Wenn die Allergie im Liegen schlimmer wird
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das Immunsystem schützt den Körper normalerweise vor Krankheitserregern. Bei einer Allergie reagiert es jedoch zu stark auf harmlose Stoffe – zum Beispiel auf Hausstaubmilben, die sich in Matratzen, Kissen und Bettdecken aufhalten. Meistens bemerken Sie die Beschwerden daher genau dann, wenn Sie sich hinlegen oder morgens nach dem Aufstehen: Die Nase läuft oder ist zu, Sie niesen, und die Augen jucken.
Wichtige Fakten
- Allergien sind eine Überreaktion des Immunsystems auf eigentlich ungefährliche Stoffe.
- Typische Auslöser im Schlafzimmer sind Kotbestandteile von Hausstaubmilben.
- Durch einfache Maßnahmen wie häufiges Bettwäschewaschen lassen sich die Beschwerden oft deutlich lindern.
Ja. Allergien gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland. Etwa jeder dritte Erwachsene ist im Laufe des Lebens von einer allergischen Reaktion betroffen – und viele berichten, dass die Beschwerden nachts oder beim Liegen zunehmen.
Allergien können in jedem Alter auftreten. Häufig beginnen sie in der Kindheit oder im jungen Erwachsenenalter. Manche Menschen entwickeln auch erst in mittleren Jahren eine Allergie, zum Beispiel wenn sie in eine neue Wohnung ziehen oder ein Haustier anschaffen.
Symptome
- Starke Atemnot, die im Liegen zunimmt
- Pfeifende oder hörbare Atmung, obwohl keine Asthmamedizin eingenommen wurde
- Schwellung von Lippen, Zunge oder Hals
- Hautausschlag mit Atemnot oder Kreislaufproblemen
- ⚠Anhaltende Beschwerden, die mehrere Tage nicht besser werden
- ⚠Fieber oder gelber Nasenausfluss
- ⚠Zunehmende Schlafstörungen mit starker Tagesmüdigkeit
- ⚠Asthma-Symptome, die sich trotz üblicher Behandlung verschlimmern
Häufige Symptome
- Niesen, besonders morgens nach dem Aufstehen
- Laufende oder verstopfte Nase
- Juckende, gerötete oder tränende Augen
- Trockener Husten oder Kratzen im Hals
- Mundatmung oder Schnarchen in der Nacht
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit am Tag
Symptome bei Kindern
- Ständiges Schniefen oder Naselaufen
- Atmen über den Mund, dadurch offener Mund im Schlaf
- Ungesunder Schlaf und Tagesmüdigkeit
- Wiederkehrende Ohrinfektionen oder Bauchschmerzen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verstopfte Nase, die nicht als Allergie erkannt wird
- Trockener Husten oder Heiserkeit, besonders nachts
- Zunehmende Atembeschwerden bei bestehendem Asthma
- Schlafstörungen und Kopfschmerzen am Morgen
Ursachen
Hauptursachen
- Überreaktion des Immunsystems auf harmlose Substanzen wie Hausstaubmilben, Pollen oder Tierhaare
- Beim Liegen gelangen mehr Allergene aus Kissen, Matratze und Bettdecke direkt in die Atemwege
- Im Liegen verändern sich Blutdruck und Durchblutung der Nasenschleimhaut, dadurch wird die Nase oft zusätzlich verstopft
Risikofaktoren
- Allergien bei Eltern, Geschwistern oder eigenen Kindern
- Hohe Luftfeuchtigkeit oder Schimmel in der Wohnung
- Rauchen in der Umgebung, bereits im Mutterleib oder in der Kindheit
- Bestehendes Asthma oder Neurodermitis (Ekzem)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie starke Atemnot haben oder das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen, rufen Sie sofort die 112.
- Wenn eine bestehende Asthmaerkrankung sich deutlich verschlechtert und die Medikamente nicht mehr wirken, suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie mehr als zwei Nächte pro Woche schlecht schlafen wegen verstopfter Nase oder Husten
- Wenn die Beschwerden Sie bei der Arbeit, in der Schule oder im Alltag beeinträchtigen
- Wenn Sie den Verdacht haben, dass eine Allergie hinter Ihren Beschwerden steckt, und eine Diagnose wünschen
Diagnose
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird zuerst ausführlich nach Ihren Beschwerden fragen – zum Beispiel, ob sie im Liegen oder morgens schlimmer sind. Anschließend kann ein Allergietest Klarheit bringen. Die Ärztin oder der Arzt orientiert sich dabei an den aktuellen Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Mögliche Untersuchungen
- Hauttest (Prick-Test): Der Arzt trägt eine kleine Menge des Allergens auf die Haut auf und sticht sie leicht ein. Rötung oder Quaddel zeigen eine Allergie an.
- Bluttest: Misst spezifische Antikörper (IgE) gegen bestimmte Allergene im Blut.
- Symptomtagebuch: Manchmal bittet der Arzt Sie, über einige Wochen zu dokumentieren, wann die Beschwerden auftreten.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Wenn die Diagnose feststeht, erklärt der Arzt oder die Ärztin die Ergebnisse in verständlichen Worten. Sie erhalten praktische Hinweise, wie Sie die Allergene in Ihrer Umgebung verringern können. Gegebenenfalls überweist der Arzt Sie an eine Fachärztin für Allergologie.
Behandlung
Die Behandlung beginnt meist mit dem Vermeiden der Allergieauslöser. Dazu gehören einfache Maßnahmen im Schlafzimmer, die jeder selbst umsetzen kann. Reichen diese nicht aus, gibt es Medikamente, die die allergische Reaktion abschwächen. Für eine langfristige Besserung kommt eine Immuntherapie infrage – auch Desensibilisierung genannt.
Selbsthilfe zu Hause
- Bettwäsche mindestens einmal pro Woche bei 60 Grad Celsius waschen
- Spezielle Allergen-Schutzbezüge für Matratze, Kissen und Bettdecke verwenden
- Schlafzimmer kühl und trocken halten (unter 20 Grad, Luftfeuchtigkeit unter 50 %)
- Teppiche entfernen oder regelmäßig mit Staubsauger mit Feinstaubfilter reinigen
- Haustiere nicht ins Schlafzimmer lassen
- Abends duschen und Haare waschen, um Pollen und Staub aus dem Bett zu halten
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt kann Medikamente verschreiben, die die allergische Reaktion unterdrücken – zum Beispiel Tabletten oder Nasensprays. Diese lindern die Beschwerden häufig schnell. Für eine längerfristige Behandlung bietet sich die Immuntherapie an: Dabei wird das Immunsystem über Monate hinweg langsam an den Auslöser gewöhnt, sodass die Beschwerden nachlassen. Ihr Arzt bespricht mit Ihnen, welche Behandlungsoption am besten zu Ihrer Situation passt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Allergien selbst nicht erforderlich. Nur wenn zusätzliche Probleme wie ausgeprägte Nasenpolypen oder eine starke Nasenscheidewandverkrümmung das Atmen behindern, kann ein chirurgischer Eingriff nach fachärztlicher Empfehlung sinnvoll sein.
Leben mit der Erkrankung
Stellen Sie Ihr Schlafzimmer so allergenarm wie möglich ein. Halten Sie die Fenster nicht dauerhaft offen, sondern lüften Sie mehrmals kurz und kräftig. Waschen Sie Ihre Bettwäsche regelmäßig, und duschen Sie abends, um Pollen und Milben aus den Haaren zu entfernen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Schlafenszeiten und ein ruhiger Schlafplatz helfen Ihrem Körper, zur Ruhe zu kommen
- Waschen Sie Kissenbezüge und Bettwäsche häufiger, wenn Sie nachts schwitzen
- Lassen Sie im Haus niemanden rauchen
- Verwenden Sie im Schlafzimmer keine Duftkerzen oder stark riechenden Reinigungsmittel
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle Diät kann Allergien nicht heilen. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und gesunden Fetten unterstützt jedoch Ihr Immunsystem. Bewegung an der frischen Luft kann Stress abbauen und das Wohlbefinden steigern – meiden Sie jedoch bei starkem Pollenflug längere Aufenthalte im Freien am frühen Morgen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Schlafmangel durch wiederholte nächtliche Beschwerden kann müde machen und die Stimmung drücken. Oft hilft es, über die Belastung zu sprechen. Auch Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung oder ruhiges Atmen können helfen, zur Ruhe zu kommen und besser zu schlafen.
Vorbeugung
Eine Allergie lässt sich nicht immer verhindern, weil die Neigung dazu teilweise vererbt wird. Sie können aber sehr viel tun, um die Beschwerden zu verringern und stärkere Reaktionen zu vermeiden – vor allem, indem Sie die Allergene in Ihrer Wohnung reduzieren.
Impfungen
Gegen Allergien selbst gibt es keine Impfung. Es kann aber sinnvoll sein, sich gegen Infektionskrankheiten wie Grippe oder COVID-19 impfen zu lassen, denn Infekte können allergische Beschwerden verschlimmern. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine allgemeine Untersuchung, die jeder bei einer bestehenden Allergie regelmäßig braucht. Ein Allergietest ist für Menschen gedacht, die konkrete Beschwerden haben und die Auslöser herausfinden möchten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen oder Nasenpolypen
- Schlafstörungen mit Tagesmüdigkeit und Konzentrationsproblemen
- Verschlechterung von Asthma, in manchen Fällen häufige Atemnot
- Bei Kindern erhöhtes Risiko für Mittelohrentzündungen und längere Krankheitsverläufe
Langzeitprognose
Mit einer guten Behandlung und einigen Anpassungen im Alltag lassen sich die Beschwerden bei den meisten Menschen sehr gut kontrollieren. Die Allergie verschwindet vielleicht nicht vollständig, aber sie verliert ihren Schrecken. Viele Betroffene können mit einfachen Maßnahmen wieder ruhig durchschlafen und sind tagsüber deutlich leistungsfähiger.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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