Vorbereitung auf Untersuchungen bei Nierenentzündung (Nephritis)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Nierenentzündung (Nephritis) ist eine Entzündung der Nieren. Die Nieren filtern das Blut und scheiden Abfallstoffe über den Urin aus. Bei einer Entzündung kann diese Filterfunktion gestört sein. Es gibt verschiedene Formen, zum Beispiel die Glomerulonephritis, bei der die Filtereinheiten (Glomeruli) betroffen sind.
Wichtige Fakten
- Nephritis kann akut (plötzlich) oder chronisch (langsam fortschreitend) auftreten.
- Häufige Anzeichen sind Blut oder Schaum im Urin, geschwollene Beine oder Knöchel und erhöhter Blutdruck.
- Eine frühzeitige Behandlung kann helfen, Folgeschäden an den Nieren zu vermeiden.
- Die Diagnose erfolgt durch Urin- und Bluttests, manchmal auch durch eine Nierenbiopsie (Gewebeprobe).
- Die Behandlung richtet sich nach der Ursache – zum Beispiel mit entzündungshemmenden Mitteln oder Blutdruckmedikamenten.
Nierenentzündungen kommen vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen vor, sind aber insgesamt eher selten. Schätzungsweise 1–2 von 100 Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Glomerulonephritis.
Nephritis kann Menschen jeden Alters betreffen. Bestimmte Formen treten häufiger bei Kindern (z. B. nach einer Infektion mit Streptokokken) oder bei Erwachsenen mit Autoimmunerkrankungen wie Lupus erythematodes auf.
Symptome
- Plötzlich sehr wenig oder gar kein Urin mehr
- Atemnot oder schnelle, flache Atmung
- Sehr hoher Blutdruck (über 180/110 mmHg) mit Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Brustschmerz
- Krampfanfälle
- Bewusstlosigkeit oder starke Verwirrtheit
- ⚠Sichtbares Blut im Urin, das nicht wieder verschwindet
- ⚠Starke, anhaltende Schwellungen an Beinen oder im Gesicht
- ⚠Schaumiger Urin über mehrere Tage
- ⚠Neu auftretender Bluthochdruck
Häufige Symptome
- Blut im Urin (sichtbar oder nur unter dem Mikroskop erkennbar)
- Schaumiger Urin (durch Eiweiß im Urin)
- Geschwollene Augenlider, Beine oder Knöchel (Ödeme)
- Erhöhter Blutdruck
- Weniger Urin als sonst
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
Symptome bei Kindern
- Blut im Urin (oft nach einer Halsentzündung oder Scharlach)
- Geschwollene Augenlider am Morgen
- Bauchschmerzen oder Übelkeit
- Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verschlechterung der Nierenfunktion ohne typische Symptome
- Verwirrtheit oder Konzentrationsstörungen
- Wassereinlagerungen (Ödeme) an Beinen und Füßen
- Häufiger Harndrang oder nächtliches Wasserlassen
- Bluthochdruck, der schwer einzustellen ist
Ursachen
Hauptursachen
- Infektionen: z. B. nach einer Streptokokken-Halsentzündung (Poststreptokokken-Glomerulonephritis)
- Autoimmunerkrankungen: Das Immunsystem greift versehentlich die Nieren an (z. B. bei Lupus erythematodes oder IgA-Nephritis)
- Medikamente: manche Antibiotika, Schmerzmittel oder entzündungshemmende Mittel können eine interstitielle Nephritis auslösen
- Gifte oder Umweltstoffe: z. B. Schwermetalle oder bestimmte Pflanzenschutzmittel
Risikofaktoren
- Kürzlich durchgemachte Infektion (vor allem Hals-, Haut- oder Darminfektionen)
- Autoimmunerkrankungen in der Familie
- Einnahme von Medikamenten, die die Nieren belasten (z. B. nicht verschreibungspflichtige Schmerzmittel in hohen Dosen)
- Bluthochdruck oder Diabetes mellitus
- Alter: Kinder und junge Erwachsene sind häufiger betroffen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie Blut im Urin sehen (auch wenn es nur einmal auftritt)
- Wenn Ihr Urin plötzlich schaumig wird oder Sie weniger Urin ausscheiden
- Wenn Sie geschwollene Beine, Füße oder Augenlider bemerken
- Wenn Ihr Blutdruck plötzlich ansteigt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie sich häufig müde und abgeschlagen fühlen, ohne ersichtlichen Grund
- Wenn Sie einen Termin zur Vorsorgeuntersuchung Ihrer Nieren vereinbaren möchten
- Wenn bei Ihnen bereits eine Nierenerkrankung bekannt ist und Sie regelmäßige Kontrollen benötigen
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin wird zunächst ein Gespräch mit Ihnen führen und nach Ihren Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamenten fragen. Danach folgen körperliche Untersuchungen und Labortests.
Mögliche Untersuchungen
- Urintest (Streifentest und Urinsediment): Prüft auf Blut, Eiweiß und Entzündungszellen
- Blutuntersuchung: Kreatinin, Harnstoff, eGFR (geschätzte Filterleistung der Nieren) und Entzündungswerte
- Nierenultraschall: Zeigt Größe und Struktur der Nieren
- Nierenbiopsie: Eine Gewebeprobe aus der Niere wird unter örtlicher Betäubung entnommen und unter dem Mikroskop untersucht
- Blutdruckmessung und gegebenenfalls 24-Stunden-Blutdruckmessung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Untersuchungen sind schmerzfrei oder nur kurz unangenehm. Für eine Nierenbiopsie müssen Sie möglicherweise nüchtern erscheinen und kurz im Krankenhaus bleiben. Ihr Arzt wird Ihnen genau erklären, was auf Sie zukommt. Halten Sie sich an die Anweisungen zur Vorbereitung, z. B. ob Sie bestimmte Medikamente absetzen sollen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Nierenentzündung und dem Schweregrad. Ziel ist es, die Entzündung zu stoppen, die Nierenfunktion zu erhalten und Komplikationen zu vermeiden.
Selbsthilfe zu Hause
- Achten Sie auf eine ausreichende, aber nicht übermäßige Flüssigkeitszufuhr – Ihr Arzt gibt Ihnen eine genaue Empfehlung.
- Messen Sie regelmäßig Ihren Blutdruck und führen Sie ein Tagebuch.
- Vermeiden Sie Medikamente, die die Nieren schädigen können – fragen Sie vor der Einnahme von Schmerzmitteln oder pflanzlichen Präparaten Ihren Arzt oder Apotheker.
- Reduzieren Sie Speisesalz, um Wassereinlagerungen und Bluthochdruck zu vermindern.
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Behandlung kann entzündungshemmende Arzneimittel (z. B. Kortison), Mittel zur Unterdrückung des Immunsystems (Immunsuppressiva) oder Blutdrucksenker umfassen. Welche Medikamente für Sie infrage kommen, bespricht Ihr Arzt mit Ihnen – die Behandlung folgt den aktuellen medizinischen Leitlinien (z. B. der AWMF).
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur sehr selten notwendig, zum Beispiel bei einer Nierenbiopsie zur Diagnose oder bei Komplikationen wie einem Nierenabszess (Eiteransammlung). Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz kann die Anlage eines Dialysezugangs (Shunt) erforderlich sein – auch dies ist ein kleiner chirurgischer Eingriff.
Leben mit der Erkrankung
Viele Menschen mit einer Nierenentzündung können ein normales Leben führen. Wichtig sind regelmäßige Arztbesuche zur Überwachung der Nierenfunktion. Nehmen Sie Ihre Medikamente zuverlässig ein und achten Sie auf mögliche Warnzeichen wie Blut im Urin oder Gewichtszunahme (durch Wassereinlagerungen).
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich regelmäßig – am besten an der frischen Luft, mit moderater Intensität.
- Vermeiden Sie Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum.
- Reduzieren Sie Stress – Entspannungsübungen wie Yoga oder autogenes Training können helfen.
- Schlafen Sie ausreichend, um Ihren Körper zu stärken.
Ernährung und Bewegung
Eine nierenschonende Ernährung bedeutet in der Regel: weniger Salz, weniger tierisches Eiweiß und eine kontrollierte Flüssigkeitszufuhr. Ihr Arzt oder eine Ernährungsberatung kann einen auf Sie abgestimmten Ernährungsplan erstellen. Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder Schwimmen ist meist gut für Kreislauf und Wohlbefinden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Nierenerkrankung kann belastend sein. Es ist normal, sich manchmal ängstlich oder niedergeschlagen zu fühlen. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt darüber zu sprechen. Auch psychotherapeutische Begleitung kann helfen. In akuten Krisen wenden Sie sich bitte an den psychiatrischen Notdienst oder rufen Sie die 112 an.
Vorbeugung
Nicht alle Formen der Nierenentzündung lassen sich verhindern. Sie können aber das Risiko senken, indem Sie Infektionen rechtzeitig behandeln, auf eine gesunde Lebensweise achten und Medikamente nur nach Absprache mit Ihrem Arzt einnehmen.
Impfungen
Gegen einige Erreger, die eine Nierenentzündung auslösen können (z. B. Streptokokken), gibt es keine Impfung. Allerdings wird eine Grippe- und Pneumokokken-Impfung empfohlen, um Infektionen zu vermeiden, die die Nieren zusätzlich belasten könnten. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören (z. B. Diabetes, Bluthochdruck, Autoimmunerkrankung in der Familie), kann Ihr Arzt regelmäßige Urin- und Bluttests anordnen, um eine Nierenbeteiligung früh zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Nierenschädigung mit dauerhaft eingeschränkter Filterfunktion
- Nierenversagen – die Nieren arbeiten nicht mehr ausreichend
- Schwer einstellbarer Bluthochdruck
- Wasseransammlung in der Lunge (Lungenödem) mit Atemnot
- Elektrolytstörungen (z. B. zu viel Kalium im Blut), die lebensgefährlich sein können
Langzeitprognose
Mit einer frühzeitigen Diagnose und angepassten Behandlung ist die Prognose bei vielen Formen der Nierenentzündung gut. Manche Menschen benötigen nur eine vorübergehende Therapie, andere müssen langfristig behandelt werden. Auch bei chronischem Verlauf kann die Lebensqualität durch moderne Behandlungsmöglichkeiten erhalten bleiben. Ihr Ärzteteam begleitet Sie auf diesem Weg und hilft Ihnen, die beste Versorgung zu erhalten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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