Nebennieren: Risiken und Nutzen für Patientinnen und Patienten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Nebennieren sind zwei kleine Hormondrüsen, die oben auf den Nieren sitzen. Sie stellen lebenswichtige Botenstoffe her, die den Blutdruck, den Blutzucker, den Salzhaushalt und die Stressreaktion steuern. Ist die Funktion der Nebennieren gestört, kann es zu Unter- oder Überfunktion kommen. Auch bestimmte Kortison-Medikamente können die Nebennieren beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, Nutzen und Risiken einer Behandlung immer gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt abzuwägen.
Wichtige Fakten
- Die Nebennieren produzieren Hormone wie Kortisol, Aldosteron und Adrenalin.
- Zu viel Kortisol kann Gewichtszunahme, hohen Blutzucker und hohen Blutdruck verursachen.
- Zu wenig Kortisol kann zu Müdigkeit, niedrigem Blutdruck und in schweren Fällen zu einer gefährlichen Nebennierenkrise führen.
- Kortison-Medikamente sind bei vielen Erkrankungen sehr hilfreich, müssen aber bei längerer Anwendung vorsichtig ausschleichen.
- Menschen mit Nebennieren-Erkrankungen sollten im Notfall einen Behandlungsplan und einen Notfallausweis dabei haben.
Nebennierenerkrankungen sind insgesamt selten. Eine Unterfunktion der Nebennieren durch eine langjährige Kortison-Therapie ist dagegen nicht selten.
Nebennieren-Erkrankungen können in jedem Alter auftreten. Manche Formen sind angeboren, andere entstehen durch Autoimmunreaktionen, Infektionen oder Tumoren. Auch Menschen, die über einen längeren Zeitraum höhere Dosen von Kortison-Medikamenten einnehmen, können betroffen sein.
Symptome
- Bewusstlosigkeit oder starke Benommenheit
- Sehr niedriger Blutdruck mit kalter Haut, schwachem oder schnellem Puls
- Unkontrollierbares Erbrechen oder schwerer Durchfall bei bekannter Nebennieren-Erkrankung
- Plötzliche, sehr starke Bauch- oder Rückenschmerzen
- ⚠Hohes Fieber bei bekannter Nebennieren-Erkrankung
- ⚠Anhaltende Übelkeit oder Erbrechen, sodass Flüssigkeit und Medikamente nicht im Körper bleiben
- ⚠Zunehmende Lethargie oder Verwirrtheit
- ⚠Schwere körperliche Belastung wie Operation, Unfall oder schwere Infektion – dann ist eine ärztliche Dosisanpassung nötig
Häufige Symptome
- Starke Müdigkeit und allgemeine Schwäche
- Niedriger Blutdruck, vor allem beim Aufstehen
- Schwindel und Schwächegefühle
- Salzverlangen oder zu niedrige Natriumwerte im Blut
- Gewichtsveränderungen ohne klare Ursache
- Appetitlosigkeit oder Übelkeit
- Muskel-, Gelenk- oder Bauchschmerzen
- Bei Überfunktion: erhöhter Blutzucker, hoher Blutdruck oder Wassereinlagerungen
Symptome bei Kindern
- Wachstumsverzögerung und schlechte Gewichtszunahme
- Müdigkeit und wenig Energie
- Wiederkehrende Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen
- Verzögerte Pubertät oder auffällige Gewichtsveränderungen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit, Konzentrationsschwierigkeiten
- Schwäche, Gangunsicherheit und Stürze durch Blutdruckabfall
- Appetitlosigkeit und ungewollter Gewichtsverlust
- Müdigkeit, die leicht als normale Alterserscheinung übersehen wird
Ursachen
Hauptursachen
- Autoimmunreaktion: Das Immunsystem greift die Nebennieren an.
- Infektionen der Nebennieren.
- Tumoren der Nebennieren oder der Hirnanhangdrüse.
- Langjährige hochdosierte Kortison-Therapie, die die eigene Hormonproduktion drosselt.
- Angeborene Störungen der Hormonbildung, zum Beispiel das adrenogenitale Syndrom.
Risikofaktoren
- Autoimmunerkrankungen in der Familie
- Langzeitbehandlung mit Kortison-Präparaten in höheren Dosen
- Operationen oder Bestrahlungen im Bereich der Nieren oder des Gehirns
- Schwere Belastungen wie Unfälle, Operationen oder schwere Infektionen bei bekannter Nebennieren-Schwäche
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei dauerhafter starker Müdigkeit, Schwindel und niedrigem Blutdruck
- Wenn Sie Kortison einnehmen und wegen einer Infektion, Operation oder Verletzung zusätzliche ärztliche Hilfe brauchen
- Bei neu aufgetretenen, unerklärlichen Symptomen wie starkem Gewichtsverlust oder nicht nachlassenden Bauchschmerzen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie regelmäßig Kortison-Medikamente einnehmen, lassen Sie die Nebennierenfunktion von Zeit zu Zeit ärztlich prüfen.
- Bei Diabetes, Bluthochdruck oder Osteoporose kann eine Kontrolle der Nebennierenhormone sinnvoll sein.
- Vor einer geplanten Operation sollten Sie alle Medikamente, auch Kortison, mit dem Behandlungsteam besprechen.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt spricht zuerst über Ihre Beschwerden, Ihre Krankengeschichte und alle Medikamente. Danach folgen Blut- und Urinuntersuchungen. Je nach Befund werden weitere Funktionstests oder bildgebende Verfahren eingesetzt.
Mögliche Untersuchungen
- Blutentnahme zur Bestimmung von Kortisol, Elektrolyten, Blutzucker und Steuerungshormonen.
- Urinsammlung über 24 Stunden zur Messung der Kortisol-Ausscheidung.
- Speichelproben zu bestimmten Uhrzeiten, um den Tagesrhythmus des Kortisols zu erkennen.
- Bildgebung wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) der Nebennieren oder der Hirnanhangdrüse.
- Spezielle Funktionstests, die unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist wenig belastend. Einige Tests müssen morgens nüchtern erfolgen, andere dauern mehrere Stunden. Das medizinische Team erklärt Ihnen jeden Schritt vorher und nimmt sich Zeit für Ihre Fragen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und danach, ob zu wenige oder zu viele Hormone gebildet werden. Das Ziel ist, den Hormonhaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen und gefährliche Notfälle zu vermeiden. In Deutschland erfolgt die Behandlung nach medizinischen Leitlinien, unter anderem der AWMF-Leitlinien.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie ärztlich verordnete Medikamente zuverlässig und möglichst immer zur gleichen Zeit ein.
- Tragen Sie einen Notfallausweis oder Medikamentenpass, wenn Sie eine Nebennieren-Erkrankung haben.
- Erstellen Sie mit Ihrem Behandlungsteam einen Notfallplan für Fieber, Erbrechen oder Unfälle.
- Informieren Sie alle behandelnden Ärztinnen und Ärzte über Ihre Erkrankung.
- Beenden Sie eine Kortison-Therapie niemals von selbst, sondern nur nach ärztlichem Plan.
Medizinische Behandlungen
Bei einer Unterfunktion werden die fehlenden Hormone in individuell angepasster Dosierung ersetzt. Bei einer Überfunktion wird die Ursache behandelt, zum Beispiel ein hormonbildender Tumor. Wenn eine Kortison-Therapie über lange Zeit nötig ist, wird immer die niedrigste wirksame Dosis gewählt. Die Dosis wird schrittweise angepasst und niemals abrupt abgesetzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn ein Tumor der Nebenniere oder der Hirnanhangdrüse zu viele Hormone bildet, kann eine Operation helfen. Auch bei sehr großen oder bösartigen Tumoren wird operiert. Ob eine Operation sinnvoll ist, entscheidet ein erfahrenes Behandlungsteam individuell.
Leben mit der Erkrankung
Viele Menschen mit einer Nebennieren-Erkrankung führen ein weitgehend normales Leben. Wichtig sind Regelmäßigkeit, Vorbereitung auf besondere Belastungen und ein gutes Netzwerk. Lernen Sie Ihre Warnzeichen kennen und besprechen Sie mit dem medizinischen Team, wann Sie Hilfe holen sollten.
Tipps für den Alltag
- Halten Sie feste Essens- und Schlafenszeiten ein.
- Setzen Sie Stress nicht als Dauerzustand aus und gönnen Sie sich Erholungsphasen.
- Meiden Sie extreme körperliche Belastungen, wenn Ihr Behandlungsteam dies empfiehlt.
- Nehmen Sie auf Reisen ausreichend Medikamente und Ihren Notfallplan mit.
- Suchen Sie bei Infekten frühzeitig eine Ärztin oder einen Arzt auf.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Salz ist besonders wichtig, da Salz den Blutdruck stabilisiert. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann Sie dabei individuell beraten. Regelmäßige Bewegung und Sport sind in der Regel förderlich – fragen Sie im Zweifel, wie Sie Belastungen am besten dosieren.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Nebennieren-Erkrankungen können psychisch belasten, zum Beispiel durch Müdigkeit, Ängste oder die ständige Aufmerksamkeit für den eigenen Körper. Das ist verständlich. Psychologische Unterstützung und der Austausch mit anderen Betroffenen können helfen. Wenn Sie sich länger niedergeschlagen fühlen oder sogar Gedanken haben, sich zu verletzen, suchen Sie sofort ärztliche Hilfe – zum Beispiel über den Notruf 112.
Vorbeugung
Die meisten Nebennierenerkrankungen lassen sich nicht direkt verhindern, da sie mit dem Immunsystem, der Vererbung oder Zellveränderungen zusammenhängen. Eine gefährliche Nebennierenkrise lässt sich jedoch oft durch Vorsorge, Schulung und einen Notfallplan vermeiden.
Impfungen
Impfungen schützen vor Infektionen, die den Körper stark belasten und auch die Nebennieren betreffen können. Lassen Sie Ihren Impfstatus ärztlich prüfen und besprechen Sie, welche Impfungen für Sie empfohlen werden.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland werden Neugeborene im Rahmen des Neugeborenen-Screenings auf bestimmte angeborene Nebennierenerkrankungen untersucht. Wer dauerhaft Kortison einnimmt, sollte die Nebennierenfunktion regelmäßig ärztlich kontrollieren lassen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Nebennierenkrise mit gefährlich niedrigem Blutdruck, Kreislaufversagen und Bewusstlosigkeit
- Schwere Stoffwechselentgleisungen bei Überfunktion
- Erhöhtes Risiko für Diabetes, hohen Blutdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei dauerhaft erhöhtem Kortisol
- Knochenschwund und erhöhte Bruchgefahr bei längerer Überfunktion
- Wachstums- und Entwicklungsstörungen bei Kindern
Langzeitprognose
Mit einer konsequenten Behandlung haben die meisten Menschen eine gute Lebensqualität und können ein weitgehend normales Leben führen. Entscheidend sind eine frühe Erkennung, verlässliche Medikamenteneinnahme und ein guter Notfallplan. Auch schwierige Phasen lassen sich mit einem erfahrenen Behandlungsteam gut bewältigen.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.