Chronische Nierenerkrankung – wenn die Nieren auf Dauer weniger leisten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine chronische Nierenerkrankung bedeutet, dass die Nieren über Monate oder Jahre hinweg immer schlechter arbeiten. Die Nieren filtern normalerweise Abfallstoffe aus dem Blut und scheiden sie mit dem Urin aus. Wenn sie dauerhaft geschädigt sind, können sich diese Stoffe im Körper ansammeln und zu weiteren Problemen führen. Die Erkrankung verläuft oft schleichend und bleibt lange unbemerkt.
Wichtige Fakten
- Eine chronische Nierenerkrankung entwickelt sich über einen längeren Zeitraum (Monate bis Jahre).
- Häufigste Ursachen sind Diabetes und Bluthochdruck.
- Im Frühstadium verursacht sie oft keine Beschwerden – deshalb sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wichtig.
- Die Erkrankung ist nicht heilbar, aber mit guter Behandlung oft gut zu kontrollieren.
- Ohne Behandlung kann sie bis zur Nierenversagen führen, das eine Dialyse (künstliche Blutwäsche) oder eine Nierentransplantation nötig macht.
Ja, chronische Nierenerkrankungen sind häufig. In Deutschland sind etwa 9–10 % der Erwachsenen betroffen, also rund 8 Millionen Menschen. Besonders im Alter nimmt die Häufigkeit zu.
Die Erkrankung kann jeden treffen, häufiger aber Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einer familiären Vorbelastung. Auch mit zunehmendem Alter steigt das Risiko.
Symptome
- Plötzlich gar kein Urin mehr (Anurie) oder sehr wenig Urin
- Starke Atemnot oder Brustschmerzen
- Krampfanfälle (durch Nierenversagen ausgelöst)
- Bewusstlosigkeit oder Verwirrtheit
- ⚠Blut im Urin, das nicht nachlässt
- ⚠Starke Schmerzen in der Nierengegend (Flankenschmerz)
- ⚠Hohes Fieber mit Schüttelfrost
- ⚠Schnelle Gewichtszunahme aufgrund von Wassereinlagerungen (Ödemen)
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Hautjucken (durch angesammelte Abfallstoffe)
- Geschwollene Beine oder Knöchel (Ödeme – Flüssigkeitsansammlungen)
- Häufigerer Harndrang, vor allem nachts
- Schaumiger oder blutiger Urin
- Appetitlosigkeit und Übelkeit
- Konzentrationsstörungen
Symptome bei Kindern
- Wachstumsstörungen und Gedeihstörungen (Kind nimmt nicht gut zu)
- Müdigkeit und Trinkschwäche bei Babys
- Häufiges Erbrechen oder Durchfall
- Blasse Haut und dunkle Ringe um die Augen
- Verzögerte Entwicklung
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit
- Appetitverlust und ungewollter Gewichtsverlust
- Muskelschwäche und häufiges Hinfallen
- Verstärkter Juckreiz und trockene Haut
- Schlafstörungen
Ursachen
Hauptursachen
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) – hoher Blutzucker schädigt die Nierenfilter im Laufe der Zeit
- Bluthochdruck – dauerhaft erhöhter Druck auf die Blutgefäße der Nieren
- Entzündungen der Niere (Glomerulonephritis – eine Nierenentzündung)
- Erbliche Nierenerkrankungen wie die polyzystische Nierenerkrankung (viele Zysten in den Nieren)
- Langjähriger übermäßiger Gebrauch von schmerzstillenden Medikamenten (z. B. Ibuprofen oder Diclofenac)
Risikofaktoren
- Alter über 60 Jahre
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Rauchen
- Familiäre Vorbelastung (Nierenerkrankungen in der Familie)
- Wiederholte Nierenentzündungen oder Harnwegsinfekte
- Hoher Cholesterinspiegel
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sie bemerken plötzlich Blut im Urin oder haben Schwierigkeiten beim Wasserlassen.
- Sie haben starke Schmerzen im unteren Rückenbereich (Nierengegend) mit Fieber.
- Ihre Füße oder Knöchel schwellen stark an, und Sie haben Atemnot.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie fühlen sich langanhaltend müde oder haben wenig Appetit.
- Sie bemerken häufigeren Harndrang, besonders nachts.
- Sie haben Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck – lassen Sie einmal jährlich Ihre Nierenwerte überprüfen.
Diagnose
Die Diagnose einer chronischen Nierenerkrankung erfolgt meist durch Blut- und Urinuntersuchungen. Der Arzt erhebt außerdem Ihre Krankengeschichte und tastet die Nierengegend ab. Eine frühzeitige Erkennung ist wichtig, um das Fortschreiten zu verlangsamen.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung: Bestimmung von Kreatinin und daraus die Berechnung der glomerulären Filtrationsrate (eGFR), die angibt, wie gut die Nieren filtern.
- Urinuntersuchung: Nachweis von Eiweiß, Blut oder anderen Substanzen im Urin (Albumin-Kreatinin-Quotient).
- Blutdruckmessung: Erhöhter Blutdruck schädigt die Nieren weiter.
- Ultraschall (Sonografie) der Nieren: Zeigt Größe, Form und mögliche Veränderungen wie Zysten oder Verkalkungen.
- ggf. Nierenbiopsie: Entnahme einer Gewebeprobe, um die genaue Ursache zu klären – wird nur bei unklaren Fällen durchgeführt.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern insgesamt etwa 30–60 Minuten. Blut- und Urinproben werden in der Praxis entnommen. Falls ein Ultraschall gemacht wird, müssen Sie vorher viel trinken (volle Harnblase). Die Ergebnisse liegen meist nach einigen Tagen vor. Ihr Arzt bespricht die Werte mit Ihnen und leitet gegebenenfalls eine Behandlung ein.
Behandlung
Die Behandlung einer chronischen Nierenerkrankung zielt darauf ab, das Fortschreiten zu verlangsamen, Beschwerden zu lindern und Komplikationen zu vermeiden. Sie umfasst eine Kombination aus Lebensstiländerungen, Medikamenten und engmaschiger Überwachung. Die Grundkrankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck müssen optimal eingestellt sein.
Selbsthilfe zu Hause
- Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, aber nicht zu viel – Ihr Arzt sagt Ihnen, wie viel Sie trinken sollten.
- Vermeiden Sie zu viel Salz in der Nahrung (weniger als 5–6 g pro Tag).
- Bewegen Sie sich regelmäßig (z. B. 30 Minuten Spazierengehen täglich).
- Rauchen Sie nicht – Rauchen schädigt die Blutgefäße der Nieren zusätzlich.
- Nehmen Sie frei verkäufliche Schmerzmittel nur nach Absprache mit Ihrem Arzt, da einige die Nieren belasten.
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Behandlung umfasst blutdrucksenkende Mittel (vor allem ACE-Hemmer oder AT1-Blocker), die auch die Nieren schützen, sowie Medikamente zur Kontrolle von Diabetes, Cholesterin und Wasseransammlungen (Entwässerungstabletten). Je nach Stadium werden auch sogenannte Erythropoetin-Präparate gegen Blutarmut eingesetzt. Die Dosierung muss individuell angepasst werden – Ihr Arzt verschreibt Ihnen die passenden Medikamente.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Nierenerkrankung in ein Endstadium (Nierenversagen) übergeht, ist eine Nierentransplantation die beste Behandlungsoption. Dazu muss ein passendes Spendernieren-Organ (von einem Lebend- oder Verstorbenenspender) gefunden werden. Vor der Transplantation ist meist eine Dialyse (Blutwäsche) nötig. Die Operation wird in spezialisierten Zentren durchgeführt und erfordert eine lebenslange Einnahme von Medikamenten, die eine Abstoßung verhindern.
Leben mit der Erkrankung
Eine chronische Nierenerkrankung erfordert eine sorgfältige Selbstkontrolle. Sie sollten regelmäßig Ihren Blutdruck messen, Ihre Flüssigkeitszufuhr im Auge behalten und auf Veränderungen Ihres Körpers achten. Die Erkrankung ist zwar nicht heilbar, aber viele Menschen führen damit ein aktives und erfülltes Leben.
Tipps für den Alltag
- Halten Sie Ihre Blutdruckwerte im Zielbereich (meist unter 130/80 mmHg, je nach Arztvorgabe).
- Wenn Sie Diabetes haben, kontrollieren Sie Ihren Blutzucker regelmäßig.
- Vermeiden Sie übermäßigen Alkoholkonsum (maximal 1 Glas Wein oder Bier pro Tag).
- Schlafen Sie ausreichend und bauen Sie Stress ab (z. B. durch Entspannungsübungen).
Ernährung und Bewegung
Eine nierenfreundliche Ernährung ist wichtig: wenig Salz, wenig tierisches Eiweiß, und bei fortgeschrittener Erkrankung auch weniger Kalium (z. B. in Bananen, Tomaten, Kartoffeln mit Schale) und Phosphat (in Cola, Schmelzkäse, Wurst). Lassen Sie sich von einer Ernährungsberatung (z. B. durch Ihren Arzt oder eine Nierensprechstunde) einen individuellen Ernährungsplan erstellen. Bewegung – wie Schwimmen, Radfahren oder Spazierengehen – hilft, den Blutdruck zu senken und das Herz zu stärken.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer chronischen Nierenerkrankung kann Angst machen und belastend sein. Viele Betroffene fühlen sich müde, niedergeschlagen oder haben Sorgen um die Zukunft. Es ist völlig normal, solche Gefühle zu haben. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder suchen Sie Unterstützung bei einem Psychologen oder einer Selbsthilfegruppe. Auch Ihre Familie und Freunde können eine wichtige Stütze sein.
Vorbeugung
Nicht alle Formen einer chronischen Nierenerkrankung sind vermeidbar, aber Sie können das Risiko deutlich senken: durch eine gesunde Lebensweise, Kontrolle von Bluthochdruck und Diabetes, sowie Verzicht auf Rauchen und exzessiven Alkoholkonsum. Lassen Sie regelmäßig Ihren Blutdruck und Ihre Nierenwerte checken (mindestens einmal jährlich ab 40 Jahren).
Impfungen
Eine Grippeimpfung (Influenza) und eine Impfung gegen Pneumokokken (Bakterien, die Lungenentzündung verursachen) werden für Menschen mit Nierenerkrankung empfohlen, da sie anfälliger für Infektionen sind. Bei fortgeschrittener Erkrankung auch eine Impfung gegen Hepatitis B – sprechen Sie mit Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Ein Nierenscreening (Blut- und Urintest) ist in den meisten gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen enthalten, z. B. im „Check-up 35“ (alle 3 Jahre ab 35 Jahren). Auch bei Vorerkrankungen wie Diabetes wird regelmäßig gescreent. Nutzen Sie diese Angebote!
Komplikationen
Unbehandelt
- Nierenversagen (vollständiges Versagen der Nierenfunktion), das eine Dialyse oder Transplantation notwendig macht
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen (höheres Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall)
- Blutarmut (Anämie) durch Mangel an Erythropoetin
- Knochenerkrankungen (weiche Knochen durch gestörten Calciumsstoffwechsel)
- Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge (Lungenödem) mit Atemnot
- Erhöhte Infektanfälligkeit
Langzeitprognose
Eine chronische Nierenerkrankung ist ernst zu nehmen, aber mit rechtzeitiger Behandlung und guter Selbstkontrolle kann das Fortschreiten oft verlangsamt werden. Viele Menschen leben jahrzehntelang mit einer leichten bis mittleren Nierenschwäche, ohne dass die Lebensqualität stark eingeschränkt ist. Im Endstadium sind Dialyse und Transplantation heutzutage sehr erfolgreiche Behandlungen. Es gibt Hoffnung – lassen Sie sich von Ihrem Nierenspezialisten (Nephrologen) beraten.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Bundesverband Niere e.V. ↗ · Deutschland
- Deutsche Nierenstiftung ↗ · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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