Anhaltende männliche Unfruchtbarkeit – wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Von männlicher Unfruchtbarkeit spricht man, wenn ein Paar seit mehr als einem Jahr regelmäßig Geschlechtsverkehr hat, ohne Verhütung, und die Frau trotzdem nicht schwanger wird – und die Ursache (auch) beim Mann liegt. Lang andauernd bedeutet, dass dieser Zustand über einen langen Zeitraum besteht. Sie ist nicht dasselbe wie Impotenz: Viele Männer mit Unfruchtbarkeit haben ganz normal Sex. Es gibt viele Ursachen und viele Behandlungsmöglichkeiten.
Wichtige Fakten
- Bei etwa jedem zehnten Paar bleibt der Kinderwunsch länger als ein Jahr unerfüllt.
- In etwa der Hälfte der Fälle spielt die Fruchtbarkeit des Mannes eine Rolle.
- Ein einfaches Spermiogramm kann oft schon viel Klarheit bringen.
Ja. Schätzungsweise 5 bis 10 von 100 Männern im fortpflanzungsfähigen Alter sind von einer Fruchtbarkeitsstörung betroffen.
Sie betrifft vor allem Männer zwischen 20 und 45 Jahren, also im Alter, in dem die Familienplanung üblich ist. Auch Männer, die bereits Kinder haben, können später eine Unfruchtbarkeit entwickeln.
Symptome
- Rufen Sie sofort den Notruf 112 an, wenn Sie plötzlich sehr starke Schmerzen in einem Hoden oder im Unterbauch verspüren.
- Rufen Sie ebenfalls sofort 112 an, wenn ein Hoden plötzlich anschwillt oder sich verhärtet.
- Rufen Sie bei einer schweren Verletzung im Genitalbereich sofort den Notruf 112.
- ⚠Suchen Sie noch am selben Tag eine Arztpraxis auf, wenn Sie Fieber mit schmerzender oder geröteter Hodenschwellung haben.
- ⚠Gehen Sie am selben Tag zum Arzt, wenn Sie Blut im Sperma oder Urin bemerken.
- ⚠Suchen Sie bei Schmerzen beim Wasserlassen oder Ausfluss aus der Harnröhre noch am selben Tag ärztlichen Rat.
Häufige Symptome
- Meist gibt es keine körperlichen Beschwerden – das Paar bemerkt nur, dass keine Schwangerschaft eintritt.
- Verminderte Lust auf Sex oder Erektionsprobleme
- Knoten, Schwellung oder Schmerzen im Hodenbereich
- Sehr wenig oder ausbleibendes Ejakulat beim Orgasmus
- Veränderte Körperbehaarung oder Brustwachstum (Hinweis auf Hormonstörung)
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist Unfruchtbarkeit kein erkennbares Symptom. Wichtig ist, einen Hodenhochstand früh behandeln zu lassen, damit eine spätere Fruchtbarkeitsstörung möglichst vermieden wird.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Mit dem Alter nimmt die Spermienqualität leicht ab. Eine Schwangerschaft ist aber auch bei älteren Männern meist noch möglich. Unfruchtbarkeit selbst ist kein Notfall.
Ursachen
Hauptursachen
- Hormonstörungen, bei denen Gehirn oder Hoden zu wenig Botenstoffe für die Spermienbildung ausschütten
- Krampfadern am Hoden (Varikozele), die den Hoden aufheizen
- Verschluss oder Verengung der Samenwege, zum Beispiel nach einer Infektion oder Operation
- Entzündungen der Hoden oder Nebenhoden, zum Beispiel durch Mumps
- Vererbte (genetische) Veränderungen, etwa am Y-Chromosom
- Einnahme von Testosteron oder anabolen Steroiden: Dadurch wird die eigene Spermienproduktion gestoppt
- Folgen einer Krebstherapie mit Chemotherapie oder Bestrahlung
Risikofaktoren
- Rauchen und hoher Alkoholkonsum
- Übergewicht oder starkes Untergewicht
- Dauerhafter Stress und Schlafmangel
- Hohe Hitze im Hodenbereich, etwa durch enge Kleidung, Sauna oder Laptop auf dem Schoß
- Manche Medikamente (fragen Sie hierzu Ihren Arzt oder Apotheker)
- Häufiger Konsum von Anabolika oder Testosteron-Präparaten
- Alter über 45 Jahre
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie zusätzlich Schmerzen, Fieber, Blut im Urin oder im Sperma bemerken, suchen Sie noch am selben Tag eine ärztliche Praxis auf.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie und Ihre Partnerin seit über einem Jahr ungeschützten Geschlechtsverkehr haben und keine Schwangerschaft eintritt, vereinbaren Sie einen Termin beim Hausarzt oder Urologen.
- Auch wenn es wiederholt zu Fehlgeburten kommt, ist eine Untersuchung des Mannes sinnvoll.
- Sie können sich auch direkt an ein Kinderwunschzentrum oder eine urologische Praxis wenden.
Diagnose
Die Diagnose folgt in Deutschland den Empfehlungen der Fachgesellschaften (AWMF-Leitlinien). Der Arzt fragt zuerst nach Ihrer Krankengeschichte, Ihrem Lebensstil und einer möglichen Belastung im Beruf. Anschließend tastet er die Hoden und die Prostata ab. Bei einem Spermiogramm werden im Labor Spermienanzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien untersucht. Da die Werte schwanken können, wird die Untersuchung meist nach einigen Wochen wiederholt.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung der Hoden und Geschlechtsorgane
- Spermiogramm (Samen-Analyse)
- Ultraschall der Hoden und der Blutgefäße
- Blutuntersuchung auf Hormone (z.B. Testosteron und FSH)
- Bei Bedarf genetische Untersuchung (z.B. bei sehr niedriger Spermienzahl)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind nicht schmerzhaft. Für das Spermiogramm müssen Sie in der Arztpraxis eine Samenprobe abgeben. Sie erhalten dafür ein eigenes Zimmer und genaue Hinweise, zum Beispiel, dass Sie zwei bis fünf Tage lang keinen Samenerguss haben sollten. Die Ergebnisse liegen meist nach ein bis zwei Wochen vor. Danach erklärt Ihnen der Arzt die Werte und bespricht die nächsten Schritte – Sie müssen also keine Entscheidung sofort treffen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der gefundenen Ursache. Das Ziel ist, entweder die natürliche Fruchtbarkeit zu verbessern oder dem Paar mit Hilfe der Reproduktionsmedizin zu einer Schwangerschaft zu verhelfen. Es gibt verschiedene Wege – von einfachen Umstellungen im Alltag über Hormontherapie und Operation bis hin zu künstlicher Befruchtung. Auch wenn die Ursache nicht vollständig behoben werden kann, sind die Erfolgsaussichten in spezialisierten Zentren heute oft gut.
Selbsthilfe zu Hause
- Ernähren Sie sich vollwertig mit viel Gemüse, Obst, Nüssen und Vollkornprodukten.
- Beenden Sie das Rauchen und reduzieren Sie Alkohol.
- Halten Sie ein normales Körpergewicht an.
- Bauen Sie Stress ab, zum Beispiel durch Sport, Spaziergänge oder Entspannungsverfahren.
- Meiden Sie enge Hosen, heiße Bäder, Saunagänge und Laptops auf dem Schoß.
- Haben Sie regelmäßig Geschlechtsverkehr – etwa alle zwei bis drei Tage in der fruchtbaren Zeit.
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache gibt es medikamentöse Hormontherapien, um die Spermienproduktion anzuregen. Sind Krampfadern am Hoden oder verschlossene Samenwege die Ursache, kann eine Operation helfen. In der Kinderwunschmedizin kommen außerdem Methoden wie die In-vitro-Fertilisation (IVF) oder die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) zum Einsatz. Bei der ICSI wird ein einzelnes Spermium direkt in eine Eizelle gespritzt. Welche Behandlung für Sie in Frage kommt, sollten Sie in einer spezialisierten Kinderwunschpraxis besprechen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird zum Beispiel bei einer ausgeprägten Varikozele (Hodenkrampfadern) durchgeführt, wenn sie die Spermienproduktion stört. Ist ein Samenleiter verschlossen oder nach einer Sterilisation unterbrochen, kann eine mikrochirurgische Wiederherstellung versucht werden.
Leben mit der Erkrankung
Eine unerfüllte Schwangerschaft kann sehr belastend sein – für den Mann und die Partnerschaft. Es ist wichtig, sich nicht als Versager zu fühlen. Sprechen Sie offen mit Ihrer Partnerin und halten Sie den Druck gering. Sex nach Zeitplan macht oft weniger Freude und kann Stress auslösen. Versuchen Sie, auch andere gemeinsame Dinge zu genießen.
Tipps für den Alltag
- Sorgen Sie für ausreichend und regelmäßigen Schlaf.
- Bewegen Sie sich an der frischen Luft, idealerweise 30 Minuten an mehreren Tagen pro Woche.
- Reduzieren Sie Koffein auf ein normales Maß.
- Gönnen Sie sich regelmäßige Auszeiten, zum Beispiel mit Yoga oder Meditation.
- Verzichten Sie auf Rauchen und übermäßigen Alkohol.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten (z.B. Nüsse, Olivenöl) unterstützt die Spermienbildung. Wichtig sind außerdem genügend Vitamine und Mineralstoffe aus der Nahrung – Nahrungsergänzungsmittel sind meist nur bei nachgewiesenem Mangel sinnvoll. Regelmäßige Bewegung wie Radfahren oder Schwimmen hält den Körper fit. Übertreiben Sie es jedoch nicht: Sehr intensive Ausdauerbelastungen können die Stresshormone erhöhen und die Fruchtbarkeit vorübergehend verringern.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Der unerfüllte Kinderwunsch kann Gefühle von Scham, Trauer, Wut und Versagensängsten auslösen. Viele Männer leiden still. Es ist wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen und Hilfe anzunehmen. Eine psychologische Beratung kann Ihnen helfen, mit der Situation besser umzugehen – auch gemeinsam mit Ihrer Partnerin.
Vorbeugung
Nicht alle Formen sind vermeidbar, da zum Beispiel angeborene Ursachen eine Rolle spielen. Sie können aber einiges dafür tun, Ihre Fruchtbarkeit zu schützen: Gesund leben, keine Anabolika einnehmen, mit dem Rauchen aufhören und Infektionen rechtzeitig behandeln lassen.
Impfungen
Gegen Mumps gibt es eine Schutzimpfung, die in Deutschland für Kinder empfohlen wird. Eine Mumps-Infektion kann eine Hodenentzündung verursachen und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Auch die Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) wird für Männer empfohlen, da bestimmte HPV-Typen das Risiko für Genitalwarzen und Veränderungen erhöhen können.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening auf Fruchtbarkeitsstörungen bei gesunden Männern gibt es nicht. Wer eine Familie plant, sollte aber beim Gesundheitscheck auf Risikofaktoren achten und sich bei Fragen beraten lassen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Der unerfüllte Kinderwunsch kann zu anhaltender emotionaler Belastung und Konflikten in der Partnerschaft führen.
- Bei bestimmten Ursachen wie Krampfadern im Hoden kann sich die Hodenfunktion mit der Zeit weiter verschlechtern.
- Selten steckt eine ernste Erkrankung wie eine seltene Hormonstörung oder ein Tumor dahinter – ohne Abklärung bleibt diese unerkannt.
Langzeitprognose
Die Prognose ist oft besser als angenommen. Viele Paare erreichen durch eine spezielle Behandlung eine Schwangerschaft. Nach den Daten des Deutschen Kinderwunsch-Registers liegt die Erfolgsquote bei künstlicher Befruchtung inzwischen bei rund 30 Prozent pro Versuch – mit mehreren Versuchen steigt die Wahrscheinlichkeit. Auch bei sehr niedriger Spermienzahl ist mit der ICSI-Methode eine Schwangerschaft möglich. Es gibt fast immer einen Weg, den man mit einem spezialisierten Arzt gehen kann – bleiben Sie zuversichtlich, aber auch realistisch.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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