Lang anhaltende Polyneuropathie – wenn die Nerven dauerhaft gestört sind
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine lang anhaltende Polyneuropathie ist eine Erkrankung der peripheren Nerven – also der Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark. Diese Nerven leiten Signale zwischen Körper und Gehirn. Wenn sie geschädigt sind, kann es zu Taubheit, Kribbeln, Schmerzen oder Schwäche kommen, vor allem in Händen und Füßen. Die Beschwerden bestehen über Monate oder Jahre.
Wichtige Fakten
- Betrifft oft Hände und Füße, kann aber auch andere Körperteile betreffen.
- Die Symptome können langsam oder plötzlich beginnen.
- Es gibt viele mögliche Ursachen, wie Diabetes, Alkohol oder Vitaminmangel.
- Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und zielt auf Linderung der Beschwerden.
Ja, Polyneuropathie ist eine häufige Nervenerkrankung. Bei Menschen über 65 Jahren ist sie besonders verbreitet, aber sie kann in jedem Alter auftreten.
Sie kann Menschen jeden Alters betreffen, tritt aber häufiger bei älteren Erwachsenen auf. Risikogruppen sind unter anderem Menschen mit Diabetes, Nierenerkrankungen, Alkoholabhängigkeit oder bestimmten Vitaminmangelzuständen.
Symptome
- Plötzliche und starke Schwäche oder Lähmung in Armen oder Beinen
- Atemnot oder Schwierigkeiten beim Atmen
- Plötzlicher Verlust der Blasen- oder Darmkontrolle
- ⚠Neu auftretende oder sich stark verschlimmernde Schmerzen, die nicht nachlassen
- ⚠Plötzliches Taubheitsgefühl oder Kribbeln in mehreren Gliedmaßen
- ⚠Starke Gleichgewichtsstörungen, die zu Stürzen führen
- ⚠Anzeichen einer Infektion an einem Fuß (Rötung, Schwellung, Fieber)
Häufige Symptome
- Kribbeln oder Ameisenlaufen in Füßen oder Händen
- Taubheitsgefühl – als ob man Socken oder Handschuhe trägt
- Brennende oder stechende Schmerzen
- Überempfindlichkeit auf Berührung (selbst leichte Berührungen schmerzen)
- Muskelschwäche, besonders in den Beinen
- Probleme mit dem Gleichgewicht oder beim Gehen
Symptome bei Kindern
- Polyneuropathie bei Kindern ist selten, kann aber vorkommen. Symptome können sein: häufiges Stolpern, Schwierigkeiten beim Treppensteigen, Kribbeln in Händen oder Füßen oder auffällige Gangveränderungen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen sind Taubheitsgefühl und Fallneigung besonders ausgeprägt. Auch eine verminderte Wundheilung an den Füßen sowie unerkannte Verletzungen können auftreten, wenn das Schmerzempfinden gestört ist.
Ursachen
Hauptursachen
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) – die häufigste Ursache
- Alkoholkonsum oder Alkoholmissbrauch
- Vitaminmangel, vor allem Vitamin B12
- Nierenerkrankungen oder Schilddrüsenunterfunktion
- Autoimmunerkrankungen wie das Guillain-Barré-Syndrom oder bestimmte rheumatische Erkrankungen
- Medikamente, die Nerven schädigen können (z. B. manche Chemotherapie)
- Erbliche Nervenerkrankungen (selten)
Risikofaktoren
- Alter über 60 Jahre
- Langjähriger Diabetes mit schlecht eingestellten Blutzuckerwerten
- Regelmäßiger und übermäßiger Alkoholkonsum
- Nährstoffmängel, z. B. durch einseitige Ernährung
- Chronische Nieren- oder Lebererkrankungen
- Bestimmte Infektionen wie Gürtelrose oder HIV
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche Schwäche oder Lähmung
- Atemnot oder Probleme beim Schlucken
- Starke neurologische Ausfälle (z. B. Blase/Darm)
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Anhaltendes Kribbeln oder Taubheitsgefühl an Händen oder Füßen
- Schmerzen in den Gliedmaßen, die nicht verschwinden
- Häufiges Stolpern oder Unsicherheit beim Gehen
- Verdacht auf Diabetes oder anderen Grunderkrankungen
Diagnose
Die Diagnose stellt in der Regel ein Neurologe – ein Facharzt für Nervenkrankheiten. Er fragt nach Ihren Beschwerden, untersucht Ihre Reflexe, Ihr Gefühl und Ihre Muskelkraft. Oft sind weitere Tests nötig.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchungen: Auf Diabetes, Vitaminmangel, Nieren- und Leberwerte, Schilddrüsenhormone
- Elektroneurografie (ENG) oder Elekromyografie (EMG): Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und der Muskelaktivität
- Nervenbiopsie (Entnahme einer winzigen Nervenprobe, selten nötig)
- Bildgebung wie MRT (Kernspin) bei Verdacht auf eingeengte oder entzündete Nerven
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzarm und ambulant durchführbar. Bei manchen Tests kann ein leichtes Kribbeln oder Ziehen auftreten. Ihr Arzt wird Ihnen jeden Schritt genau erklären.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Steht eine Grunderkrankung wie Diabetes oder Vitaminmangel im Vordergrund, wird diese behandelt. Zusätzlich gibt es Maßnahmen, um die Symptome zu lindern.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßige Fußpflege und Kontrolle auf Verletzungen (wichtig bei Taubheitsgefühl)
- Gute Blutzuckereinstellung bei Diabetes (nach ärztlicher Anleitung)
- Alkohol meiden oder stark reduzieren
- Ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitamin B12 und anderen B-Vitaminen
- Vorsicht bei heißen Gegenständen oder Wasser, da die Temperaturwahrnehmung gestört sein kann
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Therapie umfasst meist Schmerzmittel, die speziell bei Nervenschmerzen wirken, wie bestimmte Antidepressiva, Antiepileptika oder lokale Betäubungsmittel in Pflasterform. Diese werden nur von Ihrem Arzt verschrieben. Auch Physiotherapie, Ergotherapie oder Reizstromverfahren können helfen. Bei autoimmunen Ursachen kommen Kortison oder andere Immuntherapien infrage.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in seltenen Fällen nötig, zum Beispiel wenn ein eingeengter Nerv (wie beim Karpaltunnelsyndrom) die Beschwerden verursacht. Bei den meisten Polyneuropathie-Formen ist eine Operation nicht angezeigt.
Leben mit der Erkrankung
Das Leben mit einer Polyneuropathie erfordert oft Anpassungen. Achten Sie auf Ihre Füße: Kontrollieren Sie sie täglich auf Risse oder Blasen, da Sie Verletzungen nicht immer spüren. Verwenden Sie rutschfeste Schuhe und Hausschuhe, um Stürze zu vermeiden. Denken Sie an ausreichend Wärme bei Kälte, da die Kälteempfindlichkeit gestört sein kann.
Tipps für den Alltag
- Bewegung und Physiotherapie: Sanfte Übungen verbessern Durchblutung und Koordination.
- Stress vermeiden oder bewältigen – zum Beispiel durch Entspannungsübungen, Yoga oder Meditation.
- Ausreichend Schlaf und eine gute Schlafhygiene unterstützen die Nervengesundheit.
- Nikotinstopp: Rauchen verschlechtert die Durchblutung der Nerven.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und magerem Eiweiß unterstützt die Nerven. Bei Vitamin-B12-Mangel kann Ihr Arzt ein Nahrungsergänzungsmittel empfehlen. Regelmäßige Bewegung wie Gehen, Radfahren oder Schwimmen fördert die Mobilität und lindert Schmerzen. Starten Sie langsam und steigern Sie sich nach Absprache mit Ihrem Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Nervenschmerzen und Bewegungseinschränkungen können zu Angst, Niedergeschlagenheit oder Depression führen. Es ist wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, einer psychologischen Beratungsstelle oder einem Psychotherapeuten. Auch der Austausch in Selbsthilfegruppen kann entlastend wirken.
Vorbeugung
Nicht immer, aber Sie können Ihr Risiko senken: Vermeiden Sie übermäßigen Alkoholkonsum, ernähren Sie sich ausgewogen, bewegen Sie sich regelmäßig und lassen Sie Ihren Blutzucker bei Risikofaktoren regelmäßig kontrollieren.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie Diabetes haben, sind regelmäßige Fuß- und Nervenuntersuchungen empfehlenswert. Ihr Arzt wird Sie dazu beraten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Schmerzen und Bewegungseinschränkungen
- Muskelschwund (Atrophie)
- Fußgeschwüre oder -infektionen (besonders bei Taubheitsgefühl)
- Stürze und Knochenbrüche
- Verlust der Selbstständigkeit im Alltag
Langzeitprognose
Die Prognose hängt von der Ursache ab. Gut behandelbare Ursachen wie Vitaminmangel haben oft eine gute Aussicht auf Besserung. Bei anderen Formen stehen die Linderung der Beschwerden und die Vermeidung von Komplikationen im Vordergrund. Mit einer guten medizinischen Betreuung und Lebensstilanpassung ist ein aktives und zufriedenes Leben trotz Polyneuropathie möglich.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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