Neuropathie: Tipps für den Tag des Eingriffs
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Neuropathie ist eine Erkrankung der Nerven, die zu Kribbeln, Taubheitsgefühlen, Schmerzen oder Muskelschwäche führen kann. Meist sind die Nerven in Händen und Füßen betroffen. In diesem Artikel erfahren Sie auch, was Sie bei einem geplanten Eingriff zur Untersuchung der Nerven beachten sollten.
Wichtige Fakten
- Neuropathie ist keine eigene Krankheit, sondern eine Folge verschiedener Grunderkrankungen.
- Eine genaue Diagnose hilft, die richtige Behandlung zu finden.
- Für den Tag des Eingriffs gibt es einfache Tipps, die für eine reibungslose Untersuchung sorgen.
Ja, Nervenschädigungen sind häufig. In Deutschland hat etwa jeder zehnte Erwachsene über 40 Zeichen einer Polyneuropathie – viele ohne es zu wissen.
Besonders betroffen sind Menschen mit Diabetes, ältere Personen, Menschen mit Alkoholabhängigkeit oder nach einer Chemotherapie. Aber auch jüngere Menschen können eine Neuropathie entwickeln.
Symptome
- Plötzliche schwere Schwäche in mehreren Gliedmaßen oder im Gesicht
- Atemnot oder Schluckbeschwerden
- Akute Lähmungserscheinungen
- Plötzlicher Verlust der Blasen- oder Darmkontrolle
- Rufen Sie in solchen Fällen sofort den Notruf 112 an.
- ⚠Neue oder stark zunehmende Nervenschmerzen, die den Alltag unmöglich machen
- ⚠Zunehmende Schwäche, die zu Stolpern oder Stürzen führt
- ⚠Taubheit, die sich innerhalb von Stunden über den Arm oder das Bein ausbreitet
- ⚠Bei diesen Symptomen sollten Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen.
Häufige Symptome
- Kribbeln oder Ameisenlaufen in Händen oder Füßen
- Taubheitsgefühl, als ob man mit Socken läuft
- Stechende, brennende oder ziehende Schmerzen
- Muskelschwäche, zum Beispiel beim Treppensteigen oder Greifen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist Neuropathie selten. Anzeichen können häufiges Stolpern, ungeschicktes Greifen oder eine verzögerte motorische Entwicklung sein.
- Taubheitsgefühl oder Schmerzen beim Laufen sind ernst zu nehmen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen bemerken oft Gleichgewichtsstörungen, Gangunsicherheit und eine verminderte Empfindung an den Füßen.
- Der Verlust des Temperaturempfindens kann zu unbemerkten Verletzungen führen.
Ursachen
Hauptursachen
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Alkoholmissbrauch über viele Jahre
- Vitaminmangel, insbesondere Vitamin B12
- Autoimmunerkrankungen, die Nerven angreifen
- Nierenerkrankungen oder Schilddrüsenunterfunktion
- Erbliche Nervenerkrankungen
Risikofaktoren
- Langjähriger, schlecht eingestellter Diabetes
- Alter über 65 Jahre
- Alkoholabhängigkeit
- Chemotherapie oder bestimmte Medikamente
- Familiäre Vorbelastung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche, heftige Schmerzen oder Lähmungserscheinungen
- Gangunsicherheit oder Stürze
- Fieber zusammen mit Kribbeln oder sehr starken Schmerzen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Kribbeln, Taubheit oder Schmerzen in Händen oder Füßen, die länger als eine Woche anhalten
- Muskelschwäche, die den Alltag beeinträchtigt
- Verletzungen an den Füßen, die nicht bemerkt werden
Diagnose
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird zunächst mit Ihnen sprechen und eine körperliche Untersuchung durchführen. Dabei werden Reflexe, Muskelkraft und die Empfindung der Haut geprüft. Blutuntersuchungen können Diabetes, Vitaminmangel oder andere Ursachen zeigen. Bei Verdacht auf Nervenschädigung folgt eine Untersuchung der Nervenfunktion – zum Beispiel eine Elektroneurografie (ENG) oder Elektromyografie (EMG). Die Diagnostik orientiert sich an den aktuellen Leitlinien der AWMF.
Mögliche Untersuchungen
- Elektroneurografie (ENG): Messung der Nervenleitgeschwindigkeit
- Elektromyografie (EMG): Messung der Muskelaktivität mit feinen Nadeln
- Blutuntersuchung auf Blutzucker, Vitamin B12 und Entzündungswerte
- In seltenen Fällen Nervenbiopsie (Entnahme einer winzigen Nervenprobe)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung dauert meist 30 bis 60 Minuten. Am Tag des Eingriffs sollten Sie auf Handcreme, fettige Salben oder Lotionen an Händen und Füßen verzichten, da sie die Elektroden stören können. Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt unbedingt über einen Herzschrittmacher, Blutverdünner oder bekannte Allergien. Sie dürfen in der Regel normal essen und trinken. Fragen Sie vorher, ob Sie Ihre Medikamente wie gewohnt einnehmen sollen. Nach der EMG können ein leichter Muskelkater oder kleine Blutergüsse auftreten – das ist normal.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Ziel ist, die Nerven zu entlasten, Schmerzen zu lindern und Folgeprobleme zu vermeiden. Ein Eingriff zur Diagnose ist keine Behandlung, sondern ein wichtiger Schritt zur richtigen Therapie.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßige Fußpflege und Kontrolle der Füße auf Druckstellen
- Weiche Schuhe tragen, um Verletzungen zu vermeiden
- Wärme- oder Kälteanwendungen nur nach Rücksprache
- Entspannungstechniken bei Nervenschmerzen
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache können Medikamente gegen Nervenschmerzen oder zur Behandlung der Grunderkrankung eingesetzt werden. Auch Physiotherapie, Ergotherapie und Psychotherapie können helfen. Sprechen Sie immer mit Ihrem Arzt über die für Sie passende Behandlung. Medikamente werden immer individuell verschrieben und sollten niemals auf eigene Faust eingenommen werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn eine Nervenkompression vorliegt, zum Beispiel ein eingeengter Nerv im Handgelenk (Karpaltunnelsyndrom), kann ein kleiner chirurgischer Eingriff den Nerv entlasten.
Leben mit der Erkrankung
Wenn bei Ihnen eine Nervenuntersuchung ansteht, planen Sie den Tag gut. Nehmen Sie alle Unterlagen, eine Liste Ihrer Medikamente und möglichst eine Begleitperson mit. Tragen Sie lockere Kleidung, die es erlaubt, Ärmel und Hosenbeine hochzukrempeln. Am Tag des Eingriffs sollten Sie keine Handcreme oder rückfettenden Lotionen auf Hände oder Füße auftragen, da diese die Messungen beeinflussen können. Essen und trinken Sie wie gewohnt, aber verzichten Sie kurz vorher auf Kaffee und Nikotin, weil sie die Nervenaktivität verändern können. Fragen Sie, ob Sie danach direkt wieder Auto fahren dürfen – nach einer Nadelmessung kann die Muskulatur kurzzeitig geschwächt sein.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung, zum Beispiel Spazierengehen
- Verzicht auf Alkohol
- Gute Blutzuckereinstellung bei Diabetes
- Stressabbau durch Entspannungsübungen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitamin B12 und Folsäure unterstützt die Nerven. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie Ihren Arzt nach einem Bluttest. Bewegung wie Spazierengehen oder Schwimmen verbessert die Durchblutung und erhält die Muskelkraft. Hören Sie auf Ihren Körper und vermeiden Sie Überlastung.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Neuropathie kann seelisch belasten und zu Schlafproblemen, Ängsten oder Niedergeschlagenheit führen. Scheuen Sie sich nicht, auch darüber zu sprechen. Wenn Sie sich in einer seelischen Krise fühlen oder Gedanken an Suizid haben, suchen Sie sofort Hilfe: Wenden Sie sich an Ihre Arztpraxis, die psychiatrische Notaufnahme oder ein psychologisches Beratungsangebot der Telefonseelsorge. Sie sind damit nicht allein.
Vorbeugung
Nicht jede Neuropathie ist vermeidbar. Aber Sie können das Risiko senken: Behandeln Sie Diabetes konsequent, verzichten Sie auf Alkohol, achten Sie auf eine gesunde Ernährung und bewegen Sie sich regelmäßig. Eine frühe Diagnose beugt schweren Folgen vor.
Impfungen
Bei bestimmten Nervenerkrankungen, zum Beispiel durch Gürtelrose, gibt es Schutzimpfungen. Lassen Sie sich dazu von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie Diabetes haben, sollten Sie einmal jährlich Ihre Füße und Nerven kontrollieren lassen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unbemerkte Wunden an den Füßen können sich entzünden und im schlimmsten Fall zu Geschwüren führen.
- Gleichgewichtsstörungen erhöhen das Sturzrisiko und damit das Risiko für Knochenbrüche.
- Über Jahre kann eine unbehandelte Neuropathie zu Muskelschwund und dauerhaften Gefühlsstörungen führen.
Langzeitprognose
Viele Neuropathien bessern sich, wenn die Ursache behandelt wird. Auch wenn Narben an den Nerven bleiben, lässt sich die Lebensqualität mit guter medizinischer Betreuung und Selbsthilfe meist über viele Jahre erhalten. Sprechen Sie offen mit Ihrem Behandlungsteam – je früher eine Therapie beginnt, desto besser.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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