Sehnen am Arbeitsplatz: Vorbeugung und Schutz vor Überlastung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Sehnen sind festes, aber elastisches Bindegewebe, das Muskeln mit Knochen verbindet. Bei der Arbeit kann es durch wiederholte Bewegungen, ungünstige Haltungen oder schwere Lasten zu einer Überlastung der Sehnen kommen. Vorbeugung am Arbeitsplatz bedeutet, die Belastung auf die Sehnen zu verringern, damit sie gesund bleiben und keine Schmerzen entstehen.
Wichtige Fakten
- Sehnen übertragen die Kraft der Muskeln auf die Knochen – jede Bewegung hängt von ihnen ab.
- Bei einseitiger oder wiederholter Belastung können sich Sehnen entzünden oder schmerzen.
- Pausen, Abwechslung und ergonomische Arbeitsplätze schützen die Sehnen.
- Frühe Hilfe und Anpassungen im Arbeitsalltag beugen langwierigen Beschwerden vor.
Ja, Sehnenbeschwerden durch Arbeit sind sehr häufig. Viele Menschen haben im Laufe ihres Berufslebens mindestens einmal Schmerzen an Sehnen, zum Beispiel an Handgelenken, Ellenbogen oder Schultern.
Betroffen sind Menschen mit einseitigen Tätigkeiten – etwa Fließbandarbeit, Tippen am Computer, Kassieren, Handwerk oder Pflege. Aber auch jüngere Menschen in der Ausbildung oder im Studium können durch langes Sitzen und Tippen Sehnenreizungen entwickeln.
Symptome
- Plötzlicher, sehr starker Schmerz – zum Beispiel ein Gefühl von „Riss“ oder „Schnalzen“ in einer Sehne
- Unfähigkeit, ein Gelenk zu bewegen oder zu belasten
- Sichtbare Verformung oder eine unnatürliche Stellung des Arms oder Beins
- ⚠Starke Schwellung, die schnell zunimmt
- ⚠Rötung, Wärme oder Fieber – das kann auf eine Entzündung hinweisen
- ⚠Schmerzen, die auch nachts anhalten und nicht besser werden
- ⚠Taubheitsgefühle oder Kribbeln in den Fingern oder Zehen
Häufige Symptome
- Schmerzen beim Bewegen oder bei Druck auf die Sehne
- Schwellung oder leichte Rötung an der betroffenen Stelle
- Steifheit, besonders morgens oder nach langer Ruhe
- Ein Reiben, Knirschen oder Knacken bei Bewegung
- Schwächegefühl oder Schwierigkeiten, Dinge zu greifen oder zu heben
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern sind sehnenbedingte Arbeitsprobleme selten, aber möglich bei intensivem Sport oder übermäßigem Gebrauch von Smartphones und Tablets.
- Wachstumsbedingte Schmerzen können mit Sehnenreizungen verwechselt werden – bei anhaltenden Schmerzen bitte ärztlich abklären lassen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Mit zunehmendem Alter werden Sehnen steifer und weniger elastisch, dadurch steigt das Verletzungsrisiko.
- Schmerzen können auch ohne starke Belastung auftreten, etwa beim Heben von Einkaufstaschen oder beim Öffnen von Gläsern.
Ursachen
Hauptursachen
- Wiederholte gleiche Bewegungen über viele Stunden, zum Beispiel Klicken, Schrauben oder Heben
- Ungünstige Haltungen, etwa überstreckte oder abgeknickte Handgelenke
- Schwere Lasten, die einseitig getragen oder gehoben werden
- Zu wenig Pausen und Erholungszeit zwischen Belastungen
- Plötzliche Steigerung der Arbeitsintensität oder neue, ungewohnte Tätigkeiten
Risikofaktoren
- Arbeit, die Kraft und Feinmotorik gleichzeitig erfordert
- Ungenügend eingestellte Arbeitsplätze – Stühle, Tische, Bildschirm oder Werkzeuge werden nicht angepasst
- Vorerkrankungen wie Zuckerkrankheit oder Schilddrüsenprobleme, die das Bindegewebe beeinflussen
- Älteres Alter – Sehnen werden weniger biegsam
- Stress und Anspannung, die die Muskeln dauerhaft verspannen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Schmerzen länger als eine Woche andauern und nicht besser werden
- Wenn Sie wegen der Schmerzen Ihre Arbeit nicht mehr ausführen können
- Wenn Sie ein plötzliches Reißen oder eine starke Schwäche bemerken
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei wiederkehrenden oder chronischen Schmerzen, auch wenn sie noch erträglich sind
- Wenn Sie merken, dass bestimmte Bewegungen immer wieder Schmerzen auslösen
- Wenn Sie unsicher sind, wie Sie Ihren Arbeitsplatz besser einrichten können
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt wird zuerst ein Gespräch führen und Fragen zu Ihrer Arbeit, den Beschwerden und möglichen Auslösern stellen. Danach folgt eine körperliche Untersuchung, bei der die betroffene Stelle abgetastet und gezielt bewegt wird.
Mögliche Untersuchungen
- Bewegungs- und Funktionstests, um Kraft und Beweglichkeit zu prüfen
- Ultraschalluntersuchung, um die Sehne sichtbar zu machen
- Manchmal Magnetresonanztomographie (MRT), wenn der Verdacht auf einen Riss besteht
- Bei unklaren Befunden Überweisung an eine Fachärztin oder einen Facharzt für Orthopädie
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel schmerzfrei oder nur leicht unangenehm. Sie müssen für den Termin keine besonderen Vorbereitungen treffen. Notieren Sie vorher, bei welchen Tätigkeiten die Schmerzen auftreten und ob bestimmte Bewegungen helfen oder sie verschlimmern – das erleichtert die Diagnose.
Behandlung
Die Behandlung von Sehnenbeschwerden beginnt fast immer mit Entlastung und Anpassung der Arbeitsbedingungen. Das Ziel ist, die Sehne zu beruhigen und ihre Belastbarkeit wiederherzustellen. Wichtig ist, nicht einfach weiterzumachen, sondern aktiv zu handeln – mit ärztlicher Begleitung.
Selbsthilfe zu Hause
- Gönnen Sie der betroffenen Stelle Pausen und vermeiden Sie die auslösenden Bewegungen für einige Tage
- Kühlen Sie die schmerzende Stelle mehrmals täglich mit einem feuchten Tuch oder Kühlpack (für etwa 10–15 Minuten)
- Lagern Sie die betroffene Extremität bei Schwellung hoch
- Führen Sie sanfte Dehnübungen durch, sobald der akute Schmerz nachlässt
- Achten Sie auf eine gute Körperhaltung und wechseln Sie öfter die Position
Medizinische Behandlungen
Ärztinnen und Ärzte können physikalische Therapie (Krankengymnastik) verschreiben, um Muskeln und Sehnen zu kräftigen und beweglich zu halten. Auch Schienen oder Bandagen können helfen, die Sehne zu entlasten. Bei stärkeren Entzündungen können entzündungshemmende oder schmerzlindernde Medikamente eingesetzt werden – sprechen Sie unbedingt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber. In manchen Fällen werden auch Injektionen in die betroffene Region erwogen, aber das ist immer eine individuelle Entscheidung, die medizinisch begleitet werden muss.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur sehr selten nötig, zum Beispiel bei einem kompletten Sehnenriss oder wenn alle anderen Behandlungen über Monate nicht geholfen haben. Der Eingriff wird von einer Fachärztin oder einem Facharzt für Orthopädie oder Unfallchirurgie durchgeführt. Nach einer Operation ist eine Rehabilitation wichtig, um die volle Funktion wiederzuerlangen.
Leben mit der Erkrankung
Lernen Sie, die Signale Ihres Körpers ernst zu nehmen. Wenn eine Bewegung Schmerz verursacht, machen Sie eine Pause. Verändern Sie Ihren Arbeitsplatz so, dass Sie natürliche, entspannte Haltungen einnehmen können. Wechseln Sie regelmäßig zwischen Sitzen, Stehen und Gehen.
Tipps für den Alltag
- Machen Sie kurze Pausen alle 60–90 Minuten, um die Muskeln zu lockern
- Nutzen Sie ergonomische Hilfsmittel wie eine höhenverstellbare Tastatur oder einen bequemen Bürostuhl
- Planen Sie Bewegung in der Freizeit ein – stärken Sie die Rumpfmuskulatur und den ganzen Körper
- Reduzieren Sie Stress durch Atemübungen, Spaziergänge oder Entspannungstechniken
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend eiweiß- und vitaminreichen Lebensmitteln unterstützt die Sehnengesundheit. Moderate Bewegung wie Schwimmen, Radfahren oder Spazierengehen hält den Körper geschmeidig. Dehn- und Kräftigungsübungen für Arme, Schultern und Handgelenke können vorbeugend wirken – am besten abgestimmt mit einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Sehnenschmerzen können belastend sein und zu Frustration, Schlafstörungen oder Niedergeschlagenheit führen. Es ist wichtig, auch die seelische Seite ernst zu nehmen. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin, wenn Sie merken, dass Ihnen die Situation über den Kopf wächst. Auch psychologische Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen können unterstützen.
Vorbeugung
Ja, viele Sehnenbeschwerden lassen sich durch gute Arbeitsorganisation und ergonomische Maßnahmen verhindern oder zumindest deutlich hinauszögern. Dazu gehören regelmäßige Pausen, abwechslungsreiche Bewegungen, korrekte Werkzeuge und ein Arbeitsplatz, der zu Ihrem Körper passt.
Impfungen
Für Sehnenbeschwerden gibt es keine spezielle Impfung. Ein allgemein gesunder Lebensstil und ein aktueller Impfschutz, zum Beispiel gegen Influenza, können helfen, Infekte zu vermeiden, die sich indirekt auf den Bewegungsapparat auswirken können.
Früherkennungsprogramme
In Unternehmen gibt es oft Gefährdungsbeurteilungen, die arbeitsbedingte Gesundheitsrisiken erfassen. Lassen Sie sich diese zeigen und weisen Sie auf Belastungen hin. Auch arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen können dazu beitragen, Sehnenprobleme früh zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhafte Schmerzen, die auch in Ruhe nicht verschwinden
- Chronische Entzündung der Sehnenscheide, die die Bewegungsfähigkeit einschränkt
- Einrisse oder komplette Sehnenrisse, die operiert werden müssen
- Schonhaltungen, die zu zusätzlichen Beschwerden an anderen Stellen führen
Langzeitprognose
Die große Mehrheit der Menschen mit sehnenbedingten Arbeitsbeschwerden kann gut behandelt werden – oft mit einfachen Maßnahmen wie Pausen, Ergonomie und Physiotherapie. Je früher Sie reagieren, desto besser sind die Aussichten. Ihr Körper hat ein erstaunliches Erholungsvermögen, wenn Sie ihm die richtige Unterstützung geben.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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