Testosteronmangel beim Mann: Ursachen, Symptome und Behandlung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Testosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon. Es wird hauptsächlich in den Hoden gebildet und steuert viele Vorgänge im Körper. Bei einem Testosteronmangel – in der Fachsprache Hypogonadismus genannt – produziert der Körper zu wenig davon. Das kann körperliche und seelische Beschwerden machen. Ein Mangel ist gut behandelbar.
Wichtige Fakten
- Testosteron beeinflusst Muskeln, Knochen, Antrieb und Sexualität.
- Die Diagnose stellt der Arzt – nur eine Blutmessung allein reicht nicht.
- Eine Behandlung kann Symptome lindern, braucht aber ärztliche Kontrolle.
Ein gelegentlich niedriger Testosteronspiegel ist nicht selten, besonders bei Männern ab 50 Jahren. Ein echter behandlungsbedürftiger Mangel ist aber deutlich seltener: Man nimmt an, dass etwa 2 bis 5 von 100 Männern betroffen sind.
Betroffen sein können Männer in jedem Alter. Besonders häufig tritt ein Testosteronmangel bei älteren Männern, bei starkem Übergewicht oder bei chronischen Erkrankungen auf. Auch jüngere Männer und heranwachsende Jungen können betroffen sein, zum Beispiel bei angeborenen oder erworbenen Hoden- oder Hypophysenerkrankungen.
Symptome
- Plötzliche starke Schmerzen in Hoden oder Bauch
- Plötzliche Sehstörungen oder starke Kopfschmerzen
- Schwindel, Ohnmacht oder Verwirrtheit
- Bei diesen Beschwerden: Notruf 112 wählen!
- ⚠Anhaltende depressive Verstimmung mit Gedanken an Selbstverletzung
- ⚠Starke Erektionsstörung nach einer Hodenverletzung
- ⚠Neu aufgetretene Müdigkeit mit Gewichtsverlust
Häufige Symptome
- Verminderte Lust auf Sex
- Erektionsstörungen
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Verlust von Muskelkraft
- Zunahme von Bauchfett
- Depressive Verstimmung oder Gereiztheit
- Schlafstörungen
Symptome bei Kindern
- Verzögerte oder ausbleibende Pubertät
- Mangelndes Wachstum der Hoden und des Penis
- Kein Stimmbruch
- Wenig Körper- und Schambehaarung
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Deutlich verminderte sexuelle Aktivität
- Schwaches Bindegewebe, Knochenschwund
- Kraft- und Energiemangel
- Verstärkte Reizbarkeit oder depressive Verstimmung
Ursachen
Hauptursachen
- Erkrankungen der Hoden, z.B. durch Entzündungen, Verletzungen oder Tumoren
- Erkrankungen der Hirnanhangdrüse (Hypophyse), die die Hoden nicht mehr richtig zur Hormonbildung anregt
- Bestrahlungen oder Chemotherapien bei Krebserkrankungen
- Angeborene Störungen der Geschlechtsentwicklung
- Starker Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch
Risikofaktoren
- Alter über 50 Jahre
- Übergewicht (Body-Mass-Index über 30)
- Diabetes mellitus Typ 2
- Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen
- Chronischer Stress
- Schwerer Schlafmangel
- Einnahme bestimmter Medikamente (z.B. Opioide, Glukokortikoide)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Hodenschmerzen oder Schwellungen, die plötzlich auftreten
- Plötzliche Sehstörungen oder neurologische Ausfälle
- Gedanken daran, sich selbst zu verletzen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Anhaltende Antriebslosigkeit oder depressive Verstimmung über mehrere Wochen
- Verminderter Sexuallust oder Erektionsprobleme
- Zunahme des Bauchumfangs bei gleichzeitiger Abnahme von Muskelmasse
Diagnose
Der Arzt befragt Sie zu den Beschwerden, tastet die Hoden ab und lässt den Testosteronspiegel im Blut messen. Die Blutentnahme sollte morgens erfolgen, da der Wert dort am höchsten ist. Bei einem auffälligen Wert wird die Messung wiederholt – erst dann wird die Diagnose gesichert.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung: Gesamttestosteron, LH, FSH, ggf. Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG)
- Körperliche Untersuchung (Hoden, Behaarung, Brustdrüse)
- Messung der Knochendichte (DEXA) bei Osteoporose-Verdacht
- Magnetresonanztomographie (MRT) der Hirnanhangdrüse bei bestimmten Befunden
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Nach der Blutentnahme dauert es meist ein paar Tage, bis die Ergebnisse vorliegen. Der Arzt bespricht die Werte mit Ihnen und prüft, ob eine Behandlung nötig ist. Sie können Fragen vorbereiten und sich bei Bedarf eine zweite Meinung einholen.
Behandlung
Die Behandlung – auch Testosteron-Ersatztherapie genannt – gleicht den Hormonmangel aus. Sie ist nicht für jeden Mann mit niedrigen Werten geeignet. Nur wenn Beschwerden bestehen und eine echte Störung vorliegt, ist eine Therapie sinnvoll. Die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt.
Selbsthilfe zu Hause
- Krafttraining 2–3 Mal pro Woche
- Ausreichend Schlaf – mindestens 7 Stunden pro Nacht
- Stressmanagement durch Yoga, Meditation oder Spaziergänge
- Bei Übergewicht: Gewichtsabnahme anstreben
- Alkohol in Maßen – oder für eine Weile ganz weglassen
Medizinische Behandlungen
Die Wirkstoffe gleichen das fehlende Hormon aus und sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich: als Injektionen, Gele, Pflaster oder Tabletten. Die Wahl der Form hängt von persönlichen Vorlieben, der Verträglichkeit und der ärztlichen Empfehlung ab. Wichtig: Die Therapie muss streng ärztlich überwacht werden, da eine Überdosierung Nebenwirkungen wie Flüssigkeitseinlagerungen, Akne oder ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel verursachen kann. Besprechen Sie jede Behandlung vorher mit Ihrem Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt nur in besonderen Fällen infrage, zum Beispiel bei einem Tumor in der Hirnanhangdrüse, der die Hormonbildung stört, oder bei Hodenhochstand, der schon in der Kindheit behandelt werden sollte.
Leben mit der Erkrankung
Wenn Sie eine Testosteron-Ersatztherapie anwenden, ist ein regelmäßiger Tagesablauf mit festen Zeiten für Essen, Bewegung und Schlaf hilfreich. Gehen Sie zu den Kontrollterminen und lassen Sie regelmäßig Blutwerte bestimmen. Notieren Sie Veränderungen, um sie beim Arzt zu besprechen.
Tipps für den Alltag
- Täglich 10.000 Schritte (zügiges Gehen) oder 30 Minuten moderate Bewegung
- Krafttraining zur Steigerung der Muskelmasse
- Entspannungsübungen gegen Stress
- Soziale Kontakte pflegen
Ernährung und Bewegung
Achten Sie auf ausreichend Eiweiß (z.B. Hülsenfrüchte, Milchprodukte, mageres Fleisch) und gesunde Fette (z.B. Nüsse, Avocado). Zink und Vitamin D können die Hodenfunktion unterstützen – am besten über die Nahrung oder nach ärztlicher Rücksprache. Sport ist der beste natürliche Booster für die Hormonproduktion.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Testosteronmangel kann das Selbstwertgefühl und die Stimmung stark beeinflussen. Viele Männer sprechen nicht gern darüber – das ist verständlich. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt. Eine wirksame Behandlung lindert oft auch die seelischen Beschwerden. Sollten Sie Gedanken an Selbstverletzung haben, holen Sie sich sofort Hilfe – zum Beispiel beim Hausarzt, im Krankenhaus oder bei der kostenlosen Telefonseelsorge.
Vorbeugung
Ein Testosteronmangel ist nicht immer vermeidbar, gerade wenn er angeboren ist oder durch schwere Erkrankungen ausgelöst wird. Ein gesunder Lebensstil mit normalem Gewicht, Bewegung und ausreichend Schlaf unterstützt die Hormonproduktion und kann einem altersbedingten Abfall entgegenwirken.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine gesetzliche Screening-Untersuchung für Testosteronmangel. Wenn Sie typische Beschwerden bemerken, sprechen Sie Ihren Hausarzt darauf an – die Blutmessung wird bei entsprechender Begründung von der Krankenkasse übernommen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Zunahme von Osteoporose (Knochenschwund) mit erhöhtem Bruchrisiko
- Verlust von Muskelmasse und zunehmende Gebrechlichkeit
- Anhaltende depressive Verstimmung und verminderte Lebensqualität
- Erhöhtes Risiko für Stoffwechselstörungen wie Diabetes
Langzeitprognose
Mit der passenden Behandlung ist die Prognose gut. Viele Männer spüren nach einigen Wochen bis Monaten eine deutliche Verbesserung von Energie, Libido und Stimmung. Eine langfristige ärztliche Betreuung hilft, mögliche Nebenwirkungen früh zu erkennen und die Therapie optimal anzupassen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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