Durchfall: Was Sie zu Hause tun können
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Durchfall bedeutet, dass Ihr Stuhl sehr weich oder flüssig ist und Sie häufiger als sonst auf die Toilette müssen. Meistens ist er harmlos und klingt von selbst wieder ab. Wichtig ist, dass Sie ausreichend trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.
Wichtige Fakten
- Durchfall ist meist eine Schutzreaktion des Körpers, um schädliche Stoffe loszuwerden.
- In den meisten Fällen bessert sich Durchfall innerhalb weniger Tage von selbst.
- Das Wichtigste ist, genug zu trinken – am besten Wasser oder ungesüßten Tee.
- Bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Menschen besteht ein höheres Risiko für Austrocknung.
Ja, Durchfall ist sehr häufig. Fast jeder Mensch hat ihn mehrmals im Jahr. In Deutschland suchen jedes Jahr Millionen Menschen wegen Durchfall ihren Arzt auf.
Durchfall kann Menschen jeden Alters betreffen. Besonders häufig sind Kleinkinder und Menschen, die verunreinigte Lebensmittel zu sich nehmen oder in Risikogebiete reisen.
Symptome
- Blut im Stuhl oder schwarzer, teerartiger Stuhl
- Starke Bauchschmerzen, die nicht nachlassen
- Anzeichen einer schweren Austrocknung: starker Durst, trockener Mund, fast kein Urin mehr, Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörung
- Sehr hohes Fieber (über 39°C)
- Krämpfe oder Bewusstlosigkeit
- ⚠Durchfall, der länger als 3 Tage anhält (bei Erwachsenen) oder länger als 24 Stunden bei Kindern
- ⚠Blutbeimengungen im Stuhl (nur kleine Spuren)
- ⚠Ständiges Erbrechen, sodass Sie nichts mehr bei sich behalten können
- ⚠Zeichen einer leichten bis mäßigen Austrocknung – trockene Lippen, wenig Urin
- ⚠Starke Schmerzen beim Stuhlgang oder im Bauch
Häufige Symptome
- Weicher bis flüssiger Stuhlgang mehrmals täglich
- Bauchkrämpfe oder Bauchschmerzen
- Übelkeit oder Erbrechen (manchmal)
- Gefühl der Dringlichkeit auf die Toilette zu müssen
- Blähungen
Symptome bei Kindern
- Häufiger, wässriger Stuhl (mehr als 3-4 mal innerhalb von 8 Stunden)
- Kind wirkt teilnahmslos oder müde
- Schreien ohne Tränen – das kann auf Flüssigkeitsmangel hindeuten
- Eingesunkene Fontanelle (die weiche Stelle auf dem Kopf)
- Trockener Mund und trockene Zunge
- Seltenes Wasserlassen (weniger als 4-6 Windeln pro Tag)
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schneller Flüssigkeitsverlust, der zu Verwirrtheit oder Schwindel führen kann
- Trockene Haut oder verminderte Hautspannkraft
- Seltener Toilettengang zum Wasserlassen (dunkler Urin)
- Kreislaufprobleme oder Blutdruckabfall beim Aufstehen
Ursachen
Hauptursachen
- Viren (z. B. Noroviren, Rotaviren)
- Bakterien (z. B. Salmonellen, Campylobacter) – oft durch verunreinigte Lebensmittel oder Wasser
- Parasiten (z. B. Giardien)
- Nebenwirkungen von Medikamenten (z. B. Antibiotika)
- Lebensmittelunverträglichkeiten (z. B. Laktoseintoleranz)
- Stress oder Aufregung
- Reizdarmsyndrom
Risikofaktoren
- Säuglings- oder Kleinkindalter
- Hohes Alter (über 75 Jahre)
- Geschwächtes Immunsystem (z. B. durch Chemotherapie oder HIV)
- Aufenthalt in Ländern mit geringeren Hygienestandards
- Einnahme von Antibiotika
- Chronische Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Blut im Stuhl oder sehr dunkler Stuhl
- Starke Bauchschmerzen, die andauern
- Fieber über 39°C
- Zeichen starker Austrocknung (siehe oben)
- Durchfall länger als drei Tage bei Erwachsenen, länger als 24 Stunden bei Kindern
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Durchfall hält länger als eine Woche an, ist aber ansonsten nicht schwer
- Durchfall, der immer wiederkehrt
- Verdacht auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit
- Fragen zu Ernährungs- oder Hygienemaßnahmen
Diagnose
Der Arzt fragt Sie nach Ihren Symptomen, möglichen Auslösern (z. B. letzte Mahlzeiten, Reisen) und Medikamenten. Er kann kurz den Bauch abtasten und die Vitalzeichen messen. Meist ist keine weitere Diagnostik nötig.
Mögliche Untersuchungen
- Stuhluntersuchung auf Bakterien, Viren oder Parasiten – wird nur bei schweren oder langanhaltenden Fällen gemacht
- Bluttest zur Kontrolle des Flüssigkeitshaushalts oder Entzündungswerten
- Bei Säuglingen oder älteren Menschen kann der Arzt auch den Urin untersuchen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
In der Regel verläuft die Diagnose schnell und unkompliziert. Bei unkompliziertem Durchfall wird meist keine weitere Untersuchung durchgeführt. Falls doch eine Stuhlprobe nötig ist, erhalten Sie ein Röhrchen und eine Anleitung. Die Ergebnisse kommen nach 2-3 Tagen.
Behandlung
Der Körper reinigt sich bei Durchfall in der Regel selbst. Ziel der Behandlung ist es, die Symptome zu lindern und Austrocknung zu verhindern. Medikamente sind meist nicht nötig. Antibiotika werden nur bei bakteriellen Infektionen eingesetzt – und nur wenn es der Arzt für nötig hält.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel trinken – mindestens 2-3 Liter pro Tag bei Erwachsenen, am besten Wasser, ungesüßten Tee oder Brühe
- Leichte, bekömmliche Kost: Zwieback, Reis, Bananen, geriebener Apfel, trockenes Weißbrot
- Auf fettige, scharfe oder stark gewürzte Speisen sowie Milchprodukte verzichten
- Ausruhen und dem Körper Zeit zur Erholung geben
- Auf gute Hygiene achten: Hände häufig waschen, Toilette regelmäßig reinigen, um eine Ansteckung zu vermeiden
Medizinische Behandlungen
Der Arzt kann Ihnen ein Mittel gegen Übelkeit oder Krämpfe empfehlen. Wichtig: Bei Durchfall durch Bakterien oder Viren sind durchfallhemmende Mittel nicht immer sinnvoll, weil der Körper die Erreger ausscheiden soll. Ihr Arzt berät Sie, was im Einzelfall richtig ist. Bei Flüssigkeitsverlust kann eine orale Rehydratationslösung (Trinklösung mit Zucker und Salz) hilfreich sein – fragen Sie dazu in der Apotheke.
Leben mit der Erkrankung
Bei akutem Durchfall sollten Sie für 1-2 Tage zu Hause bleiben, viel trinken und leichte Kost essen. Wenn die Beschwerden nachlassen, können Sie wieder normal essen – aber langsam und vorsichtig. Vermeiden Sie anstrengende Aktivitäten, bis Sie sich wieder völlig fit fühlen.
Tipps für den Alltag
- Händewaschen nach jedem Toilettengang und vor dem Essen
- Getrennte Handtücher und persönliche Hygieneartikel verwenden, um Ansteckung zu vermeiden
- Viel trinken – auch nach Abklingen des Durchfalls noch einige Tage
- Nach und nach wieder ballaststoffreichere Kost einführen (Vollkorn, Obst)
Ernährung und Bewegung
Achten Sie auf eine leichte, vollwertige Ernährung. Bananen, Reis, Apfelmus und Zwieback sind ideal für die erste Phase. Nach 2-3 Tagen können Sie wieder leichte Kost wie Nudeln, gekochtes Gemüse oder mageres Fleisch essen. Sport sollten Sie bis zur vollständigen Erholung meiden – gehen Sie stattdessen spazieren, sobald Sie sich kräftig genug fühlen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Durchfall kann unangenehm und belastend sein, besonders wenn er plötzlich auftritt oder Sie Termine verschieben müssen. Es ist normal, sich unsicher oder gestresst zu fühlen. Gönnen Sie sich Ruhe und seien Sie nachsichtig mit sich selbst. Wenn die Angst vor Durchfall den Alltag beeinträchtigt, sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt – meist ist das vorübergehend.
Vorbeugung
Eine vollständige Vorbeugung ist nicht immer möglich. Aber Sie können das Risiko deutlich senken: durch gründliches Händewaschen, Vermeidung von rohen oder ungekochten Speisen auf Reisen und gute Küchenhygiene.
Impfungen
Es gibt eine Schluckimpfung gegen Rotaviren, die vor allem bei Säuglingen schwere Durchfälle verhindern kann. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt sie in Deutschland für alle Säuglinge ab einem Alter von 6 Wochen. Fragen Sie Ihren Kinderarzt dazu.
Komplikationen
Unbehandelt
- Austrocknung (Dehydratation) – besonders gefährlich für Kinder und ältere Menschen
- Elektrolytstörungen – zu wenig Kalium, Natrium oder andere Salze im Blut
- Kreislaufprobleme bis hin zum Nierenversagen (selten)
- Bei chronischem Durchfall: Gewichtsverlust und Nährstoffmangel
Langzeitprognose
Die allermeisten Menschen erholen sich innerhalb weniger Tage vollständig von akutem Durchfall, ohne langfristige Folgen. Durch gute Selbstversorgung und rechtzeitige ärztliche Hilfe lassen sich Komplikationen fast immer vermeiden. Bei chronischen Formen gibt es heute wirksame Therapien, die die Lebensqualität deutlich verbessern.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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