Erektionsstörungen: Risiken und Vorteile verstehen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Erektile Dysfunktion, auch Erektionsstörung oder umgangssprachlich Potenzstörung genannt, bedeutet, dass ein Mann über einen längeren Zeitraum – meist mehrere Monate – keine ausreichende Erektion für eine befriedigende sexuelle Aktivität bekommt oder halten kann. Es ist kein normaler Teil des Alterns, sondern ein medizinisches Problem mit vielen möglichen Ursachen. Es gibt gute Behandlungsmöglichkeiten.
Wichtige Fakten
- Erektionsstörungen können ein Warnsignal für Gefäßerkrankungen wie Arteriosklerose sein.
- Sie betreffen viele Männer – in Deutschland schätzungsweise jeden zehnten Mann.
- Je früher Ursachen abgeklärt werden, desto besser lassen sich oft auch Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall vermeiden.
Ja, Erektionsstörungen sind sehr häufig. Weltweit sind etwa 150 Millionen Männer betroffen. Auch in Deutschland leidet etwa jeder zehnte Mann darunter. Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit – aber das bedeutet nicht, dass man sie einfach hinnehmen muss.
Erektionsstörungen können Männer in jedem Alter betreffen. Besonders häufig sind Männer über 50 betroffen. Aber auch jüngere Männer leiden darunter, zum Beispiel durch Stress, Leistungsdruck oder Beziehungsprobleme.
Symptome
- Eine schmerzhafte Erektion, die länger als vier Stunden anhält (sogenannter Priapismus). Dabei wird der Schwellkörper nicht mehr richtig durchblutet – das ist ein Notfall. Wählen Sie sofort den Notruf 112.
- Erektionsstörungen, die plötzlich zusammen mit starken Schmerzen im Becken, Rücken oder Bauch auftreten – auch das ist ein Notfall. Rufen Sie den Notruf 112 an.
- ⚠Eine plötzlich aufgetretene Erektionsstörung ohne erkennbaren Auslöser, zum Beispiel nach einem Unfall oder einer Operation im Beckenbereich.
- ⚠Erektionsstörungen zusammen mit Schmerzen beim Wasserlassen, Blut im Urin oder Fieber.
- ⚠Erektionsprobleme nach der Einnahme eines neuen Medikaments – sprechen Sie noch am gleichen Tag mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Häufige Symptome
- Die Erektion ist zu weich für den Geschlechtsverkehr.
- Die Erektion geht vor dem Ende des Geschlechtsverkehrs wieder verloren.
- Die sexuelle Lust ist vermindert.
Symptome bei Kindern
- Dieses Thema betrifft in der Regel keine Kinder. Bei Jugendlichen sind gelegentliche Erektionen und Unsicherheiten normal – anhaltende Probleme sollten mit einer Kinder- und Jugendärztin besprochen werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Männern sind Erektionsstörungen häufig. Sie können auf altersbedingte Durchblutungsstörungen, aber auch auf behandelbare Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck hinweisen. Eine medizinische Abklärung ist wichtig.
Ursachen
Hauptursachen
- Durchblutungsstörungen des Penis – meist durch Arterienverkalkung (Arteriosklerose).
- Nervenschäden – zum Beispiel durch Diabetes oder nach Operationen im Beckenbereich.
- Psychische Faktoren – wie Stress, Ängste, Depressionen oder Leistungsdruck.
- Hormonmangel – ein niedriger Testosteronspiegel kann die Erektion beeinträchtigen.
- Bestimmte Medikamente – etwa gegen Bluthochdruck oder Depressionen – können als Nebenwirkung Erektionsstörungen auslösen.
Risikofaktoren
- Alter über 50
- Rauchen
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Bluthochdruck
- Hohe Blutfette (Cholesterin)
- Diabetes mellitus
- Alkohol- und Drogenkonsum
- Psychischer Stress und Schlafmangel
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Erektionsstörung plötzlich auftritt und mit starken Schmerzen oder Fieber verbunden ist.
- Wenn eine schmerzhafte Erektion länger als vier Stunden anhält – das ist ein Notfall mit dem Notruf 112.
- Wenn die Erektionsstörung direkt nach einem Unfall oder einer Operation im Beckenbereich beginnt.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Erektionsprobleme länger als drei Monate bestehen.
- Wenn die Probleme Sie seelisch belasten oder Ihre Partnerschaft beeinträchtigen.
- Wenn Sie eine körperliche Ursache abklären lassen möchten – auch ohne akuten Leidensdruck.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt nimmt sich Zeit für ein ausführliches Gespräch über Ihre Beschwerden, Ihre Krankengeschichte, Ihren Lebensstil und mögliche seelische Belastungen. Danach folgt eine körperliche Untersuchung. Dazu gehören Blutdruck messen, Puls fühlen und eine kurze Untersuchung der Geschlechtsorgane. Blut- und Urinuntersuchungen helfen, Erkrankungen wie Diabetes oder Hormonmangel zu erkennen.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung (Blutzucker, Blutfette, Testosteron, Nierenwerte)
- Ultraschall des Penis (Schwellkörper) zur Prüfung der Durchblutung
- Fragebogen zur Erektionsfunktion (zum Beispiel der IIEF-Fragebogen)
- Nächtlicher Erektionstest mit einem Spezialgerät (wird nur in wenigen Zentren durchgeführt)
- Bei Bedarf Überweisung an eine urologische Praxis oder ein andrologisches Zentrum
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung dauert in der Regel 20 bis 30 Minuten und ist schmerzfrei. Sie können in einer vertraulichen Atmosphäre offen über Ihre Beschwerden sprechen. Die Versorgung im deutschen Gesundheitssystem orientiert sich an den aktuellen Leitlinien der Fachgesellschaften, unter anderem der AWMF. Nach den Ergebnissen bespricht die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen die möglichen Ursachen und erarbeitet gemeinsam einen Behandlungsplan.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Sie kann Veränderungen der Lebensgewohnheiten, die Behandlung von Grunderkrankungen, Medikamente, Hilfsmittel oder psychologische Unterstützung umfassen. Eine wichtige Regel: Nehmen Sie keine Medikamente aus dem Internet oder von Bekannten – das kann gefährlich sein. Lassen Sie sich immer von einer Ärztin oder einem Arzt beraten.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßige Bewegung – mindestens 30 Minuten pro Tag, zum Beispiel zügiges Gehen oder Radfahren.
- Gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten.
- Rauchen aufgeben – das verbessert Durchblutung und Erektion.
- Alkohol nur in Maßen.
- Stress abbauen mit Entspannungsübungen, Meditation oder Hobbys.
- Ausreichend schlafen – Schlafmangel kann die Testosteronproduktion senken.
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene zugelassene Medikamente, die verschreibungspflichtig sind. Sie werden vor dem geplanten Geschlechtsverkehr eingenommen und wirken nur bei sexueller Erregung. Bei bestimmten Vorerkrankungen – zum Beispiel schwerer Herzschwäche oder nach einem Schlaganfall – sind diese Mittel nicht geeignet. Deshalb ist eine ärztliche Untersuchung zwingend notwendig. Zusätzlich gibt es Vakuumpumpen, die mechanisch eine Erektion erzeugen, oder Schwellkörper-Injektionen, die der Arzt verordnet. Auch eine Psychotherapie kann helfen, wenn seelische Belastungen im Vordergrund stehen. Besprechen Sie alle Optionen mit Ihrer Fachärztin oder Ihrem Facharzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt nur in seltenen Fällen infrage, zum Beispiel bei jungen Männern mit Gefäßverletzungen nach einem Beckenunfall oder wenn alle anderen Maßnahmen nicht helfen. Dabei wird entweder ein Gefäß repariert oder eine Penisprothese eingesetzt. Diese Entscheidung trifft die Urologin oder der Urologe gemeinsam mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Erektionsstörungen sind behandelbar. Nehmen Sie sich die Zeit, die Ursachen zu verstehen. Ein offener Umgang mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner nimmt Druck raus. Denken Sie daran: Nicht jeder Tag und jede Situation ist gleich – Ihre Sexualität ist mehr als eine Erektion.
Tipps für den Alltag
- Sprechen Sie offen mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner – das entlastet und fördert Nähe.
- Planen Sie Zeit für gemeinsame Zärtlichkeit ohne Leistungsdruck.
- Nehmen Sie regelmäßig Ihre Kontrolltermine wahr.
- Tauschen Sie sich in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren mit anderen Männern aus.
Ernährung und Bewegung
Eine gefäßgesunde Ernährung plus regelmäßige Bewegung kann die Erektion verbessern. Empfehlenswert sind mediterrane Kost, viel Wasser trinken und Sport wie Schwimmen, Radfahren oder Walken. Achten Sie auch auf ein gesundes Körpergewicht.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Erektionsstörungen können zu Scham, Ängsten und Niedergeschlagenheit führen. Diese Gefühle sind verständlich. Wenn die Stimmung über Wochen gedrückt ist oder Sie keinen Antrieb mehr haben, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Auch eine Psychotherapie kann helfen. Wenn Sie schwere Gedanken an Selbsttötung haben, wenden Sie sich sofort an eine Notaufnahme eines Krankenhauses oder wählen Sie den Notruf 112.
Vorbeugung
Einiges lässt sich verhindern: Ein gesunder Lebensstil mit Nichtrauchen, ausgewogener Ernährung und Bewegung senkt das Risiko für Gefäßschäden und damit auch für Erektionsstörungen. Lassen Sie außerdem regelmäßig Blutdruck, Blutzucker und Blutfette überprüfen. Wenn Sie Medikamente einnehmen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin über mögliche Auswirkungen auf die Sexualfunktion.
Früherkennungsprogramme
Die allgemeinen Gesundheitsuntersuchungen (Check-up) in der Hausarztpraxis sind eine gute Gelegenheit, Risikofaktoren für Erektionsstörungen früh zu erkennen. Ab 35 Jahren übernimmt die Krankenkasse diese Untersuchung.
Komplikationen
Unbehandelt
- Das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall kann steigen, wenn Gefäßschäden unerkannt bleiben.
- Beziehungen können unter der Belastung leiden.
- Es können sich Depressionen und sozialer Rückzug entwickeln.
- Eine zugrunde liegende Hormonstörung könnte unbehandelt weitere Beschwerden verursachen.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut: Die meisten Männer finden mit der richtigen Behandlung eine deutliche Besserung. Auch wenn nicht jede Ursache heilbar ist, lassen sich Beschwerden fast immer lindern. Mit einer offenen Haltung und therapeutischer Unterstützung können Sie Ihre sexuelle Zufriedenheit und Lebensqualität zurückgewinnen.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.