PFAPA-Syndrom: Wenn das Immunsystem in Schüben arbeitet
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das PFAPA-Syndrom ist eine gutartige, schubweise auftretende Immunreaktion, die vor allem Kinder betrifft. Sie äußert sich in plötzlich auftretendem, hohem Fieber und damit verbundenen Entzündungszeichen wie Halsschmerzen, Aphthen im Mund und geschwollenen Lymphknoten. Typisch ist, dass die Schübe regelmäßig wiederkehren und die Betroffenen zwischen den Schüben völlig gesund sind.
Wichtige Fakten
- Die Schübe dauern meist 3–6 Tage
- Zwischen den Schüben sind die Betroffenen vollkommen beschwerdefrei
- Die Erkrankung ist nicht ansteckend
- Bei den meisten Kindern verschwinden die Schübe bis zur Pubertät von selbst
PFAPA ist eine seltene Erkrankung, aber die häufigste Ursache für wiederkehrendes (periodisches) Fieber im Kindesalter. Im Vergleich zu normalen Infekten tritt sie deutlich seltener auf.
Meist sind Kinder im Alter von 2 bis 5 Jahren betroffen, etwas häufiger Jungen. Auch Erwachsene können die Schübe haben, allerdings seltener und meist mit milderen Symptomen.
Symptome
- Fieber über 41 °C
- Steifer Nacken, starke Lichtscheu oder Verwirrtheit
- Krampfanfall (Fieberkrampf) mit Bewusstlosigkeit
- Erschwerte Atmung oder Atemnot
- Blau verfärbte Lippen oder Haut
- ⚠Fieber über 39 °C, das länger als 5 Tage anhält
- ⚠Das Kind wirkt apathisch oder ist kaum weckbar
- ⚠Das Kind trinkt so wenig, dass eine Austrocknung droht (trockene Zunge, eingefallene Augen, bei Babys eingefallene Fontanelle)
- ⚠Starke Schmerzen, insbesondere im Kopf oder Bauch
Häufige Symptome
- Plötzliches hohes Fieber, oft 39–40 °C
- Halsschmerzen mit gerötetem Rachen
- Kleine, schmerzhafte Bläschen (Aphthen) im Mund
- Geschwollene Lymphknoten am Hals
- Manchmal Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder allgemeines Krankheitsgefühl
- Die Beschwerden klingen nach wenigen Tagen von selbst wieder ab
Symptome bei Kindern
- Das Fieber ist oft das erste und auffälligste Symptom
- Kinder können während des Schubs sehr schlapp sein, wenig trinken und fasten
- Zwischen den Schüben sind sie aktiv, fröhlich und entwickeln sich normal
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Abstände zwischen den Schüben sind oft unregelmäßiger
- Aphthen und Halsschmerzen können auch einzeln oder schwächer auftreten
- Die Diagnose wird bei Erwachsenen häufig erst spät gestellt, weil andere Ursachen wie Infekte oder Mandelentzündungen vordergründig sind
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist noch nicht vollständig geklärt
- Ärzte vermuten eine Fehlregulation des angeborenen Immunsystems: Entzündungsbotenstoffe werden in Schüben überschießend ausgeschüttet
- Erreger sind nicht beteiligt – die Schübe sind also nicht ansteckend
Risikofaktoren
- Kindesalter zwischen 2 und 5 Jahren
- Männliches Geschlecht (Jungen sind etwas häufiger betroffen)
- Mögliche familiäre Häufung: PFAPA tritt gelegentlich gehäuft in manchen Familien auf
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Fieber über 39,5 °C, das trotz fiebersenkender Maßnahmen nicht sinkt
- Bei Anzeichen einer schweren Infektion wie steifem Nacken oder Krampfanfall
- Bei Atem- oder Schluckbeschwerden
- Bei deutlichen Zeichen von Austrocknung
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn das Fieber in regelmäßigen Abständen immer wieder auftritt
- Wenn Sie den Eindruck haben, dass Antibiotika nicht helfen oder keine Besserung bringen
- Wenn Ihr Kind zwischen den Schüben nicht vollständig gesund erscheint
Diagnose
Die Diagnose wird hauptsächlich anhand der typischen Krankengeschichte gestellt. Es gibt keinen einzelnen Labortest, der ein PFAPA-Syndrom beweist. Der Arzt wird andere Ursachen wie bakterielle Infektionen, rheumatische Erkrankungen oder seltene angeborene Fiebersyndrome ausschließen.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung mit Entzündungswerten (z. B. CRP oder BSG) – sie sind während eines Schubs erhöht, zwischen den Schüben normal
- Rachenabstrich, um eine bakterielle Infektion (etwa durch Streptokokken) auszuschließen
- Urinuntersuchung zum Ausschluss eines Harnwegsinfekts
- Bei unklaren Fällen: Überweisung an ein Zentrum für seltene Erkrankungen oder eine genetische Abklärung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt wird Sie bitten, ein Fieber- und Symptomtagebuch zu führen. Notieren Sie den Beginn des Schubs, die höchste Temperatur, Begleitsymptome und die Dauer. Dieses Tagebuch hilft, das Muster zu erkennen und die Diagnose zu sichern.
Behandlung
Es gibt keine Heilung im klassischen Sinne, aber die Schübe lassen sich meist gut abkürzen und abmildern. Ziel ist es, Beschwerden zu lindern und unnötige Antibiotikagaben zu vermeiden. Bei den meisten Menschen hören die Schübe irgendwann von selbst auf.
Selbsthilfe zu Hause
- Ausreichend trinken – am besten Wasser, ungesüßten Tee oder Brühe
- Wadenwickel oder kühlende Tücher können bei Fieber wohltuend sein (nur wenn die betroffene Person es als angenehm empfindet)
- Bei Aphthen: weiche, lauwarme, nicht säurehaltige Speisen verwenden
- Ruhe und Schlaf in der akuten Phase
Medizinische Behandlungen
Der Arzt kann bei einem akuten Schub ein entzündungshemmendes Arzneimittel verschreiben, das die überschießende Immunreaktion schnell bremst. Diese Medikamente sind nur für den einzelnen Schub gedacht und keinesfalls dauerhaft einzusetzen. In manchen Fällen wird eine vorbeugende Therapie erwogen – dies sollte immer in einer spezialisierten Klinik oder Praxis für Kinder- und Jugendmedizin entschieden werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Schübe sehr häufig und stark belastend sind, kann in Einzelfällen die Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie) erwogen werden. Sie kann die Schübe zum Verschwinden bringen, ist aber nicht bei jedem Kind wirksam und sollte gründlich mit einem HNO-Arzt besprochen werden.
Leben mit der Erkrankung
Zwischen den Schüben ist ein völlig normaler Alltag möglich. Viele Eltern dokumentieren die Schübe in einem Kalender, um ein Muster zu erkennen. Informieren Sie Kita oder Schule, dass PFAPA nicht ansteckend ist und Ihr Kind zwischen den Schüben voll belastbar ist.
Tipps für den Alltag
- Ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung
- Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten
- Stress im Alltag möglichst reduzieren – das unterstützt das Immunsystem
- Gute Hygiene wie regelmäßiges Händewaschen – auch wenn die Schübe nicht ansteckend sind
Ernährung und Bewegung
Eine Ernährung mit viel frischem Gemüse, Obst und vollwertigen Getreideprodukten unterstützt die Abwehrkräfte. Zwischen den Schüben sind Sport und Spiel ausdrücklich erlaubt und fördern das Wohlbefinden. Während eines Schubs ist Bettruhe und ausreichend Flüssigkeit am wichtigsten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die unvorhersehbaren Fieberschübe können bei Kindern und Eltern Angst, Unsicherheit und Erschöpfung auslösen. Das ist verständlich. Es hilft, sich gut zu informieren und sich mit anderen betroffenen Familien auszutauschen. Wenn die seelische Belastung zu stark wird, wenden Sie sich an Ihre Hausärztin oder Ihren Kinderarzt. In einer akuten Krise – etwa mit Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid – rufen Sie bitte sofort den Notruf 112 oder suchen Sie die nächste psychiatrische Notaufnahme auf.
Vorbeugung
Die Schübe selbst lassen sich nicht zuverlässig verhindern, da die Neigung angeboren ist. Eine frühe Diagnose verhindert unnötige Behandlungen und gibt Sicherheit im Alltag.
Impfungen
Alle empfohlenen Impfungen sollten auch bei PFAPA wie geplant durchgeführt werden. Es gibt keinen Hinweis, dass Impfungen die Schübe auslösen oder verstärken. Impfungen schützen vor zusätzlichen schweren Infektionen.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Früherkennungsprogramm. Ein Fieberkalender ist die beste Möglichkeit, periodisches Fieber zu erkennen und ärztlich abklären zu lassen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Meist keine dauerhaften Folgen – die Schübe klingen auch ohne Behandlung von selbst ab
- Unbehandelt führen die Schübe oft zu Schul- oder Kitafehltagen und Einschränkungen der Lebensqualität
- In seltenen Fällen kann eine Austrocknung entstehen, wenn während des Fiebers zu wenig getrunken wird
Langzeitprognose
Die Prognose ist sehr gut. Bei etwa 90 % der betroffenen Kinder verschwinden die Schübe bis zum zehnten Lebensjahr von selbst, oft auch früher. Auch wenn die Schübe länger bestehen, sind keine dauerhaften Organschäden zu erwarten. Eine normale körperliche und seelische Entwicklung ist für Kinder mit PFAPA selbstverständlich.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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