher festgestellt wurde, und die Dosis wird regelmäßig kontrolliert. Eine Einnahme ohne ärztliche Anleitung wird dringend abgeraten, da zu hohe Werte Nebenwirkungen haben können (z.B. auf Blutbild, Prostata oder Herz).
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur bei seltenen Ursachen nötig, etwa wenn ein Tumor der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) die Hormonproduktion stört. In diesem Fall wird die Grunderkrankung behandelt – nicht das Testosteron direkt.
Leben mit der Erkrankung
Viele Männer gewöhnen sich an die Symptome und schieben sie auf das Alter. Es ist jedoch wichtig, sie beim Arzt anzusprechen. Mit einer gezielten Behandlung und mehr Bewegung im Alltag bessern sich die meisten Beschwerden – oft schon nach wenigen Monaten.
Tipps für den Alltag
- Bewegung in den Alltag einbauen: Treppe statt Aufzug, Spaziergänge nach dem Essen.
- Krafttraining zwei bis drei Mal pro Woche – das kräftigt Muskeln und Knochen.
- Feste Schlafzeiten einhalten und ein ruhiges Schlafzimmer schaffen.
- Stress abbauen, etwa durch Atemübungen oder ein Hobby.
- Partner oder Freunde in die Veränderungen einbeziehen – so fällt es leichter, dranzubleiben.
Ernährung und Bewegung
Empfehlenswert sind eine vollwertige Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten (z.B. aus Nüssen, Samen und Fisch). Bewegungsprogramme mit Krafttraining sind besonders wirksam, um Muskelmasse aufzubauen und den Stoffwechsel anzukurbeln. Am besten besprechen Sie Ihren Plan mit einem Arzt oder Ernährungsberater, gerade wenn Vorerkrankungen bestehen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Testosteronmangel kann zu depressiver Stimmung, Antriebslosigkeit und Reizbarkeit führen. Das ist kein Zeichen von Charakterschwäche, sondern eine körperliche Veränderung. Eine Behandlung kann auch Ihre Stimmung deutlich aufhellen. Wenn Sie Gedanken an Selbstmord haben, suchen Sie sofort Hilfe – zum Beispiel bei der Telefonseelsorge (kostenlos und anonym) oder in der nächsten Notaufnahme.
Vorbeugung
Einen natürlichen, altersbedingten Testosteronrückgang kann man nicht vollständig verhindern, aber Sie können viel dafür tun, den Spiegel stabil zu halten: gesundes Gewicht, Bewegung, Schlaf und Stressabbau wirken sich nachweislich positiv aus. Wer Grunderkrankungen wie Diabetes früh behandeln lässt, reduziert sein Risiko für einen schweren Testosteronmangel.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Testosteronmangel. Schutzimpfungen gegen Mumps (ein möglicher Auslöser für Hodenentzündungen) können indirekt das Risiko senken.
Früherkennungsprogramme
Ein routinemäßiges Screening für alle Männer wird von medizinischen Fachgesellschaften nicht empfohlen. Sinnvoll ist eine Testosteronmessung nur, wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen – zum Beispiel Diabetes, Übergewicht, chronische Erkrankungen oder typische Beschwerden. Die Entscheidung trifft der Arzt. Fragen Sie ihn bei Ihrem nächsten Check-up, ob eine Messung für Sie sinnvoll ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Verminderte Knochendichte (Osteoporose) und erhöhtes Risiko für Knochenbrüche
- Muskelschwund und zunehmende körperliche Schwäche
- Depressive Episoden oder anhaltende Antriebslosigkeit
- Erektionsstörungen und verminderte Libido
- Störungen des Blutzucker- und Fettstoffwechsels, was Gefäße schädigen kann
Langzeitprognose
Die Prognose ist gut, wenn ein Testosteronmangel rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Viele Männer berichten nach einigen Monaten Behandlung über mehr Energie, bessere Stimmung, mehr Muskelkraft und ein stabileres Gewicht. Eine regelmäßige ärztliche Kontrolle und ein gesunder Lebensstil unterstützen den Erfolg. Auch ohne Behandlung lässt sich durch Lebensstiländerungen oft schon eine Besserung erreichen – es lohnt sich also, aktiv zu werden.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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