Männliche Fruchtbarkeit: Fragen, die Sie Ihrem Arzt stellen sollten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Von männlicher Unfruchtbarkeit (auch Infertilität genannt) spricht man, wenn ein Mann trotz regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr über ein Jahr lang nicht dazu beiträgt, dass die Frau schwanger wird. Das bedeutet nicht, dass überhaupt keine Chance besteht, sondern dass die Fruchtbarkeit vermindert ist. Bei etwa der Hälfte der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch spielen Ursachen beim Mann eine Rolle – oft zusammen mit Ursachen bei der Frau.
Wichtige Fakten
- Männliche Fruchtbarkeitsprobleme sind häufig: Bei etwa 30 bis 40 von 100 Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch liegt die Ursache (auch) beim Mann.
- Die Untersuchung der Samenzellen, das sogenannte Spermiogramm, ist der wichtigste erste Schritt zur Abklärung.
- In vielen Fällen lässt sich eine Ursache finden und behandeln – auch wenn nicht immer eine Schwangerschaft entsteht.
Ja, Fruchtbarkeitsstörungen beim Mann sind keine Seltenheit. Etwa jedes zehnte Paar ist zeitweise ungewollt kinderlos. In vielen Fällen spielen beide Partner eine Rolle. Deshalb ist es sinnvoll, dass sich immer auch der Mann ärztlich untersuchen lässt.
Sie betrifft Männer aller Altersgruppen, am häufigsten aber Männer zwischen 20 und 40 Jahren mit einem Kinderwunsch. Auch Männer, die bereits Kinder haben, können später eine verminderte Fruchtbarkeit entwickeln.
Symptome
- Plötzliche, starke Schmerzen im Hoden oder im Unterbauch – das kann ein Notfall sein, zum Beispiel eine Hodenverdrehung. Rufen Sie sofort die 112.
- ⚠Starke Schwellung oder Rötung im Hodenbereich mit Fieber
- ⚠Ein neu entdeckter Knoten oder eine Verhärtung am Hoden – das sollte noch am selben Tag ärztlich abgeklärt werden.
Häufige Symptome
- Meist gibt es keine körperlichen Beschwerden – die verminderte Fruchtbarkeit fällt erst beim unerfüllten Kinderwunsch auf.
- Mögliche Anzeichen: Veränderungen an den Hoden, zum Beispiel kleine, verhärtete oder geschwollene Hoden.
- Manchmal: Probleme mit der Erektion, Ejakulationsbeschwerden oder eine sehr geringe Menge an Samenflüssigkeit.
Symptome bei Kindern
- Bei Jungen können ein Hodenhochstand oder eine spät einsetzende Pubertät später die Fruchtbarkeit beeinflussen.
- Wenn Sie als Vater eines Jungen unsicher sind, sprechen Sie bei der nächsten U-Untersuchung mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Mit zunehmendem Alter nimmt die Qualität der Samenzellen meist etwas ab.
- Ein höheres Alter des Mannes kann die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft leicht verringern – eine Schwangerschaft ist aber weiterhin möglich.
Ursachen
Hauptursachen
- Verminderte Bildung oder Qualität der Samenzellen (zum Beispiel zu wenige Sperrmien, geringe Beweglichkeit oder Formveränderungen)
- Verstopfung der ableitenden Samenwege, sodass Samenzellen nicht nach außen gelangen
- Hormonelle Störungen, zum Beispiel ein Mangel am Hormon Testosteron
- Hodenhochstand in der Kindheit, der nicht frühzeitig behandelt wurde
- Genetische Ursachen, also Veränderungen im Erbgut
- Folgen von Infektionen oder Operationen im Bereich der Geschlechtsorgane
Risikofaktoren
- Rauchen
- Übergewicht oder starkes Untergewicht
- Starker Alkoholkonsum, Drogen wie Anabolika oder Cannabiskonsum
- Dauerhafter Stress
- Wärme am Hoden, zum Beispiel durch enge Kleidung, häufige Saunagänge oder sitzende Tätigkeiten
- Umweltgifte, Pestizide oder Strahlung am Arbeitsplatz
- Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Nierenerkrankungen oder Schilddrüsenstörungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlich auftretenden Schmerzen oder Schwellungen im Hodenbereich – noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen.
- Bei sichtbarem Blut im Sperma – möglichst zeitnah ärztlich abklären lassen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie und Ihre Partnerin seit über einem Jahr ungeschützten Geschlechtsverkehr haben und keine Schwangerschaft eintritt – gehen Sie gemeinsam in eine urologische Praxis oder ein Kinderwunschzentrum.
- Wenn bei Ihrer Partnerin bereits ein Problem wie ein unregelmäßiger Zyklus bekannt ist, sollten Sie sich ebenfalls früh mituntersuchen lassen.
- Wenn Sie frühere Erkrankungen oder Operationen an Hoden, Nebenhoden oder Prostata hatten und sich einen Kinderwunsch vorstellen, sprechen Sie Ihren Arzt bei der nächsten Gelegenheit darauf an.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst nach Ihrer Krankengeschichte, Lebensgewohnheiten, hormonellen Beschwerden und dem Verlauf des Kinderwunsches. Danach folgen eine körperliche Untersuchung und ein Spermiogramm – das ist die Untersuchung der Samenflüssigkeit unter dem Mikroskop. Wichtig ist, dass die Abklärung beide Partner betrifft, denn auch bei der Frau können Faktoren vorliegen.
Mögliche Untersuchungen
- Spermiogramm: Analyse von Anzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien
- Körperliche Untersuchung der Geschlechtsorgane
- Ultraschall der Hoden und der Prostata
- Hormonanalyse im Blut, zum Beispiel Messung von Testosteron, FSH und LH
- Gegebenenfalls genetische Untersuchungen, wenn bestimmte Merkmale auffallen oder die Samenqualität stark eingeschränkt ist
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen dauern in der Regel einige Wochen. Sie sind nicht schmerzhaft und finden in geschützter Atmosphäre statt. Ein Spermiogramm erfordert, dass Sie nach einer Karenzzeit von 2 bis 5 Tagen eine Samenprobe in einem dafür vorgesehenen Becher abgeben – in der Praxis oder zu Hause, je nach Vorgabe des Labors. Die Ergebnisse bespricht Ihr Arzt anschließend in Ruhe mit Ihnen.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der genauen Ursache ab. Oft genügt es, ungesunde Gewohnheiten zu ändern. In anderen Fällen kommen Hormonbehandlungen, Operationen oder Methoden der assistierten Reproduktion (künstliche Befruchtung) infrage. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt erstellt mit Ihnen gemeinsam einen Plan, der zu Ihrer Situation passt.
Selbsthilfe zu Hause
- Hören Sie auf zu rauchen – das verbessert die Spermienqualität nachweislich.
- Reduzieren Sie Alkohol und meiden Sie Drogen.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, übertreiben Sie es aber nicht mit extremem Ausdauersport.
- Normalisieren Sie Ihr Körpergewicht.
- Achten Sie auf kühle Bedingungen im Schritt, z. B. locker sitzende Unterwäsche.
- Reduzieren Sie Stress durch Entspannungsübungen, Gespräche oder ausreichend Schlaf.
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene medikamentöse Ansätze, um die Spermienbildung zu unterstützen, zum Beispiel Hormonpräparate, wenn ein Hormonmangel die Ursache ist. In manchen Fällen helfen Antibiotika, wenn eine Infektion vorliegt. Weltweit gibt es keine „Wunderpille“ für männliche Fruchtbarkeit – was hilft, hängt von der individuellen Ursache ab. Ihr Arzt wird mit Ihnen besprechen, welche Behandlung sinnvoll ist. Wichtig: Nehmen Sie niemals Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel ohne ärztliche Beratung ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn ein Hodenhochstand vorliegt oder eine Verstopfung der Samenwege die Ursache ist, kann ein operativer Eingriff erwogen werden. Auch eine ausgeprägte Krampfader im Hodenbereich (Varikozele) lässt sich operativ verschließen. Ob eine Operation sinnvoll ist, hängt von der Befundlage ab und wird individuell entschieden.
Leben mit der Erkrankung
Ein unerfüllter Kinderwunsch kann den Alltag stark belasten. Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Partnerschaft und tauschen Sie sich offen aus. Viele Paare empfinden eine gewisse Routine beim Sex als Druck – versuchen Sie, Momente der Nähe zu schaffen, die nichts mit einem „Fruchtbarkeitskalender“ zu tun haben. Medizinische Hilfe bedeutet nicht, dass Sie die Kontrolle verlieren – im Gegenteil: Sie gewinnen Sicherheit durch Wissen.
Tipps für den Alltag
- Suchen Sie den Zeitpunkt des Eisprungs: Sex alle 2 bis 3 Tage um die Zeit des Eisprungs erhöht die Chance auf eine Schwangerschaft.
- Meiden Sie Gleitmittel auf Wasserbasis – einige Substanzen können die Beweglichkeit der Spermien beeinträchtigen. Fragen Sie hierzu Fachpersonal.
- Tragen Sie bequeme Unterwäsche und verzichten Sie auf zu häufige Saunagänge oder sehr heiße Bäder.
- Stellen Sie das Rauchen ein – das ist eine der wichtigsten Maßnahmen.
- Halten Sie Ihr Normalgewicht und ernähren Sie sich ausgewogen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Nüssen und Vollkornprodukten versorgt den Körper mit wichtigen Nährstoffen. Moderate Bewegung wie Spazierengehen, Joggen, Schwimmen oder Radfahren wirkt sich positiv aus. Übertriebenes Ausdauertraining – etwa Marathonläufe ohne Regeneration – kann den Hormonhaushalt belasten. Meiden Sie extreme Kraftausdauer-Übungen mit anabolen Präparaten: Diese schaden der Fruchtbarkeit.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein unerfüllter Kinderwunsch kann sehr belastend sein – für den Mann und für die Partnerschaft. Gefühle von Trauer, Scham, Schuld oder Wut sind normal. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrer Partnerin zu sprechen oder sich psychologische Unterstützung zu holen. Auch ein offenes Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt über Ihre Gefühle ist ein guter Schritt. In akuten Krisen mit Gedanken, sich etwas anzutun, rufen Sie bitte sofort die Telefonseelsorge oder die 112 – Sie sind nicht allein.
Vorbeugung
Nicht alle Ursachen von männlicher Fruchtbarkeit lassen sich verhindern – zum Beispiel genetische Störungen oder manche kindlichen Erkrankungen. Aber ein gesunder Lebensstil kann das Risiko für eine verminderte Fruchtbarkeit deutlich senken. Auch das Vermeiden von Hitzebelastung und Giftstoffen kann helfen.
Früherkennungsprogramme
Eine allgemeine Vorsorgeuntersuchung speziell für männliche Fruchtbarkeit gibt es nicht in Deutschland. Wer einen Kinderwunsch plant, kann jedoch eine allgemeine Gesundheitsberatung bei der Hausärztin oder beim Hausarzt nutzen. Wenn Sie bestimmte Risiken haben, kann der Arzt mit Ihnen besprechen, ob eine frühzeitige Untersuchung sinnvoll ist – auch bevor ein Jahr ungeschützter Geschlechtsverkehr vergangen ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Abklärung bleibt unklar, ob behandelbare Ursachen wie Hormonstörungen oder Infektionen vorliegen.
- Die Ursache kann sich mit der Zeit verschlimmern – zum Beispiel bei einer unbehandelten Varikozele.
- Ein unerfüllter Kinderwunsch kann auf Dauer zu Partnerschaftskonflikten und seelischer Belastung führen.
Langzeitprognose
Auch wenn eine männliche Fruchtbarkeitsstörung festgestellt wird, ist das kein Grund zur Hoffnungslosigkeit. In vielen Fällen kann etwas verbessert werden – zum Beispiel durch eine Änderung des Lebensstils oder eine Hormonbehandlung. Und selbst bei stark eingeschränkter Samenqualität gibt es heute moderne Verfahren der künstlichen Befruchtung, etwa die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), bei der eine einzelne Samenzelle in die Eizelle eingebracht wird. Der Weg ist oft fordernd, aber viele Paare erreichen mit medizinischer Unterstützung das Ziel einer Schwangerschaft.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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