Neuropathie-Screening – Früherkennung von Nervenschäden
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Unter einem Neuropathie-Screening versteht man eine Reihe von Untersuchungen, mit denen Ärztinnen und Ärzte herausfinden, ob Ihre Nerven geschädigt sind. Nerven sind die „Stromkabel“ des Körpers. Sie leiten Reize wie Berührung, Schmerz und Temperatur. Bei einer Neuropathie sind diese Kabel nicht mehr ganz intakt. Das kann zu Kribbeln, Taubheitsgefühlen oder Schmerzen führen.
Wichtige Fakten
- Neuropathie ist häufig und kann viele Ursachen haben – am häufigsten ist Diabetes.
- Ein Screening hilft, Nervenschäden früh zu erkennen, bevor sie schlimmer werden.
- Die Untersuchungen sind meist schmerzarm und gut zu überstehen.
Ja, Nervenschäden sind recht häufig. Etwa 10 von 100 Menschen in Deutschland haben eine Neuropathie – besonders Menschen mit Diabetes sind betroffen.
Neuropathie kann in jedem Alter auftreten, aber am häufigsten betrifft sie ältere Menschen. Menschen mit Diabetes, Nierenerkrankungen oder starkem Alkoholkonsum haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Rufen Sie sofort den Notruf 112 an, wenn eines dieser Zeichen plötzlich auftritt:
- Plötzliche Lähmung eines Arms oder Beins
- Hängender Mundwinkel, Schwierigkeiten beim Sprechen oder Verstehen
- Sehstörungen, die plötzlich entstehen
- Schwäche oder Gefühllosigkeit, die sich schnell über den ganzen Körper ausbreitet
- Verlust der Kontrolle über Blase oder Darm
- ⚠Neue oder rasch zunehmende Nervenschmerzen, die Ihren Alltag stören
- ⚠Gefühllosigkeit in Füßen oder Händen, die nicht weggeht
- ⚠Muskelschwäche, die sich verschlimmert
- ⚠Wunde oder Druckstelle am Fuß, die nicht heilt
Häufige Symptome
- Kribbeln oder Ameisenlaufen in den Füßen oder Händen
- Taubheitsgefühl oder ein Gefühl, als würde man auf Watte gehen
- Schmerzen, die brennen oder stechen
- Muskelschwäche, zum Beispiel beim Treppensteigen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist eine Neuropathie selten. Mögliche Zeichen sind Gleichgewichtsstörungen, häufiges Stolpern oder ungewohnte Schmerzen beim Laufen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen bemerken oft Unsicherheit beim Gehen, Stürze oder brennende Fußschmerzen. Manchmal wird es als „normale Alterserscheinung“ abgetan – ein Check ist aber wichtig.
Ursachen
Hauptursachen
- Zuckerkrankheit (Diabetes) – die häufigste Ursache
- Alkohol – vor allem bei jahrelangem, starkem Konsum
- Vitaminmangel, zum Beispiel Vitamin-B12-Mangel
- Erkrankungen des Immunsystems (Autoimmunerkrankungen)
- Nierenerkrankungen oder Schilddrüsenunterfunktion
- Manche Medikamente (vor allem in der Krebsbehandlung)
Risikofaktoren
- Diabetes mellitus
- Hoher Blutdruck und Übergewicht
- Alkohol
- Nierenschwäche
- Familienvorbelastung
- Alter über 50 Jahre
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich starke Schwäche oder Lähmungserscheinungen bemerken
- Wenn Taubheitsgefühle oder Kribbeln innerhalb weniger Tage stark zunehmen
- Wenn Sie Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang bekommen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie an Diabetes erkrankt sind – ein jährlicher Nervencheck ist empfehlenswert.
- Wenn Sie Kribbeln oder Schmerzen in Füßen oder Händen haben, die länger als zwei Wochen anhalten.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt spricht zuerst ausführlich mit Ihnen über Ihre Beschwerden und Ihre Krankengeschichte. Danach folgt eine körperliche Untersuchung mit einigen speziellen Tests, die die Nervenfunktion prüfen.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung zur Ursachensuche (zum Beispiel Zucker, Vitamine, Nierenwerte)
- Nervenleitgeschwindigkeitstest: misst, wie schnell die Nerven Signale übertragen
- Elektromyographie (EMG): untersucht die Muskelaktivität mit dünnen Nadeln
- Sensibilitätstest mit Stimmgabel oder feinen Fäden
- Hautbiopsie in Spezialfällen: kleine Gewebeprobe zur Untersuchung der Nervenfasern
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen dauern meist zwischen 30 und 60 Minuten. Manche Tests sind leicht unangenehm – wie ein kleiner elektrischer Impuls oder ein Nadelstich – aber sie sind nicht gefährlich. Sie können danach normal nach Hause gehen.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Ursache ab. Steht eine Grunderkrankung wie Diabetes dahinter, wird diese zuerst sorgfältig behandelt. Zusätzlich unterstützen Physiotherapie und Schmerztherapie, die Beschwerden zu lindern. Es gibt keine Behandlung, die die Nerven direkt heilt – aber die Nerven können sich gut erholen, wenn die Ursache behoben wird.
Selbsthilfe zu Hause
- Fußpflege: Kontrollieren Sie die Füße täglich auf Verletzungen oder wunde Stellen, besonders bei Diabetes.
- Schützen Sie sich: Tragen Sie gut sitzende Schuhe und vermeiden Sie extreme Kälte und Hitze.
- Stützen Sie die Muskeln: Mit Physiotherapie oder leichten Übungen bleiben Sie beweglich.
- Verzichten Sie auf Alkohol: Alkohol kann Nerven zusätzlich schädigen.
Medizinische Behandlungen
Ärztinnen und Ärzte können Medikamente gegen Nervenschmerzen verordnen – dazu zählen zum Beispiel Antidepressiva oder Antiepileptika, die auch gegen Schmerzen wirken. Wichtig: Diese Medikamente müssen individuell eingestellt und ärztlich überwacht werden. Auch physikalische Therapien wie Elektrotherapie oder Entspannungsverfahren können helfen. Die genaue Therapie wird immer mit Ihnen zusammen geplant.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur selten notwendig – zum Beispiel, wenn ein Nerv an einer Engstelle eingeklemmt ist, etwa beim Karpaltunnelsyndrom. In den meisten Fällen hilft jedoch eine konservative (nicht-operative) Behandlung.
Leben mit der Erkrankung
Lernen Sie, Ihren Körper gut zu beobachten. Achten Sie auf Ihre Füße, vermeiden Sie Stolperfallen in der Wohnung und planen Sie ausreichend Ruhepausen ein. Viele Menschen führen auch mit einer Neuropathie ein aktives und erfülltes Leben.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich regelmäßig – zum Beispiel Spazierengehen oder Schwimmen
- Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung können Schmerzen lindern
- Tauschen Sie enge Schuhe gegen bequeme, rutschfeste Modelle
- Sprechen Sie offen mit Familie und Freunden über Ihre Beschwerden
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkorn und ausreichend Vitamin B12 unterstützt die Nerven. Regelmäßige Bewegung – am besten jeden Tag – regt die Durchblutung an und hält die Muskeln fit. Lassen Sie sich bei einem Bewegungsplan von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ständige Schmerzen oder Taubheitsgefühle können müde und bedrückt machen. Es ist völlig normal, sich manchmal ängstlich oder traurig zu fühlen. Sprechen Sie darüber – mit Ihren Angehörigen oder Ihrem medizinischen Team. Auch psychologische Unterstützung kann dabei helfen, mit der Krankheit besser umzugehen. Wenn Sie Gedanken an Selbstverletzung haben, wenden Sie sich sofort an die nächste psychiatrische Notaufnahme oder die Telefonseelsorge.
Vorbeugung
Zum Teil ja. Die wichtigsten Schritte sind, chronische Erkrankungen wie Diabetes gut einzustellen, Alkohol zu meiden oder nur wenig zu trinken und auf eine gesunde Ernährung zu achten.
Impfungen
Eine Schutzimpfung gegen die speziellen Ursachen einer Neuropathie gibt es nicht. Aber gegen bestimmte Infektionen, die Nerven schädigen können, wie Gürtelrose, gibt es Impfungen. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Für Menschen mit Diabetes gehört der jährliche Nervencheck zur empfohlenen Vorsorge. Dabei werden Füße und Gleichgewicht untersucht. Wer andere Risikofaktoren hat, sollte mit seinem Hausarzt besprechen, ob ein Screening sinnvoll ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fußgeschwüre und schlecht heilende Wunden – bis hin zur Amputation bei Diabetes
- Stürze und Verletzungen durch Gleichgewichtsstörungen
- Zunehmende Muskelschwäche und Bewegungsverlust
- Schmerzen, die chronisch werden und die Lebensqualität stark einschränken
Langzeitprognose
Mit einer frühen Erkennung und guten Behandlung sind die Aussichten oft sehr gut. Viele Beschwerden bessern sich, wenn die Ursache behandelt wird. Auch wenn eine Heilung nicht immer möglich ist, können moderne Therapien Schmerzen oft gut lindern und helfen, ein aktives Leben zu führen. Wichtig ist, früh aktiv zu werden und die Behandlung ernst zu nehmen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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