Sehnencheck: So erkennen Sie Sehnenprobleme frühzeitig
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Der Sehnencheck (auch Sehnen-Screening genannt) ist eine ärztliche Untersuchung, bei der die Sehnen – die festen Verbindungen zwischen Muskeln und Knochen – auf Schäden oder Überlastung geprüft werden. Dabei können erste Anzeichen von Entzündungen oder kleinen Rissen erkannt werden, noch bevor starke Schmerzen auftreten.
Wichtige Fakten
- Sehnen sind zäh, aber nicht unverwundbar – sie können durch einseitige Belastung oder Verschleiß Schaden nehmen.
- Beim Sehnencheck werden meist Ultraschall und körperliche Untersuchung kombiniert, um die Sehnen genau zu beurteilen.
- Ein allgemeines Sehnen-Screening für alle Menschen gibt es nicht. Es wird gezielt bei Beschwerden oder erhöhtem Risiko eingesetzt.
Sehnenbeschwerden sind häufig, vor allem bei sportlich Aktiven und älteren Menschen. Ein routinemäßiges Screening ohne Beschwerden ist in Deutschland aber nicht üblich – es findet meist nur bei bestimmten Anlässen statt, etwa bei Leistungssportlern oder bei Vorerkrankungen.
Der Sehnencheck kann für Menschen sinnvoll sein, die viel trainieren, körperlich schwer arbeiten oder schon einmal Sehnenprobleme hatten. Auch Menschen mit Diabetes oder rheumatischen Erkrankungen haben ein höheres Risiko und können von einer Untersuchung profitieren.
Symptome
- Plötzlicher, stechender Schmerz wie ein Peitschenhieb, oft mit einem hörbaren Geräusch
- Sie können ein Gelenk nicht mehr bewegen oder sich nicht mehr auf ein Bein stellen
- Sichtbare Verformung mit starker Schwellung an der betroffenen Stelle
- Tiefe Wunde in der Nähe einer Sehne, die stark blutet oder die Sehne sichtbar macht
- ⚠Starke Schmerzen, die trotz Schonung und Kühlen nicht besser werden
- ⚠Rötung und Überwärmung der Haut über einer Sehne, eventuell mit Fieber – das kann auf eine Infektion hinweisen
- ⚠Wenn Sie nach einem Sturz oder einer Verletzung eine eingeschränkte Bewegung haben
Häufige Symptome
- Schmerzen bei Bewegung oder Druck auf die Sehne
- Schwellung oder Rötung über der Sehne
- Steifheit, besonders nach dem Aufstehen oder längerem Sitzen
- Das Gefühl, dass etwas an der Sehne reibt („Knirschen“)
- Kraftverlust im betroffenen Muskelbereich
Symptome bei Kindern
- Schmerzen an Ferse, Knie oder Ellenbogen nach Sport oder starkem Wachstum
- Druckempfindlichkeit an bestimmten Knochenpunkten, wo Sehnen ansetzen
- Schmerzen, die beim Laufen oder Springen stärker werden
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Dumpfe, oft nächtliche Schmerzen an Schulter, Handgelenk oder Achillessehne
- Morgendliche Steifheit, die erst nach und nach nachlässt
- Allmählicher Kraftverlust und das Gefühl, dass die Sehnen schwächer werden
Ursachen
Hauptursachen
- Plötzliche Verletzungen, zum Beispiel durch Umknicken oder Sturz
- Wiederholte Überlastung, etwa bei intensivem Sport ohne Erholung
- Altersbedingter Verschleiß – Sehnen werden im Laufe der Zeit weniger elastisch
- Entzündliche Erkrankungen wie Rheuma können Sehnen angreifen
Risikofaktoren
- Sportarten mit viel Springen, Laufen oder repetitiven Bewegungen
- Körperlich schwere Arbeit oder Tätigkeiten mit gleichbleibender Haltung
- Übergewicht, das Gelenke und Sehnen stärker belastet
- Rauchen – es kann die Durchblutung des Sehnengewebes verschlechtern
- Diabetes mellitus
- Frühere Sehnenverletzungen oder bereits bestehende Probleme
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie einen möglichen Sehnenriss vermuten (siehe Notfallzeichen oben)
- Wenn Sie Fieber und Rötung über einer Sehne bemerken
- Wenn Sie Schmerzen haben, die Ihnen den Schlaf rauben oder Sie im Alltag stark einschränken
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Schmerzen länger als eine Woche anhalten oder nicht von allein besser werden
- Wenn Sie wiederholt Schwellungen oder Reibungsgefühle an einer Sehne bemerken
- Wenn Sie vorhaben, ein neues, intensives Trainingsprogramm zu starten und Bedenken wegen Ihrer Sehnen haben
Diagnose
Bei einem Sehnencheck fragt der Arzt zunächst nach Ihren Beschwerden, sportlichen Aktivitäten und möglichen Vorerkrankungen. Danach schaut er sich die betroffene Stelle an, tastet die Sehne vorsichtig ab und bittet Sie um bestimmte Bewegungen. So kann er oft schon eine erste Einschätzung geben.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschall (Sonografie): Damit lassen sich Entzündungen, Verdickungen und Risse der Sehne gut erkennen
- Magnetresonanztomografie (MRT): Liefert besonders genaue Bilder von Weichteilen und Sehnen
- Röntgenaufnahme: Schließt Knochenbrüche oder Gelenkveränderungen aus
- Blutuntersuchung: Zeigt Entzündungszeichen im Körper, die Hinweise auf rheumatische Erkrankungen geben können
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel schmerzarm und dauert meist nicht länger als eine halbe Stunde. Tragen Sie bequeme Kleidung, die die betroffene Stelle freigibt. Falls eine Ultraschall- oder MRT-Untersuchung nötig ist, bereitet Sie das medizinische Team gut vor. Sie bekommen am Ende eine Besprechung der Ergebnisse und die nächsten empfohlenen Schritte.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist es, die Sehne zu entlasten, Schmerzen zu lindern und die Belastungsfähigkeit langsam wieder aufzubauen. Die meisten Sehnenprobleme lassen sich ohne Operation behandeln.
Selbsthilfe zu Hause
- Entlasten Sie die betroffene Sehne – aber bleiben Sie in leichter Bewegung, wie von Arzt oder Physiotherapeut empfohlen
- Kühlen Sie akut entzündete Stellen für 15 bis 20 Minuten, aber nicht direkt auf die Haut – ein Tuch dazwischen schützt
- Machen Sie sanfte Dehnübungen für die umliegende Muskulatur
- Vermeiden Sie Aktivitäten, die Schmerzen verursachen – „No Pain, No Gain“ gilt nicht für Sehnenprobleme
Medizinische Behandlungen
Die ärztliche Behandlung kann Physiotherapie, spezielle Bandagen oder Einlagen, Stoßwellentherapie oder gezielte Injektionen umfassen. Welche Maßnahme für Sie passend ist, hängt von Art und Ausmaß der Schädigung ab. Medikamente, die Schmerzen lindern oder Entzündungen hemmen, sollten immer ärztlich verordnet und besprochen werden – auch weil sie Nebenwirkungen haben können.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur selten nötig – etwa wenn eine Sehne vollständig gerissen ist oder wenn alle konservativen Behandlungen über einen längeren Zeitraum nicht geholfen haben. In einem solchen Fall bespricht die Operateurin oder der Operateur alle Vor- und Nachteile ausführlich mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Lernen Sie, auf Ihren Körper zu hören. Ein leichtes Ziehen in der Sehne ist ein Warnsignal, das Sie ernst nehmen sollten. Verteilen Sie Belastungen über den Tag, machen Sie immer wieder Pausen und wechseln Sie zwischen stehenden, sitzenden und liegenden Tätigkeiten.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige, moderate Bewegung statt einmal pro Woche Höchstleistung
- Wärmen Sie sich vor dem Sport gründlich auf – etwa 10 Minuten leichtes Laufen oder Gymnastik
- Kühlen Sie nach intensiver Belastung, falls Sie das als angenehm empfinden
- Sorgen Sie für genügend Schlaf – im Schlaf erholen sich auch Sehnen und Muskeln
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine Wunderdiät für Sehnen, aber eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und ausreichend Eiweiß unterstützt alle Körperstrukturen. Sportarten, die Gelenke und Sehnen schonen, sind Schwimmen, Radfahren oder Yoga. Besprechen Sie mit Ihrer Physiotherapeutin oder Ihrem Physiotherapeuten, welche Übungen für Ihre Situation sinnvoll sind.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Schmerzen und Einschränkungen sind auch seelisch belastend. Es ist verständlich, wenn Sie sich frustriert, ängstlich oder niedergeschlagen fühlen. Wichtig: Diese Gefühle gehören dazu. Sie dürfen sich Hilfe holen – sprechen Sie mit ihrem Hausarzt oder suchen Sie eine psychologische Beratungsstelle auf. Das ist keine Schwäche, sondern Selbstfürsorge.
Vorbeugung
Sehnenprobleme sind nicht immer zu verhindern – eine plötzliche Verletzung kann immer passieren. Mit gutem Training, ausreichend Erholung, passendem Schuhwerk und dem Verzicht auf Rauchen senken Sie Ihr Risiko jedoch deutlich.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Sehnen-Screening für Gesunde gibt es nicht. Fachgesellschaften wie die AWMF empfehlen, bei Menschen mit Beschwerden oder hohem Risiko gezielt zu untersuchen, anstatt pauschal bei allen zu testen. Ihr Arzt kann einschätzen, ob ein Sehnencheck für Sie sinnvoll ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Sehnenentzündung – die Schmerzen werden dauerhaft und die Sehne wird dicker und schwächer
- Teilrisse oder ein vollständiger Sehnenriss, der eine Operation erforderlich machen kann
- Schonhaltungen, die andere Muskeln und Gelenke überlasten und weitere Beschwerden verursachen
Langzeitprognose
Sehnen brauchen Geduld – sie regenerieren oft langsamer als Muskeln. Mit einer stimmigen Therapie und Ihrer aktiven Beteiligung ist die Aussicht, Schmerzen zu verringern und Kraft zurückzugewinnen, in den allermeisten Fällen gut. Ihr Behandlungsplan wird individuell auf Sie abgestimmt; geben Sie sich und Ihrer Sehne Zeit.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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