Sehnen: Was sie stärkt und was sie gefährdet
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Sehne ist ein robustes, aber kaum dehnbares Bindegewebsband. Sie verbindet den Muskel mit dem Knochen und überträgt die Muskelkraft auf das Gelenk. Ohne Sehnen wären keine Bewegungen möglich.
Wichtige Fakten
- Sehnen sind zwar sehr reißfest, aber nur wenig elastisch.
- Sie haben nur eine geringe Durchblutung und heilen deshalb langsam.
- Gezielte Bewegung kräftigt Sehnen, einseitige Dauerbelastung schadet ihnen.
Ja. Sehnenbeschwerden zählen zu den häufigsten Gründen für Schmerzen am Bewegungsapparat – viele Menschen kennen Probleme wie Tennisarm oder eine gereizte Achillessehne.
Jeder kann betroffen sein. Besonders gefährdet sind Menschen mit einseitigen Bewegungsmustern im Beruf oder Sport, ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Rheuma.
Symptome
- Sehr starke Schmerzen nach einem Sturz, Unfall oder ruckartigen Bewegungsablauf
- Sie können das betreffende Gelenk nicht mehr bewegen oder sehen eine sichtbare Deformität
- Eine offene Verletzung, bei der die Sehne freiliegt
- Ausgeprägte Rötung, Schwellung und Fieber – auch als mögliches Zeichen einer Infektion: In diesen Fällen rufen Sie sofort die 112.
- ⚠Wenn Sie eine ständige Schwäche in einem Finger, Daumen oder Fuß bemerken
- ⚠Wenn das Gelenk stark anschwillt und sich heiß anfühlt
- ⚠Wenn der Schmerz nachts auftritt und Sie aufweckt
- ⚠Wenn Ihre Beschwerden nach einer Woche nicht besser werden
Häufige Symptome
- Schmerzen bei Bewegung, Druck oder unter Belastung
- Schwellung und manchmal eine spürbare Verdickung
- Steifheitsgefühl, vor allem morgens oder nach langem Sitzen
- Kraftverlust beim Heben, Greifen oder Auftreten
- Ein leichtes Knirschen oder Reiben beim Bewegen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern sind Sehnenverletzungen seltener, sie kommen aber zum Beispiel durch Sportstürze vor.
- Wachstumsschübe können Sehnenansätze vorübergehend reizen (zum Beispiel an der Ferse).
- Ein Hinken ohne klaren Unfall sollte kinderärztlich abgeklärt werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Mit dem Alter werden Sehnen dünner und weniger durchblutet – Schmerzen treten dann leichter auf.
- Achillessehne oder Schulter sind häufige Beschwerdeorte.
- Nach längerer Ruhigstellung fühlen sich Sehnen verkürzt an und schmerzen beim Bewegungsbeginn.
Ursachen
Hauptursachen
- Plötzliche Überbeanspruchung, zum Beispiel ein Sturz oder eine ruckartige Bewegung
- Längere wiederholte Bewegungen – im Alltag, im Beruf oder beim Sport
- Alterungsprozesse, die die Sehne schwächen
- Direkte Schläge oder Schnittwunden
Risikofaktoren
- Arbeiten mit häufigen, ähnlichen Handgriffen
- Sport mit hohen Belastungen wie Laufen, Springen, Tennis oder Krafttraining
- Zu schnelles Steigern des Trainingsumfangs
- Übergewicht, besonders für Knie- und Fersensehnen
- Rauchen und eine allgemein schlechte Durchblutung
- Krankheiten wie Diabetes, Rheuma oder Schilddrüsenstörungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sie haben den Verdacht, dass eine Sehne gerissen ist oder Sie keine normale Bewegung mehr möglich ist.
- Eine Gelenkschwellung tritt innerhalb weniger Stunden auf, begleitet von starken Schmerzen.
- Sie haben Fieber und gleichzeitig Gelenk- oder Sehnenschmerzen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Die Schmerzen dauern länger als eine Woche oder kehren immer wieder.
- Sie beeinträchtigen den Schlaf, die Arbeit oder den Sport.
- Sie möchten wissen, welche Bewegungen Ihnen guttun und welche Sie meiden sollten.
Diagnose
Am Anfang steht das Gespräch: Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Sie bitten, genau zu beschreiben, wann und wo es schmerzt und bei welchen Tätigkeiten die Probleme auftreten. Danach folgt die körperliche Untersuchung, bei der die Ärztin oder der Arzt die Sehnen abtastet und Ihre Bewegungsfähigkeit prüft.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschall – er zeigt Entzündungen, Verdickungen oder Risse
- Magnetresonanztomografie (MRT) – besonders bei Verdacht auf einen Riss oder die Schulter
- Röntgen – um Verletzungen am Knochen auszuschließen
- Blutuntersuchung – falls eine entzündliche Erkrankung wie Rheuma als Ursache vermutet wird
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert in der Regel nicht lange. Sie müssen sich nicht auf ein unangenehmes Verfahren vorbereiten. Anschließend werden die Ergebnisse gemeinsam besprochen und Sie erhalten eine Empfehlung – zum Beispiel für Physiotherapie, eine weitere Diagnostik oder Übungen für zu Hause.
Behandlung
Die Behandlung von Sehnenbeschwerden hat zum Ziel, die Sehne zu beruhigen, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu erhalten oder wiederherzustellen. Die aktuelle medizinische Leitlinie (AWMF) empfiehlt eine individualisierte Therapie: eine Kombination aus angepasster Bewegung, Physiotherapie und bei Bedarf medikamentöser Unterstützung. Welche Maßnahmen infrage kommen, hängt von der Ursache und Schwere der Beschwerden ab.
Selbsthilfe zu Hause
- In der Akutphase die betroffene Stelle kühlen und schonen – aber nicht stilllegen.
- Beim Kühlen ein feuchtes Tuch zwischen Kühlakku und Haut legen, 10 bis 15 Minuten.
- Die Region hochlagern, wenn sie geschwollen ist.
- Nach einigen Tagen mit sanften Übungen beginnen, die Sie sich von einer Fachkraft zeigen lassen.
Medizinische Behandlungen
Ärztinnen und Ärzte können entzündungshemmende Salben oder Tabletten verschreiben – dies ist eine individuelle Entscheidung. Regelmäßige Physiotherapie ist häufig die wichtigste Säule, um die Sehne zu entlasten und zu kräftigen. In besonders hartnäckigen Fällen kann vorübergehend eine Injektion um die Sehne herum erwägt werden; dies sollte aber nicht häufig wiederholt werden. Besprechen Sie mit Ihrer Behandlungsperson, was bei Ihnen am besten passt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Nur selten ist eine Operation nötig – etwa, wenn eine Sehne vollständig gerissen ist, eine konservative Behandlung über mehrere Monate erfolglos bleibt oder eine Verletzung das Gelenk instabil macht.
Leben mit der Erkrankung
Planen Sie Ihren Tag so, dass die Sehne nicht dauerhaft unter Druck steht. Unterbrechen Sie monotone Tätigkeiten regelmäßig durch kleine Pausen und wechseln Sie die Hand, wenn möglich. Eine schmerzgeführte Belastung ist klug: Wenn eine Bewegung weh tut, machen Sie eine Pause – wenn sie schmerzfrei ist, ist sie erlaubt.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige kurze Bewegungseinheiten in den Alltag einbauen – Treppe statt Aufzug, Spaziergang in der Mittagspause
- Sportliche Belastung langsam steigern, niemals abrupt vervielfachen
- Für ergonomische Bedingungen am Arbeitsplatz sorgen – zum Beispiel eine höhenverstellbare Tastatur oder eine gute Sitzposition
- Auf das Rauchen verzichten, um die Durchblutung zu fördern
Ernährung und Bewegung
Eine vielseitige Ernährung mit Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und ausreichend Eiweiß unterstützt den Aufbau von Sehnengewebe. Für das Training empfehlen sich gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Aquafitness. Ergänzend zu Ausdauerbewegung sind Kräftigungsübungen wichtig, um die Muskeln zu stärken und die Sehnen zu entlasten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Anhaltende Schmerzen können den Alltag und die Stimmung belasten. Es ist normal, sich dann hin und wieder hilflos oder erschöpft zu fühlen. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Menschen Ihres Vertrauens. Wenn die seelische Belastung sehr groß wird, suchen Sie frühzeitig Gesprächsangebote. In einer akuten Krise rufen Sie die 112 oder wenden sich an die nächste psychiatrische Notaufnahme.
Vorbeugung
Viele Sehnenbeschwerden lassen sich vermeiden. Wichtig sind ein angemessenes Aufwärmen vor Sport, langsames Steigern der Belastung, Pausen zwischen gleichartigen Tätigkeiten und Kräftigungsübungen für die Muskulatur. Achten Sie auch auf eine gute Schlafroutine, damit sich das Gewebe über Nacht erholen kann.
Komplikationen
Unbehandelt
- Langandauernde, chronische Schmerzen an der Sehne
- Zunehmender Kraftverlust, der die Bewegung des Gelenks einschränkt
- Kompletter Sehnenriss, der dann oft nur durch eine Operation zu behandeln ist
Langzeitprognose
Es gibt gute Chancen, dass sich Sehnenbeschwerden deutlich bessern, wenn sie richtig behandelt werden. Heilungsprozesse dauern allerdings – oft mehrere Wochen bis Monate. Bleiben Sie geduldig und vertrauen Sie auf einen langsamen, aber stabilen Fortschritt. Mit der Unterstützung Ihrer Behandlungspersonen können Sie die Beschwerden meist gut in den Griff bekommen.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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